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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 39 (1894) · p. Seite 156

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
39 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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Frau, obwohl bicfe noch die ganze Ursprünglichkeit ihrer Race zeigte. So begrenzt aber auch der Horizont dieses jungen WttbeS mit den schlanken Panthergliedern und den leuchtenden Gazellenaugen war, schien sie doch, in chrem Kaftan und malerisch um das schwarze Haar geschlungenen Schleier, viel mehr eine jener schönen und klugen Prinzessinnen deS arabischen Märchen-, als die Frau eine» schlichten Bürgers von Jerusalem. Bei unserem ersten Gange durch die Stadt, die noch viel mehr als jene auf den sieben Hügeln die Ewige genannt zu werden verdient, öffnete mit Jussuf bereitsein Herz. Wie alle, die daheim unterdrückt sind, hatte er das Bedürfniß, außer dem Hause zu schwätzen, den Fremden seine Schicksale anzuverttauen. .Eigentlich bin ich auch nur zu meinem Vergnügen Führer/ begann er, .und diene auch nicht dem Ersten, Besten. Sie gefallen-mir; wenn Sie mir nicht gefallm Hütten, wäre ich nicht um eiue Million mit Ihnen gegangen." .Es ist also eine Ehre, die Du mir erweisest?" .Bon mir aus — ja." .Wovon lebst Du also?" .Ich, — ich lebe eigentlich von meiner Seele." .Wie?" .Ja, — von meiner Seele." .Woher weißt Du denn überhaupt, daß Du eine Seele hast?" .Ich habe sogar mehere." .Du scheinst mir nicht recht bei Verstand!" .Nur zu sehr bin ich bei Verstand," 'erwiderte Jussuf lächelnd. .Als ich meine Seele das erste Mal verkaufte, da war ich noch beschränkt in meinem Geiste und dachte: .Deine Seele ist jetzt sott, — für immer. — — Da kam so ein feister Mönch mit kahlem Kopf und bewies mir. unumstößlich, daß ich noch immer eine Sette habe, also war das die zweite und stttdem habe ich es auf sieben Seelen gebracht, und jede dieser Seelen hat ttnen andern Namen. .Tu hast also sieben Namen?" .Ja, ich httße Jussuf, Jssa, Johannes, NicolauS, Abraham, Hannan und Mattin." .Ich werde nicht klug.auS Dir, ettläre Dich deutlicher." .Das ist doch sehr einfach," antwotttte Jussuf, '„geboren bin ich als Mohamedaner und bttam den Namen Jussuf, weshalb die Leute mich noch so nennen, obwohl ich mttnen Namen seither öfters gewechselt habe. Mein Vater war Eselttttbcr, was sollte ich anders werden als Eselttttber, um so mehr, alS ich von meinem Vater einen Esel geerbt hatte, der würdig gewtten wäre, jeden Prophtten zu ttagen, so schön und verständig war er und wohlerzogen. Er hieß Belisar. Mir ging es gut, zu gut — deshalb nahm ich ttne Frau, — nun, Sie kennen Sie ja." . .Ein schönes Wttb!" .Es wäre mir lieber, sie wäre es nicht, denn mit Hülfe ihrer Schönheit' hat sie mich unter das Joch gebracht. Das wäre aber noch zu ertragen gewtten, aber Inder ist Zobttde, .so nennt sich mttne Frau, klüger als ich. Womit soll ich ihr also imponiren? Anfangs da ging es ja, aber als mein Esel ttnes sanften Todes erlich, ändette sich die Sachlage. Ich war nicht gewohnt zu arbttten; wenn ich nun ausging, etwas zu verdienen, gttchah es jedesmal, daß ich im Schatten ttnes Baumes oder ttner Mauer liegen blieb und ttnem Sänger oder Märchenerzähler lauschte und wenig oder gar nichts httmbrachte. Einmal erwischte mich Zobttde btt ttner solcher Gelcgenhttt und fühtte mich nach Hause, wie ttn Schaf, daß sich verlaufm und das man glücklich wieder ttngttangen hat." .Watte n’.rr“, rief sie, als wir zu Hause waren, .jetzt will ich Dir ttnmal ttn Märchen erzählen", und sie erzählte eS mir mit dem Bambusrohr,'so, daß eS noch lauge auf mttnem Rücken zu ltten war. Da Zobttde indeß bald ttnsah, daß ich zum Srbttteu fchltthbl taugte, sann sie sttbst auf ttne andere Beschäftigung für michel .Höre," sagte sie ttneS Tage- .ich habe in verschiedene»/ Klöstern in früherer Zttt gedient und Manche» gesehen und-' gehört. Alle bitte Leute, die zu uns kommen, wollen nn»/ bttehren, Seelen retten, wie sie eS nennen. ES schttnt ihnen - nicht so viel daran zu liegen, daß die Bttehtten auch wirklich - ihn Lehre auffassen, ihren Glauben Herzen liebeu, sie gebar' sich alle bttlenkliche Müh« und werfen das Geld mit vollen Händen auS, um ihre Heerde, wie sie ihre Anhänger nennen, zu vermehren. Ich will Dich zwtt Gebtte lehren, mit denen Du, wenn Du Dir ttwas Mühe giebst, täglich etwa» ver» dienen kannst. DaS ttne sagst Du den Engländerinnen her, das andere den Mönchen in den braunen Kutten!" u _ (Schluß folgt) Las Dauernde. Line Neujahrs-Betrachtung. Menschenschicksal wechselt; Lin Gesetz beherrscht die Zeit Gleich dem ersten schreitet Jahr um Jahr zur Lwigkeit. Mit den Stunden wandert Unser leben hin zum Grab; Rasten darf und ruhen Reines Menschen lvanderfiab. wenn des Codes Schatten Dann verhüll» der Augen Blick, Trifft uns Menschen alle Nur ein einzige» Geschick. Reichthum nicht und Schätze, Anseh'n nicht und Macht und Ruhm Gelten noch und dauern In des Grabes tfeiligthum. Bleiben wird nur liebe. Die auf Lrden uns verband, wird mit unsrer Seel« Schweben zum gelobten landl wird zum Pfad« werden, Der mit jedem Herz vereint, Da» um unser Schaden, Treuer lieb« voll, geweint I lasset nur die Habsucht l werfet Mißgunst fort und kfaßl laßt die Augen leuchten, Die Ihr machtet trüb und naß! Haltet endlich, haltet An zum Glanz den eitlen lauf! werbt um lieb« redlich — Häufet sie im Herzen auf! liebe ohne Schranken, lieb«, die nicht Dünkel kennt, liebe, die vereinigt, wa» auf Lrden Herzen trennt. - liebe, allumfaffend, Au vergeben stet» bereit, Macht dir Welt zum Himmel, Bringt im Himmel Seligkeit I Frankenberg. Dr. Richard Landau; Jutzalt, Der auserftaudene Rabbi, yo» Isidor vrtstiger. (Schluß.) — Justus, der «tt setnrr Seele tzaudett. «,» Leopoldq »ob Sacher-Masoch. — D«»D<«er»de. LonDr.RichardLa»d»>u.Ü

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