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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 47 (1894) · p. Seite 185

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
47 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 185 (sequence 3)
Language
German
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.'wich^ er folgte ihr jedoch und kam, trotzdem sein Gehirn wüst und fein- Gang wankend war, immer näher. Breitner, den -e# von Herzen reute, den SaufauS hereingebracht zu haben, gab einen theilnahmSlosen Zuschauer ab, denn er wußte, daß jedes Einmischen einen höheren Grad von Wildheit in Diether -hervorzurufen pflege. DaS Mädchen, von Angst und Schrecken »erschöpft, war nahe daran in seine Hände zu fallen, als .plötzlich die Thüre sich öffnete und die Sache eine andere -'Wendung bekam. In der Thüre stand ein hoher stattlicher Jude im Reise» ^pelz, ihm'zur Seite ein junger blühender Mann, gleichfalls <mS Israels Stamme, und hinter ihnen, im Zwielichte der «inbrechenden Rächt, sah man drei oder vier bewaffnete Diener. Der Jude, dessen Kopf ächt patriarchalisches Gepräge trug, heftete seine» dunklen Blick fest auf die beiden Männer und fragte das Mädchen, welches mit einem Schrei des Entzückens an seinen Hals flog- „Was ging hier vor, Megina." „Sir wollten mich beleidigen,^ rief die Jungfrau sich -an ihn schmiegend. Ephraim Reubl, denn es war der Hausherr, übergab feine Tochter dem jungen Manne, der zornglühende Blicke nach -'den Fremden warf; er selbst trat auf diese zu und sprach -ernst und würdevoll: „Ihr Herren, so es Euch genehm, vrr» laßt mein HauS, Ihr habt hier, soviel ich iveiß, nichts zu thun; so Ihr aber eines Geschäftes wegen hier seid, so soll's -mich freuen." Jeder andere Hausherr hätte die ungebetenen Gäste vor die "Thüre geschafft, aber Ephraims Seele, obwohl empfänglich für Ehre und Recht, ergab sich schweigend in die Kränkungen Welchen in jenen Zeiten der unglückliche Stamm nur zu oft .«utgesctzl war. „Ei Jude!" ries der Schlagnitweit trotzig prahlend, „willst .Du uns noch Gesetze vorschreibc»; wir werden bleiben, so es; uns beliebt, und Tein sprödes Töchterlein ivill ich vor Teinen klugen küssen." „So ich Euch nicht bindere," sagte der Jude ruhig. „Tu mich hindern, verdammter Mauschcl," zürnte der Schlagnitwcit, an den Ttgen greifend, „ich will Dir den Solinger um die Ohren legen, daß Dir das Schachern für Leitlrbrns vergehen soll." Statt aller Antwort griff Ephraim in den Busen, und ^og ein blankes Feuergewehr hervor; je seltner diese Waffe Tn jener Zeit, desto größer war die Furcht vor ihr, und selbst der wilde Raufbold, der sich nicht gescheut hätte, mit den fünf Huden anzubinden, taumelte zurück, als sich ihm der blanke Laus entgegen streckte. „Willst Du an den Galgen, Jude?" fragte er sichtlich erbleichend. „Das ich nicht wüßte," sagte der Jude ruhig. „In dein -Freibriefe, welchen der Erzherzog Rudolf IV. der Wiener Zudenschaft ertheilte, heißt es ausdrücklich: „So Einer einen . Juden in seinem Hause schädigt an Leib oder Ehre oder Gut, so soll der Jud den Störefricd beseitigen; so cS sein müßte mit blanker Wehre und auf Gefahr des Lebens." „Heißt es so?" fragte Schlagnitwcit seinen Gefährten. „ES ist so," bestätigte Thomas. „Und so hätte ich nicht einmal die Rache, daß dieser Hund a» den Galgen kommt, wenn er mich niederschiebt," .murmelte Schlagnitweit mit den Zähnen knirschend. „Komm, aber ziehen wir ab, und die Pest über Euch, verwünschtes apack." Breitner, der sich die ganze Zeit über in der unaiigeebmen Lage eines Menschen befunden, der nur zu gut weiß, aß daS Recht auf der fremden Seite, aber dennoch nicht gen seinen Freund auftreten wollte, war froh, daß das »teuer einen so guten AuSgang »ahm und folgte seinem der schimpfend und drohend durch die Juden hin» tzritt, welche dem Geiste der Zeit gemäß