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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 4. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 4.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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rentiSmus aufrüttelten, die einen mit feurigem Mahnruf, die andere mit schlichter Darlegung der Nothlage. Die praktische Nutzanwendung wäre leicht: .Schließt Euch der „Gesellschaft zur Verbreitung einer «ürdigrn Erkenntnis de« Juden thumS", schließt Euch dem Gemeindebunde an.* Die Masse Material, welche der Gemeindebund in mühsamen Enqueten gesammelt hat, der Samen, welchen er durch langjährige Unterstütz ang de« Religionslehrfach» ausstreüt — Alles das kann durch Vereine erst sruch'dringend verwerthet werden. Für eine solche persönliche Tdätigkeit bedarf es keiner staatlichen Aufmunterung. Die obengen. Gesellschaft lebt und webt in Selbstverwaltung. Ihre größeren Vereine haben Tausende von. Mitgliedern, der kleinste Verein zahlt deren 17. Ein wöchentliche- Organ „Der Bildungsverein * regt immer von 'Neuem an. Di« Publikationen des Gemeindebunde» werden lange nicht genug gelesen. Wer. der unserer Zeiten Schmach mit ourchlebt, stimmte nicht dem Rabbiner z», dr: am Sabdath Nachmittag seiner Gemeinde Kenntniß über unser „Centrum* gäbe, übet jene Einigung von 150 jüdische» Gemeinden. Die Publikationen müßten ctrfuliren in den Gemeinden. Wie viele jüdische Studenten, welche für so vieles herangezogen werde», kennen einen Bund nicht, der in ausrichtiger nationaler Tendenz die deutschen Juden in Nord und Süd zu Zwecken wahrer Humanität vereinigt? ES war rin Zufall, der den Schreiber dieser Zeilen da» „Lesiing-MenoelSsohn- Gedenkbuch* als erste und für ihn einzige Publikation de« GemeindebuiideS in die Hand gab. Niemand hat bei uns rin Interesse an Stagnation. Wie ander« dort, wohin wir schon öfters gewiesen habe». Im Iabre 1577 haben Eommerzienrath lir.W. Abegg und Geh. San.-Rath l>r. tz. Abegz «tue Stiftung gegründet, durch deren Vermittlung twoo Bücher und Broschüren l>m Ladenpreise von 4000 M.» an ärmere Bildungsvereine verabfolgt werden konnten. Lange Jahre ha. jener Verein nur im Rahmen seines eigenen Verbandes gearbeitet. Erst durch allerhöchsten Erlaß vom 8. April 1570 wurden jener Gesellschaft die Rechte einer juristischen Person verliehen. Auch wir wollen in Ruhe zu Hause arbeiten für praktischer Iudenthum. Administrative sociale Zwecke stehen jetzt in zweiter Reihe, ür diele ist nach dem Urtheil befreundeter „Gegner* di« religiöse Tendenz etwa« viel zu Innerliches und Persönliches. Wer aber kann uns einen Verband zur Hebung des religiösen ÄenieinsinnS wehren? Eine Vereinigung von 150 israelitischen Gemeinden mit Ausschluß aller religiösen P a r t e i f r a g e n für die gemein amen Interessen des Juden« thums zu erw ärm«n und zu begeistern, ist keine kleine Ausgabe. Da sei unser Herz und Hirn, unser organischer Mittelpunkt, unser neutraler Boden — daS prakt ische Jude n t h u m! Die Flamme sichtbarer Gemeinschaft werde durch die Schrift und das lebendige Wort angezündet und er wird Heller und leuchtender in uns und um uns sein, als heute. Wir alle wissen jetzt, wie es um uns steht. Vi,tv»»t eoinules! Berichte und Correspoudenzeu. Deutschland. Berlin. Der Antisemitismus hat, wie bekannt, selbst bi« >n die Keife der Freimaurer hinein seine Wirkungen geäußert. Die hiesige Loge Royal Pork nimmt seit 1873 mit der Ge. nebmigung de» Kaiser« auch Nichtchristen auf. So erhielt erst kürzlich ein persischer Prinz in dieser. Loge die maurerischen Weiden. Auch einig« 30 I-raeliten von allgemein geachteter Stellung, wie z. B Rechtsanwalt Lewin, sind seit 1873 in die Loge ausgenommen worden- In neuerer Zeit jedoch bildete sich unter den