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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 1. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 1.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 2 — und die Industrie produktiv sind, der Handel aber sich vom Schweiße de» arbeitendem Volke» mäste, der wird c,n Zetergeschrei über die große Zahl der handeltreibendcn Juden erheben; wer aber sich Hu dem durch dt« modern« Rationalökononiie, besonder» seit de« bahechrechenben Auftreten von Adam Smith sestgestellten wissenschaftlichen Axiom bekennt; daß der Handel ein eben so wichtiger Factor im ^virthschastlichen Organitmu» ist, al» der Ackerbau und die Industrie, der kann sich nur darüber freuen, daß d.rselbe sich in den Händen von intelligenten Kaufleuten befind-. Auch ist die MSglichkeit nicht anrgeschloffen, daß unsere Glauben-genossen, ohne durch die geschichtliche Entwicklung dazu gedrängt zu sein, einigen Berufsarten sich in viel zu großer Zahl ergeben, andern wiederum allzu sehr fern bleiben. Wenn un» die statistischen Feststellungen ganz genaue Gewißheil darüber bieten werden, dann werden wir auch erfolgreich aus eine Beseitigung solcher Ungleichmäßigkeiten hinarbeiten können. Deshalb können wir die Beruisslatistik, abgesehen von dem Jnterrrffe, weiche» sie un» al» treuen, deutschen Patrioten einflößl, auch in unserer Eigenschaft al« Juden nur mit freudiger Genugthuung begrü" ßen, wir haben ihre Resultate nicht zu fürchten. Briefe aus London. Gerade wie in Deutschland da» schmähliche Treiben der Anti-Semiten eine Anzahl von Protesten Seiten» der bedeutendsten Männer der Gegenwart hervorge,ufen hat, ebenso veruriheilte die öffentliche Meinung hier die böse Tendenz de» in diesen Blättern bereit» besprochenen Artikel«: „The Jewish Duestion," der den bekannten Judenfeind Goldwin Smith zum Berfaffer hat. Eine gründliche Widerlegung der im fraglichen Artikel verkommenden Angriffe auf Juden und Juvenlhum ist jüngst im „Rineteenth Century" erschienen, und muß man dieser einflußreichen Monatsschrift da» Recht widerfahren lassen, daß sie da» Für und Wider mit gleicher Unparteilichkeit abdruckte. Wie schon bei verschiedenen früheren Gelegenheiten, so ist e» auch jetzt, Herr l)r. Herr mann Adler, der al» Bertheivlger seine« Stamme» austritt und sine irr» er atudio dem modernen Hanian seine geschichtlich-falschen Behauptungen nachweist. Die von Herrn vr. A. angeführten Argumente sind meistenlheil« nicht neu, doch dürste der nachstehende Paffu« von allgemeinem Interesse sein. Aus die Beschuldigung de» Herrn Smith, daß die jüdische Ratio» nicht» RennenSwerthe» für die Weit gethan Hab«, antwortet Herr ltr. A wie folgt: „Hat der Jude wirklich nicht» für die Welt gethan? .... Höre» wir die edle Antwort, die unsere Königin einem afrikanischen Prinzen einst gegeben. Dieser schickte nämlich var einigen Jahren einen mit kostbaren Geschenken ausgerüsteten Gesandten an sie ab, und ließ sie bitten, sie möchte ihm da» Geheimniß offenbaren, wodurch England zu seiner Größe und Herrlichkeit gelangt sei. Und nicht eine Beschreibung ihrer mächtigen Flotte und de« unerschöpflichen Reichthun,» de» Landes war e», die sie dem Fragesteller zuschickt«, sondern sie reicht« dem Gesandten eine B idel mit den Worten hin: „Sagen Sie Ihrem Herrscher: Die» ist da» Geheimniß der Größe England»!" Auf der vor einigen Monaten hier abgehallenen Eonferenz der bedeutendsten Aerzte Europa'» wurde auch ein Gegenstand besprochen, der für die Bekenner de» Judenthum« von großer Wichtigkeit ist. E» wurde nämlich constatirt, daß die meisten Thiere, die hier geschlachtet und deren Fleischtheile ohne Inspektion öffentlich verkauft werden, gewisse innerlich« Krankheiten haben, und daß die Erscheinung ähnlicher Krankheiten beim Menschen di« Folg« de« Genüsse« solche« ungesunden Fleische« sei. Zur Begründung dieser Theorie wurde sogar der Umstand erwähnt, daß die Juden, die nur da« Fleisch solcher Thiere