Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 39 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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165 «uf ihn zu und wollte ihm alles eröffnen, da betrat Reb -KloinimoS mit heftigem Ungestüm daS Zimmer, stürzte verzweifelt aus den Rabbi zu und sagte stutzend: .Ich habe ge. chött, daß sich Ihnen ein Malach') offenbarte, erzählet mir das seltsame Ereiguiß!" Josef konnte aber uicht länger an sich halten und als er Reb Kloinimos zum Schweigen gebracht, wendete er sich zu Reb Ephraim und sprach: „Bester Onkel! in der verflossenen Nacht erschien mein gottseliger Vater mir im Traume und sagte mir: „Mein Sohn! Kehre auf den Veg der Religion zunick, verlasse alle Deine apikorßischen Ideen und thue Tschuwe'). Höre auf den Befehl Deines Paters, geh' zu meinem Bruder, Deinem Oheim Ephraim, und sage ihm, er möge Dir Deine bisherige Lebensweise verzeihen, von nun an willst Du nach seinem frommen Willen handeln, und ein Baal-Tschuwa * *) ist doch besser als ein Zadik gomur*); Tein Oheim ist bereits durch ein göttliches Zeichen aufmerksam gemacht worden, Dich wieder huldvoll aufzunehmen!" „Die Worte meines theuren Vaters beherzigend, falle ich nun zu Ihren Füßen, lieber Onkel, und bitte Sie um Verzeihung, ja flehentlichst bitte ich Sie, meinen Traum zur Thatsache zu machen, thucn Sie es, lieber Onkel, um ineincr Vaters, Ihre- Bruders, willen, damit er im Kewcr 5) Ruhe habe und wirklich will ich endlich mit ganzen Herzen Buße thun!" „O, das ist ein Wink Gottes" — erwiderte Reb Ephraim. „Und ich kann Euch nur meine Zustimmung geben" — sagte der »och am ganzen Körper zitternde Rabbi — „hängt doch dieser Traum Ihres Giessen mit der Offenbarung meines Vaters dort am heiligen Grabe vollkommen zusammen und sind einander so ähnlich, wie ein Ei dem andern. Brauchen wir demnach lange darüber nachzudenkcn, daß es ein Fingerzeig Gottes ist? Ich kann Euch nur meinen Segen dazu ertheilen." Ter Rabbi erzählte dann dem Schadchen die ganze Geschichte und dieser ergriff nun das Wort: „So seid Ihr denn alle hier versammelt, Josef der Bräutigam, Mirjam die Braut und die Mechuronim') alle. Ich gehe also und bringe noch die Mechuteneste^), die Mutter Josefs, her, dainit die Verlobung in Gegenwart des Rabbi von Z. . . stattfinde." Pfeilschnell lief er von dannen und in wenigen Minuten kam er zurück in Begleitung der Mutter Josefs. Hierauf fand die Verlobung statt und die Hochzeit sollte i» kurzer Zeit gefeiert werde». VIII. Es wäre eine Anniaßung, die Freude des verlobten Brautpaares schildern zu wollen, dieselbe könnte sich nur derjenige ausmalen, der schon einmal so geliebt und dessen Liebe auf solche Schwierigkeiten gestoßen, wie es bei Joses und Mirjam der Fall war. welche mit den schädlichsten und gefährlichsten aller Teufel, mit Bornitthcit und fanattscher Albernheit, zu kämpfen gehabt haben und denselben schier zum Opfer gefallen wären. Wie immer und überall hat auch hier das Licht über die Finsterniß gesiegt und die Wahrheit über den Unsinn einen glorreichen Triumph gefeiert. Einig wahr bleibt -es Dichters Spruch, daß eine Liebe, die ganz glatt verläuft, ohne Hindernisse zu überwinden, garnicht Liebe heißen kann. Als nun jener harte Kampf ausgefochten war und Josef Mirjam sich öffentlich vor aller Welt als Verlobte die Hand reichen durften, zog letztere ihren Bräuttgam zur Seite und ba> ihn inständigst, ihr diese seltsame, ja höchst kuriose Geschichte aufzuklären. „Mir bleibt da der Verstand fülle stehen" — sagte sie ihm im Tone jener nur dem weiblichen Geschlechte eigenen Neugierde — „wie soll ich inir das erklären? Wie trafen denn jene der reinen Vernunft zuwiderlausenden und doch so sehr übereinstimmenden Fälle zusammen? Tein Traum *) Lin (EnfltL *) Buße. *) (Einer ker Buße «hui. 4) Lin wahrer *) Ahnt. •) Ettern der Braut, 's Die Mutter de» Bräutigam und die Vision des Rabbi von Z. . . Darf ich denn an eine Auferstehung jeneS todten Rabbi glauben, oder kann ich glauben, daß aus Dir, der Du immer so frei gedacht und auch mich frei denken gelehtt, über Nacht ein ganz anderer Mensch geworden sei, der, von seinem Traume hierzu veranlaßt, sich jetzt vornimmt, in die alte Bahn des Chassidismus einzulenken? Dein Traum steht aber doch im vollsten Einklänge mit jener Vision des Rabbi?!" Josef bewahrte indeß über sein Geheimniß fieses Sfillschweizer, und wie sehr ihn der melodische Ton und die reizende Wißbcgierde seiner Geliebten auch bewälfigen mochte, verharrte er dennoch dabei, daß cS noch „zu früh" wäre, den Schleier dieses Geheimnisses zu lüften und verttöstete sie damit, daß er ihr in Zukunft alles aufklären werde. — Als endlich die Vermählung vollzogen war, entdeckte er ihr seinen Plan, dem allein beide es zu verdanken hätte, daß ihre Liebe dem Eigensinn der Eltern Stand gehalten und sie nunmehr von den heiligen Banden der Ehe umschlugen seien. Eines schönen Tages erzählte er ihr niit holdem Lächeln: „Jetzt hat die Stunde geschlagen, da Du alles erfahren sollst. Du wirst Dich vielleicht noch zu erinnern wissen, ich habe Dir finst erzählt, daß ich den Knaben des hiesigen Todtenwächters Reb Zodik von der grausamen Hand eines ihn prügelnden Bauern befreit habe. Damals that ich das, weil'S mir «nein menschliches Gefühl dictirte, und maß diesem Ereignisse keine weitere Bedeutung bei. Dieser Knabe, allerdings ein aufgeweckter Bursche, hat mir jetzt einen großarttgen Gegendienst geleistet und unser beider Heil befördert. Als ich nämlich vernahin, daß der Rabbi von Z. . . sich zur Grabstätte seines hier ruhenden Vaters begab, gab ich diesem Todtcnivächterjungen einen Wink sich in dem Gesträuch hinter dem Grabe zu verstecken und mit seinem Munde jene Wotte zu sprechen, die der thörichte und fanafische Rabbi als von dem Grabe seines längst verstorbenen Vaters gesprochen wähnte. Gleich daraus begab ich mich zu Deinem Vater und erzählte ihm jenen erdichteten, aber in diesen Kram passenden Traum. Die Leute konnten nicht umhin, meine Wotte als baare Münze hinzunehmen und aus diese Weise habe ich Dich und mich gerettet, theure Mirjam! Zum erstenmal in meinem Leben habe ich die jesuifische Theofie in Anwendung gebracht und „dir Mittel durch den Zweck geheiligt" bettachtet. Ttt Vorsehung sei es nun gedankt, daß sich unsere Hoffnungen so glänzend bewährt haben!" „Ich habe gleich geahnt" — erwiderte Mirjam freudig überrasch, — „daß Deine Hand in jenem Spiele gewesen sein inußte, al'ein auf welche Weise Du dies veranstalten konntest, darüber lonnte ich trotz vielen Kopfzerbrechens nicht klug werden! Genug, wir haben gesiegt und der Name Gottes, der es so gewollt, sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit!" Ende. Sussuf, der mit seiner Seele handelt. Bo» Leopold von Sacher-Masoch. Jusstts war mir als der geeignetste Mann empfohlen worden, mir in Jnusalem selbst und in den Umgebungen der heiligen Stadt als Führn zu dienen. Ich fand ihn glücklicherweise daheim and konnte somit auf der Stelle meinen Pakt mit ihm schließen. Vom ersten Augenblick an sah ich, daß Jussuf kein gewöhnlicher Führn und überhaupt kein gewöhnlicher Mann war; schon lein Haus unterschied sich vortheilhaft von jenen anderer Eingeborener durch einen gewissen europäischen Comfort und peinliche Sauberkeit. Jussuf selbst in seinn halb stanzösischen, halb syrische» Tracht ein Phänomen, mit seinem leicht gebräunten Kopf, seinem seinen, ironischen Lächeln und den Manieren eines Parisers KammcdienerS. Er sprach alle möglichen Sprachen und ivar über die Verhältnisse unseres zivilisitten Weltthfil erstaunlich unterrichtet, .-und doch stand er vollständig unter der Botmäßigkeit stincr