Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 48 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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188 Siegmund'schen Schutzmarke, die mir anfangs sehr zu imponiren''schienen, Beobachtungen angestellt und mutz gestehen, datz ich sehr enttäuscht worden. Diese Methoden scheinen mir von'dem Menschen nur zu seinem eigenen Vergnügen erfunden zu sein, er will sich blos den Anblick unserer Qual ersparen, »m^mit^desto besserem Behagen an den guten Braten denken zu können, den wir ihm mit unserm Leben liefern. Er will nur unsere Matter nicht sehen und legt uns, sozusagen, eine Tarnkappe'an. So kann er ruhig dastehen und Zusehen, und meint, unsere Schmerzen wären darum weniger groß. — Dagegen habe ich nicht ohne Befriedigung ein mit vieler Sachkenntnis geschriebenes, umfangreiches Werk über das Schlachten von einem jüdischen Arzt i» Petersburg gelesen. Ochse Nr. 3 (einfallend): Ich bitte, ein jüdisches Gutachten'scheint mir doch nicht maßgebend zu sein . . . Ter Vorsitzende: Ich kann es nicht gestatten, den Redner zu unterbrechen und begreife überdies nicht, wie eine solche Bemerkung in diese Versammlung patzt. Was haben wir hier mit judensttndlichen Tendenzen zu thun? Sind wir etwa gar Anttsemiten und nicht richtige, vierbeinige Ochsen? O'chs e Nr. 13 (fortfahrend): Ich habe nur noch Weniges hinzuzusügen. Ich wollte nur aussühren, datz ich jene Abhandlung mit großem Interesse gelesen und manchen Gesichtspunktkdarin gesunden habe, der mir recht beachtenswerth scheint. Ter Herr Veterinärarzt hat allerdings ganz richtig bemerkt, daß wir zu einem festen Resultate in dieser Frage niemals gelangen werden, insofern wir nicht alle Tödtungsmethoden an uns selber probiren können. Wenn ich aber von so vielen Ucbeln doch das kleinere zu wählen hätte, so bäuchte mir, nach dem Eindrücke, den die erwähnte Tembo'sche Abhandlung auf mich gemacht, die Att, wie die Juden unserm Leben ein Ende machen, noch die wünschenswertheste für uns .... Ochse Nr. 4 (heftig): Und ich ttete dieser Ansicht entschieden entgegen. Ich bin kein Ochse der Wissenschaft und sehe übrigens, daß die Henen Gelehtten unter sich selber gar nicht einig sind. Warum soll ich denn ein Hehl daraus machen, daß für mich in dieser Frage der polittschc Standpunkt der allein maßgebende ist? Der Herr Vorsitzende hat seine Verwunderung darüber ausgesprochen, daß man in eine rein thierliche Angelegenheit menschliche Patteitendenzen hineinzerre und als solches, uns fremdes Element den Antisemitismus bezeichnet. Allein mir scheint es, daß Ochsen und Anttsemiten durchaus nicht so unglcicharttge Begriffe sind, und daß allenfalls ein seelisches Band zwischen jener Pattei und uns besteht. Wie sehr wir auch Ursache haben, alle zweibeinige Geschöpfe, die sich Menschen nennen, zu verabscheuen, so muß ich für meinen Theil gestehen, datz ich mich zu den Anttsemiten noch eher hingezogen fühle, denn ich finde, daß gerade ihr Gebühren und Reden noch die wenigsten menschlichen Merkmale trägt. — Man darf auch vor Allem nicht übersehen, daß, wenn die von den Menschen aufgerollte Frage über das Tödten von Thieren. für nns eine günstige Wendung nehmen sollte, wir es einzig uud allein der Jnittattve jener Pattei zu verdanken hätten. Erst durch sie wurden ja die Thierschutzvereine aufgestachelt, die bisher in dieser Frage keine Hand gerühtt, und die ganze Bewegung ist daher nur ihr Werk. Gern räume ich ein. daß es den Anttsemiten dabei mit Nichten um unser Wohl zu thun sei. Man sagt, sie wollen ihr Steckenpferd, die Juden, damit tteffen. Schön, aber kommt es nicht uns zu statten? Und müssen wir ihnen nicht dafür dankbar sein? Wer wollte aber noch behaupten, daß Anttsemiten und Ochsen mit einander nichts gemein haben?! Ochse Nr. 5: Der Hett Bottednn hat mir aus dn Seele gesprochen. Für mich galt