Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 1.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5369809-5935096-5938058--4409-5376719- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4 hatte, am nächsten Sabbath daselbst zu predigen, in Folge eine» von anderer Seite au ihn gelangten Schreibens, seine Zusage «jeder zurückgezogen hat. Posen» 27. Dezember. Der Klavierstimmer Robert W. zu Obornik gehört zu jener Partei, welch« es sich seit längerer Zeit zur Ausgabe macht, di« christlich« Vevöikerung gegen die jüd. aufzuhehen. Am Abend des 13. Septbr. d. I. befand er sich in dem Bierlokale des Saftwirth« St. Unter den Gäf.m befanden fich auch einige Israeliten. Al« dieselben das Lokal verlaffen wollten, rief ihnen W. nach: .Juden he-p h,pp!' Daraus trat er au die Ehefrau des Gastwirth» heran und fragte, ob sie noch nicht» gehört habe, daß an demselben Abend« mit den Juden Etwas los sein solle. Bald darauf verlieh er da» Lokal, begab sich an die Synagoge und Üebte an dieselbe einen Zettel, aus welchem sich dir Worte befanden: »Juden hepp depp." W. ist daher «»geklagt, durch zwei selbstständige Handlungen in eiwr den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klaffen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen einander öffentlich angereizt und durch eben dieselben Handlungen groben Unfug verübt zu haben. W. will nur gesprächsweise »Juden hepp hepp" gesagt haben, da« Ankleben des Zettel» bestreitet er. Rach der Bewnsausnahme, welch« den vorstehenden Sachverhalt ergab, sprach zwar der Gerichtshof den W. wegen de» Lergehens gegen die öffentliche Ordnung frei, indem er annahm daß Wfich deffen nicht bewußt gewesen, daß durch seine vandlungsweise eine Störung des öffentlichen Frieden» heroeige führt werden könne, daß e» ihm vielmehr nur darum zu thun war, der jüd. Einwohnerschaft von Obornik ei» Aergerniß zu bereiten, verurtheilte ihn daher wegen groben Unfug« in 2 Fällen für den ersten zu 4. für den zweiten zu tt Wochen Hast, gemäß $ 77 St.-G.-B. zu einer Gesammtftrafe von 10 Wochen Hast, indem er euSsührte, daß über die Bedeutung des Rufes »Juden hepp hepp" kein Zweifel herrschen könne, daß derselbe im Bolksmunde d e Bedeutung eine» tzrufeS habe und «ine dem jüd. Solle gehäffige Gesinnung auSdrücke Unter den jetzigen Zeilverhältniffen sei e» gerade die besondere Pflicht ein»» jeden Staatsbürgers, alles zu vermeiden, wodurch eine Gefährdung des öffentlichen Frieden« veranlaßt werden könne, und daß datier gegen jü>«n, der sich einer Berfäumniß dieser Pflicht schuldig mache, mit aller Strenge vorgegangen werden inüffe. A Dresden, 20. Decbr. (Or.-Corr) Ein Paffu» in Rr. 48 d. A. Z. d. I veranlaßt mich zu folgender Bemerkung. Es heißt dort S. 790: „Unsere Leker wiffen, daß wir nur de» Prinzip«» willen ein Gewicht darauf legen, daß Juden in die Parlamente gewählt werden. Da« Judenthuni und di« Juden haben nur ausnahmsweise irgend eine Förderung von den jüdischen Abg. zu erwarten. Eine Ausnahme machtrn nur Rießer, Kosch u. s. 10.* Ist de n so? Sind nicht oft genug unsere jüd. Abg. für Juden und Judenthum rinqetreten? Verdienen es Männer wie Laster. Bamberger, Lövr u. a., daß selbst ein so besonnener Journalist wie Herr Ä. F. (in Rr. 49 d. Bl. unter Leipzig) den Worten Sache.'-Masoch's »Jüdischen Journalisten fehlt oft die Selbstachtung ihres JudenihumS' noch hinzufügen möchte »und jüd Abg.?' Hat nicht Laster am 22. Mai 1870 bei Beralhung de» Gesetze» über den Au-tritt au» den Synagogengemeinden ausdrücklich erkläit: »Niemals würde ich einem Gsetz meine Zustimmung geben, von welchem ich befürchtete, e» gefährde in der That den Bestand der jüd. Religionsgemeinschaft. Ich gehöre nicht allein äußerlich dieser Gemeinschaft an, sondern ich finde ihren Kern in dem idealsten Ausdruck, der nach dem Zeugniß aller Geschichte zuni ersten Mal rer Menschbeit v.'rkündet worden ist in Form einer religiösen Bekenntniss«». Und weil ich glaube, daß der wesentlichste Inhalt des Judenthums in dem Bekenntniß zu dem einzigen