Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 51 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ms Haus. — 'fr zündete ein Streichholz an und fand sich, indem er den Klagelauten folgte, unschwer zurecht. — Da sah er denn zu seinem Entsetzen, den Oberförster Brandt, der hier allein mit einer alten Haushältern' wohnte, geknebelt am Boden liegen. Ei» im Gesichte geschwärzter Mann kniete auf ihm. - Ehe sich der Verbrecher dessen versah, hatte er einen.Schlag auf den Arm, daß ihm die Pistole,, welche er in der Hand hielt, entfiel und er mit einem .zum Teufel, wer ist da?" auf die Beine sprang. Ein zweiter noch wuchtigerer Hieb, den Friedberg seinen Gegner versetzte, ließ diesen, wie von Furien verfolgt, entsetzt fliehen. Jetzt machte Friedberg sich daran, den genebelt:», halb ohnmächtigen Brandt von seinen Fesseln zu befreien, det seinerseits sofort an die alte Haushälterin erinnerte, die man ebenfalls gebunden in ihrem Bette fand. — Jetzt hörten sie ein leises Geräusch im Nebenzimnier wo sich noch ein zweiter geschwächter Spitzbube verborgen hatte, der den Geldschrank des reichen Herrn von Brandt plündern wollte, während sein Mitschuldiger die beiden Hausbewohner binden und falls sie Lärm machten, ermorden sollte. — Mit diesem hätte Vater Friedberg wohl nicht so leichtes Spiel gehabt, wenn nicht durch den Lärm einige Nachbarn herbeigeeilt wären, die gemeinschaftlich den Schurken überwanden, der aber im Fallen dem braven Friedberg noch eine, zum Glück ungefährliche Wunde beibrachte. .O, Sie Edler, Guter! sagte Brandt, Sie hat mir Gott gesandt, zu dem ich flehte in der höchsten Roth, chnc Sie wäre ich wahrscheinlich jetzt eine Leiche. Wie soll ich Ihnen danken, — wie es wieder gut machen?" ..WaS ist da gut zu machen?" sagte der einfache Mann, ich bc:>t nur gethan, was Menschenpflicht ist, und was jeder Brave in meiner Stelle gethan haben würde." — Doch nun muß ich zu meiner Frau, die sich nicht wenig um mein langes Ausbleiben ängstigen wird." Er drückte ein Tuch auf die Wunde und war verschwunden. Frau Friedberg, welche noch auf war und von Beitem d^n wohlbekannten Schritt ihres Gatten hötte, riß di« Thüre ' auf und eilte dem Kommenden entgegen. .Gottlob, daß Du da bist! Wie habe ich mich geängsttgt! Aber was sehe ich? V Du blutest?" — .Es ist nicht schlimm, heruhige Dich nur. - — ich habe soeben zwei Mordbuben das Handwerk gelegt," '■■■ — und er erzählte in Kürze der entsetzten Gattin das Erlebte. — ’? Dabei beiden vom Schlafen wohl nicht mehr die Rede war, ';.t sich denken. Früh am anderen Morgen kam Brandt za Friedbergs, -, Um «einem Lebensretter nochmals zu danken. Dieser aber ' wies jeden Tank zurück. — Mit thränenfeuchten Augen > wendete sich Brandt an Frau Sarah: .O, Sie können stolz -• sein auf Ihren braven, muthigen, stacken Mann. Der Himmel hakte Euch beisammen in beständigem Glücke." — .Darum J wollen, wir zu Gott beten" sagte die fromme Sarah. Brandt gab noch weitern Bericht über den Verlauf des , -gestrigen Abenteuers. Ter Dieb war noch in derselben Nacht Polizei überliefert, hatte seinen Mitschuldigen oerrathen wird ein strenges Gericht sicher sein. .Doch nun zu etwas Geschäftlichem, Freund Friedberg. >; mag nicht wehr allein in dem einsamen Hause wohnen. L^K -nnten Sie nicht den Veckaus meines Hauses nebst Gätteu «Sterts Wiesen vermitteln?" —.Verehrter Brandt, von derlei ^^D,Ächäften verstehe ich leider wenig; — zudem ist hier im „ SC V wohl Niemand, der ein so reiches Besitzthum erstehen ^iStsate. —“ .So gar groß ist die Summe nicht, die ich dafür "rnge. Beim Verkaufe meines BesitzthumS behalte ich mir , i""-.!ich vor, mit meiner Haushälterin 4—S Zimmer für mich ' / zr' oehalten, worin wir bleiben können bis an unser seliges End«. Kaufen Sie's selbst! Wir zwei Familien haben reichlich in dem grrßen Hause upd mit Ihnen und Ihren Lieben mSchte ich zusammen wohnen. Kann eS etwas Besser«» für Kiä einsamen Mann geben, alS die Umgebung so guter treuer Menschen, da» Heranblühen Euerer brave» Siuder zu sehe«! Da mir daü Schicksal Alles