es gleich von Anfang an, noch bevor das Wott Antisemit hin gefallen war, als zwttfcllos, daß die Ochsenvon dn Anttsemitenfrage unzettrennbar sei, daß ein gewissn Eausalnexus zwischen beiden bestehe. Ta dieses nun auch von anderer Seite konstatttt worden, will ich ohne wcitne Umschweife auf die Darlegungen des Henn Sanüätsrathes, die Beibehaltung des Schächtens be» treffend, zurückkommen, welche Mtthode ich als die für allerschädlichste bekämpfen muß. Ich bin Mathematiker, Hnren, und als solcher geben für mich nur die Zahle» Ausschlag. Für mich liegt demnach, da wir einmal Menschengin zum Opsn dienen müssen, die Frage einfach welche von allen Schlachtungsmtthoden kann uns^muth lich einen gningern Prozentsatz dn Stnblichkeit bringen, andern Worten, btt welchn von allen Atten würde dn Fle consum wahrscheinlich abnehmen? Nun muß ich mir sa nur wenn wir die Juden tteffen, können wir etwas gewin alle andern Reformen würden das Consumvnhältniß im Gningsten tangiren. Man führe bitte odn jene Att Tödtung ein, würde die große Anzahl dn Chttsteu uns durch mit wenign Appetit vnzehren? — Ein kleines Re cxempel mag Ihnen dagegen beweisen, welche respektable | von Ochsenleben durch die Abschaffung des Schächtens retten ist: In Deutschland allttn leben etwa 500,000 Nehmen wir an, daß nur 10 Prozent davon sttenggb sind, die kttn anderes, als gttchächtetes Flttsch essen und rechnen wir, daß ein Mensch — Gott strafe ihn - durchschnittlich im Jahre nur einm Ochsen oder eine! vnspttst, können wir da nicht mit mathematischn rechnen, daß somit 50,000 Ochsen im Jahre wenign sumitt, also dem Tode durch Menschenhand entgehen Hat dn Herr Bonednn bahn nicht recht, wenn n tt» auf die Anttsemiten ansttmmt? — Ochse Nr. 6: Gewiß hat n recht. Nur ein Me«.j das sogenannte vernünftige Wesen, kann die Antisemiten f höhnen, aber sichnlich kttn Ochse. Ich habe aber üb Sache noch wttter nachgedacht und bin zu ganz ander»^ sequenzen gekommen, die sich aus unserm gemttnsame» ' gehen mit unsern Freunden ergeben würden. Ja, Herren, ich gebrauche mit Absicht diesen Ausdruck, bettachte die Antisemiten als unsere richtigen Freunde uab] sinnungsgenosscn. Ich bin Politiker und National und hege von jehtt ttnc große Bewunderung für ihr« vnbttsernden Ideen. In ihrem neusten Programm, mir vnschafft und mit großer Aufmerksamkttt geltte», if besonders ein Punkt in die Augen gttallen, dn mi$| ihrn großen Weisheit übnzeugte, ein Gedanke, dn wäre, in ttnem Ochsenkopfe zu entstehen. Sie wolle Juden — ob mit Recht odn Unrecht, hat uns von Standpunkt nicht wtttn zu kümniern - alles Hab mri| abnehmen und sie an deu Bettelstab bttngen. Kann Jntnttse alln Ochsen ein bttsnes Programm aufs Odn sehen Sie, mttne Hnren, noch nicht ttn, was für uns folgt? Dn Hnr Bonednn hat bewiese lediglich durch die Abschaffung des Schächtens 50,000 j am Leben zu nhalten sind. Was ist abn dies ge Aussichten, die uns bevotttehen, wenn übn ganz De die Sonne des Anttsemittsmus leuchten, wen» n alle! bttiegen und als allttnige Macht dastehen würde! haben wir noch ganz andere Errungenschaften, als bi bloße Abschaffung des Schächtens zu nwatten, dcnnj sind es nicht nur 50,000 Juden, denen der Fleis entzogen wird, sondern die gesammte jüdische Deutschlands, die mit uns nichts mehr zu schaffe« sollte da ttn Jude, ob fromm odtt nicht fromm Fleisch kaufen, ttnen Braten vnzehren können, wen« guten Anttsemiten, wie sie es beabsichtigen, alle Tasl - leert haben? Und wenn nun, wie ausgerechnet wv Normalmensch mindtttens ttnen Ochsen im Iah« müssen nicht, wenn 500,000 Flttschftesser untergehe», i Ochsen am Leben erhalten blttben? (Großer Applaus, beiden Rednern werden btt« Tribüne unter httzlicher Beglückwünschung von alle» Ettd geschüttelt.) Ochse Nr. 8: Ich bebaue« in de» allge nicht einsttmma: zu können. Man hat hier na att nttt große» Zahle» hcrumgrworsar, die