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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 38 (1894) · p. Seite 150

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
38 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 150 (sequence 2)
Language
German
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160 erscheint. So kam es denn, daß Sarah einmal im heftigen Ausbruche des Zomes ihr Töchterchen mit folgenden Worten anherrschte: „Warum weinst Tu, Du Närrin? Weil ich etwa jenem Goj gornut1). Deinem Liebling, mein Haus vermiesen habe? Schäme Dich! Was würden die Zadikim sagen, wenn sie es in Erfahrung brächten, daß Reb Ephraims Tochter und Reb Towia Chossid's Enkelin (in Gau - Eden ruht «eine Seele!) mit einander schäkern, verliebt sind und allerhand Vertraulichkeiten treiben, was sich für ein jüdisch -und gar nicht paßt." „Liebe Mutter" — entgegnete Mirjam — „warum machst Tu Josef so zu nichts und raisonnirst über ihn, als ob er nicht unser Anverwandter wäre?" „Und wenn sich ein Dorn zwischen Rosen eingeschlichen, soll er nicht mehr als Dorn gehandelt werden? Soll denn Josef dadurch geschont werden, weil er sich in unsere so feine Mischpoche^) eingedrängt hat? Nein, und tausendmal nein! Wir reißen diesen Dorn mit der Wurzel aus und so bleiben wir lauter Rosen, Iculonu kedauschim." *) „Dieser Dorn ist mir aber lieber als alle die verwelkten und nutzlosen Rosen, von denen Du sprichst" — erwiderte Mirjam kalt. „Wehe uns, Ephraim!" — rief nun Sarah wie besessen — wehe Dir Ephraim! höre nur an, wie Deine freche Tochter unsere heilige Familie auslacht und der Joses ist ihr mehr wetth, als alle Zadikim, wehe uns und unserer Seele, sie ist schon vom Satan verführt und ein böser Dämon steckt in ihrem Kopfe. Vergebens ist nun unsere Mühe, ihr den Teufel aus dem Kopse zu schlagen und sie auf die richttge Bahn des Glaubens zurückzuführen. Wir werden noch durch sie in der Hölle sieden müssen, Ephraim, mein Mann!" „Höre nur auf zu weinen und zu schreien, ich hoffe zu dem, der im Himmel wohnt, es wird besser werden, sobald nur der Rabbi von Z . . . einmal herkommt, wird es mit Gottes Hilfe anders werden, und was wir nicht vermögen, das wird schon Seine Heiligkeit gar leicht bewerkstelligen können" . . . ttöstete Reb Ephraim seine Frau. (Schluß folgt.» Der Bischof Moyses. Eine ReminiSrenz, von S. H. Sonnenschein. War das ein Aufsehen, als vor ein paar Jahren die Kunde durch die Welt flog, eines der ältesten und reichsten Erzbisthümerder Welt, das von Olm ütz, sei einem veritablen „Cohn" zugefallen! So was wäre ivirklich noch nicht dagewesen, meinte man allenthalben, und die überraschte Welt behauptete ohne Weiteres: dem guten, alten BeN Akiba sei diesmal ein Schnippchen geschlagen worden, von dem er sich nicht so bald erholen würde! Und doch hat Uriel Acosta's weiser Mahner vollkommen Recht. Ich habe ihn persönlich gekannt (nicht den Ben Akiba, dazu bin ich nicht alt genug), aber den Mann, welcher von unmittelbar jüdischer Herkunft gewesen, und der Träger eines unverkennbar jüdischen Familiennames gewesen ist, und der, was die Hauptsache, mit unverhüllten jüdischen Sympathien, vom Jahre 1851 bis zum Jahre 1874 auf dem Bischofssitz von „Heiligenkreuz", der uralten oberungarischen Sohler Diözese thronte. Und „Moyses" hieß er, ein Name, der heute noch zu den verbreitetsten und gcachtetsten unter den jüdischen Familien in Kroatien zählt. Bischof Moyses war ein Mann, zum Krchenfürsten wie geschaffen. Eine Cavaliergestalt von Kraft und Adel, eine imposante gcisttge Persönlichkeit, voll gewinnender Suade und vielseittger Gelehrsamkeit. Zur Zeit des Ausbruches der unga- Revolution war der kaum dreißigjährige Priester bereits der populärste Professor am erzbischöflichen Seminar zu Agram, '} Vollständiger AdtrümLger. ’) Familie. *) Wir alle stad Heilige. \ und als Ban Jrllachich die dynastische Fahne gegen die entfesselte Freiheitsströmung der edlen