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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 23 (1894) · p. Seite 91

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
23 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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ETaktlosigkeit er- Blick zuwarf, sigen Sprechart irischem Nimbus Herr. „Seine in man sic bei Herr Günzburg, Günzburg und ersburg— visvon dem Rufe err Ehrlich, der te. Und jener rschrötigc Rach. .La sehen (sie auch einen kleinen Mann mit einer Rase» K die fast bis zu seiner weißen Weste herrunterreicht, Herr Jtzig. in Finna Jtzig und Jtzigsohn. Er stammt in direkter Linie »7 von jenem weltberühmten Gentleman, der ungefähr 1325 vor Ä Christo zu der historisch beglaubigten, famosen altägyptischen if Rationalhnmne: . »Schneitzt ihn rau» drn Zudev Zyig, fr' " Zieht ihm au» die weiße Weste." > Veranlassung gab. Sehen Sie, meine Gnädige, dieser Adel!? ist doch noch älter wie der Ihre." Claudia lachte, daß ihr f..- die Thränen in die Augen kamen. — Ihr feiner Takt ließ sie? aber bald empfinden, daß ihren Wirthen schwerlich die ausjv gelassenen Randglossen Jemilians gefallen würden, und nach -7 einem freundlichen Blick zu Benno, der ihn für alle Unarten Alexandroffs um Entschuldigung bat, drängte sie Jemilian scherzend, er möge doch ihrer allein nicht schonen, und ihr | gleichfalls eine Lächerlichkeit oder einen Fehler Nachreden.! Aber Jemilian war auf seiner Hut. £; „Einen Fehler, an Ihnen? Ich finde keinen." st „Ich wüßte einen," sagte Benno ernst. y „Wollen sie mich nicht belehren?" stagte Claudia lächelnd, p „Sticht jetzt, nicht hier. Aber ich werde ehrlich sein. Mein Wort darauf . ." » Man hatte die Tafel aufgehoben. Die junge Welt war [A in deck Musiksaal geeilt und wirbelte dort, toll wie nur die Polen'tanzen können, nach den graziösen Mätza'schen Melodien s umher. ‘ Jemilian ruhte tzemächlich in einem Fauteuil und wehte sich mit Claudias Fächer Kühlung zu; irgend wer hatte ihm seine Dame zum Tanz entfühtt, er wartete, er wußte, sie . „ kehre zu ihm zurück. * i- „Alexandroff," sagte Salmon, „wenn Sie 'auf eine E' Viertelstunde zu haben sind?" — s‘ „Rjcht gern," erwidette dieser apathisch.' „Es ist sicher vergnügliche», mit dieser hübscheg Moorbach zu walzen, als ' eine grausig langweilige Erörterung allerhand unerquicklicher Eomptoitgeheimnisse auzuhören." » & „Wen soll man belästigen, wenn nicht seine Freunde?" | murmelte Salmon bewegt. ’i Lin Appell der Freupdschast an Jemilian wirkte immer, ff Sofort funkttonitte der Correktheitsautomat in ihm, und zwar b' «ganz vorzüglich ... , K . Jemilian war ein aufrichtiger und zuverlässiger Freund, pr Seine Rathschläge waren durchdacht,und votthcilhaft in nicht allzu verzweifelten Fällen ließ' er sich sogar bewegen, tS Geld zu leihen —'und da der' schlaue Praktikus sich seine Leute wohl ansah, ward ihm das seltene Geschick zu Teil, |; daß er me seinen Einsatz verlor und auch niemals Undank. » erntete. . W Er folgte Salmon in sein Arbeitszimmer, das Frau £. Hclsta hellt dem Fest zu Lieb in einen kleinen Jeutempel £ »«gestaltet hatte. Da saßen drei runde Millionen: Die Herren ik . Gtürzburg. lchrluh. und .der historische Jtzigabkömmlung in ihr . Ukko vertieft . . eü. sehr hübsches Spiel, man kann dabei, während man eine Cigarette raucht, sein gesammteS Vermögen verlieren. Am geöffneten Fenster standen Herr von Saminski und der alte Abraham, volittsitten und regierten die Welt; Salmon warf einen Blick nach ihnen, auch von dieser Seite war er ungestört. Schweigend reichte er Alerandroff ein Papier, das dieser hastig überflog. „An den jüdischen Käufman Salmon Liedertrost . . jüdischer Kaufmann ist gut . . Warum lassen Sie sich das bieten? „Ter in der Wulka gelegenen Tucherc. Fabrik der Firma Dann und Liedertrost wird hiermit verboten, christliche Arbeiter ferner zu halten oder zn beschäftigen. . ." Sehr gut. Wen denn sollen Sie beschäftigen? Etwa die dicken Millionäre da drüben? „Zuwiderhandelnden Falles wird das gesammte Material der Fabrik Dann und Liederttost beschlagnahmt und im Zwangswcge versteigctt!" „Fauler Zauber!" Jemilian schleudette das Papier geringschätzig bei Seite. „Zum wievielten Male erhalten sie den Wisch? Sie werden die Kopfsteuer der Kerle an Grodunosf wieder verdoppeln. Ein bischen theurer Scherz jetzt für Sie, was? „Ich zahle bereits das Zwölffache," sagte Salmon, „die zwölffache Steuer. Ich kann nicht weiter." „Machen Sie sich nicht lächerlich." „Ich kann nicht," wiederholte Salmon seufzend. „Es qiebt bei allem eine Grenze . . . Tie meiniqe ist längst überschritten." „Sie haben Resourcen. Ter Vater Ihrer Frau ist ein reicher Mann." „Gewesen. Bon dieser Seite habe ich Nichts zu hoffen. „So . . So . . Das — das ist recht fatal. Ihre Be sorgniß steckt an. Es sieht aus, als müßte man Ihnen glauben." Er richtete seine stechenden, schwarzen Augen fest auf Salmon, der beschämt und traurig seinen Blick cnviderte. Eine kleine Weile verging. „Und wieviel brauchen Sie vor der Hand?" fragte Jemilian. ' „Wenig genug," antwortete Salmon, „dreißig tausend Rubel." „Das ist mäßig, allerdings." .„Jawohl, das Unglück ist uur, daß ich selbst dieses Mäßige mir nicht mehr zu beschaffen weiß." „Selbstverständlich werde ich Ihnen die Summe vor» streckcn," sagte Jemilian nachdenklich, „selbstverständlich kann ich es nicht ohne entsprechende Garantien thun. Sie stellen mir eine Hypothek auf Ihre Fabrikgebäude aus, ivenn Ihnen das genehm dünkt." „O Jemilian'" Salmon streckte ihm die Hand entgegen, die dieser freundlich schüttelte. „Ich freue mich, Ihnen dienen zu können, abgemacht also. Allerdings eine Bedingung muß ich nur noch ausbitten —" „Jede, nur zu," sagte Salman inunter, der ordentlich wie von einein Alp erlöst aufathmete. „Eine Kleinigkeit," fuhr Jemiliar/ sott, „Sie haben eS selbst erfahren — man ist in den letzten Jahren hier recht animos gegen die Juden geworden; es heißt, das jetzt auch daS Grundbefitzrecht ihnen entzogen werden soll." Salmon erschrack. „Sie hqben davon gehört?" stagte er besorgt. . „Das kann nur eine Frageder Zeit sein," gab Jeniilian zurück. „Sic ist kein Vergnügen hier, die Stamme-- zugehörigkeit deauSerwählten Volkes — freilich anderswo auch nicht - einerlei — man muß sich ü conto diesealt» testameutattschen Erbübels vorsehcn — vorsehen mehr wie je. Also hören Sie, Liedertrost; wir schreiben die Hypothek auf den Ramm meine- Halbbruders Lconid ..." Salmon sprang aus.

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