Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 23 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/6492351-8722849-5962385--2394-5376593- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
92 — .Mit dem .Nein. Nie! nie!" Er war todtenbleich. Popen Alexaudroff mache ich keine Geschäfte." „Auch gut. Wie Ihnen beliebt." Jemilian stand auf und ging dem Salon zu. Er war noch nicht an der Thur, da kehrte er unvermuthet wieder um, und mit einer bei ihm höchst seltenen Anwandlung von Gut mütbigleit schalt er lebhaft auf Salmou ein: .Sie sind verrückt, Verehrtester! Das zum Henker macht, es Ihnen, ob der kleine Lenotschka Pope oder Taleilama ist? Ein Kaufmann kennt keine persönlich« Empfindlichkeiten, er kennt nur Ver dienste, verdienen mit großem V! hören Sie? Verdienen an Tem und Jenem, meinetwegen auch an Ihrem Todfeinde, je mehr — je besser. Urb diese, die vernünftigste aller Revanchen, bietet sich Ihnen — Mann, hören Sie doch vernünftige Leute an. Ihr Wohnbaus hier ist gar kein übles Grundstück, übe* dies stößt es dicht ar. das Gehöft des Boromäusklosters, in welchem man demnächst meinen Halbbruder zum Obem ernennen wird. Eine vorzüglich dofirte Pfründe, der Gehalt eines Ministers, sag' ich Ihnen. Unter uns — früher oder später muß Leo das Haus kamen — Sie könne* jeden Preis stellen, und mein Bester, Geld ist nicht jüdisch, nicht katholisch, es ist interkonfessionelles Heiligthum aller Nationen." «Fortsepung folgt.) Hslijische Uanöksausstellung. Tie galizische Landesausstellung in Lemberg wird am 5. Juni d. I. durch den Herrn Erzherzog Karl Ludwig als Stellvertreter Sr. Majestät des Kaisers eröffnet werden. Sie wird sich schon dadurch von sehr vielen Ausstellungen vortheilhast unterscheiden, daß sie gleich von Beginn im fertigen Zustande dem Blicke des Besuchers sich darbieten wird. Bon allen Kreisen der Bevölkerung ist Unglaubliches geleistet worden, die gewerblichen, künstlerischen und kulturellen Fortschritte des Landes zur Darstellung zu bringen und das Boruttheil gegen .Halbasien" zu zcrstteucn. In der That ist zu hoffen, daß auch das Ausland sich von der Kulturarbeit unseres mit Unrecht so gering geschätzten Landes wird überzeugen wollen. Eine Abtheilung in dem prächttgen Kunstpavilon enthält äber eine Ausstellung, die bisher bei ähnlichen Veranstaltungen auf dem europäischen Festlande noch, niemals vertreten war. Tie Ausstellung von Gegenständen, die im religiösen Leben, der Juden gebraucht werden, wird einen Hauptanziehungspunkt bilden, denn sie enthält zumeist Altetthümer von hohem künstlerischen Wetthe. Tie Wände des Saales find über und über mit kostbaren Thoravorhängen behängen, von denen aber keiner jünger als 150 Jahre ist. Tie ältesten reichen bis in das 16. Jahrhundert hinauf. Auch der Thoravorhang, den die Mutter der beiden Märtyrer Reizes gestiftet hat, befindet sich daselbst. In zierlichen Vitrinen und Glasschränken sind Thorageräthe: Schilder, Kronen rc. aus Silber in gediegener und wahrhaft künstlerischer Ausführung ausgestellt. Altarleuchter, Wandschüsseln und Reflektoren, Waschgeräthe für die Kohanim, Kiduichbecher und Ricchbüchsen sind in Fülle vorhanden, doch ist an jedem dieser Gegenstände hohes Alter oder künstlerische Gestaltung zu bewundern. Ter majestätische Chaunkaleuchter aus der