Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 51 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 3)
- Language
- German
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20t trie Haushälterin, dann Herrn Brandt, beide nach dem evange» Vfchen Kirchhof. Brandt ein edler, hochgesinnter Wohlthäter, «in Gerechter, dessen Andenken wir ehren. Auch Levi und Sarah Friedberg folgten sich rasch aus «»ander; sie, die fleißig, biwer und treu beisammen gelebt, ruhen in Frieden neben einander aus dem Keinen, umzäunten dgoten Ort", auf einem sonnigen Hügel bei Thalheim. n. Trübe Schatten. Die sieben Traoertage nach der Beerdigung blieben die Geschwister zusammen, dann reisten die Schwestern Bertha rmd Lena, welche auswärts verheirathet waren, wieder ab. — Abraham hatte eine höhere Schule besucht und war bis -jetzt in größeren Städten in kaufmännischen Geschäften thätig. "Run sollte er nach dem letzten Wunsche Friedbergs mit -seinem Bruder Markus die Geschäfte fortsühren. Diese hatten sich mit der Zeit sehr erweitett, zwar war die Metzgerei bald nach der Uebersiedelung in das Brandtsche Haus aufgegeben -und ein schönes Ladengeschäft eingerichtet, wobei der selige "Friedderg noch einen Virhhandel betrieb, da das Haus- Geschäft von der Frau und dem Sohne Markus allein versehen werden tonnte. Markus war so ganz das Ebenbild de« Vaters, ebenso ruhig, umsichtig, fleißig und redlich. Die Tante Lea führte nach dem Tode der Eltern niit Hülfe eines Dienstmädchens den Haushalt. — So ging '«lleS seinen guten Gang, obwohl die Brüder sehr verhiedene Naturen waren. Abraham that sich viel darauf zu »ute, daß er gebildeter und in der Fremde war und suchte dem guten Markus dies oft fühlbar zu machen. Dieser aber ^Ibcrsah in seiner natürlichen Gutmüthigkeit diese Schwäche Bruders; sühlte er sich doch in vielen Dingen, ttotz gelingcrer Buchgelehrsamkeit ihm überlegen. Sein Wahlspruch --war: .Erst besinn'-, dann beginn'-", hatte er aber eine ) Sache reiflich überlegt, dann führte er sie auch durch. — fAbraham hingegen, war schnell mit dem Entschlüsse fertig. ' aber so schnell er etwas begann, so leicht ließ sein Eifer nach. Andiesen Gegensätzen hätten oft große Verdrießlichkeiten hen können, wenn Markus nicht durch scheinbares Nach, geben den häufig verfahrenen Karren wieder auf den rechten?8rg gebracht hätte. — So ging das Trauerjahr zu Ende und mit ihm traten große Veränderungen im Friedberg'schen ' Lause ein. — Abraham verlobte sich mit der Tochter seines 'letzten .EHes'S", einereichen Kaufmanns aus' der Stadt, my, so hieß die Braut, hatte eine sogenannte seine Erziehung alten. Sir war in einem vornehmen Pensionat gewesen und Hatte von dotther mehr Einbildung als Ausbildung Mitge- Aracht. Abraham aber war sehr stolz auf seine Braut und Meren vornehmen Anhang. — Das stattliche, wenigstens für "nne Verhältnisse stattliche Haus war ihm nicht mehr gut enug, es müßte um ein Stockwerk höher gebaut und eleganter ^.-eingerichtet, werden. ' Markus machte Einwendungen, die ^ßLraham aber dieseSmal durchaus nicht gelten lassen wollte. x',Davon verstehst Du nichts, — wir müssen uns vor den Verwandten sehen lassen können, und meine Jenny soll doch behaglich fühlen in ihrem neuen Heim." — „Aber nke doch," erwiderte der Bruder, .wie glücklich war unsere tcr hier." — ..Ja, dawohl, aber die wußte es auch besser." — So wurden denn Maurer und Zimmerleute «llt, und es ging drunter und drüber, und nach ein paar ooaten voller Unordnung und Unbehagen war endlich der fertig. Jetzt wurde die Hochzeit mit vielem Pomp eiett und die junge Frau-zog mit großen Ansprüchen und asipngen in Thalheun ein. — Der Bruder und die Tante gingen die neue Verwandte mit wahrer Herzlichkeit; Lea tr sich nicht genug thun, sie zu erfreuen und Markus kam seinem guten Herzen auf daliebreichste entgegen. — Allemachte aber keinen Eindruck auf die junge Frau, f-Verwandten u>arcn ihr zu altmodlsch, zu jüdisch. Zu. bte sie sich. von Lea bevormundet, wenn diese sie wufo und beklagte sich