Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 14 (1894) · p. Seite 54

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
14 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 54 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6492351-8722849-5962384--2384-5376585
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Adam Jtttfe, nicht versiehe». (Bei achter.) Hin «tftffta Me schlimmen Slu-wüchse der sogenannten freisinnigen Richtung verhütet werden, hier muh der Leim>z» alt* Guten' «td Edleu gelegt werden, und alle« Gpte und Edle birgt uar der' Autisemitirum», der wahre,'Heiligt LuttsemitiömuS. wie ihn unser hochgeehrte Herr Stöcker und alle di« «ackeren Mäuuer lehren, denn'von ihm ist da» Heil der Welt zu erwatteu l Und nun »och ein«, meine geehrten Herren, «ud ich will Ihre Geduld nicht länger auf di« Prob« stellen. Ein nicht minder wichtiger Factor ist die Eheschließung. Wie viele brave» christliche Töchter werden dadurch an Leib und Seele verderbt, daß die Eltern so weuig den Mann, dem sie da« Glück ihre« Linde» vertrauen, auf seine wahre Gefinnung prüfen. Rauch« lassen sich von Glan, und Retchthu» verblenden, manch« lassen deu Lindern freie Wahl» »ach ihrem Gefühle dem Ersten Besten die Hand zu reichen, manche Küchen blv« 'nach einem gebildeten, bescheidenen jungen Manne, aber in punkto Auttsennti«mu» verhalte» sich die meiste« so kühl, daß sie sich wirklich schämen müßten. Denn, fragt etwa Jemand, ob sein künftiger Schwiegersohn vielleicht gar jüdischen Umgang hat? Und ob man selber Jude ist, oder mit Jude» verkehrt, ist doch wahrlich einerlei. Wahre, echte antisemitisch« Bäter müssen sich nur wahre, echte antisemitisch« Schwiegersöhne suchen . . . Fragt Herrn Sticker ... («« entsteht grob« Tumult, alle Thllre» »«den ausgerissen, b«. w-ffner« Polizeidiruer und et» Pollzetcomwiff« trete» »oa der «hu», ton der andere» Seite Jösefiue. Han», Susa»»«, Selm», Frida, darauf Arnold» Dr. Deffauer. Melchior und j-letzt der Pastor ein.) Der Polizeicommifsar. Da haben wir ja die tanze Bande beisammen l (sich ,» Peter wendend^ Verzeihen ne, wenn wir Ihnen unangenehm sein müssen und in Ihrem Hause Berhastungeu vornehmen. E» haben stch hier Hallunke» eingeschlichen» auf die die Polizei schon seit einigen Tagen fahndet und e« ist un» ange^igt worden, daß wir fie hier finden, wa» auch richtig ist. (Die Potizeidien« «greise» einige der Lejelleu, uud während sie eine» aufaffeu, fällt ihm d« falsch« Bart herunter.) Rufe au« d e r B «rs am mlu n g: Schaut Ahl» Wardt hat den schönen Bart verloren! Der Polizeicommifsar <zu v. Schlägel). Leider müssen wir auch Sie, al« im Einverständnisse mit diesen Gesellen stehend, festnehmeo. (Der Tumult wird iwm-r gröber, die «erhastete» werde» adg«. führ.» gosefin« schleicht stch au« de« Saal«, mde» sie sich mit de» Tuche di« Augen trocknet und aulrust: Solch ei» grob«« Scheu«, wenn »ein selig« Mau» »och . . .) Pastor S t r ll v e (.pt Peter trete»»). Sie haben mich zwar nicht gerufen, Herr Besenstiel, aber Sie werden doch meine gut« Abficht nicht verkenneu, wen» ich «ich Ihne« bei diesem traurigen Borfall« tröstend und rathend zur Seite stelle. Wir fiud un» iu der letzten Zeit au» dem Wege ge-, gangen, obwohl Sie sonst eine« der treusten, und ich