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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 24 (1894) · p. Seite 96

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
24 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
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— 96 — boldt gern declamircn hörte, auch Litteraten, wie den grundgelehrten Professor Gubitz, den scharfen Satiriker Ernst Kossak, den Affthckiker Rötscher u. A., sah man aus diesen Soicken. So oft Franz Liszt in Berlin weilte, machte er dem großen Naturforscher seine Aufwartung, und Liszt war es auch, der seinen besten Freund und Kunstgenossen Hans v. Bülow hier vorstellte. Lassalle's freundschaftliche Beziehungen zu Bülow können wir an der Hand eines vor einigen Jahren erschienenen Büchleins verfolgen, welches hie Correspondenz oder vielmehr die Briefe des Effreren an den Letzteren enthält.*) Leider hat der Herausgeber die Briese und Antworten Bülow's nicht mit ausgenommen, so daß wir hier nur die Acuße rungen des großen Agitators vor uns haben. Aber aus der herzlichen Art, wir hier unter Andern über persönliche und häusliche Verhältnisse, Mittheikungen und Anfragen erfolgen, entnehmen wir, einen wie hohen Grad von Intimität dieses FreundschaftsverhältNiß erreicht haben mußte. — Diese Briefe fallen übrigens in die bedeutungsvollste und ereignißreichste Lebensperiode Lassalle's. Und obwohl dieselben alle mit Ausnahme zweier (diese datiren von Ostende, 8. August 1862, und Berlin im Mai 1863) ohne Datum find, so können wir doch aus dem Inhalte derselben auf die Abfassungszeit Ungefähr schließen. Was den Inhalt dieser Bffefsammlung betrifft, so möchte ich in unsern Lesern allerdings keine allzu 'großen Erwartungen erwecken. Man erwarte nicht tiefsinnige kunstphilosophische Auffchlüsse öder eine sonstige allzu reiche ästhetische Ausbeute. Aber sie bieten doch etwas mehr dar, als alles dieses weckh ist: nämlich die intimen, nicht für die Oeffentlichkeit bestimmten Seelenergüsse — oder wenn dieser Ausdruck zu stack ist — Geständnisse zweier in unserem öffent» lichen Leben hervorragender genialer und — kongenialer Freunde. Lassalle zeigt die unbedingteste Bewunderung für den großen Künstler, den seinen Freund zu nennen er so „unendlich reizvoll" findet. Er hat sich so in des Freundes Seelenleben wie in seine Compositionen eiugelebt, daß er zum Beispiel bei einer Aufführung der Bülow'schen Composition der Uhland'schen Ballade „TeS Sängers Fluch" sofock, ohne in's Programm zu blicken, es bei den ersten Tacken merkt, als das Orchester eine -Veckauschung der Stücke vornimmt und eine andere Eomposition. spielte. Aber auch Bülow hat sich ganz in die Strebungen und Tendenzen Lassalle's versenkt: er ist der Zaubergewalt dieser kraftvollen und doch so anziehenden Persönlichkeit völlig unterlegen. Er thut Alles, was der Freund will und wünscht. Lassalle bittet ihn z. B., sei einer Soiree die Eomposftion zu Georg Herwegh's „Arbckterhvmne" für Soli und Ehor zu dirigiren. Bülow sttäubt sich erst; aber er giebt doch nach und bringt das sozialistische Musikstück in herrlichster Weise zur Auffühmng, so daß die Beckiner (Gesellschaft noch Wochen lang davon spricht. Lassalle braucht zu einer in seiner Wohnung zu veranstaltenden ^Festlichkeit »einen guten Bechstckn-Flügel. Kaum hat er den Wunsch ausgesprochen, als Bülow sich sofort beeilt, ihm das Instrument zu verschaffen. Ju kaum sechs Stunden steht dasselbe schon im Sglon der bckannten Wohnung Lassalle's in der Bellrvuefttoße. Bon den eigentlichen Beckiner gelehrten Kreisen, denen Lassalle seinem wahrhaften Berufe nach angehöck, hält Bülow in ckchttger Selbst» eckenntniß sich fern. Aber Lassalle möchte ihn immer dock hineinziehcn. Im Mai 1862 fand eine Säcularfeier des großen Philosophen und Patckoten Fichte statt. Die Berliner „Philosophische Gesellschaft", überwiegend aus Universitäts- Professoren, Geh. Rächen und dergl. bestchend, hatte ihr Mitglied Ferdinand Lassalle zum Festredner, erwählt. Bülow möchte die Festlichkeit ohne seine Frau, die damals leidend *) Briese an Hans von Bülow von F.