Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 2.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Confessio» im Lande an. Ob ei« Moses, ein Salomo, ein Jsak oder ein Christian, ein Karl, ein August geboren wird, jedes Kii-.d muh entweder der Landes! i r ch e oder der Landes« synagoge zugetheilt'werden. (Fortsetzung folgt.) Berichte und Correspondenzen. Deutschland. > Magdeburg. Wir möchten vie geehrten Mitarbeiter unsere- I Blatteauf eine Rubrik Hinweisen, die in jüd. Bl. allzusehr vernachlässigt wird. Di« jüdischen Blätter Frankreich-, die sicherlich keinen Grund haben, einen Mahstab für die volle Gleichberechtigung der Juden noch zu suchen, verzeichnen mit minutiösester Genauigkeit alle Erfolge und alle ehrenden Anerkenntnisie, welche Israeliten in Frankreich erringen; selbst die in den Schulen Prämiirten werden lobend genannt. Geht auch das ein wenig zu weit, so steckt doch ein nachahmenSwerther Kern darin. ES würde ein gröberes Maß von Sicherheit unt echten SelbftbewuhtseinS in jüdischen Kreisen verbreitet werden, wenn die jüdisch n Blätter mit voller Gewißheit — und nicht auf Hörensagen hin — constatirten. welche dem Judenthume Angeyörigen in der Justiz, der Verwaltung, an Gymnasien und Universitäten Deutschlands angestellt worden, welch.' klaiigvollen Namen in Kunst und Wisienschafi nuwirklich zugehören. ES dürste vorerst »ölbig sein, daS Versäumte nachzuholen und dann sorgfältig jede Ernennung u. s. w. zu registriren. Danut dürste auch der „jüdische Amtsrichter" daraus hingewiesen werden, wie s e i n e Ehre unsere Ehre ist. Von Zweifelfragen, welche das schweigen der jüdischen Blätter verschuldet, seien beispielsweise erwähnt: Gehört der zum Hilfsarbeiter im Ministerium von Elsah-Lothringen ernannte Frederik Israel, sowie die zu RegierungSräthen beförderten Herren Davidson und Goldschmidt Um Judenthume an? So lächerlich ein Zurechnen Solcher ist, welche durch die Geburt schon oder durch svä:-rn Uebertritl Christen sind, so nothwendig wclr'S andererseits, um die Thatsachen den Redensarten gegenüberzustellen, zu constatiren, daß und welche Juden Mitarbeiten an der Verwaltung und Hebung des Vaterlandes! Es wäre dies eine Berufs ftatistik, die dem Judenthuw nur zur Ehre gereichen könnte. Magdeburg. Die „Kölnische Zeitung", diese» »roße gemäßigt-liberale Blatt, dem Niemand gehässige uno böswillige Aus jasiung de- Verhaltens bet Regierung zur Last legen wird, enthält in einem Artikel „Deutschland im Jahre 18M" (No. 3, erste- Blatt) folgenden Passus, den wir als geschichtliche- Dokument registriren: „Es begann alsbald" (nach dem ReichstagSschluß vom 15. Juni) „im ganzen Land« die Bewegung für die Neuwahlen; die aufgeregteste und leidenschaftlichste, welche das deutsche Reich bidahin erlebt hatte. ES galt den Kampf der von der Regierung geführten vereinigten confervativen und ultramontanen Parteien gegen den gefammten Liberalismus von Bennigsen, wie die Phrase lauten bi- Sonnemann. Nun ist allerdings die Kluft zwischen Bennigsen und Sonnemann weit breiter und iiefer als die zwischen Bi-marck und Liebknecht. Dennoch aber kannte der Trost der officiosen Preßherolde diesen Unterschied nicht mehr. Für sie gab es nur eine große conservativ« christliche Partei. Alleandere waren Fortschrittler und Juden, Gründer und Manchester- ' männer, Atheisten und Republikaner. Unter den Augen der Regierung begann inBerlin undüberhaupt dem preußischen Osten ein schmachvolle« Aufhetzen breiter Volksschichten gegen da» Judenthum, wie man eS im aufgeklärten und gesitteten Preußen nicht mehr für möglich hätte halten sollen. E» kam verschiedentlich zu oe» rohesten und cheilweise blutigen Judenkrawallen. Alledain letzter Linie, um Stimmung gegen den Liberalismus, die Fortschrittspartei in«besond ere. zu machen. Daß Fürst Bi-marck diese Gesellschaft und ihr Treiben nicht offen und weit von sich abwie-, vielmehr durch stet» bereitwillige Beantwortung von Ergebenheits- Adressen aller möglichen meist antisemitischen Vereine den Schein auskommen ließ, albillige und wolle er diese Bewegung — d aS wird ihm von der Geschichte dereinst zumgroßen Vorwurf gemacht werden müssen." Berlin. (Or.