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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 4. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 4.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 27 — wer! noch immer einen goldenen Boden hat und oftmals lucrativer fei, als irgend ein Handelsgeschäft. Zu diesem Zwecke ist auch die Gesellschaft mit den meisten jüdischen Gemeinden de» preußischen Staates in Verbindung getreten. Bezüglich de» Ackerbaues hat die Gesellschaft uur geringe Erfolge aufzuweisen. Es erklärt sich dies einmal au» dem Umstande, daß die Juden, als zum größten Theil Städtebewohner, naturgemäß sich nur selten dem Ackerbau widmen, anderentheilL sind aber dieje nigen jüdischen Knaben, die mit der Aussicht aus dereinstige Selbständigmachung die Landwirthschast lernen, materiell so geft ellt, daß sie der Hilfe der Gesellschaft nicht bedürfen. Die Bilanz der Einnahmen und Ausgaben vom I. April 1875 bi» 31. Dezember 1881. beziffert sich auf 40,911 Mk. 27 Pf,, das Per mögen der Gesellschaft beträgt 77,575 Mk. — Es wurden hieraus einige Statuten Aenderungen oorgenommen. Zum Schluß wurden Kaufmann S I, Semon, Kaufmann Leopold Lesier, Pros. l>r. Breßlau, Malermeister Bodenstein. Maurermeister Adler, Hos Kunstschlosscrmeister Arnheim j>m., Commerzienrath Friedlaender, Maurermeister Frankel und Rentier H. AronS wieder-, resp. neu in den Vorstand gewählt. Sohrau, O./E. (Or.-Corr.) Am I. Januar verließ untere Stadt nach zweijähriger Wirksamkeit der praktische Arzt k)r. weil. Samuel Karfunkel. *) Von der Beliebtheit, der er sich hier in allen Schichten der Bevölkerung zu erfreuen gehabt, geben die Ovationen Kund-, welche ihm der seinem Scheiden nicht erspart geblieben. Vom hiesigen, sonst etwa» aillisemitisch angeh ruchlen Landadel ging die Anregung au», dem bewährt.'», scheidenden Arzte ein Ehrengeschenk zu überreiche». Dieser Gedanke fand in der Stadt, der eigentlichen Stätte seiner ärztlichen Wirksamkeit» lebhasteste Anerkennung. So wurde es dem Baron Durand Baranowiy ein Leichte», einen äußerst geschmackvoll gearbeiteten, höchst wertho-llen Silberkisten ihm unter Worten der Anerkennung und de» Danke» zu überreichen Die städtischen Evllegien beschlossen, ihm da» Ehrenbürger recht der Stadt Sohrau zu verleihen. Diese Kundgebung einer sonst al» erz-ultramontan verschrieenen Stadl verdient in ,eutiger Zeit olle Beachtung. Am Abende desielbe» Tage», unmittelbar nach dem Ausgang des Fasttages, beging der israelitische Krankenpflege- und LeichenbestattiingSverein die Feier sein.'» Stiftungsfeste» unter reger Betheiligung der Bercin»genossen. Frohsinn und Heitcrkeit hielt die Vercinsbrüder bei dieser msts myo viele Stunden zusammen. Am 5. Januar verschied nach langen und schweren Leiden im 7-t. Lebensjahre öerr Moritz Adler. Aechte, ungeheuchelte, unverfälscht jüdische Frömmigkeit, ivahre Bescheidenheit und Deniuth, Biedersinn und Rechtschaffenheit zrich ielen ihn aus. Bi» zu seiner acut austrelenden, die Auslösung herbeisührenden Erkrankung war er viele Jahre hindurch mit seltenem Eifer und mit selbstlosester Gewissenhaftigkeit in der Eigenschaft eine» Rathmannes zum Wohle der Stadt thätig. Bor drei Jahren ernannte ihn letztere au» Anlaß seines 50jährigen Eh jubiläum» in Anerkennung seiner hohen Verdienste um dieselbe zu ihrem Ehrenbürger. Ei» unabsehbare« Leichengesolge. der Magistrat in porp-iro, die Stadtverordneten, die Ai beiter der Pau.Shütte, viele au» der Rähe und Ferne herbeigeeilte Freunde ohne Unterschied der Eonsesiio» erwiesen ihm die letzte Ehre. Am offenen Grabe würdigte unser Rabbiner Herr l)r Deutsch seine trefflichen Eigenschaften und Vorzüge in längerer Rede. Aus Ldetschlesien. (Or.