Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 27 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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108 die Oberfläche weg, so kommt das unedle Metall bald zum Borschein. Jesse Seligmann war. ich möchte sagen, zum Rcichthum geboren. Dazu hatte er das Glück in Folge fernes finanziellen Talentes, mit den größten Staatsmännern, den edelsten Charakteren, mit den hervorragendsten Männern unseres Landes, welche dieses Jahrhundert erzeugt hat, in Berührung zu kommen, mit Männern wie Lincoln, Grant, Chase, Sherman, Edmunds, Seward und vielen Andern, vettrauten Umgang zu pflegen. Durch diesen Umgang ward ihm die Gelegenheit geboten, sich Reichthümer für Geist, Herz und Gemüth zn erwerben. In dieser Schule der Besten unseres Landes, bitbete er sich zu einem vollendeten Amerikaner heran. Thatsächlich war das Auftreten Jesse Seligmanns das eines Staatsmannes. Seine stattliche Figur, sein würdevolles Benehmen sttahlten einen Nimbus aus, dessen man sich nicht erwehren konnte. Er war — ich habe leider kein deutsches Wott dafür und muß daher den englischen Ausdnick -oählm — er war ein .Gentleman" in des Wortes vollster Bedeutung. So, nun ist der Kranz fettig. Sollen wir zu Ehren Jesse Seligmanns ein Denkmal erttchtrn, damit sein Audcnken unter uns-fortlebe?»^- Unsere Altmeister haben einen goldenen Spruch: .Den Gerechten, den Tugendhaften, braucht man kein Denkmal aus Stein oder Erz zu bauen; ihr Wirken und Streben für das Wohl ihrer Mitmenschen, ihre Thaten und Beispiele, die sie uns zurücklassen, errichten ihnen ein Denkmal, das unverwüstlich bleibt." KineKpisoöe aus den Ureiheitskriegen. Aus Glogau wird uns folgende Episode aus den Freiheitskriegen von Herrn Salomon Samuel mitgtthellt: Als König Friedrich Wilhelm III den Aufruf an mein Volk erließ, meldtten sich in Glogau eine ganze Anzahl jüdischer Jünglinge zum freiwilligen Einttitt in die Armee, unter ihnen war auch David Salomon, der anfangs zurückgcwiesen wurde, weil er erst sechszehn Jahre und roch zu schwach für den Dienst war; er bat jedoch so sehr, man solle ihn annehmen und er versprach so ernstlich, er werde seine Schuldigkeit thun, daß man endlich seinen Bitten nachgab und ihn als Tambour einstellte. In der Schlacht bei Leipzig commanditte bei Probstheida Pnnz August von Preußen. Dott hatten sich die Franzosen hinter einer Kirchhofsmauer verschanzt und die Preußen hatten die Mauer erstürmt, warm aber jedesmal wieder zurückgettiebm worden. Prinz August wollte nun dm Kampf aufgebm, dmn die Truppen warm auseinander gesprengt und er hatte nur noch den Tambour David Salomon bei sich. Dieser hatte beim Retiriren dm einen Trommelschlägel verloren, aber er ttommeltr mit dem andern so feste ruhig weiter, daß die Truppe sich wieder sammelte, zum siebmtenmal die Kirchhofsmauer erstürmte und dann die Stellung bchaupttte. Als dann die Braven, die sich auSgezeichntt hattm, das eiseme Kreuz erhieltm und David Salomon nicht damnter war, sprmgte Pnnz August an dm Major heran und rief fragend: Wo ist der Tambour? warum wird der Tambour nicht decontt? .Das ist ein Jude, Königliche Hoheit", antwotttte der Major. .Nun, dann wird der Jude ausgezeichnet", ries da der Pnnz, ließ dm Tambour David Salomon mitteten und heftete ihm selbst sein eigmes Krmz auf die Brust. Später erhielt er einm Ehrmsold von monatlich 4 Thaler 18 gut? Groschen bis an sein Ende. Pnnz August war später als Generalinspektor