Gott lüg«, deshalb bin ich erfüllt von dem Gedanken, daß die Macht dieser lebendigen Überzeugung immer ausreichen werde, derjenigen Gemeinschaft, die zuerst in die Wel geschicht« mit dieser erhabenen religiösen Idee »ingetreten ist, s» lange Dauer zu geben, als überhaupt Religionsgemeinschaften existiren." Dr. Lasker sagt ferner in seiner bedeutenden Rede: »Da» Judcnthum verdient gegen äußere Gefahr geschützt zu werden. E« bildet in gleichem Maß wie die übrigen Religio« sbrkenntniffe gute Staatsbürger heran, und steht «noralisch nicht unter der Höhe anderer Bekenntniffe. Seine moralischen Lehre» find frei von jenen Euriositäten, weiche Judenfe.nde au» cusuistischen Schriften zusainmensammeln, um ein nachtheiliges Bild heroorzurufen. Wer sich die Müh, nehmen wollte, gleich« Sainmlungen au» den casnistischen Lehren anderer Eonfeffionen, wie z. Bau» den praktischen HlefchLftSbeh «nolungen der Jesuiten und auch, wie ich nicht zweifle, au» gleichartig n kasuistischen Abhandlungen irgend anderer Religionrbekenner zusamineazustellen, könnte leicht den 'kindiuF hei vorrufen, wie tief die Moral stehen müsse, wenn inan solchen Anweisungen folgt. Aber die Verständigen wissen, daß in Mehrheit jede» Religionsbekenntniß sich durchdringt nicht von den Moralschriften, welch« einzelne Lasuisten ihnen geben wollen, sondern von dem innersten Kerne de« Glaubens.' Sind da» nicht »goldene Aepsel in silbernen Schalen?' Ein wah Hafter Kiduschhaschem? Wir könnten noch viele ähnliche Worte Lasker'» über Juden und Judenthuni ansührcn. Nicht minder ist Bam berger (? - und Löwe für das Judenthum eingetreün. Wir erinnern nur an die bedeutende R de Löwe'» über die »Judenfrage' geh. am 22. Roo. 1880 im preuß. Ab„eordnetenhause. Daß es zuweilen bester ist, «venn lei Verhandlungen der jüd. Angelegenheiten christliche GesinnungSgenoffen der jüd. Abg. für uns eintreten, ist jedem Denkenden einleuchtend. Sehr richtig sagt Dr. Lohn in seiner biographischen Skizze »Eduard Laster' S. 77 »Der Zug der Geschichte geht indeß über die Völker hin, und was die Berufenen al» selbstverständlich erachten, ihre Zuversicht auf die Ausgleichung der bürgerlichen Unterschiede zwischen den Juden und anderen Glaubensbekennern lruchtt auch den Laie» immer mehr ein; was diese zerstreut und individuell ansehen, das erfassen jene als rin ideale» tzlanze« und tragen es enipor zum Wesen der allgemeinen Wahrheit, für welch« sie wirken, und in welcher auch das Einzelne, Epecielle seinen volle» Anschlnß, die Bedeutung eines mit dem Ganzen harmonirende Gliedes «hält. Diesen höchsten Standort in der Politik nimmt Lasker ein, und nur van diesem au» sind wir berechtigt, sein „Verhalten in der Judensrage zu benrtheilen.' München, 22. Decbr. (Or.°Corr.) Seit einiger Zeit reist wieder eine Gesellschaft (Adramowicz u. Comp.) in Deutschland uinher und veranstaltet in größeren Städten Borträge in jüdisch-deutschem Jargon, in welchen ne jüdische Typen cirrikirt und Synagogeumelodien prosanirt. Das Aust« eten dieser Gesellschaft ist gegenwärtig nicht unbedenklich und überhaupt ein Lhillul-hasihein. Die Gesellschaft beglückte euch unsere RJidenzstadt, nachdem sie jedoch einmal ausgetreten «vor, wurde ihr (auf die Beschw.rd« des Rabbi na t» dahier) von der königlichen Polizeidirection die Fortsetzung der Productionen untersagt. Mögen auch in andern Städten die Rabbiner und Vorstände dem Univesen dieser ihre Religio» und ihren Stamm fchändenden Leute energisch entgegentreten. Frankreich. Paris. Sueben erschien eine Uebersetzung des englischen Roman» »Daniel Deronda* (von George Elliot) von Ernest David. — Herr v. Bornier hat ein Drama, »Der Apostel' betitelt, geschrieben, in welchem ein Gebet der Juden vorköinmt, in «velckem folgende Berse enthalten sind: Wenn zur letzten Schlacht unsere Feiirde sich erheben, dann zerschmettere 0 allmächtiger Gott ihrer Kinder Stirn an Steinen. — Lab solch' Gräßliches erdulden all' uns'r« Feind«, welche sind dir Deinen, all' die hassen deinen Tempel, sowohl die Heiden,