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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 1. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 1.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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6 — "1 — 6 junge Leute, welche di» Prüfung für dt» Aufnahme | in dt« Ackerbau- und Feldmefferschule in Horki mehrmals bestanden und doch nicht ausgenommen wurden, weil ste Jude« stad, «ollen in der Ackerbauschule der Alliance in Jaffa stch ausbilden lassen. Aber wie dahin kommen? Jerusalem. Di« türkisch« Rechtspflege verweist alle mit religiösen Gesetzen und Vorschriften in Verbindung.stehenden »« (also z. v. Forderungen der Kethuba) vor religiös« «, bei den Juden also vor dal vom Thacham vaschi «-.«gesetzt» Gericht. Diese pstegten nur bisher dt« Urthetle ohne Mottvirung abzugeben. Da« gab Anlaß zu vielfachen Beschwerden, in Folge deren ein« sorgsame Motiwirung gefordert wird. Di« mohamedanischen. wie die christlichen Religionsgerichte sind nach dieser Anordnung schon reorganifirt. Bei den Juden ist noch Alle« beim Alten. Bon Konstantinopel au» ist der Vorschlag gemacht worden, 3 Instanzen emzusetzen — 1 Einzelrichter, ein« Appellinstanz und einen vom Thacham Vaschi selbst präsidirten Kaffationshos! Aber — nur Wenn und Aber! Auch der Beauftragte de« Montefiore-Gedenkfond«, Herr Pine«, mrd im .Thawaz." scharf angegriffen, daß in Folge »einer verkehrten Berichte di« Verwaltung Nicht«, und was sie getha», verkehrt gethan. E« wird vom genannten Blatte die Befürchtung de« Herrn 8ueoalla eine allzu begründete genannt, daß die auf iS Jahr« 2 Vereinen zinsfrei geliebenen 5200 Pf. Et. (104,000 M.. für welch« 100 Häuser gebaut werden sollen) nicht den Armen, sondern denen zu Gute kommen, die in Jerusalem die Reichen genannt werden. Die Ausführungen des»Thawaz" gegenüber „Jewifh World", wu die bibl. Ackergesetz« dem Betriebde» Ackerbaues in Palästina keinen Eintrag lhun würden, entbehren nicht des Jntereffanten. Spielt ja die Lust, zu einem Hinterthürchen hinautzuschleichen und so da» Gesetz zu umgehen, den Hauptfaktor. Ob da» Brachjahr dem Landmann« Zeit zur Ausbildung und zum Reisen — oder zum Faullenzen geben wird — dar ist doch noch fraglich. Da« Orl zu Straßenbeleuchtungen, die Fonds für Schulen werden vom Maaßer Rischon und Therumas Maaßer genommen. Mit den weiteren Detail« wollen wir unsere Leser verschonen. Vermischte und neueste Nachrichteo. Berlin. Die Versetzung de» Consul» Frhrn. v. Münchhausen au» Jerusalem nach Kiew und de« Dr. jur. Reitz in gleicher Eigenschaft von Kiew nach Jerusalem, bezeichnet einen schwer ersetzbaren Verlust für die vernünftigen Bestrebungen, die jüdisch« Bevölkerung Palästina'» zu heben. Möchte Herr Reitz nur nicht ruffische Anschauungen mitdringen! Glctwit, IS. December. Der innerhalb der hiesigen jüdischen Gemeinde bestehend« Verein zur Unterstützung der Waisen und zur Förderung des Handwerks unter Israeliten feierte ain Sonnabend sein SO «jähriges Etistungssest durch eine gottesdienstliche Feier in der Synagoge, der Abend« ein Souper im Hotel zum goldenen Adler folgt« Die Feier begann um 4'/, Uhr Nachmittag« mit dem von Damen und Herren au-gesührten Gesänge zweier Psalnien mit Orchesterbegleitung. Nach dem Abendgebet folgten der Gesang eine« Liedes und einer Hymne, worauf — unter Umgehung de« würdigen Ortsrabbiner« — Rabbiner Dr. Joel au« Breslau die Festpredigt hielt. Die Feier schloß mit dem Gesang« des Hallelujah in sehr würdiger Weise. Derselben wohnten auch die Herren erster Bürgermeister Kreidet und Bürgermeister Fritz bei. Rotidor, I I December. Der frühere Inhaber der hiefigeu, jetzt Hugo Cohn'schen Eier-Exporthandlung, Jakob Moll, Vater von zehn Kindern, ist dem .Oberschl. Anz." zufolge mit seiner Fron beim Brande des Wiener Ringtheaters umgekommen. Belgnrtz. Unser erster