-Corr.) Die allbekannte Berliner Firma der Hofjuweliere und Goldschmiede S. Fr iedeberg Sö hne beging am 2. und 3. Januar das Fest ihres 50jährigen Bestehens. Ein von Ernst Dohm gedichtete« Festspiel eröffnete die Feier, welche irn Familienrahme» stattsanv. Friedrich Spielhageu'S und Julius Leffing'S Beredsamkeit wandte sich den „Damen des Hause- Friedeberg Söhne" zu. Die älter» Chefs scheiden >.ut dieser Feier von der Geschäst«- thätigteit und überlassen jüngeren „Friedbergen" das Feld. — In der „Post" (Nr. 3 vom 4. Januar) sindet sich die interessante Mittheilung: „An Uebertritten von Juden zum Christenthum waren im letzten Jahre zu verzeichnen 120, da - gegen ist leider der Uebertrilt von l0 Christen zum Judenthum zu beklagen." Wir bedauern — die „Post" und haben >'.nsererseil» nicht« zu beklagen, denn an solchen „Ucbertritllern" verliert keine Religion etwa-, — Die von Dr. Kleinsteuber redigirte Wochenichrist „Europa" (Verlag von Ernst Kn!) widmet dem „praktischen Judentbum" von M. Friedeberg eine ausführliche Besprechung und meint: „Der Verfasser sieht in d.m praktischen Judenthum. daS stark genug sei, um mit strenger Hand die aus dem Druck der Jahrhunderte etwa noch vorhandenen Schäden in sich auszumerzen. einen starken Hebel bei allen Versuchen zu ein-r Lösung der allgemeinen socialen Frage, wie andererseits einen nicht zu verachtenden Bunde-genosien in dem Kample der st a a l s e r b a l t e n d e n Elemente gegen die zerstörenden Mächte der Vaterlandslosigkeit." „Gott bewalire uns vor dem „prattischen Judentbum", schloß dagegen daS antisemitische „Deutsche Tageblatt" seinen Leitartikel vom vorigen Mittwoch, der voller Entstellungen rst, sich aber als unparteiische Besprechung dieser Broschüre producire» möchte. (kharlottenburg, 3. Januar. (Or.-Corr.) Ter Hoflieferant Herr S. Löwy hier, hatte am 0. v. Mts. folgende» Schreiben au den Großherzog von Baden gerichtet: Motto: Wie da» Wasser »t» Minschkn Anititz wiederspiegelr, so spiegelt de« Menschen Herz einen dem andern (2pr Sol.) Königliche Hoheit! Die unterschiedlose Liebe mit welcher Ew. König!. Hoheit landeSväterliche- Herz alle Jbre Landeskinder umfängt, hatte zur Folge, daß nicht nur diese bei der Nachricht von Hochdero plötzlicher und gefährlicher Erkrankung in Bangen erbebten, dieser Schmerz zitterte auch >n dem Herzen jedes Deutschen fieberhaft nach. Und wenn die Barmherzigkeit Gotte» die Gefahr von dem hohen Haupre Ew. Königl. Hoheit in Gnaden abzewandt, so senden nicht nur Hochderoselben Familie und LandeSkinder ihren innigen Dank zuin himmlischen Vater, mit dem Psalmisten au-rmcnb: „Der Ewige stützet ihn aus dem Schmerzenslager, Du rücktest ihm die Lägerstatt zurecht in seiner Krankheit!" Da- Herz einejeden Deutschen jubelte ob dieser Genesung und wünschet mit dem königl. Sänger: „Der Ewige möge ihn behüten und erhalten und glücklich gepriesen werde er auf Erden!" Mögen Ew. Königl. Hoheit gestatten, daß auch ich der Freude über Hochdero Genesung hiermit einen schwachen An-- druck gebe und verharre als bero unierthänigster Samuel Löwy. Hierauf erhielt er aus dem geheimen Cabinet de- Sroßherzogs folgendes Antwortschreiben: