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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 27 (1894) · p. Seite 106

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
27 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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— " ros — deuMng bri,“ lachte Benno spöttisch; »welche Beweise hat man wohl fßr meine staat-gefährlichen Umtriebe?" . .Beweise!" rief Günzburg. Sr langte von seinem Schreibtisch ein ausgeschlagene- Buch herbei' und deutete mit dem Finger auf eine Stelle. .Lesen Sie, ja lesen Sie nur, es ist der Prediger. Daist ein sehr gutes Buch, was Ihr überstndittejunge- Volk der Neuzeit freilich das ganze Jahr nicht -ansehet. Lesen Sie: .Auch in Deinem Innern fluche keinem König . . . denn der Vogel des Himmels möchte Deine Stimme hinwegführen." Günzburg schlug das Buch zu und sprach: .Beweise! Mein lieber Junge, wennman Ihnen erst Beweise bringen wird, wird Ihre Sache bereits ganz verloren sein. Also Freundchen, bereiten Sir Ihrem alten Vater kein Herzeleid, und machen Sie sich fort von hier, je weiter, je besser." Benno ging ziemlich niedergeschlagen hinweg. Bor allen wollte er zu Kaminski. ihn warnen, sich von ihm RathS einholen. Bor der Hausthür Günzburg'- traf er einen Wagen, aus dessen Fond Kaminski und Claudia ihn lächelnd heranwinkten. .Wohin? wohin?" ftagte er, da er mit iu den Wagm. sprang. .Nach dem Deutschen Theater," befahl Kaminski. Claudia ober berichtete sofort: .Tie kleine Golde befindet fich einen Schein wohler heute. Diesen günstigen Umstand benützte Ihr Bruder, um Helsia an die vernachlässigen Vorbereitungen zum Feste des Großfürsten zu erinnern." „Salmon ist ein Barbar," schalt Benno. »Er muß es sein," erwiederte Kaminski ernst. „Jetzt die Feier unterlassen, dünkt mir geradezu gefährlich. Er würde schnell genug oben verdächtigt scheinen, und nicht nur sich allein, alle Betheiligten zöge «r mit hinein." .Soweit mein Können ausreicht, spiele ich gern ein wenig artistische Leiterin Helsia, zu entlasten," sprach Claudia sqnft. .Ein wenig," ries Kaminski, „gestehen Sie, daß Sie den Snzen Vormittag unter einem Berg von Kommissionen, Beben, Reklamationen, Borwürfen der halben Stadt geseufzt habe», und wenn Ihnen Frau Helsia nicht meine Begleitung aufgezwungen hätte. ." . „Tann steilich würde ich bereits unter der SeschäftSlast erstickt sein," lachte Claudia. .Aber da find wir am Theater. Wetten wir, daß wir hier gleichfalls Widerwärtigkeiten begegnen werden?" .Spazieren Sie nur hinein, meine Herrschaften," sagte ein Kellner mit tiefem Bückling, .die Probe ist eben aus/ Der große Theatersaal wie die Bühne waren leer, daS Klavier stand geöffnet, Notenbläter lagen unordentlich auf der Erde. AuS dem Nebenraum hotte, mau dumpfe, wirre Stimmen, offenbar gab es da ein kleines Nachspiel hinter der Scene. Plötzlich stürzte Life Lehmann auf die Bühne und sprang von der Rampe in den Saal herab. Sehr erregt, hektisch rote Flecken auf den Wangen, Thränen in den Augen, die Spuren heftigster Gemütsbewegung im Gesicht die junge Dame sab eher einer entlaffmen Köchin als einer verführerischen Operndiva ähnlich. .Sch gnädige- Fräulein, wir find' blamiert, schrecklich, unsterblich, wir können den Czareu m$t-bringen/ .Und warum nicht?" - „Unser Bariton — ein Waldesü — dadümmste Vieh auf der Welt, FrauyoiL heißt die Lauaille,'er will nicht fingen." .Er will nicht?" „Rein. Sr sei Franzose, er fingt weder iu einer deutschen Oper, »och zu 'einem deutschen Fest. Lber eS ist nur