Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 38 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1894. Indisches Herausgegeben von vr. All. Aahiner in Alagdeburg. Jur Mntkrhallung und Kelehrung für die israelitische Junlilik. Da, „I>i»<s«ch« erscheint wöchentlich als Ar«tte>ScUa0« zur 3***» mrnbtfmfU Narchöiixt au» »lese« Statt« ist mmtersagt. — Die Liiizelimmmcr kostet |« P\&- bei brr Lrpedition der ,Isr. lvochenschr." Der auserstandene Rabbi. Kulturgeschichtlicher Roman aus dem jüdischen Leben in Galizien. Bon Isidor Brüftiger. ES wäre vergebliche Mühe, den Zustand zu schildern, in -dem sich nun Josef und Mirjam befanden, als sie plötzlich durch den Eintritt Reb Ephraims überrascht wurden. Reb Ephraim wurde nicht minder überrascht, er zitterte am stanzen Leib« vor Aufregung und vermochte keinen Laut hervorzubringen. -Starr blickten sie einander an und tiefe Stille herrschte im /Zimmer, bis endlich die boshafte Sarah mit heftigem Ungestüm eindrang und ihren Mann mit den Worte» anschrie: '»Hatte ich nicht immer Recht, wenn ich dir sagte, du sollst Diesem Rosche') unser HauS verweisen, er will auch unsere Tochter dem Glauben unsererBäter riitfrcmden, ihre Neschome') Dersündigrn und ihr jeden Antheil an jei^r Welt zu entreißen. Sich' uur das Buch an, welches sie wieder so fleißig lesen, dir Zeeno-Urecno') will sie niemals in die Hand nehmen, ' und er, der Meschumed/) wie lange hat er schon keine Gemore vor Augen gehabt, oder ein anderes jüdisches Buch? Nimm dich wohl in Acht, Ephraim, denn ich.befürchte das Schlimmste; gebe Gott, haß ich lüge!" Reb Ephraim ermannte sich nun. wandte sich zu Josef und sagte zu ihm: »Was bist du so unverschämt, hier mit einem Mädchen zu plaudern, ganz allein ohne Zeugen! Ist daS jüdisch, odc, willst du mir gar meine Tochter entführen?" »Ich frijf darin gar kein Unrecht, wenn ich meine Cousine i besuche und mich um ihr Befinden erkundige" — versetzte Josef. ** »Aber nicht Tag für Tag und vom frühen Morgen bis zum späten. Abend!" — •— Josef fühlte sich dadurch in seiner Ehre tief gekränkt und sagte wehmütig: »WaS ist das fük ei« Ton, den Sie jetzt Mtschlagen?" Bin ich doch nicht zum erstenmal ßitr, bis ^etzt ist Ihnen daS wohl recht gewesen, nicht wahr? O, ich merke . schon, was des Pudels Kern ist, die gleißnerische Zunge der Verleumdung hat Sie dazu gebracht, mich zu hassen lüid von Ihrem Hanse fen zu halten,, allein ich bin unschuldig und süudenstei!" »Tu sündenfrei? Sgo8 sollen denn die Sefvrim Chizonim,*) die Du immer bei Dir hast? Du magst Dich verstellen, V Josef, wje Du »ellst, ich kenne Dich. Ich. verbiete Dir nun /mit älle^ Streng!) von nun an noch die Schwelle meines Haufegu betreten! — Du bist ein Berführer, ein von böseu s, Geistern besessene!', dummer und schlechter Kerl!" ') Frevler. *) Seele. •) Bibelübersetzung i» 3«rg«a. *) «pastat. Josef wurde erbitten und nef in seiner Verzweiflung: »Ich bin ein dummer, ein schlechter Kerl? Warum denn eigentlich? Weil ich die Scheinheiligen verachte, diese gefährliihen Wölfe in Schafspelze, diese Pharisäer, die im Herren Lug und Trug hegen und sich in heilige Gewänder, Raschiwülka') und Spodik,') hüllen, um unter diesen Heiligungskleidern allerhand Greuel und Missethaten desto ungehindettcr ausüben zu können. Diese Scheinheiligen, die den Vorzug des menschlichen Geschlecht-, die Weisheit, herabwürdigen und dieselbe ihren Sophistereien opfern, — und weil ich diese Sötte Menschen nicht ettragen kann, bin ich ein Verführer und weiß der liebe Himmel was noch . . .?" »Still Joses! Du willst mir noch weiß machen, daß Du kein Apikorrs bist, ich kenne diese Sprache zu gut. Kurz und bündig, ich will Dich ein für alle mal nicht mehr in meinem Hause sehen 0«sur lehistuckel bifne odom roscho "*) ES fehlt uns an Wetten, die innere Erregung und Zerrüttung Mirjams zu schildern, welche während der ganzen Scene sprachlos dastand, heiße Zähren rieselten aus ihren Auge» über die blassen Wangen herab, allein, der Vater schonte ihrer nicht und streute noch Salz in die klaffende Wunde ihre- 'Herzens, indem er mit lauter Stimme donnette: »Warum weinst Du, Du tteuloses Kind? Kümmere dich um diesen Apikorcs nicht mehr, heitere dich auf, damit du dem Rabbi von Z ..., der diese Tage bei uns eintrifft, gefallen sollst!" »Lieber Vater" — hauchte Mirjam mit bebender Stimme — »erweise mir Dein väterliche- Erbarmen und lasse mich vorläufig allein in meinem Zimmer zurück, damit ich mich erhole und Muth fasse." Und Reb KloinimoS? Womit beschäfttgte er sich die ganze Zeit? Er trank den Schnaps in einem sott bis auf die Neige und als Reb Ephraiin zurückkam, fand er ihn rothnasig und beduselt. Nachdem er ihm zu wiederholtem Male den Auftrag zur Abreise ertheilt hatte, entfernte er sich uud Reb KloinimoS wankte die Treppe hinunter, ohne sich zu empfehlen und den üblichen Abschiedsgruß mitzunehmen. IV. Eine geraume Zeit war verstrichen, seitdem sich Reb KloinimoS nach Z . . . begeben hatte, ohne etwavon sich hören zu lassen. Sarah war dadurch sehr gekränkt, und um das Maß ihre- Aergerns noch voll zu mache«, bereitete ihr ihre Tochter Mirjam gar oft unangenehme Stunden, indem sie sttts trübsinnig und melancholischer Laune war; wollte doch Sarah, daß sie dein Rabbi von Z . . . gefallen solle, wozu aber ein trübe- und saueres Gesicht gerade nicht passend ') Lin Lberkleid au« Atta«, da« die polnische» Juden an Sa«»- tage» und Feiertagen tragen, h Lin« Pelz» ätz«. ■) Mau darf tnam Frevler in « Gesicht schauen.