Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Ew. Mohlgebore» haben mit Schreiben vom 6. d. M. Ihrer Teilnahme an der Erkrankung Sr. Künigl. Hoheit de« Grohherzog«, sowie der Freude über Höchstdeffen Genesung Ausdruck gegeben. Der Großherzog hat dies« Kundgebung wohlwollender Gesinnung freundlich entgegen genommen und läht Ew. Wohlgeboren den verbindlichsten Dank dafür au«« sprechen. Genehmigen Sie, sehr geehrler Herr, die Bersicherung meiner vorzüglichen Hochachtung. Karlsruhe, de» 12. December 1881. Freiherr v. Sternberg. Sr. Wohlbgeb. dem Herrn Samuel Löwy. in Firma Dalchow u. Löwy, Königliche Hoilieferanren in Eharlottenburg. Fra»ks»tt a. M . I.Jan. (Or.-Corr.) Man verzeiht hier dem Künstler LiSzt nicht, war der Antisemit gegen die Juden verorochen hat. Der Künstler soll eben harmonisch gebildet sein: wie disharmonisch aber lauten die judenseindlichen AuLlastungen LiSjt'sk! In dem hies. Nühl'schen Gesangverein. besten Direktor ein Schüler L.'S ist, war geplant, L.'s .heilige Elisabeth" zum Vorträge zu bringen. Zur Auf' iührnng wurde L. erwartet, wie er auch der früher» Ausführung seine» .Christus" beigewohnt hatte. Aber sämmtliche jüd. Mitglieder erklärten, an einer solchen Huldigung ij.’« sich nicht betheiligen zu können und lieber austreten zu wollen. Ja Rücksicht hieraus stand man von dem Plane bereitwillig ad; die L.'sche Composition kommt nicht zur Aufführung und L. wird nicht erwartet. Wagner kann nun wieder von dem .Jubenthum in d r Musik" reden, unv die Juoenieinde haben einen neuen Stoff zu dem Th-ma von der allgemeinen Herrschaft der Jude», de: materiellen, wissenschaftlichen, politischen, journalistischen und nun auch künstlerischen, und wer weiß, welch' andrer noch. Die Berliner jüd. Wagner-Huldiger könnten von den Frankfurter Li«ztFreunden etwas Eharac» ter lernen. lt. Trier, 28. Der. (Or.-Corr.) .Heute am Todestage des seligen »r I. Holländer fand aus dem Friedhof der hiesigen irrael. Gemeinde eine erhebende Feier statt. Um das Andenken ihre» leider so früh verschiedenen Lehrer« und Führers zu ehren, hat die Gemeinde aus Anregung der Gemeindevertretung au« freiwilligen Beiträgen dem Verstorbenen ein herrliches Denkmal auf fein Grab gesetzt. besten Einweihung heute durch eine befand» re Feier stattgesunden. Um 10 Uhr Vormittags versammelten sich die Herren Vertreter der Gemeinde, die Vorsteher und Repräsentanten, die Mitglieder der Gemeinde, die Frauen und die Schuljugend mit ihren Lehrer» auf dein Friedhof, um Zeuge diese« religiösen Acte« pietätvoller Verehrung zu icm. Unser allverehrte: Herr Lberradoiner Ile. Zuckermandel hielt eine ergreifende, höchst sinnige und de» Verhältnisten entsprechende Rede, in welcher er die Verdienste seine« Vorgänger« aus dem Gebiete radbinlscher Wirksamkeit, und ersten gute und vortreffliche Eigenschaften bervorhob. Namentlich brlont der Redner, daß alle von dein sei. I)»-. Holländer geschaffene» Institutionen in seinem Geiste von dem Nachfolger und der Gemeindevertretung fortgeführt werden. Zum Schluffe sagte Herr I>r. Zuckermandel den Vertretern der Gemeinde und den Mitgliedern derselben seinen Dank für die Errichtung de« Denkmal«, da« hinlänglich beweise, von welchem Geiste die Gemeinde beseelt sei und wie sie es verstehe, da« Andenken ihre« Lehrer« und die Würdigung seiner Verdienste zu ehre». Bielefeld, 2 Januar, l Or.