Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 51 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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1894 Nr. 51. Jüdisches a__c -ii__< f«« 5>»«> ffomilir * 4 Hur Nnltrhallung unö Belehrung für die israelitische Mamilie. va» „AAstsche F»»Uie«bl«tt" erscheint wöchentlich al, »rU«ge zur „)»e«»Utis«tzen wechenschrise-. Ae»« mkifuft« S«(|inMt «m« M*f«m 9l«Hc Ift — Die Linzelnnmmer kostet t« Pf», bei der Expedition der .Irr. wochenschr." Hoffnung. Lin Lhanuka-Gedicht. Zwei Häuser. Sine »hanuka,«schichte für «lt und Inn,, von A. Treu. Ocd' und leer ist draußen Alles Und es weht ein kalter Nord; , Die Natur im Winterkleid« Ist nicht zarter Blüthen Hort. toffnung, sie verläßt uns nimmer, ie belebt, was hier auf Erden; „hoffe!" sagt die inn're Stimme, „Frühling wird es wieder werden!" Längst verrauscht find Festeszellen, Die uns froh und Heller stimmen, Ließen doch in unsren Herzen Kleine Hoffnungs-Funken glimmen. - Festesleere Winterszeit! Leer? — Schauet nur das klein« Licht! Weihefestes erstes Zeichen, ' Seht Ihr'» flammen dorten nicht? All' die tichtlein, die erglänzen Bald in lieblich Heller Pracht, Sie erzählen Wunderdinge Von des Fcind's gebroch'ner Wacht. von den Siegen, die die Ahnen Einst erkämpft in jenen Tagen; von der Väter Rettung können Sie gar vieles. Vieles sagen! Angefichts des Fest's erstarket! Laßt Euch Zuverficht nicht rauben; haltet fest, trotz Sturm und Trübsal, Treu an unsirer Väter Glauben! Das Symbol des Höffens sollen Weihelichtlein sein, di« Hellen: „Feindes Uebermuth wird stürzen, Ueber Nacht wird er zerschellen! Berlin. N. L. 5TM „Eine Geschichte, eine Geschichte!" sagte Jakob zu seinem Onkel Moses, nachdem dieser das »Moaus zur jeschuossi« bei den Ehanuka-Lichtern gesungen hatte. „Bitte, bitte, lieber Onkel" drängte die um zwei Jahre jüngere Schwester Matchen. — „Ti, liegen denn die Geschichten nur so auf der Sttaße? oder kann man sie von den Bäumen schütteln? —" „Du hast aber oft gesagt, lieber Onkel, „jeder Baum, ja jede Sttaße könne eine Geschichte erzählen" — „und jede« Hau» erst recht," ergänzte die Schwester. ' Der Onkel schaute einige Augenblicke sinnend zur Erde — dann sagte er nach einer Weile: „Nun ja. so wist ich Euch eine Geschichte von zwei Häusern erzählen, die Ihr sogar kennt." — „Das ist schön", dann behalten wir sie auch besser — und sie ist auch wirklich geschehen; — nicht wahr lieber Onkel?" „Gewiß, über die Zeit, in welcher sie sich zugctrageu, dauett über dreißig Jahre." — „So lange können wir aber nicht zuhören", sagte Jakob kleinlaut. — „So ist eS auch nicht gemeint, ich muß mich nur besinnen» wie ich's anfange, die dreißigjährige Geschichte kurz zusammen zu fassen."—Der Onkel rückte einen Sessel an den Tisch, die Sinder setzten sich zu beiden Seiten neben ihn und er begann: „Bei unserer Postfahtt im vorigen Sommer hielten wir uns einige Stunden in Thalheim auf. Dott zeigte ich Euch zwei Häuser, deren Besitzer die Helden dieser Geschichte waren." — „O, ja, ich erinnere mich," sagt Malchen, — „das eine, mit den Blumengättchen an der Sttaße, war das schönste im Dorf, — das andere, — der Kirche gegenüber, hatte einen rostigen Flrischrrhaken an der Thür, und hinter dem Hause spielten Kinder, als wenn dott eine Schule wäre." — „Richtig! In diesem Hause wohnte vor länger als dreißig Jahren Levi Fttedberg nnt seinn Frau und vier Kindern, Markus, Abraham, Lena und Bettha, in pattiarchalischer Linttacht. ES war eine stürmische Decembcrnacht. Vater Fttedberg war auf dem Httmwege auS der Stadt, wo er sich länger hatte aufhalteu müssen, als er vorher erwartete. Er dachte an die Sorge sttner Frau, wenn er über die bestimmte Zeit ausblieb um» beschleunigte seine Schtttte. Endlich hatte er das erstt eHau» seines Dorfes errttcht, welches rechts vom Fahrweg mündet. — es ift das schöne Haus, — welches Ihr gesehen, und daS Luch noch in der Erinnerung ist. Es kam dem Mauue vor, als höre fr Stöhnen und Wehklagen, er blieb stehen und sah in schrecken-voller Ahnung, daß in dem schönen Stacktt vor dem Hause nur Lücke gebrochen war. „Hier wird ein Ber. brechen begangen" sagte sich Levi Fttedberg, doch er war nicht der Mauu. sich feige wegzustehlen. Er faßte fest seineu derben Knote»stock mit der Eisenspitze und trat dmch die offene Thür