Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 37 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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und Deiner That bei, befreie auch mein Leben von der Hand eines Hallunk«. Sage mir, welchen Weg kann ich einschlagen, um mich aus dieser Klemme zu retten?" — Nachdem Mirjam dies erregt gesprochen hatte, verhüllte sie ihr Antlitz mit beiden Händen und weinte bitterlich. Josef war leichenblaß und zitterte am ganzen Körper. Anfangs konnte er gar keinen Laut hervorbringen und nachdem er sich von der ersten Ucberraschung ein wenig erholt hatte, stammelte er mit schwacher Stimme: .Auch ich weiß keinen Rath mehr, auf welche Weise ich die Neigung Deiner Eltern wiedergewinnen könnte, die mich ja einzig und allein nur deshalb hassen, weil ich seit Jahr und Tag mich unablässig besttebe mir Kenntnisse und Wissenschaften anzueignen. Allein, wenn sie mich von Dir gewaltsam ttenncn, werde ich als Opferthicr des Fanatismus, das Kainszeichen der Aufklärung auf meiner Stirn ttagend, ewiglich verloren sein und mit mir nur ein bedauernswetthes Dasein in diesem jammervollen Thale Herumschleppen." .Auch ich werde Vieles, Vieles zu überwinden haben, doch die rosenbringende Geduld, die mitleidige Gefährtin jedes unglücklichen Geschöpfes, wird hoffentlich meine ttcue Begleiterin sein und an ihrer Seite werde ich manchen heißen Lebenskampf bestehe». Hoffen wir, daß das Licht über die Finstcrniß denn doch siegen und die Wahrheit über ihre obskure Gegnerin triumphir« werde." Lassen wir nunmehr dieses unglückliche Pärchen, welches wiederholt seine Blicke schüchtern zur Thür wandte, umzu sehen, ob nicht Reb Ephraim hereindringe, dem Neffen den Text zu lesen und seiner Glückseligkeit ein rasches Ende zu bereiten, sein Gespräch sottsetzen, und begeben wir uns in Reb Ephraim's Speisezimmer, um dott den Reb Kloinimos Schadchen kennen zu lernen, der, wie wir sehen, in den größten und nobelsten Häusern der Stadt Eingang fand. III. Reb Kloinimos Schadchen ist ein fünfzigjähriger Mann, dem die langen Seitenlocken und der hübsche, wohlzepflegte Batt ein imponirendes Aussehen verleihen und immer und überall, wo er als Mesaweg Siwugim') intervenitt, erstellt er sich eines außerordenttichcn Zuttauens, dessen sich nur ein Schadchen überhaupt rühmen kann. So kam es denn, daß er sich selbst den Ehrentitel: RebKloinimos beilegte. Jede Patthie, die er vortrng, leitete er mit der Prämisse ein, daß Reb Kloinimos keine Lüge sagt, woraus schon unumstößlich gesolgett werden kann, daß es ein Glücks- Schidech ist. So versprach er beiden Pattheim goldene Berge, überhaupt flüstette er dem Vater des Bräuttgams in's Ohr, daß sein Sohn im Hause seines zukünftigen Schwiegervaters wie in einem Paradiese leben werde, oder wie er sich ausdrückte, daß man im Gan-Eden') keine bessere Kost '"den kann, als die, die ihm sein Mechuttan verabreichen werd... Die Fottschrittler, die auch ohne seine Intervention heirathen konnten, waren unserem Reb Kloinimos ein Dorn im Auge. .Wie frech" — pflegte er stets zu sagen — führen sich diese Apostaten auf, sie schließen Bekanntschaft mit dem Mädchen, besuchen das Haus, werben um die Hand und heirathen so mir nichts, dir nichts, ohne gar die Hilfe des Schadchens anrufen zu müssen. Welche Ehuzpa ")! Sie faseln von Liebe und behaupten in ihrem Wahne, daß die Liebe göttlich wäre, als ob sie in den Tarjag Mizwoth«) ihren Platz eingenommen hätte." Dann und wann trug er auch unserer Mirjam seine Moralpredigten vor, ihrem Eonsin Josef und seinen Lehren nicht zu folgen, indem er, als ein