Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 47 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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mit Thaten inniger Liebe zu lohnen; er gab ob auch mit schwerem Herzen seine Einwilligung, daß sich sein LieblingSsohn im Biharer Komitat ankaufe und ansiedle, und er selbst kam, trotz seiner Reiseunlust und physnchen Schwerfälligkeit, möglichst häufig auf das Gut der Sinder, der jimgen Frau stets die kostbarsten Geschenke mitbringend. Und als gar ein kleiner Hermann in der Wiege strampelte, da war Großpapa in voller Seligkeit; er spielte ganze Tage mit dem pausbackigen Bübchen und hielt es in Wien kaum mehr vor Sehnsucht nach dem Enkel aus. Was ihm nur sehr weh that, war die vollständig ungarische Erziehung des Jungen, mit dem er so gar nicht plaudern, dessen sich regenden Verstand, dessen ganze Änderweisheit er nicht genießen konnte; und wenn ihm Armin ein magyarisches Bolksliedchen vorsang, so schimmerten in den Augen des alten Barons Thränen, die ebenso von Lust wie von Leid erzählten. Vielleicht wußte der alte Herr damals schon, daß sein Sohn für den jüdischen Glauben, an dem er selbst so treu und fest hing, verloren sei, und daß er nur die Augen schließen müsse, damit sich der „ungarischen" Linie seines Hauses die Ärchenthür öffne. Er hat diese Eventualität auch in seinem Testament berücksichtigt. Seine Liebe für den Sohn, dessen liebliches Weib und den Enkel war zu groß, um auf den gefürchteten Schritt eine bedeutsame Strafe zu setzen; aber eine Million sollte die Taufe den Abtrünnigen j doch kosten, eine Million, welche Annen und Unglücklichen zu Gute kommen sollte. Und jetzt rüstet sich Baron Hermann KönigswaNer im Sinne des letzten Willens seines Vaters, diese Million Wohlthätigkeiszwecken zu widmen, und zwar 400,000 Gulden zur Gründung eines Spitals für Kranke jeder Konfession, 200,000 für das von seinem Vater gegründete Blindeninstitut und 400,000 Gulden in Mindestbeträgen von 50,000 Gulden für verschiedene Wohlthätigkeits- Jnstitute. Tas alte Jerusalem. Ein ganz eigenartiges Kunstwerk wird gegenwärtig in Wien gezeigt. Ein polnischer Künstler, Franz Stiegler, aus der Schule Matejko's, hat das alte Jerusalem, wie es vor der Zerstörung bestand, in ungemein mühsamer und kunswoller Holzschnitzerei nachgebildet. Achtunddreißig Jahre soll Stiegler an diesem Werke gearbeitet haben. Uebcr Jerusalem, die Stadt, die allen drei monotheistischen Religionen heilig ist, besteht auch in topographischer Beziehung eine sehr umfangreiche Literatur und sind zahlreiche Versuche gemacht worden, das Bild der Stadt vor der Zerstörung wieder herzustellen. Stiegler nun hat nach langschwierigen Studien die Stadt, getreu den Angaben des Josephus, und zwar nach der im Vatikan befindlichen Handschrift konstruirt; der eigenthümliche Charakter der steil ansteigenden Bergstadt mit den engen Gäßchen, in denen nie mehr als zwei Menschen nebeneinander gehen konnten, mit den zahllosen Stiegen als Verbindung zwischen den einzelnen Bauten und vor Allem mit den zahllosen Kuppeln, welche der Stadt von Ferne das Ansehen geben, als ob sie von einer einzigen mächtigen Kuppel überdacht wäre — Alles das kommt in der Nachbildung vortrefflich zur Geltung, und aus der richtigen Entfernung, mit den entsprechenden Gläsern betrachtet, wirkt das Bild ungemein lebendig. Mit großer Gewissenhaftigkeit sind alle Details ausaearbeitet und alle historischen Orte zumindest angedeutet Man sieht hier unter Anderem den Königspalast, die Häuser des Kaiphas und Ananias, das römische Konsulat; besonders auffallend ist der Herodes- Palast mit seinen drei großen Thürmcn. In der sogenannten Mariastadt sind die prächtigen Salomonischen Bauten und der Tempel mit seinen zahllosen Nebengebäuden von besonderem Interesse. Die Gestalten der Bibel werden beim Anblicke dieses Werkes im Beschauer wieder wachgerufen und alle Erinnerungen aus dem Buch der Bücher werden aufs Neue in ihm lebendig. Der ^ude. Boa Dr. ®. I. Kämpf f. «. Der Jude! der Jude! Ein wunderbar Ding. — Betracht' ihn mit Ehrfurcht. Nicht acht' ihn gering! Dem winzigsten Volke Gehört er >a an. Doch Huben und drüben Man treffen ihn kann: Ziehst hin du nach Osten, So steht er vor dir. Und fliehst dn nach Westen — Du siehst ihn auch hier. Du strebest nach Süden — Er ist schon am Ort, Du eilest zum Norden — * " Er wandelt auch dort. Und wählst du das Meer dir — Tu weichst ihm nicht aus, Und suchst du die Wüste — Er ist da zu Haus. Gefoltert, gemartet. Gepeinigt aus'S Blut. Beharrt er im Glauben, Verliert nicht de» Mulh. Tu glaubst ihn bezwungen, Zu Boden gestreckt. Er richtet empor sich — Er ward nur erschreckt. Der Ehren beraubet. Bewahrt er die Ehr', Verzichtend auf Rechte. Ist Recht sein Begehr. Er pocht nicht, er tobt nicht, ©r kommt nicht mit Hast, — Er schmiegt sich und fügt sich, Und gönnet sich Rast. Herzinnige Red' nur, Gemüthlich und mild. Vertrauen auf Wahrheit Ist Waff ihm und «child. Er schauet nach oben. Da wohnt ja sein Ahn, — Ter wird ihn schon leiten Aus ebene Bahn. Treu lebt er dem Glauben, »Einst zeigt eS sich klar. Was schlecht und was recht ist. Was falsch und was wahr!" D'rum kann ihn nichts irren. Eins sagt ihm sein Herz: „WaS immer du leidest — Gott lohnet den Schmerz!" Der Jude! der Jude! Ein wunderbar Ding, — Betracht' ihn mit Ehrfurcht, Nicht acht' ihn gering! — Aus dem ^pruchschatz des Talmud. poetisch übertragen von Max Weinberg, vier Mark an Arbeitslohn und vier Mark der Lrt Den Acker wohl niemand haben mag. (Hab* bathrm, 6) ertrag, 3n(r«ftt Der «btrflanigr. Novelle von «. Langer, «»«an de« Barons König«»artrr. Das alte Jerasaletn. Der! Bon Dr. S. I. Kämpf- «ns »na Sprachschatz »es Daimnp. BerannoorU. Nedactrur M. Rahmer, Druck Leistner k Drewfs, Vertag der »Lgptbüion". sämmtlich in Magdeburg. .