Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 28 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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»so ist es." .Mach, daß Tu fortkommst!" ' Verwirrt, beschämt wollte Abrahani gehen, da überkam ihn ein standhafter Trotz, der Gouverneur mutzte ihn hören, er vertrat ihm den Weg. .Ereellenz, ich wollte nnterthänigst bitte», nicht für mich, für meine arnien versolgletl Brüder." .Was ist's? Habe» Sie gestohlen?" .Nein, Herr. Sie sind Deutsche ..." .Wie! Teutsches Hundepack! Und Tu wagst es mir bei Nacht hier aufzulauern? Ta! . . ." Er ritz Abraham die Bittschrift aus den Htinden und warf sie in den Koth. .Verfluchtes Preuhengesindel! Binnen Jahresfrist iverde ich Euch Alle, Mann für Mann des Landes verweisen." .Geh fort, fremder Mann," riif der Kosak und stellte sich zwischen ihn und seinen Herrn, aber verzweifelt fatzke Abraham nach des Gouverneurs Hand: .Herr — wir haben nichts gethan, wir sind Menschen so gut wie Sie . . . ." .Geh' zum Teufel! Fött mit Dir,.Jude!" Tie Faust, die ihn vor die Brust stietz, war so 'gewaltig, daß Abrahani wohl zehn Schritt davonflog, gegen die Mauer prallte und bewußtlos niederflel. Er lag geraume Zeit, da erwachte er, er merkte auch, daß ssch Jemand bemühte ihn auszurichten. 6s war der Kosak, der pch'über ihn beugte und ihm mit einem Talgstümpschen in's Gesicht leuchtete. .Verwünscht, Väterchen, das hat wehe gethan, wie?" sagte er gutmütig. .Trage es mir nicht nach/ ich hatte es gut gemein«, aber Tu wolltest ja nicht hören. — Siehst T», das war unser Herr." . t .Eine Sünde, wahrhaftig in Gott, eine Todsünde ist's, einen alten Mann wie Tich so zu schlagen . . Tu hättest ihn heut doch lieber nicht anreden sollet«. Warum hast Tu nicht aus mich geachtet? Sähest Du nicht, wie ich die Hand an die Gurgel sühtte? Er hat schon so'viel gesoffen heut, darum war er so scharf. Er ist gar kein. Christenmensch, er ist ein verfluchtes Thier . . Steh' auf, Väterchen, kannst Tu stehen?" Ter gutmütige Bursche säuberte ihn und stützte ihn. Abraham richttte sich aus, noch einmal blickte'er gegen das Haus, in welchem der Gouverneur verschwunden war. Er konnte es kaum mehr erkennen. Dichte weiße Wolken. — war es Schnee? war es Nebel? — wallten vor seinem Auge, wie wenn Himmel und Erde ein weißes Meer verschlänge.. Ein Sturm erhob sich aus Mitternacht, mit wildem Sausen peitschte er Erde und Firmament . . Jetzt teilte sich die weiße Flut, uud Abraham sah. Das Haus stand wieder da eingehüllt in Schnee. Bor dem Hause hielt Einer Wache, gespenstisch, riesengroß, der richtete sein Schwert in die Höhe. .Hinaus — hinaus! heulte es im Sturmesbrausen — austreiben, ausweisen, in einem Jahre alle ausweisen.. Hinaus, hinaus! Ter Sturm rüttelte an dem großen Hause, daß die Balken krachten. Verweisen, des Landes verweisen will er, der Einzelne, Tausende des Landes verweisen. Verwesen wird er, modern vor Jahresfrist, der Stolze dalieg-^n, — ein Häuflein widriger Staub. Thörichter, vergänglicher Menscheawurm, das Geschick Tausender willst Du bestimmen und vermagst Dein eigenes, elendes Leben nicht um eine erbärmliche Minute zu verlängern? — ' .Und Gäste seid Ihr Alle auf dieser Erde." Der Engel stand und richttte sein Schwett in die Höh«. * .Komm Väterchen,"' sagte der Kosak leise, .grausig ist es hitt." Er schlug ein Kreuz und sühtte.Abraham davon. Sie schritten die lange Gasse hinauf, bis sie.plötzlich elus da Finsterniß die