Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 24 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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•ttträbm, unb fMca solch« SchitksalSschläge trrffcn auch >e wohlmemeadstea- Wlthschläg« ia die Luft. Sie sind Juden, /daist Ihr Malheur, Sie find zumeist deutscher Abstammung, xdas ist Ihr Verbrechen." .Ich bin Naturalisten", sagte Alexandroff kalt. »Wir nicht —! man gestattet es nicht mehr", riesen Salmon und viele andere. »Auch gut", entgcgnete Hen von Kaminski, »oder viels mehr desto schlimmer. 'Tann bleibt nur eine»: Geben Sie ^fich. den Anschein, die allergehorsainsten Söhne des Väterchens zu sein. In diesem Lande ist Alles auf den Schein zugeschninni.. vor Allem die Loyalität. Versuchen Sie es mit ihr, «lterftützkn Sie russische Bestrebungen, geben Sie an russische Schulen, russische Kirchen, Geld, recht viel Geld, sein Sie ^wohlkhätig. meine Herren, das macht immer einen guten. Ein- , druck nach oben, und »och einmal: seien Sie recht lonal. Sie wissen, im Auslände illuminiert man seinem Fürsten zu -Ehren.die Fenster und Thiiren, bei ims stellt man die Lichter in den Rinnstein, ei-ja." . »S.ie ratben uns, wie der Bauernjunge den Hühnern", 'fagtr Salmon trüb, »legt fleißig Eier,. dummes Federvieh, dann braten wir euch noch lange nicht.. . Aber Anmal .werden sie' uns 'doch hinichlachtrn, wer weih wie bald!" ' ^Herr yon Kaminski", ries Benno heftig, »wenn dieser Ratt» Jbncn von Herzen'kommt, dann hüben Sie sehr wellig Herz füs uns." . - ' .Grünschnabel", brummte Jemilian und 'ging bei Seite.. Tie Andern disputirten und debattitten hin und her, bis der reiche Günzbu'rg. dessen Meinung gewöhnlich den Ausschlag gab, entschied: Herrn von Kaminski'S Vorschläge blinkten ihm ganz-befolgenswerth. * .Ja", seufzte der alte Abraham, ..besonders wenn man feine besseren findet." ' . . . . »Ich. hab'S", ries Helsia lebhaft. . .Das Heil der Wejt.kommt von den schönen Frauen" sagte KaminSki, fich lächelnd verbeugend. . Frau Helsia neigte, wenig zu Raschlägen, destv stärker zu Befehlen., - .Wir gelnn am Ramenstag des Großfürsten Paul ein großes. Fest: Galaoper, wo Kenski's Truppe nicht ausreicht, müssen wetthgeschätzte Dilettanten sich betheiligen. Tann Fest, souper, Bekleidung von hundert Kosakenkindenz, Blumenbazar, Eigareven-' und Ehampagnettioske, Malereien unserer ersten Künstler, Zeichnungen unserer »größten Banquiers.— der Ertrag witt> nach Warschau und Petersburg gesendet . . .Vortrefflich!" rief Kamivski, „das. nenne ich mir eine versöhnung?politik." ' . Ter Sttmmungsbardmetrr der Gestllschaft, der vorher sehr bedrohlich auf Regen und Stuttn gestanden hatte, stieg —* wolkenlos — Prachtwetter, mqn war' wieder ungeheuer 'vergnügt. Die Männer applaudieren, die Damell waren mit Feuer dabei, die Details der Feftvorbercitungen zu besprechen., Kaininski-bot Helsia den Arm, ein Herr setzte sich an. das' Elavier, und spielte ißt Baß, der von den Stcinwürsen leidlich verschont, geblieben, einen Maz'^r — ein paar muntere schnurrbärtige junge Leute pfiffen den Diskant — und bald tanzte daS lustige Bökklein .leichtfüßig über Scherben und- Trümryer hinweg. Abraham ging im Saale umher, besah leise stöhnend den Schaden ay zerbrochenem Glase und Möbeln und'räumte hier und dott abgeschlagene Basen oder Holzsplitter bei Seite. . .Vater, was sagst Tu zu Helsia's Einfall?" fragte Salmon. . -.Unternehmt-. Vielleicht habt Ihr Erfolg. Abfr",' fuhr er wehmükhig fort, .waS wird ausden Tausenden unserer. Brüder, die keine Galaopern nnd Blumenbazare denen oben weihrtuchern können, «eil ft« tz« Klsid für fich undkein Brod für ihre ' Hnder» haben!. Ich fahre nzprgen nach Warschau und erbitte mir eine