-Corr. 1 Kattowitz besitzt seit mehreren Jahren eine Simultanschule, an welcher bisher auch drei jüdische Lehrer wirkten. Ein jüdischer Lehrer scheidet jetzt aus. Der Magistrat beabsichtigte nun zur Ausfüllung dieser Lücke nichtjüdischc Lehrer anzustellen. Sein Antrag scheiterte an dem Widerstande aller jüdischen Stadtverordneten, welche es dringend für geboten erachten, im Jntereffe des jüdischen Religionsunterricht» einen dritten jüdischen Lehrer anzustellen. Ob sie ihre Absicht erreichen werden, ist un« •) Sinti «ruderi der jüngst »erstorbenen Gattin dei K«d d. Bl. nicht bekannt. Es ist die» ein neuer Beweis, wie gefährlich da» Experiment der Simultanschule» in Oberschlesien ist und wie Recht der Rabbiner vr. Hirschfeld in Gleiwitz s. Z. hatte, al» er seine warnende Stimme dagegen erhob. In Beuthen hat der israelitische Frauenverein im vergangenen Jahre eine Einnahme von 1673 M. und eine Ausgabe von 1599 M. gehabt. Außerordentliche Unterstützungen haben die Gesammthöhe von 1398 M, erreicht. Vom israelitischen Jungsraumverein sind im Lause de» verflossenen Jahres 27 Mädchen mit Winterkleidern bedacht worden. Die Ziehung der von der Behörde genehmigten Lotterie dieses Vereins wird nächstens stattsinden. In Lublinitz ist jüngst das von den Brüdern Selten der Stadl al» Geschenk überwiesene Krankenhaus seiner Bestimmung übergeben worden. Der sehr stattliche Bau hat die Summe von etwa 90,000 M. absorbirt Aufnahme finden nach der StistungSurkunde Patienten ohne Unterschied der Confessio». Lubliuiy, 13. Januar. t Or.-Corr.) Es sind 2 Jahre vergangen, seitdem, wie Sie wissen, die hiesige Gemeindeverwaltung und Chebra Kadischa sich zusam mengethan haben, um aus dem Begräbnihplatze eine Leichenhalle zu errichten. Dieser Bau wurde, der nur durch die größte Opferwilligkeit an Zeit und Geld sowohl von Seiten der beiden Vorständ,!. als auch eines großen Theiles der Gemeindemitglieder und Anderer, die nicht direkt zur Gemeinde gehören, ermöglicht wurde, hat vor Kurzem seine Vollendung erreicht. Es ist die» ein Bau geworden, wie man ihn einer kleinen Gemeinde selten antrifft: so einfach schon, so imposant! Gestern, am Tage de« 50jährigen Jubiläums der Chebra Kadischa, wurde die Halle «ingeweiht ES war eine wirklich erhebende, tiesergreiiende Feierlichkeit. Vormittags lo Uhr waren Männer, Frauen uud Kinder in großer Zahl vor der Halle versammelt, als die Uebergalv der Schlüssel stattfand. Bei diesem Akte sühlten da» Wort der Baumeister, beson der» aber um der um die Aussühruin des Werkes sehr verdiente Vorsteher Herr I. Orzegow und der Vorsitzende des Chebra Kadischa-Vorstandes, Herr Eckstein, welch letzterer »nt den Worte» des Pfalmisten 118, 19—20 die Pforten zur geräumigen, hohe», festlich erleuchteten Halle erschloß. Hieraus wurde in der Halle selbst Psalm 0 vom Vorbeter der Gemeinde allein vorgetragen. sowie die Pf. 30, 39, 88 responsenwefle von ihm und der Versammlung reciliri. Nachdem sod.inu von Knabe» und Mädchen unter der Leitung de» Herrn Lehrer Löwy da» Gebet »Ewiger, was ist der Mensch :c." schön gesungen wurde, bestieg der Rabbiner Herr J>r. Friedmann die schwarz decorirte Kanzel und hielt die ILeihepredigt. in welcher er auSsührte. daß die unter so viele» Mühen und Opfern für Todte errichtete Halle alle Zeit ei» die Gemeinde ehrendes Denkmal sein werde, aber auch eine Stätte der Mahnung an die Vergänglichkeit de« Menschen und daran, daß die an der Bahre eines Da- Hingeschiedenen Trauernden sich des sie ehre nden Bew ußtfeinS erfreuen, alle Pflichten gegen ihn im Leben erfüllt zu haben, denn „das Leben ist der Güter höchste» nicht, der Hebel größte» aber ist die Schuld." Der Rede folgte die Recitirung der Pf. 91, 113, 11«» und ein in geordnetem Zuge um den Begräbnisiplatz sorgeuommenrr Umgang, wobei der Canror das übliche Gebet vortrug. Den Schluß dieser auf alle Anwesenden lief einwirk e n d e n F e l e r bildete da» Absingen einzelner Gebetstücke. Die eigentlich.' Jubiläumsfeier der Beerdigung« brüderschait fand gegen Abend in der Synagoge statt. Während schon beim FrvhgotteSdienste au» dieser Veranlassung die Zahl der Selichotb, die alljährlich an diesem StiflungStage gebetet werden, vermehrt wurden, ließen beim AbendgotteSdienste vor Allem die rrcitirten Psalmen 90, 118 die seltene Feier erkennen. Die Festrede des Rabbiners ging auf die Zeit der Begründung näher ein und führte aus, daß die Stifter, unter denen der Name Hillel Caro besonder»

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