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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 28 (1894) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
28 (1894)
Date
1894-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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' . Hexausgegeben von. Dr. M. Hammer in Magdeburg. Hur Nntrrhattang un- Belehrung für -je israelitische Namilir. ' * Das £*NiHi«Mkl«tt" erscheint wöchentlich als «ratixScUagr zur „JtrmHHiiäftn N>»«tze>>s«chetf^ . Jede» n«<%**N«f «ms Htitw Statt« (f( — vi« Einzelnummer koste« (0 -tfA. bei der Expedition. - Die Ausgewiesenen. - Tine -Erzählung auS der Gegenwart. Bon L. Berg. s- - « Sechstes Kafntel. Die Audienz. * »Ich wundere mich, Väterchen, daß Du nicht die Geduld verlierst. Seit sechs Wochen stehst Du" nun jeden Bürutittpg hier, seit sechs Wochen sage ich. Dir jeden Tag, der Gouverneur ist nicht zu sprechest, und alle Morgen kommst Du dennoch wieder. Dgbei giebst Du mir jedes Mal einen Rubel, Dp mußt entweder -sehr rejchoder bald arm sein. 'Aber ich will Dir einmal etwasagen, Du sollst sehen, ich bin ^in Christ; Du wirst hier den General niemals sprechen." „Niemals!" rief Abraham erbleichend. , ' „Niemals," wiederholte der Kpsak, „hier im Palais darf keine Menschenseele, nämlich so eine wie Du mit Papieren und Reklamationen mehr,vor, wollte ich Dich auch zu ihm führen, et würd» mich auf der Stelle davonjagen; und das ckannst Du nicht wollen, ich Hab« Weib und Lind." . „Behüte!" sprach Abrahqm weich. . . ,Aber ich weiß Besseres für Dich," fuhr der Kosak mit verschmitztem Augenzwinkern fort. '.Ich will Dir einen Nach geben, Du hast ein so gutes Gesicht, alter Mann, obwohl ich gar mcht verstehe, war Dir so viel daran-liegt.den Her«" gu treffen, ich bin froh, wenn ich ihn nicht sche," murmelte er leise, „da» darfst Du mir glauben. Aber Dn willst so, meinetwegen. Weißt Du,'wo der Eirkuist?, „Nein. Aber jede Droschke wird mich dahin fahren."' '. „Auch gut. Du führst also bis zum Lirku»; dann rechtdie Straße hinauf. Dann ° kommt ein Gaßchen. da mußt Du absteigen, ts ist so,eng, daß kaum ein Mann wie Du hiudurchaehen kann. Läng ist die Gasse, sehr lang, nimm ■ Dir auch einen Stork ipit. oder'besser'noch ein Messer, r» wohnen viele böse Leute dort herum. Am Ende wirst Du rin Haus sehen, ein feine- Haus auS Steinen mit Gitterchüren, es ist sehr groß,;S guckt über alle Baracken und Buden dort stolz hinweg. Da wohnt die Jeuni Weiß, die Kunstreiterin. Dort warte im HauSflur, und Du wirst dem; Gouverneur begegnen, weil eS. so dein- Wunsch ist." „Um welche. Zeit?" fragte Abraham. > „Hach zwölf ob zwölf Uhr RachtS. Run geh' mit Gott." . „Ist da» ein schmutziger Weg!" seufzte Abraham, al« er i» selbiger mondloser Rächt die bezeichnete lange Sasse durch. watetL „Fürchtirlich! AIS ob der Schlamm und Abhu« dou.gaoz Warschau hier, aufgehäust würde.' Er ging und die Streike gahni kein Satte. Bor sich, hinter fich-uichtS übelriechende Lacheu, üöemll sackst«. den Hünserp festhalten, die feinen, spitzen Schneenadeln flogen ihm schmerzend ins Gesicht,, er war floh, als er, am Ziele dabeschriebene HüuS vor sich erblickte., „Bei Ndcht und Nebel gehe i'ch krümme Wege, wie ein Dieb," murlmeie er vor sich hin, .durch Schmutz zur Stätte des Schmutzes. Und worum? Was habe ich. was haben wir alle BöseS begangen?" Er wartete und wartete. Seine Gedanken flogen nach Haus. Dott stand Manches schlecht, er ahnte, und fühlte, man habe ihn über allerlei'trübe Dinge hinweggetäuscht. Nur mit Einem hatte chn sein Sohn gewiß nicht betrogen, er hatte -ja beim Leben seiner Kinder geschworen, DaS sei nicht wahr ... . Dann dachte er an das kleine Mädchen, daS kränk lag, und dieses Sind, daS den Namen einer theuren, noch unver. gessenen Frau trug, eS starb vielleicht, während er, der eS liebte, sich wo» ihm entfernt. — Nein, nicht daran denken, sonst hätte er längst umkehren müssen — ptit da» sein Herz krampfte. Anderehätten auch Kinder und liebten sie, er staud hier für sie alle. ' . Und in all seinem großen Kummer um die Seinen, um die bald heimathlosen Bäder seines Stammes,' ging ihm un» aufhörlich ein Bers durch den Sinn: „Aber er hoffte auf Rechtlichkeit, und sieh« Bestechlich, seit, auf Wohlthat'und siehe Gewaltthat." Die Nacht wurde immer kälter. Abraham überfiel eine gliederlösende .Schläfrigkeit, müde. lehnte er den Kopf an die Mauer. Aus! auf! er durfte nicht schlafen — endlich, gelobt sei Gott, da kamen Schritte. . Ein, großer, breitschültriger Offizier ttat sporenklirrend auf da» HauS zu, ihm folgte der wohlbekannte Kosak, de:» den Mantel seine- Herren auf dem -einen Arm, mit dyn andern einige verstohlene Zeichen machte. . Abraham verstand den Mann nicht» aber sein Herz schlug schneller, insttnktmäßig umklammerte er die Bittschrift in' seiner Hand. Jetzt hatte ihn.der Gouverneur erblickt. ' ' .„Gehören Sie in-das HauS?". - „Rein." „WaS tteiben Sie hier?" . Der rqube, tiefe Baß des Gouverneurs, dazu ein Gesicht, auf dem sich soldatische Strenge bis zur Brutalitätausgeprägt mit starrem Hochmuth paarte, das war nicht sehr ermuttgend für den armen Patriarchen, er antwortete daher ziemlich verzagt: . „Ich wgtte auf Euer Excellenz." * „Wie heißt Du?" . . „Abraham'Liedertrost." .Liedertrost! WaS daS für ein dummer Name ist!" . „ES ist ein chrlicher Name, Herr!" „Ehrlicher Name! Bist Du vnrßckt? Ich glaube gar Du bist, ei» Jude."

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