Mitgliedern eine antisemüiiche Fraktion, welche bei Kugelungen über jüdische Kandidaten geschlosien antrat und dieselben regelmäßig zu Falle brachte. In ihrem Eifer begegnete e« hierbei allerdings der Koalition, daß. sie einmal au« V.rsehen einen Ehrinen mit dem ominösen Namen Meyer niederstimmte, während sie für einen Juden mit dem unverdächtigen Namen Richter weiße Kugeln abgab. Diesem Zustande ein Ende zu machen, unternahm nnn kürzlich der Prediger der hiesigen jüdischen Resormgemeinde. Herr Oppenheinier, der s. Z. in Hof in Bayern Maurer geworden war. Er meldete sich in Royal Sjork zur Ausnahme, und nachdem natürlich ein gehöriges Gegenaufgebol gegen die Antisemiten erfolgt war, siegte er bei der Kugelung, wenn auch nur mit zwei w-ißen Kugeln. Die Gesetze der Loge, welche nur alle neun Jahre bei Gelegenheit der Neuwahl de« Großmeisters revidirt werden dürien sind 1881 aufs Neue unverändert bestätigt worden, so daß sie bi» 18!>» Geltung haben. Und bis dahin wird der Antisemitismus wohl nur noch eine historische Erinnerung sei». Dani't aber auch der Humsr bei der Sache nicht fehle, traf es sich merkwürdiger Weise, daß dieWUil der Rabbiner» in den Räumen der orthodoxen großen Landrsloge statliand, bei welcher Royal Zjork während des Neubaues ihrer Loge zu Gaste ist. Die Unduldsamkeit der großen LandeSloge hat bekanntlich vor Jahre» zu so unliebsamen Erörterungen geführt, daß der Kronprinz, welcher s. Z. von alle» drei Berliner Logen gleichzeitig ausgenommen wurde, sich von der großen Lnidesloge seitdem vallständW fern hielt. Uebrigens sind von Leipzig au» große maurerische Resormbesirebungen im Gange, welche in Berliner Maurrrkreisen ein lebhafte» Echo sinde». Berlin, u>. Januar. Tie im Jahre 1*13 gegründete „Gesellschaft zur Verbreitung der Haudiverk« und de» Ackerbaues nnter den Juden im pr.ußischen Staate" hielt gestern Mittag im Saale der „Gesellschaft der Freunde" unter sehr zahlreicher Betheiligung ihre Generalveriaumlung ab. Man bemerkte in der Versammlung den Abg. Ludwig Löwe, den srüheren Abg. Ur. Mendel, Stadtrath Wolsi u. A. Der Vorsitzende, Kaufmann S. I. Seino», eröffnet« die Versammlung. indem er des Ablebens der langjährigen Vereinsmitglieder de« Eommerzien R,lh Adolph Meyer und des Hofkunstschlosser-Meister Arnheim gedachte. Letzterer habe nicht nur eine lange Reihe von Iahr-n dem Vorstande angehört, sondern sei auch Zögling des Vereins gewesen, indein er unter seiner Hilfe und Aufsicht das Schlosierhandiverk erlernt habe. In der Zeit vom I. April iv75 bis 31. December 1881 hat der Verein 110 Zöglinge unterhalten, welche bei hiesigen Meistern ein Handwerk erlernte». 18 von diese» Zöglingen haben die Lehrzeit nicht beendigt, .'»2 sind Gesellen geworden und 40 sind noch Pfleglinge des Verein». Außerdem gewähr: die Ges«llschaft augenblicklich 7 Akademiker», welche theilS aus der Baugeiverk-Akademie, theil» aut der technische» Hochschule die Vorlesungen hören, die zur Förderung dieser Studien nöthigen Mittel. Wenn die numerischen Erfolge der Gesellschaft nicht sehr bedeutende sind, so liegt da« hauptsächlich in den schwierigen Verhältniffen aller Art, dir sich ken Knaben jüdischer Eonfeffion bei Erlernung eine« .Handwerks noch immer -ntgegenstellen. Trotzdem kann die Gesellschaft mit Genugthuung aus ihre nunmehr bald 70jährige Thätigkeit zurückblicken denn zu ihren ehemaligen Zöglingen zählt eine große Anzahl sehr bedeutender Handwerksmeister Berlin«. In neuerer Zeit hat sich auch die Zahl der Gesellschait«mitglieder in sehr erheblicher Weise vermehrt. Die Gesellschaft ist bemüht, mit Hilfe der Schulen, Waisenhäuser ic. in den jüdische» Knaben die Liebe zum Handwerk zu wccken und düsen die Ueberzeugung beizubringen, daß Hand-

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