der Attillerie mehrmals in Glogau und ließ dann dm David Salomon auf's Schloß kommen und unterhielt sich mit ihm. Kine eiserne Kochreil. Am 24. Juni cr. feiert« ein in Ehren ergraute» Ehepaar ein Fest, das wohl in unserem Orte (Osterode in Ostpreußen) und weit darüber hinaus noch nie stattgefundm hat. Es war dies ein 6bjähriges Ehejubiläum, welches vor vielen Jahrm in einem ähnlichen Falle im Städtchen Biez (Provinz Brandenburg) von Sr. Majestät dem hochseligm Kaiser Wilhelm I. mit dem Ramm .Eiserne Hochzeit" belegt wurde. — Hier in Osterode war eS daS noch geisttg friscke, wohlbekannte, seit 48 Jahrm hier wohnmde Lormz-Krause'sche Ehepaar, welches 1879 unter großer Betheiligung der Behörden und der Bmölkemng die goldme und 1889 die Diamant-Hochzeit gefeiert hat. Auch am verflossenen Sonntag hattm sich um 8*/* Uhr Morgens alle Familimmit- , gliedtt, Kinder, Enkel und Urmkel zur' Gratulation bei bemH greisen Paare — der Jubilar ist 1806, die Jubilattn 1809 j j geboren — eingesunden und überreichten einm mit -Diamant» und Perlen besetzten „Eisemm Kranz" und einm cbm' k»lchm ‘ Strauß, ferner ein künstlich gearbeitete» Album, enthaltend 'k die Bilder aller FamiliMimtglsidttbisäuf' dm 3 Wocb« X alten Urenkel herab. Die beidm WidmungSgcdichte wurd« von zwei Enkelinnen vorgettagm. Etwas später erschim A Hm Bürgermeister ElwenSpoek, der im Namen der MI hiesigen Stadt graiulitte, dann der Borstand, der Prediger und der Vorsitzende der Repräsmtanten der Synagogmge- H meinde, die ihre Wünsche dem Jubelpaar in bexedtm Worte» £ darbrachten. Hm Prediger Sturmann hielt eiue seittlich« J Ansprache an da» Jubelpaar, unter -Zugrundelegung der Bibelstelle Psalm 97,11, segnete es mit besonderem Danke gegm Gott, daß es ihm vor vielleicht Tausenden seiner College» ‘:Ji vergönnt sei, für ein biederes, gottrsfürchtiges Ehepaar, welches einst dm Emst deS Leben» erkannt und heute in Freuden emttt, was es unter Thränm gesät, nun schon zum dritte« Mal« (im Gold-, Diamant- und Eismkranz) Gottes Segm ' (nr herabzuflehm. Er übmeichte alsdann ein Gratülattonsschreib des Ausschusses des ostpnußischm Synagogengemeinde-Berbandes. Nne große Menge Gratulanten fülltm nun die Zimmer des .Eismpaarr»", ihre Wünsche darbri.rgcnd, und dm ganzm Tag liesm Briefe, Gedichtt und Blumenspmdm ein. um daS Herz deS Jubelpaarezu erfrmm. Nachmittag» fand eine Festtafel im Hause deältesten SohneS, Hm» Jakob Krause, für die Mitglieder der Familie, die Berwandtm und einige hierzu geladme Herrm statt, wobei schöne und sinnreiche Trinksprüche gehaltm wurden.- Wie vor 5 Jahrm wurdm auch diesmal die WohlthätigkeitSanstalten unserer Stadt und die der jüdischen Gemeinde mit reichen Gabm bedacht, und der aus Pemambuco in Brasüim hier weilmde-Soh» des Jubelpaa«S, Hm Josef Krause, spmdtte zwei wetthvolls .eiseme" Kandelaber, zu GaS eingerichttt, die ihrm Platz vor dem" Hauptpottal der nmm Synagoge, zur ewigen Erinnemng an die .eiseme Hochzeit", finden werden. Aus dem Spruchschatzdes Talmüds. poetisch übertragen von Max Weinberg. wert' Medicinerl rüth die Zeit dem Ihoren, ii, find Die Vpfer, die Du bringst, find nicht verloren, Find'st weit und breit kein besser Arbeitsfeld, ' - rlannst Menschen tSdten für ihr eigen <»eld. Und hast den Vorrang vor dem .großen Würger", Der gratis tSdtet all« Erdenbürger. (ilefor Loiuwaöluiü».) « .» w. ewiefenm. mit Dchnobel, eifern« Hochzeit. An»««, Die » «an van ll. Berg. — Eine Episode u* den lu de« chpm- B<iu6ir|.—