Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 32 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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126 .Urbndies haben wir ja Alexandroff'eben gesprochen, wir haben die Soubrette gesehen, nun zweifelst Du noch?" Benno seufzte. .Niemand zu erblicken," fuhr Kaminski sott, .die Sttaßc menschenleer weit und breit." .Aber sie war hier," rief Benno verzweifelt, .wir müssen sie finden!" .Einverstanden. Aber wo?" .Sie wird den Weg verfehlt haben, in der Dunkelheit,- unbekannt mit der Richtung der Straßen, ging fie vielleicht statt nach der Neustadt zu, die Wulka hinauf. ..." .Gut, suchen mir dock," sagte Kaminski. - Sie lenkten die Bahnsttaße ein und schritten immer geradaus. . Ab und zu blitzte ein einsames Licht an einem Hause und keonzeichntte ihnen dürftig die Sttaßc. Mit einem mal schimmette es in buntem Strahl, röche, blaue, grüne Laternen, Gesang und Elavicrspiel, johlend« Stimmen tosten hinaus, schallten wüst schreiend in die wie ein Totenreich schweigende Nacht. Das ist das Lass Nigger, von den Deutschen dn Stadt svottweise Kafferncafs getauft ein verrufenes Tingeltangel, gegen welches eine Mattosenkneipe Altona's wie ein Missionshaus erscheint. Dann hätte die Häuserreihe aas, und es ward wieder ringsum lauckose, undurchdringliche Finsterniß. Benno blieb oft stehen. .Sprechen wir,"-sagte er nervös, .damit sie unsre Sttmme hött. Vielleicht liegt sie hülfjos am Wege." .Sehr wahrscheinlich," murtte Kaminski. .Es ist die Gewohnheit von Damen der Gesellschaft in verrufenen, meuschenöden Gegenden hülflos'am Wege zu liegep! Beißt Tu, verliebter Narr, wo wir sind?" .In der Nähr der Friedhöfe." Plötzlich stöhnte Benno aus: ,O verfluchter Weg! Hätte ich ihn. niemals gesehn!" .Mit solchyi Jammerwünschen erreicht man nicht viel," bemeckte Kaminski kurz. .Du und Salmon, ihr seid Weichlinge, einer wie der andere. Salmon glaubt Wunder Großes zu thun, wenn er den ganzen Tag die Polizeiwache umkreistt wie die Füchsin ihr Junges in der Falle." .Gott, mein Vater, mein armer, guter Vater!" Benno brach in Thränen aus, er weinte bitterlich in maßlosem Schmerz. .Sei ruhig." sagte Kaminski und legte seinen Arm um ihn, .verttaue Dich mir an, und sie werden Deinem Vater, nichts anhaben, ich schwöre es Dir." .Hülfe, Hülfe!" Es war ein furchtbarer Schrei. .Wn ruft?" antwocktte Benno. .Es muß in der Nähe sein," sprach Kaminski; „sieh dich vor, das ist der Dobrasteg." lieber das schmale Brttt lief schreiend ein junger Mann. .Halt! wer bist Du?" donnette Benno ihn an. .George Renard. — Herr Doktor! Sie! .Warum schrien Sie?" Eine Frau sprang ins Wasser, soeben, dock. .Blitzschnell stürzte Benno auf den Fluß zu und wollte kopfüber in die Flut, da hielt ihn eine Eisenfaust. „Oho, mein Junge, du schwimmst so sicher wie ein Sack Mehl. Woher weißt Du, daß dies unsere Vermißte ist?" .Sie ist's, sie ist's," schrie George, mit dem Instinkt der Gefahr die Situation erratend, .eine schöne Frau, sie war heut veckleidck bei meinem Herrn." .Um so schlimmer," sprach Kaminski kalt, während er Bcnno's Hände, wie in einem Schraubstock preßtt, .ein Grund mehr unser Leben zu schonen." : Mit gellem Weheschrei fick Benno vor ihm in die Knie .Rette