strahlend Helle Hauptstraße vor sich «blickte». Wagen auf Wagen-rollte daha, -der Kosak-hittt den ersten besten an, Abraham stieg hinttn. Er beschenfte innen: freundlichen Helsa reichlich und fuhr dann in sein'Hötäl! zurück. . - Siebentes Kapitel. Vater Abrahams Rückkehr. ^Laßt mich in -Ruhe! Ich will aber das Kreuz nicht tragen! Wenn das da Großpapa sieht, -ist erböse mit mir." „Sei artig, Gabriel!" .Geh' weg, Mpma; oder ich werde Dir den schwarzen, Schleier .haunteaeißen, Tu siehst lüißlich darin aus, und Tante Claudia auch. Ihr-sollt Goldchen-haausnehmen ans Dem dummen, roten Kaste», ich will mit ihr spiclni." Ta.Salon, in dem die kleine Leiche, i» einem offenen, roten Sammctsarge, aufgebahrt lag: war übervoll von Besuchern) Damen und H.ae», schwarzgekleidet, nur im Flüstcr» thon sich untahaltend. die in mitleidiger oder gar peinlicher Verlegenheit auf den kleinen Wüterich blickten.' Da stand a. laut schrttend, mittkn im Saal, stampfte mit den Füße», während a zugleich an dem. langen Kreppichleier seiner Mutt« riß und zcate. t .Sie haben Den Knaben schlecht erzogen, Elena Pttrowna," sagte Anna Feodorowna, die Frau des Polizei» meisters Grodunoff. Tiefe würdige- Tame hatte bald nach da 'Nachricht von Jelisnwttas Tod, (Jelisa>vtta, so hieß Goldchen jetzt) es sich nicht nehme» lassen, höchstselbst in da- Haus der dirophyten zu kommen und die Trauerseierlichkttten sammt und sonders 'mit allem. Pomp und Prachtaufwand der rechtgläubigen Kirche vorzubereitev und zu bestimmen. Tenn Anna Feodorowna war die eifrigste Christi» der Stadt, außerdem bildtten schöne Begräbnisse ihr Entzücken. Sie bgtte Alles angeordnet und selbst beschafft, die Ausschmückung des todten Kindes, das Heiligenbild zu Häupten des Sarges, die Kerzen, die Blumen, das Kruzifix, die Trauerkleidung der Frauen, und Satmon, obwohl im Innern tief gerzweiselt, hatte sich ihr nicht zu widersetzen gewagt. Er stand am äußersten Ende.des Saales und hätte mit finsterm Schweigen die strafenden Reden der Polizeimeisterin an sein Weib. - ..Das Kind ist. grundverdorben, Elena Petrowim, schlecht und unchristlich erzogen," schalt sie. .lassen Sie es mit bloßen Füßen eine Stunde aus Erbsen' knien und ein Gebtt.sprechen. Komm her Nikol!" ' Ter Kleine stteß nach ihr. . .Ich bin kein Nikol," schrie er. ,O, Du mein Seelchen, natürlich heißt Du Nikol, Nikolai Petrowitsch heißt Du jetzt, Du bist doch rechtgläubig getauft. Ptter Abramowitsch heißt Deiu Vater und Elena Petrowna, Deine Mutter. Komm, nimm das schöne, filbeme Kruzifix, Du gehst gleich hinter dem schönen Sarg, sieh wie Jelisawtta da liegt, wie ein Engel, freut es Dich nicht hinter dem Schwesterchen herzugehn, die so schön aussieht? So, Nikol, mußt Tu das Kreuz schlagen." .Ich höre nicht au» Deine dummen Namen," krttschte der Junge ttbostt, .so mach' ich nicht. Wir btten anders" .. / Hülfefuchend sah Helfia nach ihrem Mann. tFortfetzung folgt) I Sn'bftrtn 6|mliner*tSrirf. . Bo» Dt. Altert Pick-Lrstm. * In der .Kunsthalle" unser» Ausstellung, und zwar inderjenigen Koje desselben, welche die Urdrucke des Mattinstifts, die Selbstschriften von Reformatoren', verschiedene' Innung-»' bücher, .Lehr- und Mttsterbttefe und noch mancherlei des! Wetthvollen enthält, hängt auch unter GlaS uud Rahmen die i lithographische Nachbildung*^ des von den städtischen Behörde»^ . *) D»i' j» Farbe» aasgefihrte Original defiadet stch i«. I emet lo^ter bei Professor vager, berHra» Karoline Levi in f I i!