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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 30 (1894) · p. Seite 118

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
30 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 118 (sequence 2)
Language
German
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nicht. Es ist auch Sabbath.> Vielleicht thut eS mein Anecht" Der Anecht ist ein Pole, ei» blutjunger, beherzter Bursch. Ihn dauert die schöne' Frau, di« so kläglichbittet.' stumm nimmt er Grabscheit und Schaufel und geht hinaus. Nach langem Bitten giebt to; Alte knurrend ein Lake», in ivelches Helfia jetzt die Tote hüllt Helfia fliegt ‘ über den Gottesacker mit ihrer treum Last, Claudia hinterdrein, endlich er» reichen sie die Stelle, 'wo der Bursche gräbt. Fast hätte Helsia einen Freudenschrei gethan. O DU guter Anecht, dahast Du recht getroffen! Rechts und links.von der Grube liegen zwei. Gräber mir umgestülpten Steinen, als Merkzeichen' darauf stehen in Mischen Lettern: Golde Liedertrost und Emma Liedertrost. Frau Helsia ist ganz glücklich,'ihr Aind wird bei den Ihren ruhn. Sanft, ergeben betet sie, während der Bursch« die stille'Saat versenkt. Nach fünf Miouren starrt her junge Pole, bald nach den blinkenden Goldstücken in seinen Händen, bald nach den schlanken Gestalten, die über den. Steg am Ufer im Dunkel verschwinden. Waren .dies Jüdinnen? Nicht, nicht doch, Rnssalken waren es. O, er wird nichts verrachen, wenn man ihn ftagen sollte, nichts.. Und wer weiß, ob picht alles ein Spuck gewesen? - * ', Endlich, als die Freundinnen nach stundenlanger Wan» verung wieder sicher in ihrem Hause waren, brach'Helsia' in Thränen aus und sank Claudia äns Herz. .Ich will es Dir nie vergessen, daß Du heut um mich warft", schluchzte sie, .allein — hätte ich es nicht erttageu." - Achtes Kapitel. Bei Jemilian. Gegen Mitternacht kamen Salinon und Benno heim, sie bracht« eine neue Sorge mit. Man hatte den Vaterin Haft behalten, es stand schlimm für ihn, die jungen Leute wollten ihre Befürchtungen nicht aussprechen, um nicht den Frauen noch mehr das Herz zu k» schweren. sslber Niemand schlief die Nacht im Haufe Lieder» troft; die Gatten, Benno und Claudia, welcher alle drei das Vertrauen einer Schwester schenkten, berathschlagten mit-einander bis der Morgen tagte. . In sehr früher Stunde stellte sich schon Herr von Aaminski ein. Er. überschüttete °Be«no mit Vorwürfen.- Benno hätte es au Umsicht und der allergeringsten Erfindungsgab/ mangeln lassen — um jeden Preis hätte er dm Vater über Pfaffmdorf fahrm Müssen, dann wäre jme unglückselige Besegnung sich-i vermiedm worden. Salmou sümmte chm bei, da fuhr Bmno auf, es sei recht bequem, ihm toi Schuld für alles Geschehme aufzuladcn. — .Der Hauptfehler war, daß wir dm nahmdm Sabbath vergessen hattm " eS schwebte' chm noch manches bittere Worb gegen dm Bruder über die häßlichen Ereiguiße der letztm Tage auf der Zunge, aber mit Rücksicht auf Helfia's Schmerz hielt er au sich- und schloß finster: .Als ob sich mein Vater ^e hätte lenken lassm oder bestimmen!" . - . . .Unsinn, Dein Vater ist ein gutmüthiger, äußerst sanfter Mann. .Sie habm gesehen^ wieweit -diese Sanftznuch geht," sagte Salmon trüb. .Ach was, dm» Lumpe», dem Lmotschka ist Recht gr» schchm," antwortete Aaminski ärgerlich; .es-wäre ein. Gewinn für, die Welt, wmn er drauf ginge und ein Dutzmd seines Gleichm dazu. Welche Pläne habm Sie gefaßt, Ihren Vater oritbet herauszubringen?* . . - ^Jch werde zu Jemilian gehm, chn.bittm, allm Einfluß bei fernem Bruder äufjubieten." .