fie, rette sie. Dir ist eS leicht—nimm, fordere mein Leben — " .Ah! schweige doch," rief der Pole, .was liegt an dieser ' ".' »Rette fie, ich will Dein Dien» sckn, Dein Sklavelebenslang: ich will alles thun. waS Du gebietest:" .Ich könnte Dich beim Wock nehmen," murmckte Kaminski, während er seinen Rock von sich warf: .Thu's, ich* schwöre, Dein Knecht zu sckn — o Gott, fie veisinkt!" .Macht Licht!" schcke Kaminski; dann sprang er ins Wasser. George ckß alles, was er an Bckesen und Zcktungen bck sich trug aus den.Taschen und zündcke es an, Benno hatte ckp paar Bücher, die er in die Flammen man; darauf zer». brachen sie ihre Stöck< schichteten sie-in Stücken uud üb«, einander-und unterhielten so mühselig ein kleines Feuer, das aber jäh auflodeck, als George feine reich gefüllte Wuttkiflasche darüb« goß» Im selben Augenblick tauchte Kaminski aus, cknen dunkle« . Körpn vor sich herschiebend. -^ . Mit fiebeimd« Eile halsen ihm die jungen Leute ans Lavd/ . * ' .Sie lebt!" schrie Bmno jubelnd, .wie danke ich Dir!" .Ich wnde Dich daran eckunern," sagte d« Pole, sich schüttelnd vor Frost. . »Verwünscht, die Schöne' hatte es dringlich, da unten zu verschlingen, sie wollte durchaus nicht mehr hinaus. Gebt mir eure Röcke, daß wir sie envärinen, und Tu, Benno, eile zum Bahnhof, dock findest Du vielleicht cknen Wagen vor." .Sie machen das 'ehr gckchickt." sagte «zu George, d« Claudia schnell des nassen Mantels entledigte und Benno's Sücköut um fie schlang; .gestehen Sie, Bckt«, >vie sind Sie diesem Wild« auf die Spur gelangt?" .Ich habe bck Rigg« zur Nacht gckpeist; als ich aus dcm- Hause ttat, huschte eine Erscheinung vorüber, welche ich heute schon einmal untn sehr denkwürdigen Umständen gckehen, ich folgte ihr." .Und so danke ich Ihr« Reugin, mckn gut« George, dieses cksige Bad." .Herr von Kaminski, Sie rcktcken ckn Menschenleben!" .Nicht aus lange," erwidrcke Kaminski trüb. .Wenn fie auch davon käme, die wird es wied« thün." -Benno kam mit dem Wagen, sie hoben dir Bewußtlose hinein und fuhren nach d« Stadt. .Claudia," flehte Benno, »sprechen Sie ein Wort zu mir, ckn einzige- Wock " Er rieb ihre ckskalten Hände, sie atmcke schw« und bewegte murmelnd die Lippen, ab« man verstand sse nicht. »Laß das Fräulckn," befahl KaminSki, .sie muß Ruhe haben," bck sich dachte «: girb Dir kckne Mühe, arm« Keck, sic «kennt Dich nicht mehr." .! i } i 1 In Haus Liederttost hatte man gewacht, Helsia spähte zum Fenster hinaus, soglckch war sie mit Salmon vor der Hausthür und half, taps« wie ein Mann, die Ohnmächtige hinausbefördern. .Schwckgen Sie über Alles," flüstecke Kaminski zu Georgs indem « versuchte cknen Gegenstand in seine Hände gsckte» zu lassen. )) George trat rin wenig zurück. .Sie v«lieren 'Jhre. Börse mckn H«r," antwortete «, .hin ist sie, gute Nacht." .Bei Gott, ckn Gentleman." sprach Kamiuski jo laut, daß George es noch hören mußte, .aus Ehre, n könnte sckuen Herrn belehre»." Nun ich sehe, daß ich jetzt überflüssig bi«, fuhr « zu Benno sock, .ich muß Dich morgen bck mtt seh«h - hörst Du?" »Ich werde völlig zu Deineni Diensten sckn," antwortetet Benno feierlich, .leb wohl!" »Wüßte ich nur, wie das Unglück gekomme» ist," ne Salmon händenugeud vor Claudia's Bett! »Es ift ntir 2 ist/