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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 2. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 2.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 1J — die Rahel oei der Geburt Josef'« ausgerufen hatte (I. B.Mos. Cap. 30. V. 23 und 24)*), log Jelliaek zu Anfang seiner Red« mit der ihm eigenen Meisterschaft in der Auffindung von Aehntichkeiten zwischen modernen Persönlichkeiten und Persönlichkeiten der Bibel, eine vortreffliche Parallele zwischen .dem Lieblingssohne de» Patriarchen Jacob" und dem erhabenen Fürsten auf dem österreichischen Herrscherthrone: Wie der Josef der Bibel, obwohl sein Seist, wie die eigene Deutung seiner Träume von den Garben, von der Sonn«, dem Monde und den 1 l Sternen beweist, den Idealen der Nacht und der Selbstherrlichkeit nachstrebte, dennoch ein edle» und fühleitdes Herz im Busen trug, das nicht mit ruhig ansehrn konnte, daß die niedriger geborenen Söhne seines Paters von den durch ihre Geburt sich höher dünkenden gering geschätzt und unterdrückt werden sollten, und er darum auch die bösen Reden und Anschläge Dieser gegen Jene, um sie möglicherweise noch zu verhüten, dem Pater Jacob stet» hinterbracht hatte, ebenso konnte das grobe und edle Herz Kaiser Joseph'« II. e» nicht ertragen, daß seine jüdischen Unterthanen gleich den Parias behandelt wurden. Und unbekümmert uni da« Murren seiner Großen, unbekümmert uni da« Murren seiner Völker, die es nicht begreifen konnten oder doch nicht begreifen wollten, daß der Jude fortan auch zu den Menschen gezählt werden sollte, folgte Kaiser Joseph II. nur den Regungen seines edlen Herzens und erließ am 2. Januar 1782 da» berühmte Toleranzpatent, wodurch er die Schmach von dem jüdischen Bolle in Oesterreich genommen hatte, mit der dasselbe durch viele Jahrhunderte bedeckt ward. Der Jude durfte nun nach langer Zeit wieder frei aufathmen, er durfte sich wieder stolz als das zur Freiheit geborene Ebenbild Gotte» fühlen, er durste endlich die drückenden Feffeln von sich werfen, in die ihn bis dahin seine grausamen Beherrscher mit barbarischer Hand geschloffen hatten. Aber trotzdem bedeutet Kaiser Joseph I I.. der durch seine Humanität, seine Gerechtigkeit und durch seine Liebe zum Volke, diese edelsten und herrlichsten Herrschertugenden sämmt liche gleichzeitige Fürsten Europa'», ja die meisten Fürsten der Weltgeschichte überhaupt, wie ein Riese überragt, immerhin nur die Morgcnröthe an dem Himmel de» österreichischen Judenthums. Tenn Kaiser Joseph II. hatte allerdings mit mächtiger Hand die dunkeln Wolken auseinander getrieben, die in der langen, finsteren 'Nacht der grausamen Intoleranz, über die Häupter seiner jüdischen Unterthanen sich zusammengezogen hatten.. Aber das helle volle Tageslicht der Freiheit drang in die Wohnungen der österreichischen Juden erst durch die Gnade und Gerechtigkeit unseres jetzllebenden Monarchen Kaiser Franz Joseph I. ein. Und der Wunsch Rahels (-m 12 '? 'n *)Dr) ging so sür das jüdische Volk in Ocsterreich in der glänzendsten Weise in Erfüllung: Nach Kaiser Joseph II. erstand den österreichischen Juden als mächtiger Retter und Beschützer Kaiser Franz Joseph l. Daß der Redner nun darin auch nianche Seitenblicke auf die Gegenwart warf, darf bei ihm, der den Stoff sür seine Reden und Schriften fast ausschließlich aus dem frischen Quell des Lebens holt, nicht Wunder nehmen. So gedachte er denn mit Wehmuth der jüngsten, barbarischen Vorgänge in Warschau, durch die au 6000 ,üdische Familien dem vollständigen, finanziellen Ruine zugeführt wurden. Unsere unglücklichen Glaubensgenoffen in Rußlano, meinte Jellin«', würden sich glücklich preisen, wenn sie heute sich de» Schutzes von Seiten ihrer Regierung erfreuen würden, der den österreichischen Juden vor einem Jahrhundert zu Thefi wurde. — Jellinek gedachte ferner auch rührend de« Zeitgenoffen Joses II., Mose« Mendelssohn'«, deffen Tode»lag am 4. Januar in ganz Israel pietätvoll begangen werden sollte. Während der große Kaiser Josef in der Hofburg zu Wien seinen Gedanken aachging, die zur Befreiung de« jüd. Volw io» n* mpm (8. ») Tinn pk >.i ipit ioktii •) 1.8. 