genommen hat, so möchte ich mich.m» fremde» Glücke freuen." — Fnedberg sagte mit einiger Verlegenheit: .Sie irren sich, Herr Brandt, wenn Sie 3 mich für vermögend halten, gerne würde'ich Ihne» zu Will« sein, aber mir fehlen die Mittel. — .Du lieber Gott," sagte Brandt, - .wozu bin ich den reich — und habe nicht einmal ’p nahe Erben, — wenn ich mit meinem Besitzthum nicht manche» kann, was ich will? Bezahlen Sie mir jährlich die Zinst» von 2000Thalern und da« Kapitol nach Belieben, — so viel , ist Ihnen doch die Besitzung wert!, i — und ziehen Sie zu mir." Fnedberg machte noch Einwendungen, aber Brandt wußte so zuzureden, dis das Ehepaar 'endlich einwilligte. Am andern Tage schon holte Brandt seinen Retter Friedberg ab,— sie fuhren zusammen in die nah« Stadt, um durch einen Notar die Angelegenheit ins Reine zu bringen. Hier machte auch Brandt noch eine wohlthättge Stiftung von 2000 Thaleru, die er scherzweise .Brandstiftung" nannte. — .Und nun wollt Ihr auch gerne etwas Nähereüber Brandt hören, lieb« Kinder", unterbrach sich der Onkel. .Dieser war vor Jahre» aus einer andern Provinz, als Oberförster nach Thalheim gekommen, lebte dock einige ungetrübte Jahre im schönsten Eheglück mit seiner Frau und zwei Kindern, als das Geschick über ihu kam, und ihm sein sechsjähriges Töchterchen durch den Tod entrissen ward. Bald darauf brach unter den Kindern d«S Ottes eine Scharlach-Epidemie auS, dem sein vierjähriger Knabe Albeck zum Opfer fiel. Diese Unglücksschläge hatte das arme Elternpaar, besonders die Mutter, so sehr ergriffe», daß sie den Tod der Lieblinge nicht lange überleben konnte; ein Herzschlag endete auch dieses theure Leben und raubte dem braven Manne Alles, waS ihm auf Erden dos Liebste war. Seitdem lebte der ttef Gebeugte einsiedlerisch in dem großen Hause, gepflegt von einer treuen, alten Haushälterin. — Seine Unterhaltung bildete eine gute Bibliothek und die Pflege eines schönen Blumengartens. Er war gegen Jedermann liebreich ohne mit irgendwem in näheren Verkehr treten. Dem Spiele der Kinder auf der Sttaße sah er os zu und waren eS besonders die kleinen FriedbergS, die wege» ihres artigen Wesens das Wohlgefallen des einsamen ManneA erregten. Einmal sah er, wie ein großer Bube über de» sechsjährigen Abraham Friedberg herfiel, der jämmerlich schrie. Herr Brandt sprang hinzu, versetzte dem großen Schlingel eine Ohrfeige und brachte den Knaben seiner Mutter. Bei dieser Gelegenheit lernte er diese kennen undwas erstaunt über ihr edles gefestigtes Wesen, das ihn wohlthuend au seine verstorbene Gattin gemahnte. Frau Fnedberg dankte und ermahnte ihren Knaben, sich, nicht wieder mit den unartigen Kindern einzulassen. — Von nun an wurden Grüße und oft freundliche Wotte gewechselt. Ihr habt nun gehöck, wie es kam, daß nachher die Familie 'Friedberg ihr kleines Haus verließ und in daö schöne große Haus zu Herrn. Brandt zog. Jetzt lebte dieser wieder auf; er hatte -seine Freud« an den Kinderü, die er oft zu sich in sein Zimmer rief, ihnen Geschichten erzählte und sie belehtte. Es konnte nicht - fehlen, daß auch die Haushälterin sich wohler fühlte in der Umgebung so lieber > Menschen und daß diese mit Frau Sarah oft und gern übet Kuchen-Angelegenheiten sich unterhielt Zuweilen, an Sabbath- und Festtagen, luden die Fnedbergs Herrn -Brandt nebst' Haushälterin zu Tische, die dann tes Lobes voll waren üb« s die ,kosch«e Küche" und vockrefflichen jüdischen Gerichtt^.7 die Frau Sarah und ihre Schwest« Lea, welche nun auch*- bei chuen wohnte, so gut zuzubereiten verstanden. — So■ ebten die beiden Familjen viele Jahre glücklich mit einanb«.* fHier machte der Erzähl« eine Pause und fuhr banal ln wehmüthigem Tone langsam sott: .Kind«, die Zeit Glückt und der Freude flieht schnell, die des Leidensch langsam dahin. Die Rocht de» gesunden Schlafehebt unbemerkt üb« eine lange Winternacht. Die schmerzen-rei, schlaflose Nacht, und wäLS auch eine kurze Sonn», währt so lang, so lang. — Begleitet mit «rr im in kurz« Aufeinanderfolge vier Leuhenzüge, bau» "" fif[—jnilrriifir Tage u»d