eine' Jutrmue von diese» Patton, eine J»trjm»e gegen «ich, auf Anftistm der Direktorin, mst der er ei» Verhältnis hat?" „Mein werthes Fräulein," unterbrach sie Kamin-K hastig. Der Direktor kam. Ein dünner, herzlich rrducitt ans» sehender Herr, aufgelöst, gleichfalls in Verzweiflung. „GMidigeS Fräulein, meine Herren, Sie sehen mich empört über die Frechhrit diese- Menschen, -den ich davonjagea werde — ich höbe bereits an die Hofbühnen ,von Wien und Dresden um 'Ersatz tclegraphitt' .Ach Kaminski. nur keine dummen Lügen hier vor den Herrschaften." rief Life heftig. „Sie können, den Francois micht bezahlen, geschweige einen Auswärtigen. Und mir saß die Marie so schön," fuhr sie weinerlich fort, .ich hätte kolossale» .Applaus -gehabt: Die Oper weg, .dastürzt da-, ganz« Programm l? „Das ist wahr," bestätigte Claudia.' „Rehmen Sie eine« Dilettanten." . . ' „Woher?, jammerte der Direktor. Fünf Tage sind noch his zu dem Heft. Welcher Dilettant lernt in dieser Zeit die schwierige Partie? Ein Königreich für einen Sänger,, em Pferd für ihn!" ' " f Kaminski schlug sich vor die Stirn. * ■" „Aber was suchen wir noch?" Er schritt schnell an dtn geöffneten Flügel; „bitte mein Fräulein," wandte er fich verbindlich an List „präludiren Sie' das Czarenlied. Bruno thw mir die Lieb und spiele einmal mit Krone und'Stern/ Benno fühlte sich geniett, da> ihn aber ein bittender Mick - Claudia'- traf, sang er, wenn auch ziemlich befangen. Trotz, alledem klang die Stimme prächtig m dem weiten Raum.. Der Direktor geriet in Entzücken. „Junger Mann," schrie er begeistert, .Sie haben nicht nur Gold, Sie haben Pfandbrief« ift der Kehle. Wie heißen Sie? Liedettröst? Beim Himmel, es ist ein Trost Sie zu hören. Ich eitgaglcre Sie fltr fünf Jahre äuf der.Stelle." Nun stürmten'sie alle auf ihn em, die Rolle zu übernehmen. List Lehmann machte einen allerliebsten Fußfall vor ihm. Claudia .wie der Direktor gelobten um die Weist, ihm in zwei, drei Tagen die Partie einzustudiren; und KaminSki raunte ihm in die Ohren: * „Thu'S, thue es, eS kann für uns von großem'Nutzen sein." Da sagte er zu. . „He, List," ftagte der Direttor, „du hast Connexionen zur Presse?" * » ,Na ob! Deutsche Zeitung, Couryr popolSki, Mittagblakt, Abendblatt,'ich habe sie alle am Bändchen." „Schön, die Abendblätter älso. Schreibe, was'ich diktirr: „AuS dem Theaterbüreau. Hinsichtlich der Opernaufführung aus Aulaff der Anwesenheit seiner kaiserlichen Hoheit des Großfürsten Paul erfahren wir soeben, daß die Rolle deS Peter Jvanoff ein Herr, den besten Gesellschaftskreisen unserer Stahl angehörim übernommen hat. Der junge Cavalier verfügt über -ejp wohlgeschulte-, märchenhaft schöne- Organ, dessen blendende Höhe" — „Hören Sie aus" wehrte Bennb lächelnd; ich dachte nicht, daß von' Mir auf diese Att.Kapital zu schlagen wäre. _ . In heiterster Lauoe^ fuhren er, KaminSki' und Claudia -nach HauS Liedettröst zurück. „Wir habm alle» erledigt," riefen Claudia und Benno vergnügt in dm Salon tretend, wo sie Salmon, anscheinmd ihrer härrand fandm. „ES gitt»t keine Schwierigkeiten, keine Lsbsagm mehr. Sie werdm Mit un5 zuftiri>m sein," fügst Kamin-ki hinzu," da- Fest muß jetzt unwiderruflich inscmitt wftden." „Und wie gehl eder klemm Gold«?" ftagte Claudia» „Gar.nicht mehr . . . ES ist vorüber. (Fortsetzung folgt) Kesse Keligmann. Vpn.Loni« Schnabel.*) ♦ „ * . Wir habm uns hier versammelt, um da» Andeukm eines hervorragendem Bürgers und Slaübmsgmossm, das Andmkm MM Mt -riwngMgAmgn tz«, sch

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