Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 52 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 405 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sie, meine Herren, wenn ich störe, i«He der I ad« — ndr einen Augenblick, ich habe viel zu tljUu selbst wenig Zeit." ^Alleö mit Ruhe, eS ist aber doch Ehanuka, sie sollten meinte Markus. Ja eigentlich ist die allerbeste Hildegards daran schuld, erzählte heute Morgen von Ehanuka, sprach von der bei den Thanukalichtern, ließ fingen, da fragte daS hen, ob die Ehanukalichter denn so schön seien, wie der aachtSbaum? Ich habe diesen nun nicht heruntergesetzt, die Lichter und Ehanuka fein herauSgeputzt, und den auf morgen Abend ein Fest versprochen, wozu ich « Alten auch einlade; sie sollen sehen, wie die Snaben lichtlein anzünden, eS werden Geschenke gegeben, eS wird gielt, und so Eines zum Andern, geht das nicht.“ „Schön; daS kostet G»ld — Ihr schönes Lied habe ich gehört", unterbrach Markus, „da steuem die Leute gern bei." Er erhob sich vom Stuhle, öffnete den Geldschrank, brachte einem großen Saften drei Goldstücke und überreichte dies«: „Hier, mein lieber Herr Neuberg, für meinen Bruder mit, damit Sie den Weg sparen. Nicht so, lieber Bruder Dieser hatte sich, während Markus vor dem Geldschrank kam. nach diesem stark oorgebogen. , „So viel kostet die Geschichte ja nicht," sagte der Lehrer. „DaS sagen Sie nicht, gehen Sie auch zu dm Andern, iben Sie übrig, dann verwenden Sie eS zu gutm Zwecken*); anz Thalheim soll sich freuen; — aber morgen gönnen «e mir ein Stündcheu unter unS; hier." „Recht gem nach dem trSdi'enstc. .— Adieu, ich muß mir noch heute Abend >liche Hülfe erbittm, das verstehm Damen. Adien, gute lacht, meine Herren!" Der Zwischenfall hatte Abrahams Gemüth etwas gelichtet, alS er in der folgendm Unterredung auch der Einttagung ite, unterbrach ihn Markus: „Ich ahnte so was, mache Dir keinm Borwarf, weil dhne meine Zustimmung das «nd nichtig ist, daS habm wir ja schriftlich. Ader . ., der Mann soll sein Geld doch habm, auf dm Frirdbergs soll kein Flecken rühm . . unsem Eltern im Grabe . . . Gmug — eS ist Ehanuka —Du mußt zu deiner Frau die sicherlich sich beunruhigt." AbraSnn wünschte, daß Bruder Tante mit ihin gingen, und »rMachrvei ihm blieben, dieser fand das aber unschicklich ad « gingen die Brüder Arm in Arm, und die Tante an erfand ein Sind/bis vor FrirdbergS Haus, wo Markus > Bruder dringend bat, mit seinerFrou ohne jede Aufregung spreche^ „Nun, gute Nacht, bis morgen, dann wird alles latt gemacht und dann wollen wir frohe Gesichter am nd bei dm Ehanukalichtern machen." — AbrMn^sand seine Frau in trostlosem Zustande aus dein pha. Abkr-ttat an sie heran, faßte ihre Hand und stagte: irr geht eS dir, Jennu.?" ' „Du, du, wie kannst noch stagm? Du, — daß ich noch «, noch zwei solch' schreckliche Tage und ich habe genug." ' „Beruhige Dich — es geht gut— wirklich — . . . „DaS ist dein Emst? schwindelst Du mir diesmal nichts r? — Nun, haben? die Meinigm sich unserer erbarmt? wollm unS nicht verstoßen lassen? „Ach! sag'S, daß ich zu lrbm anfange. ." / „Nicht bei dm Deinen, auch dein reicher Onkel blieb -ein FelS so hart; in der Stadt fand ich nur Achselzuckm, Lorwürfe" ...;ß, 1» find wir «ch verlorm!" jammerte dir Fra». „Still laß »sich autzrekc- Ein guter Seist, dir Ehanukalichter. ich weiß nicht wie, leuchteten mir nach entsetzlichen zwei Tagen zur Hülfe u daS HanS meine- BruderS; der will, der kann un» helfen. O, da« ist ein Bru>er! kein böses Wort, nur Liebe und Mitleid sprach a»S ihm. Er ist sammt Tante mit mir und den Sindem bis vor unser HauS gegangm, und beide lassen dich grüßen.