genießen, deren Innere» zuvor genau inspicirt wurde, in der Regel von den besagten Krankheiten frei bleiben und durchschnittlich länger leben al» ihre christlichen Mitbürger, die e» mit de» Fleischgen uß nicht so genau nehmen. Demnach dürfte der „K üch e nrabbiner" mehr al» der „Kirchenrabbiner" zur Erhaltung der jüd. Ration beigttragen haben, und kleine Gemeinden dürften daher anch besser daran sein, wenn sie sich lieber mit eine», W.rnderp r ed i g e r al» mit einem Wanders ch o ch e t begnügten. Da ich gerade von Predigern spreche, so will ich auch einer possirlichen Ansicht erwähnen, die ein solcher jüngst hier in einer Predigt hinsichtlich de» elektrischen Lichte» au»gesprochrn. Derselbe suchte nämlich seine.» Luditoriunr nachzuweisen, daß da» v o r der Erschaffung der Sonne vorhanden gewesene Licht kein eadere« al«da» „elektrische" gewesen sein müsse, und zwar sei es durch die starke Bewegung der Wasserfluthen erzeugt worden. Er ritirte dabei den Satz: -je riEmo d'.tVk rtm niK \t o’n^K ivu'i Q'on und glaubte mit vollein Ernste sein quod erat demonstrandum gesund-» zu haben. Da dieser Prediger zugleich auck jenen bekannten Spruch de» Midrasch ansührte, daß nämlich da» vor der Sonne geschaffene Licht für die Rechtschaffenen in der zukünftigen Welt aufbewahrt worden sei. so können sich jetzr schon alle Gesetzestreuen mit der herrlichen Aussicht freuen, daß sie einst im Paradiese beim elektrische» Lichte lustwandeln werden. Di« hiesige portugiesisch« Gemeinde, die seit dein Hinscheiden de» seligen l)r. Artom ohne Ehacham war, geht jetzt mit dem Gedanken um, einen solchen anzustellen, und hat sie bereit« zu diese« Zioecke Inserate in die hies. jüd. Blätter einrücken lassen. Hoffentlich finoet sich bald eine geeignete Persönlichkeit, die einen solche» bedeutenden Posten mit Würde auSsüllen kann Ta» diesige „Athenäum" v«> öffentlichle vorig« Woche drei Bnese, die die selige George Eliot, Verfasserin de» da- »iel Deronda, an Prof. Kaufmann in Pest, der da» fraglich« Werk so meisterhaft kritisirte, gerichtet hat. Da» Veröffentlichen dieser Briefe, au» denen so viel Liebe und Wärme für'« Jndtntham hervorschimmert, ist wirklich ein Wort zu seiner Zeit, und ein Verdienst um die Sache de» Jnoenthum». Ch Berichte und Correspoiidenzeu. Dewtschland. Magdeburg. Von einem unersetzliche» Verluste, der bereit« dnrch telegraphische Mittheilung im Jnseratentheil diese» Blatte» den geehrten Lesern bekannt geworden ist. ist unser Herr Rabb. I)r. Rahmer und dessen Familie betroffen: der unerbittliche Tod hat -hm seine fromme, zart- und edelsinnige Gattin, den Kindern die aufopferungrvollste. mit allen Hrrzenssasern für sie lebende und strebende Mutter entrissen. Sie hauchte Dienstag Morgen 8 Uhr ihre unsterbliche Seele au«, nachdem sie ein Lebensalter von 43 Jahren erreicht und 2t> Jahre in glücklicher Eh« mit ihrem nun tiefbetrübten Gatten vereint war. Ein Lichtstrahl, der da» Seelenleben der bereit» kränkelnden Mutter in freudige Aufregung versetzte und ihr geistige Spannkraft verlieh, war die Verheirathung ihrer ältesten Tochter mit dem Herrn Amt-richter P eis er. E» war, wie ihr Gatte sinnvoll andeutete, al» ob sie nach diesem fröhliche» Ereigniß sagen wollt«: 07EN npnx .Jetzt will ich ruhig sterben." Unt»r überau» zahlreicher Betheiligung wurde die entseelte Hülle Mittwoch Rachmittag, 2 Uhr, zur ewigen Ruhe liestattet. (Die Spitzen der städtischen Behörde hatten in Eondolrnzschniden unseren Rabbiner der herzlichsten Theilnahme versichert.) In der Leichenhalle trug der Synagogen-Gesangrerein «in Lied vor, ergreifend, alle Anwesenoen mit tiefer Wehnuth erfüllend, mit dem Schlußrefrain: „Wir vermissen Dich mit Gram," aber die denkbar möglichste Wehmuth erlangte ihren Höhepunkt, al» der Gatte der selig Entschlafene» seinem gepreßten Herzen Worte lieh. Schluchzend und von Schmerz überwältigt ries er au»: -121 12m dk -p -ix, und

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