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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 30 (1894) · p. Seite 119

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
30 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 119 (sequence 3)
Language
German
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.Hören Sie, ehe Sie mich tsdelu. KaminSki hüt sieben "Teufel in Sold/ berichtete er in fliegender Hast, .er beredet Salmon, den Boromäern ein Sühnegeld anzubittm —“ .Dawäre seine Pflicht —* . —.Mag sein. Hören Sie weiter, dem Tschatneypristaw «ine hohe Caution zu stellen, damit er den Vater vorläufig ouf freiem Fuß beläßt —* - .Eine sehr vernünftige Idee —* .Ja wohl. Grodunoff wird die Eaution in die Tasche stecken und meinen Vater nach wie vor im Gefänguitz miß-, handeln; zuletzt sollen Salmon, Sie; ich, Helsia. unsere' .Loyalität öffentlich zu bestätigen, übermorgen dem Feste des Großfürsten beiwohnen?" . . ' ■ .Ich sehe durchaus nicht, was daran unrichtig wäre?" fragte Elaudm erstaunt. - .Alles ist falsch," rief Benno erregt, aber wie sehr auch Claudia in ihn drang, eine weitere Erklärung war nicht, von ihm zu erfahren. ' ' .Warum holen Sie sich nicht bei Akexandroff Rat? .Alexandroff!" sagte Benno bitter. '.Er hätte wohl Einfluß bei Grodunoff — nein, von Alexondorff ist nichtzu hoffen." ... . .Der auch", dachte Claudia ärgerlich,- alle verleumden sie den armen Jemilian. Aber sie wird sie überführen, diese Kleinmüthigen, die Alexandroff- Edelsinn stetbezweifeln ..... j,Jch möchte wissen, waS Sie unternehmen," sagte sie «ach kurzem Nachdenken zu Benno laut, .ich muß Sie heut «och sprechen .Wenn Sie mir nicht ein Rendez-vous außer dem Hause, bewilligen, wird dakaum gehen." .Ich bewillige Ihnen ein Rcndez-vou«. Erwatten Sie «sich heut Abend um acht vor dem Theater." Er sah sie verwunde« ani .Verzeihen Sie, Claudia, 'Sie können meine Wotte unmöglich ernst.genommen, haben. Eine Dame wie Sie geht oder.fährt hier niemals allein." .ES scheint Ihnen viel au.dieser Unterredung mit mir zu liegen . .Fräulein von Moorbach,' ich liebe Sie nicht nur, ich verehre Sie wie eine Fürsttn zugleich." .Sie sollen mir weder von Ihrer Liebe, noch von Ihrem Respekt sprechen, Pedant, der Sie sind. Höken Sie, waS ich von Ihnen verlange", flüsterte sie. .Wir sind von gleichem Wuchs. Sie schicken mir unverzüglich auS Ihrer Garderobe die Ausrüstung eines jungen Stutzers zu — Hut — Rock ic Zchren weiten Reffemantel nicht zu vergessen. — Auf Bieder» sehen um acht am Theater! — Sie drängte ihn hinaus und. kchtte zu Helsia zurück. Helsia schsief den ganzen Tag hin» durch, sie war gar nicht'zu'erwecken.. .Laßt sie-schlafen," sagte Salmon, .wer schläft, vergißt." DaS Haus glich dem DornröSchenschloß. kein Laut rührte sich. Der kleine Gabriel hatte sich in daS Zimmer seiner Mutter geschsichen und saß finster und FewcgongSloS in'einem Winkel, wie ein ernster, großer Mensch, der Kummer hat' ' Er wollte weder sprechen, uoch essen, man mußte ihn in Ruh' lasse», der Trotzkopf war zu nichtzu bestimmen. Claudia hatte den Tag über die Pflichten der Hansstau verwaltet,' gegen sechs Uhr lleß sie Salmon sagen, -sie sei müde und wünsche sich zurückzuziehen, man möchte sie zum Nachtmahl nicht erwatten. Vorher schlüpfte sie noch einmal au Helfta'S 1 Bttt. .Schlaf nur', flüsterte sie und küßte sie zättluh auf den blonden Scheitel, .wenn ich wiederkomme, Hab« ich «ine gut« Nachricht für Dich/ . (F«r«se-an> folgt.) Anne Keife mit Ur. Wall Lame,*) von ltz. R. «argnlie«. -In der Elementarschule, die ich in meiner Heimath be» suchte, gab es ttotz der Fuchtel des sttengen Lehrers, die ua» 'ablässig über unserm Haupte schwebte, doch.so viele