über die Tante bei ihrem Gatten, den sie nicht mehr Abraham, sondern Albrecht nannte; — das hielt sie für vornehmer. Mit den andern jüdischen Familien de- Ortes wollte sie überhaupt gar nicht verkehren, dagegen strebte sie den Umgang mit einigen christlichen Damen an und war glücklich, daß sie in ein Kränzchen ausgenommen wurde, zu welchem die wenigen sogenannten vornehmen Damen des Torfes gehörten. Auch ihr Gatte, der sich nun überall Albrecht nennen ließ, fand Aufnahme in einem Hrrrenklub. Eines Tages sah Markus seine Tante sehr betrübt und niedergeschlagen. .Ei, was giebt's denn'? ich glaube gar Du weinst." — .Ja, ich muß eS Dir nur sagen, ich kan» der Jenny nichts recht machen, so sehr ich mich auch mühe, und nun will sie sogar, ich soll bei Zubereitung der Speisen nicht, wie es von jeher Brauch ist, die Speisegesetze beobachten. — Ich habe nie verbotene Speisen gegessen, — und wenn sie für sich ihren Haushalt nicht nach jüdischem Brauche führen will, so mag sie das verantwotten; wir aber wollen uns, wenn es Dir recht ist, unsere eigene Küche einrichten." Markus war dieses zufrieden und auch der jungen Frau war die Trennung angenehm, fühlte sie sich doch j etzt unabhängiger, wie sie meinte. — Nach einiger Zeit wurde die Familie durch einen Zuwachs beglückt, — cs kam ein liebes Knäblein an, welches, wie eS schien, wieder hellen Sonnenschein ins Haus brachte. Zwar kränkte es Markus und Lea, daß das Kind nicht nach dem seligen Großvater .Lewi", sondern .Louis" genannt wurde. Di« Freude über den neuen Ankömmlung half aber jede Verstimmung Niederkämpfen und Lea pflegte Mutter und Kind aus das Zärtlichste. Da hättet Ihr sehen sollen, liebe Kinder, wie alle in der Liebe zu dem Kleinen loeitteiferten, er enrwickelte sich aber auch prachtaoll, und als <r zwei Jahre alt war, bekam er ein Schwesterchen, — daß leider auch nicht nach der Großmutter „Sara", sondern .Hildegard" genannt wurde. Die Kinder wuchsen heran und hingen mit großer Liebe an der alten Tante, die so schöne Geschichten erzählen konnte. So vergingen wieder eine Reihe von Jahren, während dessen die Familie noch um zwei Kinder vermehtt wurde. Fran Jenny hatte es schon immer mit schrien Augen angesehen, daß der Schwager und die alte Tante die Kinder anhielteu, die jüdischen Gebräuche zu beobachten, und daß diese mehr Einfluß aus ihre Kinder hatten, als sie selbst. Ebenso war es ihr großer Aerger, daß ihr Schwager in wichtigen Geschäftsaugelegenheiten ihren Gatten überstimmte. Dieser wollte das Geschäft im größern Stil führen und sich in gewagte Spekulationen einlassenf wogegen Markus mit aller Macht protestitte. Ta gab es viele Reibereien und manchen Aerger und Jenny unterließ nicht, ihren Mann gegen die Tonte und den Bruder aufzuhetzen. Eines Tages kam die Frau in das Zimmer der Tante, als diese gerade den Kindern ein jüdisches Märchen erzählte. Ta sie ohnehin schon ausgebracht war, ließ sie ihrem Aerger freien Lauf und beleidigte die Tante auf's Heftigste. Es sei ihr schon lange ein Kummer, ihre Kinder dem Einflüsse der ungebildeten Tante auSgesetzt zu wissen und wenn das nicht anderwürde, so sei sie grnöthigt, die Kinder in ein Pensionat zu schicken, da sie doch nicht aus ihnen solch altjüdische ungebildete Menschen erziehen wollte, wie Tante Lea und Onkel Markus, die ja den Kindern leider ein Vorbild seien. — Die alte Tante sagte weinend: .Wenn Du glaubst, daß wir Dir im Wege sind und Du unsenwegen die Kinder in die Fremd« schicken willst, so wäre es ja besser, wir gingen." — Durch den Wortwechsel angezogen, kamen auch die Brüder herbei. Abraham oder Albrecht, wie er sich ja jetzt nennt, sah verlegen darein, aber rin Blick seiner Frau belehtte ihn, zu wem er halten müsse. — Markus sagte in seiner ruhigen Weise: .Gemach, gemach, — was ist denn hier loS?" .Denke Dir", sagte zitternd die Tonte, .Jenny hält mir vor, daß wir die' Kinder zu ihrem Schade» beeinflußten, wir machen sie ungebildet, — wir siud zu altjüdisch — und sie fühlt sich - 'iSfSSirt ä i rLi