Lultusbeamter, Herr Raphael Mmdit feierte am 20. Der. <4. Chanukatag) mit «einer Gattin, len« geb. tzioldberg da« Fest der silbernen Hochzeit. Dieser ig «var für di« ganz« Gemeint»« ein wahrer Festtag. Gratulanten kamen und gingen und erfreuten da« Jubelpaar mit Gratulationen und schönen Geschenken. Auch au« «veiter Ferne kainen Depeschen und Briese. Glückwünsche enthaltend. Da Herr Bendit bereit« imül.Iähre in unserer Gemeinde al« Be amter fungirt, so hat e« sich kein Schüler und kein« Schülerin nehmen laffen, dem Lehrer zu qratuliren; auch von christlicher Seite wurden dein Jubelpaar Zeichen der Liebe nnd Verehrung dargebracht. Am Abend fanden zu Ehren de« Jubelpaar« im Prinz'schen Hotel theatralisch« Vorstellungen statt. Da« Theaterpersonal bestand au« den Schülern der jüdischen Religionsschul,.. Brodtz Die in dir Liften ausgenommenen raff. Flüchtlinge, d. h die al» zur Uebersieoeluag nach Amerika paffend erachdkten, haben, da im Winter wntere Beförderungen nicht stattfinden, pro Kopf je 00 Gulden (120 M.) erhallen, um aus eigene Faust weiterzureisen. 900aber blieben zurück, denen nur 12 bi« IS Gulden zugebilligt »«erden konnten, ein Betrag, der als Reisegeld nicht genügt. Part«. Seit etiva 3 Wochen erscheint hier ein Wochenblatt unter dem deutschen — nein: beuttichen — Titel .Antijuife." Da mit antisemitischer Unverfrorenheit ein Artikel behauptet hatte, daß die jüdischen Offiziere sich nie durch besondern Muth ausgezeichnet hätten, *) haben mehrere jüdische Offiziere den Direktor dieses Blattes gefordert Uns will da» eine unverdiente Ehr,- für ein solche« Schmutzblatt dünken. London. Ihr Matt hat jüngst ein Bonnwt über Küchen- und Kirchenrabbiner gebracht. Mag inan darüber lache», aber so ganz in den Küchenabhub sollte man den Küchenraddiner nicht verien; nicht allein religiöse und Gefühlsmomente, sondern ganz nüchtern« Erwägunge» sind dafür maßgebend. Da bcricfr tt ,Jew. Thron.", daß niehrere Lebensversicherungsgesellschaften Juden besond.-re Vergünstigungen zugestehen, ja taß die Gründung einer solchen Versicherung für Juden allein mit besonder» niedrigen Tarifen geplant werde — weil die Juden als Erbtheil eine durch Jahrhunderte angesanimelte Gesundheitsgrundlage besitzen. Diese Grundlage hat der Küchenrabbiner, d. h die «oeiteren Speisegesetz« rc. bereitet. (Sollte da« nicht mahnen, dies Erbe unseren Nachkommen unversehrt zu erhalten?) Peter«bnrg. Amtlich wird verkündet, daß die Obercom. miffion zur Lösung der Judenfrage gebildet ist. Vorsitzender ist der Stellvertreter des Minister« des Innern. Geheimrath Gotowzew — Mitglieder sind der Geheiinrath Bestuschew- Rjuinin (Vorsitzender der CultuSabtheilung), Herr Gregoriew (früher Thes der Preßabtheilungl und Professor AndnjeivSky. Diese Lommiffion hat noch einen Fragebogen an die tagenden 16 Judentommiffionen verschickt, dessen Beantwortung Anfang» Januar erfolgt sein soll. Dann werden die 16 Prorinzgouverneure und ein« Anzahl von Eachverstädigen zugezogen werden und die Arbeiten beginnen In Kischi n« w war bei den Berathungen der Commiffio» behauptet worden, daß dort 40,000 Juden wohnten, von denen 30,00«» keinen bestimintrn sicheren EriverbSziveig hätten. Statistische Erhebungen wurden angeordnet und diese Juden-Berufsftatistik ergab: T« wohnen in K. 30,000 jüdisch« Seelen, von denen 166 keinen bestimmten EriverbSzweig haben. Reggio. Der erst vor Kurzen« in« Amt getretene Oberrabbiner Herr Jacob Levy (geboren 1005) ist gestorben. Tnrt«. Ein höherer sranz. Offizier jüd. Glauben« entwirft in« ,Arch. isr." ein traurige» Bild von dem Zustande der tunesischen Juden. Unter den säst 80,000 in der Regentschaft Lebenden sind mindestm« 60,000 Arme. Materi- *) stronkretch hat 4 jüdisch» Arnerütr, m»|c «U »in D»tz»nd Di »rftra und »in» «ntsprtchrnd« Zahl von Dsfizi»rrn niederer Arnd«.

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