kein Won AWwußen schwangen Schlagnitwcit drohtt mit der Faust gegen das HauS hin, und rief: „Wart' Jud', ich will Tir'S gedenken." Dann jagte» beide gegen Wien zu. Auf halbem Wege kam ihnen ein reitender Knecht entgegen, welchen der alte Schlagnitweit auSgefcndet hatte nach seinem Sohne. „Mit Gunst," sagte Diether, „ich habe dem HannS ein Wörtlein zu sagen, insgeheim; reite nur fürbaß, Bruder Thomas, ich hole Dich ein, ehe Du zum Thore kommst." Thomas ritt weiter und Schlagnittveit gab dem Burschen, der ein pfiffig verschlagenes Gesicht hatte, einige Verhaltungsbefehle, auf welche dieser zum Zeichen des Verständnisses mit dem Kopfe nickte. Der Herr gab ihm auch Geld, und der Knecht schlug die Straße gegen Rüßdorf ein, während Schlag, nittveit mit verhängte» Zügeln dem voranreitenden Breitner nachsprengte. (Fortsetzung folgt.) hi Sirii lr§ Sinns SniisViktn. Der Universalerbe des Baron Moritz Königswarter, sein zweiter Sohn Hermann, giebt den Glauben seiner Väter auf und tritt mit seiner Familie schon in allernächster Zeit zum Katholizismus über. Dieser Glaubenswechsel ist nicht nur durch die Persönlichkeiten der Konvertiten interessant, er ist es noch mehr durch die Vorgeschichte und die Nebenumstände. Baron Hermann Königswarter war vor etwa sechs Jahren als Ein>ährig-Freiwilliger Husar in Großivardein in Garnison und verliebte sich daselbst i» die entzückend schöne Tochter des in Turf kreisen bekannten Herrn v. Blaskovich, eines der reichsten Großgrundbesitzer Ungarns. Das junge Mädchen fand auch an dem schmucken Husaren Gefallen, der mit ebensoviel Eifer als Kunst und Kühnheit seinen feurigen Rappen vor ihren Fenstern kourbetlircn ließ, und auf Bällen und Soireen schloß sich rasch der Bund der Herzen. Tie Ber» einigung für das Leben, von dem jungen Paar sehnsüchtig ersttebt, stieß jedoch auf Schwierigkeiten, welche unüberwindlich schienen. Die Eltern der betheiligten Parteien batten zwar gegen die Wahl ihrer Kinder nichts einzuwenden: aber Baron Moritz Königswarter drohte seinem Sohne mit Ent» crbung und dem väterlichen Fluche, falls Jener daran denken iverde, seine Braut auf dem Wege durch die Sakristei zu er», ringen, und die Familie Blaskovich wollte wieder die schöne Melanie verstoßen, ivenn sie ihrem Erwählten in die Synazöge folge. Tie Macht der Liebe und der Einfluß der Millionen trugen aber den Sieg davon. Tie Familie Blaskovich gab nach, die Glaubenstteue des alten Barons Königswarter errang einen Erfolg: Fräulein Melanie ging täglich tief verschleiert zum Obcrrabbincr von Äroßwarvein und ließ sich in die Bräuche und Gebete des Judenthums einweihen. Vom Rabbiner eilte die junge Dame regelmäßig in die Kirche, warf sich vor dem Altar der Muttergottes auf die Knie und betete lange da und innig. Eines Morgens lag Melanie v. Blaskovich wieder vor dem Marienbildc mit gefalteten Händen und thräncnüberströmtcm Antlitz; mehrere Male erhob sie sich und kniete rasch wieder nieder, betete von Neuem; sie schien sich nicht ttennen zu können von der heiligen Stätte. Endlich ermannte sich die andächtige Beterin, verließ die Kirche, az, der Thür noch einen langen Scheid.-blick zurückwerfend, bestieg den draußen harrenden Wagen und fuhr — zur Synagoge, wo der Rabbiner in festlichem Talare und die Vornehmsten der jüdischen Geineinde ihrer harrten: Melanie v. Blaskovich wurde Jüdin. Bald darauf fand die Vermählung statt. Der Glaubenswechsel der jungen ungarischen Aristokratin hatte in der hohen Gesellschaft nicht geringes Aufsehen erregt; der klerikale Theil der Magnatensamilien boykottirte förmlich ihre ehemaligen Freunde, die BlaSkoviche, und der berühmte Rame verschwand gemach von Turf und Salon. Der Schwirgcrpapa anerkannte das Opfer seiner Schwiegertochter je» voller Bedeutung, und war bemüht, ihr dasselbe

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