Magyaren ins Feld führte, schloß sich der für die kroattschen Sanderinteressen begeistert« Moyses als redegewaltiger Bolksführer den Gräyzer-Schaare» an. Die siegreiche Dynastie vergaß ihre Getteuen nicht, und nach dem völligen Niederbruch der Revolution empfing Moyses als Lohn für seine Loyalität das slovakische Sohler Bisthum. In den Comitaten Bars und Sohl, welche den Haupttheil und die reichsten Pfründen seiner Diözese bildeten, durfte» vormärzlich Juden nicht wohnen. Der Revolutionssturm aber hatte diese Ausnahmszustände hinweggefegt. Und Bischof Moyses war ein Freund, ein tteuer, ein unentwegt tteuer Freund der Juden. Er machte seinen ganzen Einfluß geltend, um die jüdische Freizügigkeit zu fördern, die erbgesessenen Bor» uttheile zu bannen oder wenigstens zu dämmen, besonderaber dem unduldsamen Fanatismus des niedern Klerus mtt aller Macht entgegenzuarbciten. Hier ein Beispiel seiner Thätigkeit auf diesem Gebiete, einen Fall, den ich selbst mitcrlebtc. Zur Diözese des Bischof Moyses gehötte auch das Thurozer Comitat, dessen jüdisch« Bevölkerung seit dem Jahre 1826 dem Oberrabbinat meines gottseligen Vaters als Cultusgemeinde ganz im Geiste alt. patriarchalischer Würde zugethan war. Die Thurozer Jude» waren mit unter den Ersten, welche von der frischen Freizügigkeit Gebrauch gemacht hatten, und fast alle Pächter der weit ausgedehnten bischöflichen Großgrundbesitzes waren Thurozer Juden. Da verstand es sich von selbst, daß bei jeder Rundreise, welche der Herr Bischof in seinem Sprengel veranstaltete, die Thurozer Cultusgemeinde an den offiziellen Empfangsfeierlichkeiten zu Ehren Sr. Eminenz sich namhaft betheiligte. (Solche von einer exotisch eigentümlichen und da» bei echten Toleranz eingeflößte, ttaute Sitte herrscht heute noch im schönen Ungarlande.) Da ttas es sich, daß ich im August 1863, meine letzten Candidatsferien im Vaterhause zubringend, mit Zeuge einer solchen, geradezu pompösen Willkomms-Begrüßung Sr. Eminenz war. Eine Deputation der jüdischen Cultusgemeinde, bestehend aus dem Oberrabiner, dem Vorstand und meiner Wenigkeit als Sprecher, hatten die übliche Vorstellung, und wir wurden, wie das so gang und gebe, zu dem in der Dechantei für den Abend anberaumte» Ehrenbankett officiel eiugeladcn.. Wir folgten der Einladung. Jedoch, wie sich das unter den damals gebotenen Verhältnisse» von selbst verstand, nahmen wir bloS an den Weinen, am Kaffee und an den Consitürcn Antheil. Dann folgten die Tischreden. Die Gruppe der Juden wurde wedex übersehe», noch überhött. Ich sprach einen kurzen, wohlvorbereiteteu Toast und brachte ein jüdisches Hoch aus Sr. christliche Eminenz aus. Dev Herr Bischof ließ sich herab, den junge» Rabbinats-Candidatcn mit ein paar herzlichen Worten aus« zuzeichnen und reichte mir die Hand. — Das war einem „halbbcspitz'ten" alten geistlichen Herrn denn doch „der Toleranz zu viel"! Mit einer in Folge des schweren Ballastes etwas komisch aussxhenden Würde «hob sich der bett. Herr, „jeder Zoll ein« Dominicaner!" Was er eigentlich sprach, das weiß ich nicht mehr, "das habe ich vergessen, denn er sprach überhaypt nicht; er sagte blos etwas. So «was un» gefähr von viel zu viel Aufhebens, das man von den Jude» macht, und dergleichen . . . Alkbr Augen waren auf den Bischof gerichtet. Der aber schwieg. Toast folgte auf Toast. Uüd als endlich die Abschiedsstunde schlug, (denn wir Juden befanden unS in gar peinlicher Verlegenheit) da erhob sich ruhig- und mit der ganzen so imponirenden LiebenswürdiAeit seines WesenS, der Herr Bischof und hielt eine kurze Ansprach» des hauptsächliche» Inhalt-: „Er wünsche, daß die Herr«! Fratrch etwaS mehr studirten und etwas weniger ttänken! Und sie. sich ganz besonders die Werke des heiligen Augustun^ Äemüthe führen möchten. Deun nur dann und so sie eS lernen, mü welcher Anerkennung dieser jßSjbttrSmischea Kirchenväter vo» dM 'V -V '1 't % r» \

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