Audienz beim Gouverneur." .Tu wirst einen Mann von Stein finden. Vater!" .Mose, unser Herr, schlug auch Wasser aus dem Felsen." anlwottete Abraham fest. .Guter Vater, fahre Tu immerhin, Dich hielte ja wohl Keiner zurück. Aber laß Dir sagen, von hartem FrlSgestein konnte einst den Juden eine Wohlfahn kommen, von ein« n russischen Gouverneur — nie!" : itrortfr$tiii3 folgt.) Kans von ö-ülow unst Krröintmö Kussallt. Li» Gedeiikblatt von I>r. Morip Brasch. Dem kürzlich verstorbenen großen Tonkünftter wer''»» jetzt, in den Zeitungen allerlei Anekdoten und Bonmouts nachcrzählt. Wenig bekannt aber dürste tf sein, daß 'zwischen Bülow und Lassalke viele Jahre hindurch bis zu dem tragischen Tode -des letzteren. ein inniges Freundschastsverhälttliß 'bestanden hat. Diese Thatsache hat für den Psychologen etwas Räthselhastes Man bedenke: der fozialisttsche Agitator und der weltberühmte Elaviervittuose! Man braucht diese beiden Siair>en nur neben rin«mder zu'stellen, um. die tiefgehende Verschiedenheit beider Persönlichkeiten zu, ermessen. Zwei völlig verschiedene Welten! Und doch gab cs mehr als einen Berührungspunkt zwischen ihnen, insbesondere einen,'der mächtig genug -ivar, sie anzuziehen und eine dauernde Freund» schast zwischen, ihnen zu knüpfen. ' Dies wak dir jedem von Beiden innen wohnende geniale Funken.' Im Urbrigen waren sie Beide die verhätschelten Kinder der Gesellschaft, unabhängig, stolz, übermüthig, ein Liebling der Frauen .... Es war am Aasgange der' fünfziger Jahre, als sie sich — Lajsalle stand damals auf der Höhe seines wissenschäft» lichen Ruhmes und des jungen Bülöw'S künstlerischer Name war schon ein gefeierter — in einer Gesellschaft bei Alexander von'Humboldt kennen lernten. Dos zweistöckige elegante Wohnhaus mit -dem großen schattigen Hinterganen in der Oranienbnrgerstraße. welches die. Faniilie Mendelssohn dem befreundeten. Gelehrten überlassen hatte, soll zuweilen,- wenn der greise Junggeselle einmal .Gesellschaft" bei sich sah,, einen gar wunderlichen Anblick gewährt haben. Ta nmrden dann alle Bibliothekzimmer und alle Rämne, die sonst mit Pflanzen, Stein- und Tiersammlungen angesüllt waren, plötzlich in .Gesellschaftszimmer" u'mgewandelt, und die ersten Danisn der Berliner Gesellschaft ließen es sich nicht'nehme», iu dem vorqehmen Junggesellenheim die Honneurs zu machen. Hier 'versammelte sich nun Alles, waS die preußische Hauptstadt an Geistes-, .Gebutts- und Finanz-Aristokratie damals bxsaß Sticht selten sah män dott auch. die jüngeren Glieder der königlichen Familie, wie das .litterattsche" Mitglied der'« wen, den liebenswürdigen. Prinzen Georg, dessen dramattsche Dichtungen -unter dem Pseudonym .Eonrad" erschienen. In diesen Kreisen war Lassalle, bei* geistvolle jung« Gelehrte, der damals steilich noch nicht in seine .fozialisttsche" Pettode eingetreten.war, ein gern gesehener Gast. Der allerdings schon statt deniokrakische Schriftsteller, dem der ritterliche Schutz, den er der unglücklichen Gräfin von Hatzfeld angedeihen ließ, einen romanttschen Schiminer verttehen hatte, und ivelchem nicht minder aber anch seine anziehende Persönlichkeit die Herzen aller Fraüen gewonnen hatte, erfreute sich des be- . sonderen Wohlwollens Alexander von Humboldt'». . Hier sah man ferner von geistigen Eapacitäten den berühmten Philologen.August Böchh, . den großen Geographen Eatt Ritter, dey greisen JofiaS von Bunsen, der in eigen, tbümlicher Weise, wie wir dies nur noch in England lz. B. bei Gladstvne. Disrafli u. AI finden, den Staatsmann und Schriftsteller in sich vereinigte,' auch der etwas, steiic uild gelehrte Attstotelikcr 'Adolf Trendelcnburg li ß sich ost hier blicken, dann Künstler aller Art, z. B. Hepdrichs, den Hum-