Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 29 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Blitzschnell überlegte Benno. Selbstverständlich dachte rt nicht daran, den Battt allein zu lassen. Einen andern Borwand herbeizuziehen, war sehr nnrathsam — er sich nach der Uhr — der Zeiger wies fünf Minuten ül>er ein Viertel fünf — KaminSki hatte versprochen, den Kondukt über einen viel näheren Seitenweg zu lenken — auf KaminSki'S Ueber- ' redungsgabr konnte man sich verlassen, nun denn, aus gut Glück, dachte er und folgte dem voranschreitenden Vater in die Bahnstraße. Er erschrak fürchterlich, als er den Gesang der Psalmen hörte ... Ta unten kamen sie wirklich. ' .Ein russisches Bcgräbniß", sagte Abraham. .Ja," antwortete Benno, und mit einem schier übermenschlichen Versuch, recht gleichgültig auszusehen, sprach er, während ihm dar Blut ins Halse klopfte: .ja. gehen wir schnell vorüber, der Pöbel ist jetzt sehr gegen uns geheßt und inacht auch ohne Anlaß gern Skandal." Las war dumm, Benno, sehr dumm. ' Denn Abraham wprde zornig und rief: .Das Bol! hat sich immer mrt den Juden verttagen, nur seine wahren Ausbeuter die Gorodwoi's und die Pfaffen stacheln eS auf." Und herausfordernd richtete er seinen Blick auf die Ehorkuabcn und die Mönche. Dann kam der Sarg. Wie klein er ist, da liegt gewiß ein Kind darin, dachte Abraham und wurde ganz mitleidig ge- 'sttmmt. . * .Hinter dem Sarge schreitet der Pope allein. Wer ist dieser?". Abraham bleibt stehen, der junge Geistliche nähett sich langsam und sieht dem alten- Manne dreist in die Augen. In derselben Sekunde hat ihn Abraham erkannt. Nein, dir Toten stehen nicht auf — der da lebt, es ist kein Spuk — Abraham.weiß jetzt, daß er bettogerr wurde, betroge n von seinen Söhnen, die ihm sagten, Leo wäre todt, betrogen von seiner Tochter, die aus sündiger Liebe zu jenem Blondkopf dort gestorben ist, und am fürchterlichsten betrogen von ihm, dem Sohn seines Geistes, den er zärtlich geliebt, den er selbst. unterrichtet und erzogen hat, auf dessen glänzende Kenntnisse und lautere Frömmigkeit er so stolz war — .Acher — Acher" schreit er laut weinend — Benno versucht ihn zurück« S' alten — umsonst,— rasend vor Wulh stürzt der Alte auf den Popen und schlägt ihn mit dem schweren, eisen» dcschlagencm Stock ins Gesicht. Leonid' taumelt und fällt zu Boden. _ (Fortsetzung folgt) ÜI illks hltmslhks ßktilhl ilrr US vchiWkl.") Uebersetzt »on vr. Lhotzner-Belsafi. r Besingen will ich eine ßchlacht, — die einst geplant ward und erdacht — von Geistesheldeu mit Geisteskraft'— und anerkannter. Meisterschaft. Der Kampfplatz, der gemessen und klein, — besteht aus acht viereckigen Reih'N, — und auf diesen recht kleinen'Quadraten, — sind placirt die kämpfenden Soldaten, —. die, wie. zwei streitende Armeen, — sich feindlich einander gegenüber stehen. — Und in deren Mitte — weilen nach alter Sstte — der König und die Königin, — Da« obige Gedicht, welche» die SBorte zur Auflchrift hat: üTnn, ns pn otck r*vr? n-o r. v pirw soll.den dekannten hebe. Dichter Abraham Ibn E«ra (1093—1167) zum Verfasser gehabt haben. E« läßt sich daraus ersehen, daß die. daselbst bezeichneten Züge der Schachfiguren mit den modernen Regeln de« Schachwiel« überein stimmen, doch find die Namen der betreffenden Figuren »on den jetzigen .theitweise verschieden. So wird z. v der „Läufer" i« hebe. Original >£ (der Elephanl) genannt, und ist demnach diese .Bezeichnung mit der arabischen Benennung derselben Figur »Al-fil« fast identisch. Ebenso wird der „Thurm" daselbst PT*I (un Englischen «ook) genannt und der .Springer" und die .vanern" heißen un he» trätschen Originale DTC51 heziehn»g«»eise -» die Fnß- . tzaldaten. ' um sie zu schützen mit tteuem