Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 38 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 3)
- Language
- German
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ÜK E und von der Mission, welche dasselbe noch zu erfüllen habe, f-- ausdrücklichst bei mehr als einer Veranlassung sich ousspricht, £. und die Herren Fratres würden dann ganz gewiß keine Tummheilen mehr machen!" — Tableau! Es ist also Alles schon dageivesen! Ter Fürstbischof % Dr. Koh» hatte einen Vorgänger in Bischof Monses. \\ Die landen Bulgariens. •- Eindrücke von meiner Inspektionsreise, i Bon »r. M. Grünwald, Großrabbiner von Bulgarien. x' iv. & Eine fernere hervorstechende Eigenschaft der Sefardiin &' ■ ist die Neugierde — die Basis der Wißbegierde —, die sie nicht nur zu den Fenstern eilen, sondern auch Mauern und selbst Bäume besteigen läßt; unwillkürlich erinnert man .» sich der Worte: banoth?.ün>I» ale schtir, die Töchter bef:. stiegen die Mamr (Genesis Cap. 99, Vers 22). Diese Neugierde weicht feilst deni Schlaf nicht, und ein echter Orientale jK — und das ist Iler Sefardi naturgemäß im Orient — vermag £ auch die ganze Nacht vor dem Fenster einer hohen Person p zu stehen, um nur ein wenig vpn dessen Lebensweise zu erfahren. Es ist diese Art kindlicher Neugiede, wenn sic nicht x ^gar zu unbequem wird, rührend zu nennen. E . Ei» Heilige 'zu werden, oder richtiger gesagt, für einen U 'solchen gehalten zu werden, ist im Orient, falls man eine fer-i priesterliche Stellung einnimmt, sehr leicht, fast leichter als > reich zu werden —. Aber so leicht man diesen Titel erhält, K so schwer und unangenehm wird er ans die Dauer; man sieht S, sich in die Zeit des Alterthums versetzt, und Männlein und t*- ' Weiblein, jung und alt. reich und arm, — eilen herbei mit Jtß ih«> Gebrechen und Gebresten, mit ihren Wünschen und |L- Hoffnungen, um Heilung oder mindestens einen Segen zu erhalten' Doch Geld dafür geben — wäre eint Sünde, und §1». Heilige bedürfen kein Geld; sie sind ja allmächtig und können |v im Rothsalle auch Geld machen. --• fe.' Die bei den Sefardim — natürlich in spagnolischer Sprache ¥,■ — üblichen Sprichwörter sind sehr den der deutschen Juden g. ähnlich; es ist dies nicht nur aus der Aehnlichkeit der Ge- K. finnungen, sandten aus der historisch erwiesenen Thatsache zu M erklären, daß /in großer Thal der heute sogenannten Vollblut- M sefardim aschkenasischer Herkunft sind.') Tr. M. Sayserling W hat vor 4 Jahren in einer Brochüre'spanisch-jüdische Sprich- Wörter veröffenllicht; einige von denm, die sich in dieser Ä Sammlung nicht finden, seien hier angeführt. 1. Mas valen dientes que parientes (Zähne sind mehr werth als Verwandte) d. h. die Kraft des Körpers und die H' Selbsthilfe taugl.m mehr als die Hilfe von Verwandten, deren R <£abt gering und. die Erniedrigung groß ist. ' M 2. Loque iaven trenta i an diente, Io saven toda la gente (Was 31 Zähnt wissen, weiß'alle Welt). r~f 3. El loco si no er« mio go me lo \eiva, gleich dein deutschen: »Auch ich möchte lachen, wenn der Narr nicht ak?: mein wäre." » . ^4. Xi aspio contad •, ni sehel pnbezado »Keinen Aspcr 5*t. (ämtpa) baat und keinen ausgebildeten Verstand, d. h weder %ß Geld noch Verstand. ■wß 6. Tapar el cielo con la mano »den Himmel mit der W) Hand verdecken wolle», d. h° lügen." 