* .Jemilian wird |p(ott zu allm Behörden laufm, sich, aut Gut und Blut sitr Dich, mein lieber Matin,' zu verwenden," rief Helfia spqttisch.. .Er läßt Dich gar nicht'vor." .Das fürchte ich auch/ stimmte Aaminski bei, .Llexaudroff ist viel zu iydolmt und egoistisch sich hier zu compromitürm.-... Härm Sie mich an — vor allem muß diesem bösm Handel jeder Anschein einer Beleidigung des griechischen Cultus be» nommm werdm. Was sich da abspielte, war ein Familim» skandal, nichts weiter- Jmer unglückliche Schlag galt durchaus nicht dem Popen, er ttaf Leo Alexander, dm Pflegesohu Ihre- .Vaters, dm üngetrmm Berloblm seiner Tochter . .* .Niemals!" schrie Bmno auf. .Ich werde nicht dulden, - daß der Name meiner Schwester mit jmem Hallunkm in ein Geklätsch . verwickelt werde — Dein Ruth ist eine Beleidigung Aaminski, für meinen Vater, für meine Schwester, für nnS alle." . . Herr von Aaminski griff nach seinem Hut. ' .Man kann die. tosten Absichten von der Welt habm und doch dm schlechtesten Dank dafür," sagte er kalt und wandte sich zuyi Gehm. .Bleibm Sie,. bleiben Sie," bat Salmon, ihn lebhaft zurückhaltend — .Sie sind unser letzter Freund —“ .Du wirst jenen Vorschlag nicht annehmm," rief Benny ungestüm. .Ziehst Du eS vor,' dm Vater in Haft zu 'wisien? - Glaubst Du, Unbesonnener, daß ich all die schweren Opfer der letztm Zeit umsonst gebracht habm will?" .Willst Du von mir für Eure erbärmliche Charakterlosigkeit noch Dank?" Salmon wuxde kreidebleich. Frau Helfia bckam Wein- Kämpfe, Claudia fühtte sie in ihr- Zimmer und half ihr zu Bett; nach geraumer Zeit hatte sich die unglückliche, junge Frau, übvnoalttgt von Erschöpfung und Schmerz allmählich in den Schlaf geweint. Aus dem Salon schallten noch immer die heftigen Stimmen der Stteitmden herüber. Claudia schloß die Thüren und setzte sich an Helsias Bett; sie wollte wachen und nach», dmkm, die Äidm ihrer Freunde gingm ihr schwer an'S He». Eigentlich mußte sie Bmno Recht gebm, sie verstand sein« Ritterlichkeit, das Andmkeu -einer Todtm zu' schonen. Benno war ein Hitzkopf, aber ein treuer, warmer Mensch, nein, um jmm Preis hätte Abraham Liedertrost seine Freiheit auch nie gewinnen mögen. Da kannte sie dm stolzen, altm Mann. ' War'es nicht viel weniger bloßstellend für die. Liedertrost'S, AlexandroffS Vermittelung anzurufm? . . Warum hatte Salmon diesm veruünftigm Vorschlag wieder verworfen? . Sie warm .alle ungerecht gegm Jemilian, Salmon, Helfia, Bmno; niemals' hatte Alexandroff ihnen ein Unrecht zugefügt, niemals sich als falscher Freund oder unedel'gegm sie bezeigt. Und waS konnte er für dir Schuld seines Brüdens?. Wmn sie selbst mst Jemilian Rücksprache uehmm könnte! ... Ihr, einer Dame, .»würde er gewiß keine Bitte, verweigern. . WaS würde Helsia wohl zu diesem Plane sagm?. Helsia? Sie warf einm Blick auf die Schlafende und antwottete sich: ' Sie würde mirs verwehrm. Helfia ist durch und durch aus Extremen und Exaltation zusammengesetzt — unmäßig, im- Liebm wie im Hassen. Da sie Jemilian Feind ist, bekleidet Jie ihn mit deq garstigstm,. unlanterstm Eigxnschaftm, Eigen» chaftm, von dmm ihm in Wahrheit nicht eine angehört Nein, Helsia dürfte davon nichtersahrm . . Wovon? . ": In Claudia'- Seele wächst und verschlingt sich dar. Bo - streben ihrm Freunden zu nützen mit. dem immer stärker . drängend«» Wunsch, Jemilian wirderzusehm, chn zu sprechm, mit ihm in heimlicher Freundschaft-zu verkehren. Jemilian ' ist ein hoher, reiner Gtist, in der Bomehuihest seines. Weseüü liegt der Grund, warum er sichnicht Jedem verschließen mag; Wohl! IN Claudia'? romantischem Aöpschm reift «u toller, abenteuerlicher Plan . . . ' - - - - . ES llopste. Benno stand vor der.Thür. .Leben Äe wohl, Claudia. Ich veüaffe' die» Haus.' Llandia rrschvck. .Uubesouueuerk Ihrem Bruder '

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