Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 4.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 28 — hervorragt, vom Geiste de» alte«, totifrn Hillel getragen und befeclt gewesen seien („Wenn ich nicht für mich bin, wer denn für mich" «.), und daß sie in schwerer Eholerazeit, in der sich die Männer einer Lhebra Kadischa mit bewundern«werthem Opfermuche umgeben mußten, den Verein in« Leben gerufen haben. — Am Abend versammelten sich die Mitglieder de« Verein«, wie alljährlich, zum Festeffen. Bon 7 bi» in die Nacht hinein währte da« gemächliche veisam' mensein. E« wurde gar viel getoastet. Die ersten beiden Toaste galten Sr. Majestät dem Kaiser, sodann trug Herr Rabbiner l>r. Friedmann ein von ihm verfaßte« Gedicht vor, welchem eia zweites »von einem älteren Mitglied«" überreichte« Tafellied folgte. Di« letzte der Tischreden bildete ein vom Rabbiner au»gebrachte« Hoch auf die Alliance J»r. Univ., welche« die erfreuliche Folge hatte, daß Biele ihren Beitritt zur Alliance JSr. Univ. erklärten. Ta« war der schöne Schluß eine« für die Lublinitzer Gemeinde ereignißreiche» Tage«. Colberg. Der achte Jahresbericht über die „Verwaltung de« jüdischen KurhoSpital«" pro 1881 liegt vor un«. Vorstand und Curatorium blicken mit innigem Dank gegen Gott und freudiger Genugthuung auf die Ergebnisse desselben zurück; seine segen«reicht Wirksamkeit ist trotz der Ungunst der Zeit hinter dem Borjahre nicht zurückgeblieben, die zufließenden Mittel haben sich fast auf der vorjährigen Höhe erhalten, da« Grundvermögen ist, wenn auch nur um eine geringe Summe, gewachsen, und dir Segnungen der Anstalt haben sogar den Umfang derjenigen de« Vorjahre« noch um «in Wenige« überschritten. Die Einnahmen beliefen sich auf 5047 M 31 Pt., die Au«gaben aus 3979 M. 4l Pf. Die Liste der laufende» Jahresbeiträge weist am Schiusie de« Jahre« 27 > Mitglieder auf mit Beiträgen in der Höhe von 2154 M. 50 Pf., so daß die Zahl der Mitglieder um 10, die der Jakretbeiträge um 1I4M. gewachsen ist. Namhafte einmalige Beiträge sind der Anstalt zugegangen von dem Kurator der Anstalt, Herrn Julius Roth st ein in Berlin, und von Herrn und Frau London. Ritte^utsbesitzer aus Waldau bei Zempelburg. In der Saison 1881 — vom 15. Juni bi« 16. Septbr — hat die Anstalt 46 unbemittelten, kranken Perkonen, und zwar 14 männlichen und 32 weiblichen, darunter 6 Kindern unter 14 Jahren, zum Zweck de» Gebrauch« einer Sool- und Seebadekur an 1437 Verpflegung-tagen (gegen da- Vorjahr >9) Obdach, Verpflegung und ärztlich« Behandlung ganz unentgeltich geboten. Vollständig geheilt wurden 21 entlaflen, die andern als gebessert. Die Kurzeit für jede Person belief sich demnach durchschnittlich auf 41'/, Tage. An Soolbädern wurden in den Badeeinrichtungen der Anstalt 845 verabreicht und 130 derselben ein Zusatz von Schwefel gegeben. An Seebädern wurden in den städtischen Badeanstalten 457 genommen, wozu die städtischen Behörden hochherzig dem Vorstand« der Anstalt Freikarten zur Verfügung gestellt. Nach Ländern und Provinzen neriheilen sich die Kranken wie folgt: Au« Berlin 17, Pommern 11, Posen 8. Hamburg 3, Preußen 2, Schlesien 2, Frankfurt a. M. 2, Brandenburg 1. Am 1. Juli erschienen in der Anstalt die Herren: Ober- Regierung»rath Graf d'Hausionville au« Eö«lin, Geh. Ober- Regierung«- und Ministerialrath Harder au« Berlin. Sandrach v. Natzmer und Bürgermeister Kümmert hierseldst und unterzogen sämmtliche Räume und Einrichtungen de« Kurho«- pital« einer Besichtigung. Am 24. deffelben Monat« fand in üblicher Weise da» jährlich« Stiftung-fest durch Festgotte«- dienst, Predigt und Todtenfeier statt. Der Bericht schließt mtt folgenden Worten: „Wir hoffen zuversichtlich, daß die hirherigen Gönner und Freund« unserer Anstalt nicht bloß ihr bisherige» menschenfreundliche« Wohlwollen bewahren, sondern ihr auch di« freundliche Theilnahme neuer Freunde zu gewinnen bestrebt fein werden. Da» jüd. KurhoSpital in Colberg ist eine Wohlthä« tigkeitSanftalt im eminentesten Sinne de« Worte«, indem e« seine Wohlthaten