4 ' * 1 ’ 6. Mas coirta elojo que la hoc« »das, Auge ist mehr als der Mund." 7. El rejr £8 com la gente*»König ist man mit dem Volke", d. Jj. der KönigSti'tel ohne wirkliche Herrschaft taugt nichts. Eine besondere Eigenthümlichkeit im Orient ist, daß größtecklheils die bulgarischen Kirchen in d'er nächsten Nähe ') Urber die «ertcha,tl»nNg »er»schtrni> «r^Mwukv «it de» kesardi» . Gnrch«* und Italiener aumoa der jüdischen Synagogen sich befindeu; es ist das durchaus nicht, wie man nach europäischem Muster vermuthe» könnte, aus dem Grunde geschehe», damit die Juden gezwungen ivcrde», die Predigten der bulgarischen Priester anzuhörcn und die Bekehrung zum allein seligmachcndcn Glauben zu ennög. lichen und zu erleichtern, sondern ausschließlich darum, weil nicht-mohamedanische Gotteshäuser den frommen und fanatischen Mvbamcdanern ein Greuel waren, und der Nothwendigkeit gehorchend, nicht dem freiem Triebe, wollte» sie nicht-mohainedauischen Gebetstätten auch örtlich auf ei» Minimum beschränken. So sonderbar es auch scheinen mag, es besteht die Tradition hier in Sofia und in vielen andere» großen Gemeinden des Landes, daß Bulgaren und Juden einander beiin Ausbau ihrer gegenseitigen Synagogen geschützt und gestützt haben. Besonders geziert ivird die Synagoge an den Tagen, an welchen eine Trauung darin vollzogen wird. Wenn schon das deutsche Wort Hochzeit die »hohe Zeit" bezeichnet, als die Blüte des Lebens, so ist der Orientale, dem das Reichere als Symbol des Inneren sehr viel gilt, darin noch viel peinlicher. Ta werden die Wände der Synagoge mit Gold und Silber geschmückt, Teppiche und orientalische Farbenpracht schmücken den Fußboden, den der König (Bräutigam) mit der Königin (Braut) beschreiten soll. Tie Ausstattung selbst wird in Gegenwart der Notablen des Ortes geschätzt, denn man will es öffentlich bekunden, - wenn auch nicht was man werth ist — jo doch mindestens, was man an Wcrthsachen besitzt. Und in der Kethuba (Heirathscontrael), die hier legale Kraft besitzt, wird haarklein der ganze Besitz, die Ausstattung der Braut ausgeführt, damit bei einer eventuellen Scheidung, die im Orient leider sehr häufig vorkommt, nach biblisch-talmudischcm Rechte de Mitgift (el contado »Baargeld" von de» Svagnolen genannt) und die Aussteuer rückerstattet werden. Tic 7 Tage der Hochzeitsfeicr werden hier pünktlich cingehalten; ist es doch ein passatiempo „ein Zeit» vertteib", der Groß und Klein angenehm beschäftigt. Wenn Bräutigam uud Braut nicht in einem und demselben Orte wohnen, so wird die Trauung, wie bereits erwähnt, in dem Wohnotte des Bräutigams vollzogen; bevor jedoch die Braut das Elternhaus verläßt, wird sie vom Rabbiner provisorisch getraut, d. h. die Eltern der Braut sind fortan jeder Verantwottung enthoben und der Bräutigam haftet für die Braut, falls ihr auf der Reise irgend ein Unfall begegnen sollte.. Eine solche Vorsichts-Trauung heißt Kidduschin de camino (Trauung für den Weg). Daß auch dieses Provisorium feierlich begangen wird, braucht wohl nicht erst ausdrücklich bemerkt werden. Die provisorische Trguung wird in der Weise vorgenommen, daß der Bräuttgam irgend einen Herrn aus der Verwandschaft mit der Mission bettaut, an feiner Statt mit der Braut ge» ttäut zu werden; es wird nur der Segensspruch: »Gelobt seist Du Ewiger, König der Welt, der die Frucht des Weines erschaffen",' ganz gesprochen' und der darauf folgende Spruch: »Gelobt seist Du (ohne die Worte: .Ewiger, König der Welt), der uns gestartet hat die Ehr und verboten hat das uneheliche, zügellose Leben, durch Trauhimmel und gegenseitige Heiligung, gelobt sei (wieder ohne Gottesnamen) dn geheiligt hat sein Volk durch Trauhipimel und Heiligung der Ehe." Hieraus spricht der Stellvertreter des BräuttgamS die Worte: »Ha^e at mekudeschet besahuw seb al schein .*. . (Siehe, du bist nun mehr 'angrheiligt brtn Herrn,N. N. (Name deS wirklichen BräuttgamS), durch den Gold-Ducatrn, den ich Dir nunmehr gegeben." * * Bor Vollziehung dieses Actts muß.vom Ottsrabbiner des Bräutigams dem de^ Bräutigam vcttrctenden Maone eine Harschaah (Vollmacht) gegeben werden, die auch von dem Bräuttgam unterfcttigt wird. Und damit auch nicht der geringste. Verdacht stattfinde, ist der Vertreter des BräuttgamS stets eine verheirathete Person, die. überdicß sehr nahe verwandt rst. Diese BlGuMchs wird daun von dem die provi-