-Eorr.) Der Vorstand der .Unterftützungskaste de« Vereint i«r. Elementarlehrer für Westfalen und die Rheinprovinz" hielt gestern eine Sitzung ab zu dem Zwecke, die Jahretrechnung pro 1881 adzuschließen und zu dechargieren, sowie die Unterstützungen pro 1882 scstzustellen. Die Etngänge de, Jahre« 1881 weisen die Summe von Mk. 5534,18 nach, welche sich au« den ordentlichen Beiträgen des der Mitglieder lM. 564.) den sreiwilligen Beitrügen von Gemeinden, Ehewroth und Privatpersonen (M. 2960,37) und den Zinsen (M. 1919,81) zusammensetzt. Nach Abzug der Ausgaben de« Jahre« an Bureaukosten, Porto etc. und den von den Spendern autdrücklich dem Fond zugewiesenen Beträgen mit insgesammt M. 1042,45 verblieben Mk. «491,73, wovon die Hälkte mit rund Mk. 2245 statutengemäß zur Der» IbH'uug pro 1882 gelangt, die andere Hälfte aber einstweil-n in Reserve bleibt, um etwaigen Anlvrüchen, die im Laufe oe« Jahre« noch herantreten möchten, genügen zu können. E« kommen zu Bertheilung 40'/,UnlerstützungSantheile, nämlich 6 an einen emeritirlen erblindeten Lehrer, 21 an 7 Wittwen. und 13'/, an 14 Waisen verstorbener Mitglieder, und konnte somit wieder wie im vorigen Jahre der UnterstützungSantheit auf 55 M. festgesetzt werden. Der Jahresbericht pro 1881 wird in Kürze eiffcheinen. Der Hinweis aus die segensreiche Thätigkeit öer l'.nterstützung«kaffe wird, so hoffen wir, genügen, um ihr di« asten Freund« und Gönner zu erhalten und immer neue zu e.'werben. Au« dem Großherzogthu« Heffea. i. Jan. (Or.-Eorr.) Nach dem neuesten Berichte, welchen die Großherzogl. Centralkehörde de« Vereins zur Unterstützung und Beaufsichtigung ter au« den Strafanstalten des Lande« Entlastenen jüngst über ihre Wirksamkeit in den Jahren 1879 und 1880 veröffentlicht hat, stellt sich wiederum das Moralttätsverhältitiß zu Gunsten der Juden heraus. E« sind 1879 im Ganzen von 806,584 christl. Einwohnern des Lande« gegcn 126,746 ' irdische. da« ist da« Resultat der jüngsten Zählung, 1883 Christen und 25 Juden detenirt gewesen; 1880 jedoch nur 1725 Christen gegen 28 Juden, oder 13 */• Christen gegen 1,07 •/. Jude» im Jahre 1879 und 10,50 Ehrinen gegen 1,10 '/. Juden im Jahre 1880. Auffälliger Weise ist das Verhältniß im Jahre 1880 etwas ungünstiger als im Jahre 1879. Deshalb ist es von Interest«, die Art der Verbrechen zu betrachten, für welche die Strafe verbüßt wurde. Im Jahre 181!» waren wegen Meineids zu Zuchthaus verurthellt 3 Juden gegcn 69 Christen, wegen Verbrechens gegen das Eigenthum 5 Juden gegen 292 Christen, 1880 aber wegen gleichen Verbrechens 7 Juden gegen 297 Christen. Mil Gesängnißstrafe waren belegt 1879 wegen Verbrechen» gegen da« Eigenthum 6 Juden gegen 229 (Steiften, gegen den Staat I Jude gegen 53 Christen, gegen Religion und Sittlichkeit 2 Juden gegen 41 Christen. Dagegen im Jahre 1880 wegen Verbrechens gegen Religion und Sittlichkeit 2 Jude» gegen 26 Christen, gegen das Leben 5 Juden gegen 480 Christen, gegen da« Eigenthum 16 Inden gegen 828 Christen, gegcn den Staat 1 Jude gegen 45 Christen. Im Correctiou»- < Arbeit« ) Hause befanden sich in beiden Jahren 410 Christen, aber kein Jude. Lesterreich. Wien, 31. December. (Or.-Corr.) Heute fand in dem Tenipel in der Leopoldstadt, wie auch in dem der Setten stellengaste, zum Andenken an die am 2 Januar 1782 erfolgte Erlassung de« Toleranzpatentes durch Kaiser Josef ll., ein feierlicher Gottesdienst statt. Den Mittelpunkt der Feier bildeten die Festpredigten. Ich habe die von Jellinek gehört. Er wußte auch diesnial, wie schon so oft, ja fast immer, wenn er die Kanzel besteigt, die Kopf an Kops gedrängte und in gespannter Aufmerksamkeit lauschende Menge mit sich fortznreißen. Als er zum Schluffe keiner herrlichen Rede einen kurzen, aber schwungvollen Panegyricu« auch unserem jetzt lebenden erhabenen Monarchen, dem Kaiser Franz Joseph l. widmete, da durchstog das Gotteshaus «m mächtiger Zug öer Begeisterung: rie Gemeinde erhob sich mit einem Schiagr, wie ein Mann, von ihren Sitzen und that hiermit in feierlicher Weise kund, daß die Gefühle der Verehrung und Dankbarkeit für den unvergeßlichen Kaiser Joseph, wie nicht minder aber au v die Gefühle oer begeisterten Liebe für unseren jetzigen Herrscher, denen Jellinek von der Kanzel herab in so beredten Wo»ten Ausdruck verlieh, tief in der Seele des jüdischen Volke« in Oesterreich gewurzelt sind. Wir wollen eine kurz« Skizze de« meisterhaft« > Vortrag»« zu geben versuchen. Von den W.»ten der Schrift ausgehend.