gemüth» lichc Plauderstündchen, in denen >vir uns Kinder durch allerlei Geschichten zu unterhalten pflegte. In diese» Unterhaltungen spielten Thine und Vögel eine Haapttolle und wurden mit allerlei merkwürdigen Eigenschaften auSgestatttt,- die wohl schwerlich in einem Lehrbuch der Naturgeschichte zu findest sein dürften. So wurde vom Pfau, dem Vogel der Juno, erzählt und galt eS für ausgemacht, daß n bald lache, bald weine, je nachdem sein Blick sein prachtvolles, goldschimmerndes Gefieder, oder feine .mit AuSfatz Gehafteten" unzierlichen Füße ftteife. — . Wen» der Genius der Aufklärung, den wir uns über das Weltgebäude hoch emporschwebend, denken, auf die Bor» . gänge in .unserem Zeitalter - herniederschaut, muß eS ihm nicht da wie dem Pfau in jenem ÄythoS gehen, wenn er die großen. Fottfchritte bettachtet, deren wir uns zu rühmen haben, und wiederum -die noch größnen Rückschritte sieht, die leider damit Hand in Hand gehen? Hier ein Men von "Licht ynd'Bildung ouSgegosseu und dott wieder Rächt und graue Finstcrniß, hin die höchsten Errungenschaften auf dem Gebiete dn Forschung, der Nächstenliebe .und Gleichheit-» besttebungen und dott die ttasseste, mittelalterliche Unduldsamkeit, jene AuSgehutt dn Hölle, die sich AnttsemitiSmuS nennt, mit ihrn schwarzen Schaar von Teufeln, und.Würg» engeln, die sich breit macht uad Haß und Verderben auSstreut. Fürwahr, das Weinen muß ihm nähn stehen, als das Lachen, dem guten Genius — und ist das mein Deutschland, muß n sich fragen, ist das mein Bnlin, wo ein Friedrich dn Große, ein Kaut und.ein Lessina gelebt und gewirkt? Beschämt und bedrückt wendet n seine Blicke 'von diesen ihm sonst so lieben Stätten dn Kultur und GeisteSpflcge ab, und wird erst wiedn froh, und athmtt erst wiedn stei auf, weun er nach England 'hinblickt, wo dn Fottschritt unentwegt seine grade Bahn wandelt und wo die Unduldsamkeit, die anti» semitische Hetz als »malle in Germany« so schwer Eingang finde) Wohl fehlt eS auch bei. uns nicht an-voruttheilSfreie», graddenkenden Männern, die auf solche- Treiben vnächttich herabschauen und eS zu unterdrücken suchen, nur sind sie leidn, der großen Masse jenn catalinarischen Existenzen gegenüber, die sich von dtr Aasteizung und Verfolgung ein Gewerbe machen, so dünn gesätt, wie .die Aehrrn im Thale Rephaim." ' In England aber müßte - man eine DiogcneS» laterne anzünden, um Menschen (?) zu finden,-wie einen Ahl» warbt und tutti. guanti, die bei uns täglich wie dir Pilze hervorschießen. — Sin merkwürdiger Zufall brachte mich vor jwri Jahren mit dieser Nation zusammen und wob sogar «r inniges, fottbeftehendes' Freundjchaftsband zwischen einem der bedeutendsten Romanschriftsteller England- und meiner Wenigkeit, indem mir Gelegenheit geboten "ward, in die Stele einegroßen" ebenso edlen als genialen Mannes einen liefen Ein» blick zu thun, und mich zugleich'.mit der höchsten Achtung vor dem Denken und Fühlen, vor allem aber von der wahren Toleranz diese- JnsolvolleS zu erfüllen. Ja, eS war eine höchst selffame Schicksalsfügung, die einen galizffchen Juden (fürden Fall, daß ich noch einmal ein berühmte» MaNv werde, wofür, die Aussichten fttilich sehr gering sind, will ich edem geneigtm Leser verrathe», daß meine" Wiege in Brody, cinex kleine., galizffchen Stadt stand,) mst einem schon jesft ^rühmten englischen Christen in so nahe Berührung krachte, daß sie eine Zeit lang «nzerttennlich zusammen *) RmI gtajifffn Ort»den,' di« hier nicht niihtt erdrrftt werden folltn,- «schien es-nicht angezeigl, diese vläuer, di« »er zwei Jahre» geschrieben amrben, stich« in di« Oeffentlichieityi bringen. . Aiunerinng des Verfasser«. -

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