24) IHK 13 'b *)DV 10l6 ke« in Oesterreich au» der Knechtschaft führen sollten, in der dasselbe sich bis jetzt befunden hatte, arbeitete Mos. Mendelssohn in seiner Stuiffrstube zu Berlin an der deutschen Uebersetzung des Pentachteuchs, durch dre er seine Glaubensgenoffen in Oesterreich und Deutschland die reine, deutsche Sprache lehren und das häßliche Kauderwelsch vergessen machen wollte, das eine so mächtige Scheidewand für den Verkehr der Juden mit ihren nichtjüdischen Mitbürgern gebildet hatte und in einigen Gegenden Oesterreichs und Polen« nvch bildet Und jene Uebersetzung. meint Jellinek. sei noch in unfern Tagen von liervorragender Bedeutung. Denn die Juden Deutschlands und Oesterreich« verständen zwar jetzt zu meist die deutsch« Spracht, hätten aber die hebräische Sprache, ihre geistige Muttersprache, die Sprache ihrer helligen Literatur, beinahe völlig vergessen, verständen varum nicht mehr den hebr Text des Pentateuchs und müssen nun nothgedrungeu zur deutschen Uebersetzung greifen. Denn srellich, meint Jellinek mit bitterer Ironie, unsere um die künftige Carriere ihrer Kinder allzusehr besorgten jüdischen Väter glauben, die zwei Lehrstunden, welche wöchentlich für das Studium der hebräischen Sprache angcsetzt sind, könnten auch noch sür anderweitige Studien vortheilhaster rerwendet werden. Rutzlanv. Wsrschau » Januar. In allen Kreisen der hiesigen polnischen Bevölkerung — schreibt man der „Maadeb. Zeitung" — ist man ausgebracht über die schamlose Judendetze, welche gelegentlich de» Unglücks in der Kreuzkirche hier losgebrochcn. Wie c« gekommen istj, daß Warschau in so unerwarteter Weise zur Stätte ruchlosen Elendes geworden wird so lauge ein unaufgeklärtes Räthsel bleibe», bis die eingeleitete Untersuchung das erwünschte Licht über diese Angelegenheit verbreitet. ES ist bekannt, daß von Seite der in Warschau spärlich vorhandenen nihilistischen Elemente wiederhilte Versuche gemacht wurden, eme Judenverfolgung zu insceniren. Dieie Versuche scheiterten jedesmal. Am Vorabende der lctzten Weihnacht-^Feiertage schwirrten bereits Gerüchte durch die Luft, der Pöbel wolle sern Müthchen an den Juden kühlen. Ter nächste Morgen brachte die furchtbare Katastrophe n der Kreuzkirche. Niemand wagte es zu entscheiden, ob diese Katastrophe muthwillig hervorgerufen oder nur ausgedeutel wurde. Daß aber jedenfalls eine Judenhetze in Absicht ivar, beweist die verbürgte Thatsache, daß zu gleicher Zeit die Ercesse in solchen Stadttheilen ausbrachen, wo man unmöglich berert» von dem Unglücke in der Kirche Kenntniß besitzen konnte. Der Ruf „jüdische Taschendiebe" hatte den falschen Feuerlärm in der Kirche verursacht, ivaro absichtlich verbreitet und diente als Vorwand und LosungSioort zu den Raubzügen. Dafür, daß man es nicht mit einem momentanen ZornesauSbruche des Volkes zu thun hatte, spricht unwiderleglich der Umstand, daß die plündernden Massen sich vermittelst eines «igenthümlichen, bei den Judenhetzen r.r Rußland üblichen schrillen Pfeifen» ralliirten und verständigten. Eben so ist es Thatsache. daß die Rädelsführer sich theil« der polnischen thefis der russischen, ja sogar der d e u t s ch e n Sprach« bedienten.* I An den Exceffen detbeiligten sich dreierlei Elemente. Vor Allem die unbekannten Führer, die mehr auf Vernichtung, als auf Raub ausgingen, welch' letzteren lediglich die in die Agitation verflochtenen zahlreichen Dieb« und sonstige Verbrecher bezweckten. Ihnen schlossen sich einige Hundert halb ausgewachsene Burschen an, die aus ihrer Feindschaft gegen di« Juden nie ein Hehl machen. In Warschau wie in ganz Polen hat sich nämlich in den gegenseitigen Beziehungen zwischen Juden und Christen ein gewisser Dualismus herau«- gebildet. Die gesammte Intelligenz hält solidarisch zu einander ohne Unterschied der Confeffion, dagegen ist der Racen- •) Die „Ztiblm«" weist auf die Bunoes-enassenschaft der Berliner SitifcmiUn mit den <ilesianung«aenoff,n in Larschau hin. 3» einer oor.Shrijen BecsamaUung der üheisUich Sozialen erschien «in vast aus Larschau und Überdrachte lileühe kn dortigen «Mi-Semiten. Stöcker dankt» dem »aste und fordert« »egen Perm, auf, in ihren Bestrebungen fortzufahrrn.

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