lediglich armen Kranken, und zwar unentgeltlich spendet. S« ist ferner eine Heilanstalt nicht für Heimische, sondern autschließlich für Fremd«. Sämmtliche jüd. Gemeinden, alle unser« Glaubensgenossen im deutschen Vaterland« in Rah und Fern haben daher da« lebhafteste Interesse an der dauernden Erhaltung und fortschreitend gedeihlichen Entwickelung unserer Kur- und Krankenverpflegung-anstalt. So lange dieselbe aber keine Kapitalien besitzt und keine anderen Einnahmequellen hat. ai« die ihr zufließenden milden Gaben und festen Jahresbeiträge, so lange ist und bleibt die frei« Mildthätigkeit edler Menschenfreund« für sie eine Lebensfrage, — da« einzige Kapital, von dem sie zehrt und lebt. Mit Gottes Hilfe wird der warme Quell edelherziger Mildthätigkeit, der der Anstalt bisher so reichlich zugeströmt, auch in Zukunft nicht versiegen. Aber er muß in noch mächtigerem Strome fließen, wenn wir unsere Absicht, den Wirkungskreis der Anstalt zu erweitern und sie namentlich zur Heilstätte für skrophulöfe Kinder und zur Ferienkolonie auSzudehnen, verwirklichen sollen. Darum ergeht unser dringender Ausruf aus« Neue, unserer Anstalt Herz und Hand mild zu öffnen. Jeder der Unterzeichneten ist bereit, einmalige Spenden wie Jahresbeiträge entgegenzunehmen und an die Anstaltskasse abzuführen. jDtr Varflaat: H. prrntzar»!. Borfitztndtr. öannäisiath Dr. tzirschfel», "dir. «r>> Xaddintr Or. 6-l»sch«i»t, 64r.ftfa.irtr. M frittUaktr, Sontrolrur. <F. Pichtrr, Paflrnfüt)rtr. 0«» (taraUrtam: SonuälSrath Or. $fo."itl)al fB-rlm, HtUiqeqtiftgasit 111. löorfiptaotr. T«ai* V»«»erßtr iftön.gaftr. 66;57), Sd)ti<tfüt)tcr. £tu>r) Mr»»t (Ourgfir.S),Pafl.mutier,. Uomin.rzitnrattz -a« Ar-a (.Stobt Antorichftraßt 133a). M-r Stnjtmin (9lof)rtnftra»t 52'. d*kar 6»tdfch«i»t (6paneautrftra».' iö) Moritz Htilmaan i Oranirnburarrftrafit 33>. t*ui* Imtztrg (fef3nia(|ra«ttfttaf)t 109i. ger«aaa Vaatzotzrrgtr (dpanoaucrftraftc 7ii. 6. jCoaKabtrg (OramtnDucu<tftro»t 57). IaUu» N-Itzsttia jLonoobtrgtrsttabt Ul.) ®mll lir.tri (wohr.nstrubt <V»). tz. Letzmoua (6ttttin). I Nach,» (Ltipjig). » M Naltzaa (Poftn)^ Zioien, 13. Januar. (Or.-Corr.) Vor einigen Tagen starb in K önigSd erg ein durch Bürgertugend hervorragender Mann, der Ltadtrath und SanitätSrath Or. Samuelsohn. dessen Leichenfeier sich zu einer imposanten Kundgedung der KönizSberger Bürgerschaft gestaltete. Die Verdienste diese« Manne« um die Stadt, um die Kranken-, Beerdigungs¬ und Unterstützung-Vereine zu feiern, dürste wohl an anderer Stelle Gelegenheir sein. Wir haben nur von einem schlichten Nachrufe Kennrniß genommen, der von dem Herzen diese» Mann-» — man gestatt« un« zu sage»: dem jüdischen Herzen — ein rühmende« Zeugniß ablegt. Der „Nachruf" lautet wie folgt: „Am 7. diese« Monat«, Morgen« 1'/, Uhr, verschied plötzlich der Herr Sa»ität«rath llr. Samuelso hn. Derselbe war, wenn auch nicht Arzt unserer Kranken Unterstützung«kasse, doch jeder Zeit gern bereit, de» meisten unserer Kranken mit wahrhaft väterlicher Liebe, ohne Honorar. durch Rath und Thal zur Seile zu stehen, wir verlieren Alle in dem Verstorbenen eine große Stütze; sein Andenken wird in un» fortleben. Die Arbeiter der Loui« Äroßkops'schen Cigarren> und TadakSfabrik" Un« scheint et nicht unangemessen, zu erklären und namentlich unfern Glaubensgenossen zu erklären, daß hierin, im Wohlthun, dem praktischen Bekenntniß der Religion, der Kernpunkt aller unserer Hoffnungen liegt. Nicht von Andern, nur von un« selbst wollen wir Hülfe erwarten. Hülfe durch edle Thal und warme prunklose Herzlichkeit. Da« hilft mehr al« Agitation und Interpellation. P. Oesterreich. Wie«, den 18. Januar. (Or.-Eorr.) Wie sich die gesch. Leser noch erinnern werden, brachten wir vor einigen Wochen an dieser Stelle einen Aufruf zu Gunsten einer durch den Ringtheaterbrand besonder« hau mitgenommenen jüdischen Familie. Sech» Wochen — ein für unsere raschlebige Zeit höchst bedeutender Zeitraum — sind nunmehr seit dem unglückseligen Sbenre de« 8. December« verflossen; und der zornige Schmerz