Sinn. — Nun beginnt die Schlacht — mit Energie und Macht, — und aus den Gruppen — der Heerestruppen — treten' hervor verschiedene Stteiter — Fußvolk und Reiter, — bald vorwärtsgehend — bald stille stehend. — doch ist dieser feurige Streit — dem Scharfsinn des Geistes nur geweiht, — und ferne bleibt da» Blutvergießen — mit tödtlichen Sperren, Lanzen und Spießen. — Jeder Kämpfer, mit Namen benannt, — und mittels Zeichen wohl gekannt. — kämpft entweder für die Jdomärr, — oder für das andere feindliche Heer, — das unter den Semiten — genannt wird die Cuschiten. — und wenn diese aus den Kampfplatz schreiten, — beginnen jene sofort mit ihnen zu streiten. — In erster Reihe kann man sehen — die Fußsoldaten gerüstet stehen — und im Borwärtsgehcn — darf jeder von ihnen seitwärts stteifen — um seinen Gegner anzugreisen — niemals aber, wenn in Nöthen — feig und furchtsam rücklings tteten. — Doch hat er das Recht — als Erster im Gefecht, — ein Feld zu überspringen; — und erreicht er ganz behende — des Schlachtfelds äußerstes Ende, — so erhält er dann zum Lohne — der Königin Macht und Krone — die da waltet unumschränkt, — wohin die Schritte sic auch lenkt. — Freier Spielraum ist dem.Läufer" gegönnt, — wenn er vorwärts oder rückwätts rennt; — er lauert in seiner hagern Gestalt, — oft versteckt im Hinterhalt,' — und ist im Kampf bedeutend wichtig, — wie die Königin fast so mächtig u. tüchtig. — Des Springers Macht ist auch beträchtlich, — und keineswegs gering, verächtlich; — höchst bedachtsam tritt er auf — in seinem krummen, verschlungenen Lauf, — drei Quadrate beherrscht er nur — und doch gefährlich ist .seine Spur. — Kcrzengrad' — ist des Thurmes Piad; — er verschmäht die krummen Stege, — und wählt sich nur gerade Wege, — und wo er geht, — und wo er steht — merkt man seine Autorität. — Der König schreitet majestätisch einher — vorwärts und rückwätts, wie Kreuz und Quer, — und ist -auch immer drauf bedacht, — zu wahren seine Könrgsmacht, — und zu schützen seine Leute, — daß sie nicht fallen dem Feinde zur Beute, — und . ob er kämpft und ob er ruht, — ist er stets auf seiner Hut, daß dieser nicht zu nahe rücke, — und ihn im Kampfe ganz erdrücke. — Zuweilen gewährt der Thurm ihm Schutz — und und zuweilen ist er ohne Nutz, — während manch And're seiner Getteuen — ihm Hilfe lassen angedeihen. — Seht, wie sie kämpfen niit Kampfesmuth — und mit entbrannter Zornesgluth! — Doch in ihrer größten Wuth -— vergießen sie keinen Tropfen Blut, — sondern fallen, sinken und schwinden dahin — mit resignittem, treuen Sinn. — Machmal ist's der Kuschiten Heer, — das da schlägt die Jdomäer, — und manchmal gehen diese Krieger — aus dem Kampf her. vor als Sieger, —- und ihr König voller Bangen — steht da machtlos und gefangen, — denn in der Feinde Netz ist er gegangen, — und in deren engen Banden — ist keine. Rettung für ihn vorhanden. — Höhnisch rulfen die Feinde ihm zu:.— .Schach; matt, o König, bist nun Tu, — die Getteuen Dein, sie haben ihr Leben — für Dich umsonst, ach, hergegeben." — Doch nicht geschlagen sind sie für iuimer — denn ihnen leuchtet der Hoffnung Schimmer, — daß als Krieger — und tapfere Sieger — sie sich vom Tod bald frisch erheben — zu neuem, frohen und stöhlichen Leben. . $ir n) &r)tlii|5rrijn & la mode von gesnndhettttche» nuD rrtigiifem Ltanvpnntte. Der Mode, dieser ° tyrannischen Göttin mit der Devise - sic volo sic jubeo, wird, obwohl Vieles mit unserer Anschauung, Gewohnheit und mitunter auch mit unserer Gesundheit sich nicht vetträgt, gar manches zum Opfer gebracht. Zu den Gewohnheiten, die, in der jetzigen Zeit, zum. heilsamen , Bedürfniß, ja, ich möchte sagen, zur Nothwcndigkeit geworden, gehören die-Erholungsreise». Selbst die Thora, unsere hei-