- Laffalle. (1862—64, Dresden, Heinrich Minden). war, nicht gern mitmachen. Laffalle weiß ihn umzustimv und verschafft ihm als Tischnachbarin — den General vo»i Psuel, einen jovialen alten Junggesellen. Ab und zu ve reden sich die Freunde auch zu kleinen Soupers — en tont' petit comitl — wie es manchmal am Schlüsse der Briefe heißt. Bei diesen abendlichen Zusammenkünften fehlten selten; Lothar Bücher und Dr. Bernhard Wolfs, Verleger der, „National-Zcktung" und Inhaber des bekannten Wolffsche» Depeschenbureaus: ein Millionär und ebenfalls ein jovialer- und liebenswürdiger Junggeselle. Wollte man den alte», kleinen, beweglichen Professor Werder, den bekannten Aesthe» tiker, einen geistsprühenden Elesellschufter und auch Junggeselle, für diese Abende gewinnen, so mußte man ihm versprechen —( keine Damen zuzuziehen, was Hans von Bülow (Laffalle nennt ihn einmal: „Sie leidenschaftliches Pulverfaß") immer in Verzweiflung setzt. (Schluß solgr.) Dkr Kchachkönig Uaskkr... . Jüngst ist ein großer Wetckampf beendet worden» der schon lange die große Zahl der Schachspieler der alten und neuen Welt in Spannung hielt, der Wettkampf zwischen de» Schachkünstlern Stcknitz und LaSker, aus dem letzterer als' glänzender Sieger hervorgipg. ' . ' ES düffte bei dieser Gelegenheit geeignck sein, einige Data über das bisheckge Leben des „Schachkönigs der Welt" anzuführeft. Emanuel Ldsker wurde im Jahre 1868 als zweiter Sohn des Predigers und Lehrers' M. Laster zu Bcrlinchen geboren. Schon früh entwickelte der fleine Emanuel eine seltene Auffassungsgabe, besuchte das Gymnasium zu Berlin und Landsberg und macht schon zu 17 Jahren ein glänzendes Abiturientenexamen. Darauf studiecke er in Berlin Mathe» matik und zeichncke sich dock durch sckne schaffe Tenkungsweise aus. In Kiffer Zfft beschäftigte er sich viel mit dem Schachspick. (Den efften Unterricht dann erhielt er von scknem Brudeff vr. weck. Beckhold Lasker, der jetzt ckn berühmter Arzt in Elbeffeld ist und auch als SchachkiKistler berühmt war.) Er eckangte dann in kurzer Zeit eine solche Fertigtest, daß er bald als der Gefeiertste der deutschen Schachspickei dastand. Der Ruf von seiner Geschicklichkeit und Ausdauer im Schachspiel drang auch bis zur neuen Welt, sodaß er vor cknigen Jahren zum Vorsitzende» de» größten SchachklubS der Welt, des Manhattan Chess-Club, nach New-Aock berufen wurde. . ' . Durch sffn liebevolles, aufrichtiges und cikinehmendes Wffen gewann er sich bald die Achtung, Liebe und Bewunderung der Amerikaner. Nachdem er auf den großen Schachturnieren zu New-Aock und London als Sieger hergorgegangen war, ließ er im September vorigen Jahres ckne öffentlich« Aufforderung an den bisher unbesiegten Schachkönig, den Ameckkaner William Stcknitz, ergehen, 'in der er jhn auf» fordecke, ffnen Wettkdmpf um. die Meisterschaft der Welt mit ihm auszufechten. Herr Stcknitz nahm ihn an; jedoch mit, Energie und 'Ausdauer gelang eS unserem LaSker,' feinen' Gegner in 10 Packhien zu schlagen und so Schachkönig zu werden. So ist diffes jugendliche Genie durch eigen« Kraft und Ansckengung empor gckommen und macht als Jude scknem ' deutschen Vaterland« große Ehre, indem er zeigt, daß die Deutschen auch in dieser Beziehung anderen Nationen bck Wcktem überlegen sind. Magdeburg. Julius Winter. Inhalt > £le «u«tn»lrfrnrn. Line Lrzählnng au« der Lrgenwart von L. Berg. — Han« von «Ma» Mt zertzinnn» Lassalle. Lin Ledenkbla« von Dr. Moritz «rasch.— Der «chnchttnt, Ln«ker. Verannvonl. Revakeur ckr. M. Rahmet, Druck Leiftner k Drews«, Verlag "Walther Xiemaan, O

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