* — Die Frau wechselte mehermiale die Farben sah wie verschämt zur Erde. „Hättest sie sollm mit hereinbringen —" sagte sie seufzmd. „O, fuhr sie nach kurzer Pause fort. „Jst's mir wie ein Traum, darf ichwagm, morgen zu ihnm zu gehen, zu Füßen mich zu werfen, und ihnen tausendmal Abbitte zu thun?" „Bei Leibe nicht, daS würden die Guten übel nehmen. Aber — Aber morgen Abend ist beim Bruder ein schönes Fest, da wirst Du doch mit mir dahin?" „Alle-, was Du willst — alles, alle- — nur veranstalte, daß ich morgen vorher mit Schwager und Tante sprechm kann." — . b« krt Sminl itraktililchrr Lehrer htzepstle»«/ kic «itbegttiukrt der Verfasser dieser In der Schule wurde am folgenden Tage viel gewitth. schäftet. Damen Hände schmückten die Wände: Pulte und Satheder mußten Tifchm, Stühlen und Bänken den Platz räumen; Frauen und Jungfrauen waren so beschäftigt, wie eS bisher in der Gemeinde noch nie geweien. — Beim Dunkelwerden fanden sich die Sinder im Festschmuckr ein; ihre Blicke mustettm verdeckte Körbe in einer Ecke der Schule. Ter Lehrer erschim, und die Schule füllte sich nach und nach mit Männen», Frauen und Jungftaum. Eine lange Reihe von Kerzchen war schnell ausgestellt. Nach dem gemeinschaftlichen Maariw- (Abmd-) Gebet zündetm Lehrer und Schüler die Serzen an. und nun erscholl von den Anwesenden einstimmig gesungm das Moaus Zur ... und dann sangen die Kinder' deutsche Lieder. Welch ein Jubel! Der Inhalt der räthselhaftm Körbe wurde auf einem Tische ausgebreitet — Geschenke wurden vertheilt und Röthsellöser erhielten passmde Preise. — Nachdem nun die Kinder sich eine ziemliche Zeit belustigt hattm, wurden sie nach Hause gebracht. Die Tische wurden zu einem Festessen geordnet, Herr Neuberg leitete dasselbe mit einer heiteren Ansprache ein..— Trinksprüchh Scherze und gemüthliche Unterhaltung würztm daS Mahl. Am Schluffe desselben erbat sich Herr Neuberg vor dem Tischgebet auf kurze ZeitGehör, indem er eine Rolle in die Höhe hob. Er sprach mit gehobener Stimme: „Unsere heutige Feier, meine liebe» Fcstsrcunde!, gilt einem einzig großen Ereignisse in Israels Geschichte. — Unser Heiligthum, der Tempel war von einem starken, arg» listigm Feinde verwüstet. Die Einigkeit und der Heldmmuth der Hasmonäer hat unter Gottes Beistand Juda und den Tempel wieder frei erkämpft. — Zum ersten male wird hier in Thalheim zur Ennnerung an dieses Ereigniß ein Fest in Einigkeit gemeinsam begangen. Zur Ennnerung an dieses schöne EreiWiis kann ich nun mit tiefster Rührung und m aussprechlichmr Danke Euch eine Edclthat verkünden." Nach kurzer Pause, in welcher die Anu-n'«»d«, mit g». spannter Ermattung auf den Lehrer schauten, fuhr dieser forch „In diesem Dokumente" (er hob die Rolle in die Höhe) schenken Markus und Abraham Fnedberg dieses Haus d«^H Gemeinde — sie wollen eS noch besonders einrichten laffatjg Auf einer Marmottafel, die hier angebracht werden soll, wiB ' ■ in Goldbuchstaben zu lesen sein: „Dem Andenken an Ltvi . Fnedberg und dessen Gattin. — Ein Heim der Einttacht und >' Geselligkeit." * sifreodige Bewegung bemächtigte sich Aller. Man drückte den Brüdern, der Frau Fnedberg und der alten Tante ticfftcr Mhrung die Hände, wobei manche Freudeutl' floß.-- >;^ . ..