Renegat, vom Judenthume sich bereits ausgeschlossen habe und an seinem Parzufb) kein einziger Funke von .Jüdischkeik" mehr zu bemerken sei. ') lkheoermittler * *) Paradies. *) Keckheit. *) 613 Gebote *) Gesicht«. Belauschen wir nun einmal das Gespräch, welche- Re Kloinimos eröffnet, denn soeben trffst er in Reb Ephraim'« Speisezimmer ein, wir wollen auch einmal von dem klaren^ Wein eingeschcnkt bekommen, „Reb Kloinimos sagt' ja keine .Lüge:" „Hier bin ich, da. ihr mich häbt'rufen lassen." Mit diesen Watten begrüßte Reb Kloinimos Ephraim und Sara, welche er im Speisezimmer aytraf. Er ließ sich dann nieder und sprach ferner: „Heute habe ich vollauf zu thun gehabt, nichts Desto weniger beeilte ich mich Euch zur bestimmt« Stunde, zu besuchen, iktid in meiner Eile habe ich noch nichtzu ,mir’ genommen, trotzdem die Uhr bereits 12 geschlagen hat. Sorele wird's dahqr nicht übel nehmen/ wenn ich vor allem sie' um »ein Bischen Schnaps und Zubiß bitttn «erde. Schon lange war ich nicht so sehr» beschäftigt wke heute, so daß ich förmlich erschöpft bin. Ihr könnt'- mir glauben, denn „RebKloinimos sagt keine Lüge". — In einem Nu. war der gewünschte Trank schon auf dem Tischt Reb Kloini» moließ sich denselben recht gut schmecken mit der Behauptung, daß er nirgends mit solch gutem Schnapse traktitt werde, wie bei Reb Ephraim, selbst nicht bei den Gewirim') der benachbatten Stadt R .... wo er auch zu Hause ist. Reb Ephraim konnte nicht länger an sich halten, er be- ’ gann also, sich zu Reb Kloinimos' wendend, und sagtet *. „Wissen Sie, wozu ich Sie eigentlich zu mir beschiede« habe?" „Gewiß in Schiduchim-Aagelegenheit" — erwiderte Reb Kloinimos —:. „Das versteht sich schon von selbst, crrathen Sie aber, welcher Schiduch mir am besten zufagt? „Warum soll ich's dmn nicht crrathen können? gewiß der mit dem Rabbi von Z ... . nicht wahr? Das ist jaeine Glückspatthie-, schön.und gut, jüdisch und negidisch') „Nun denn. Sie haben auch-richtig meine Gedanken er- > rathen, damit Sie die Sache nicht in die lange Bank ziehen, bezahle ich Ihnen die Reisespesen und beäufttage Sie hiermit, sich sofort nach Z . . . zu begeben, trachten Sie, daß der Rabbi mitsammt seinem Sohne unverzüglich hcttoinmen soll, um die Parthie sobald als möglich abzuschließen. Sie verstehen mich, Reb Kloinimos, Sie müssen in Begleitung des. Rabbi und seines Sohnes zurückkommen, allein sollen Sie sich mir gar nicht vor die Augen weisen. „Uebcrlassen Sie es nur mir, ich verstehe mich schon auf : mein Geschäft, bei den Peies') werde ich den Rabbi herschleppcn und Sie wissen ja, Reb Kloinimos sagt keine Lüge — wo ist aber Mirjam? wo bleibt sie denn? ich möchte sie mir noch einmal ansehen, bevor ich abreist, um sie dem Rabbi genau vorstellen zu können, Reb Klo inimos sagt ohnehin keine Lüge, geschweige denn dem heilig« Zadik." Reb Ephraim begab sich nun in Mirjam's Zimmer, um zu sehen, womit sie sich dott beschäfttgt, warum sie solange ausblcibt, und um sic dem Schadchen vo zusteilen, ehe derselbe seine Reist nach Z . . . antritt. (Fortsetzung folgt.) Die )uden Bulgariens. Eindrücke von meiner JnspectionSreise. Bon Dt. M. Grtinwald, Grobrabbiner von Bulgarien. III.*) Seit den 18 Jahren, in welch« Bulgatt« selbstständige geword« ist, sind bed«teude Aenderung« in dm Sittm und Anschauungen der Jndm Bulgariens vorgegaug«, so daß in der That die Eltem ihre Kinder und dies« wiederum^ jme nicht versteh«. Die jüdisch« Jogmd kleidet sich ga ') Angesehen« und reich« Herr«. *) Borueh«. *) Echmalt *) Der Anfang (L uns H) dieser Eiu«uschtld«r»og befinde in der „SocheuschrH." 9h. 31.» 33.