Lemberger vorstädtischen Synagoge wiegt nicht weniger als 16 Centner und ein Resteftor aus der innerstädtischen Lnnagoge, mit dem in Messsng getriebenen Wappen Sobieski's, hat den Umfang von 2 Meter. Von den alten Hängeleuchtern wird sicherlich der von der Synagoge in Trembowla ausgestellte die Bewunderung aller Kunsttenner erregen, denn er ist ein Meisterstück der reinsten und edelsten Renaissance. Eine 35 Centimcter hohe Thorarolle auf kunstvoll in Silber getriebenen Rollen — c**n — mit einer mit Edelsteinen gezictten Krone, stammt aus dem Aufauge des vorigen Jahrhunderts und ist Privatbefitz. Eine vergoldete Krone uüt Thierstücken in Emailfedern kst ein Mrktr hoch und fast ebeuso. breit. Etwa 20 Gemeinden in Galizien — Krakau glänzt durch s Abwesenheit — haben diese in ihrer Art emzige und auch für f die Entwickelung des Kunstgewerbes unter Israeliten Höchsts lehneiche Ansstellung beschickt. Tn Katalog enthält einige Hunden Nummern und wir werden nicht verfehl«, einig« derselben rinn näheren Besprechung zu unterzieh«. Daß der Urheber des Gedankens, eine solche Ausstellung zu veranstalten, Sr. Ehrwürden Hen Rabbiner Dr. Earo, derselbe» Hinsehendm Eifn widmtt, ist selbstverständlich, aber auch von Test« dn Direftion und des Obmannes der Sektion für Alterthüwer und schöne Künste, Herrn Bladyslaw LoziüSki.ist Alles geschehen, um dieses eigenartig« Unternehmen, sowohl durch die Zuweisung eines herrlichm Saales, als auch durch die.geschmackvolle Aufstellung der Gegenstände zu fördem und aus» zuzeichm. Schon um dieser seltmm Schaustellung will« werden es wohlhabtnde Glaubensgenossen nicht berat«* die in ihrer Ganzhcst höchst interessante, lchrreiche und wilk» Gott höchst gelungene, galizische Landesausstellung in Lemberg zu besuchen. _ C. Die Taube und der Adler. (Line Allegorie nach Midrasch-Stellen.) 3mNI Sanftmut!} ist der Tauben Zierde, Zartheit ihre Ligenschaft. Israel in feiner Wörde, Sanft fei'», frei von Leidenschaft. Täubchen fließet, wiegt und schmiegt sich. Bleibet auch im Abgrund rein. Bebt den einen Flügel, srh' ich, Mag der andre matt auch fein. Nicht versinken in dir Grüfte Kann ein Volk mit Berzenszug — Ueber Gräber, über Klüfte Bebt sich'» in des Glaubens Flug. Doch die Bähe hat die Schranke. Täubchen kann picht hoch hinauf Himmelhoch doch der Gedanke ' Ist im cw gen Zeitenlauf. Ander» ist der Aa, der Lüste, 4 König der Grflügel-Ivelt. Ueber Klüfte, über Grüfte Bebt er sich zum lichtgezelt. * Altert nicht, verjüngt mit Muth .In Lieb« sich, die Wunder schafft, »Die zündet, weckt die Iugendgluth, Die Kraft, die neu er stets errafft. Sanfttnun, wie lue keusche Taub«, Mußt du, mein Volk, upd trep stets fein. So sei auch dein reiner Glaube: Sei stet» vor Gott und Menschen rein. l/och dem Adler gleich erhebe Dich im Geiste hoch hinauf. In den Böden ruhig leb« In der Völker Sturmeslauf. Im Doppelbilde offenbar wird dir, mein Volk, dein hehres Streben. Am Feste fei dein Ziel dir klar: « . Dein knmmelreich so ganz zu leben. . Dr. £. paschör. t '• Beramworil. Redakieur Dr. M. RaHüter, Druck Leistuer k Drewfö, Verlag Bell t Die «usgewiefm«. Line Erzitzluug au« -der Gegeuw«rt von e. Berg. — «illzifche Laudesansftella»,. — Die rücke »«».der Adler. (Line Meavrie ^tach Midrafch-Sleüeu z>» ' baruugtseste). »V»u Dr. L Naschst.