kann sagen, auch mir liebsten Mitglieder meiner PfarrgrmeiuV« waren. Wie sie sehen, find Sie leider da« Opfer «tue» ge-, gemeinen Eomplott«, aber die Hand Gotte« hat e« verhindert, daß die Anschläge, die gegen Sie geplant wurde», nicht «och eine» schlimmeren AuSgang genommen haben. Sie haben übrigens deu Trost, daß Sie nicht der einzige brave Mau» fiud, der von diesem uenestr» Schwindel erfaßt wurde, deu »an AntifemitiSmu« nennt uud den Herr» Stöcker, Gott verzeih« e« ihm, groß gezogen hat. Die bösen Geister, die er herauf beschworen; haben leider auch viele edle Mäuuer unserer Ration meinen thörichteu Wahn hineingeriffen, die Eiaeu werden «» früher, die Anderen vielleicht später, vielleicht auch zu spät «useheu, welche« Unheil damit ar gestiftet wurde. ^Wie weft, weit euserul ist diese Unduldsamkeit, dieser Haß, -der"setzt a« allen Ecken gepredigt wird, vom wahren Ehtstentum! Diese ganze Bewegung ist eben so weuig christlich, al« fie human, gerecht, oder nur vernünftig ist. ' I» unserer Religio» der Liebe ist für Haß kein Platz, aber auch die Mische Religion, so weit fie sonst sich von der unsrigeu unterscheidet, steht ihr darin nicht nach. Rau thut deu Jude» bittere«, schwere» Unrecht. Si« fiud Menschen T»««dät -»d Sch»stche»' fortwährend s» gut,wie wtr, uud wer ihnen fortwährend ihre Fehler hält, dem m»ß »an «ft he» Worten de« Evangelmm» antworten. Entfern« zurrst de» Balken im eigenen Auge,». s. w. Ich habe zwär nicht, wie der eben entlarvt« Rrdaäeur, Tag uud Rächt Dheologit stndirt, aber ich keuue doch geuau die jüdischen Satzungen «,d «llck die Steilem die mau gegen fie aoführt, und ich schwöre eß Ihne« HÄig, e» ist au alla» kein wahre« Wort. Ich kann schon lange da» llurhcht nicht mit ausehcn, da» ihnen zugefügt wird, wtd ich fühltaqpich in meinem Gewisse« verpflichtet, geradezu Stellung gegen die Feind« der Joden zu nehme». Ich Hab«' alle dt« 'Itnlautereu Trieb« durchschaut und mir ist da» Herz schier dabei uebroche». Dr. Schlägel ist'nur da« Prototyp einer ganzen ^Llaffe von Menschen, de«» nichts heilig ist uud die mit schönen Worte» auf de« Lipp^tt, die-eben so viele Lüge» find» di« aemeiust«».. eigennützigsten Zwecke verfolgen. ---Ich habe, auf me Gefahr hi«, meine Stellung dadurch zu untergraben, - und so sehr »« meiner ruhigen Natur widerstrebt, «ich hervozudrängen, e» al« meine Pflicht erachtet, mich offen der Gtgenströmuag anzuschließen, die da» toll« Treiben der Antisemiten hier hervorgerufen. Ich bin e« meine« Gewissen schuldig, und jeder gut< Ehrist müßte e» so machen. Diese Herr» hier waren ftüher Ihre Freunde, mau ha» fie von Ihnen abzuwenden gesucht, aber wahrlich, nicht in ehrlicher Absicht. Wie Sie e» jetzt selber merke», — und danken Sie Gott, daß e« nicht zu spät ist — war e« nur auf Ihr Geld abgesehen. Darnach hat dieser Heuchler sejne Hand ausgestreckt; an da Liebe Ihre« braven Ltude» war ihm nicht» gelrge». Lehre» Sie zu Ihre» alten Freunden zurück (a,f Knulk unb Deffeuer zeigend;) und nehmeu Sie noch «ine» neuen <«»f Melchior zeigend) in de» Bund auf. Da» find echte, rechte, kernige' Männer» wie «4 die Deutschen, ob Lhristrn oder Jude», tmma find, und aschrecken Sie ja nicht vor dem Namen Jude, den man jetzt, so gern al» Popanz hinstellt. Ich wollte, wir hätte» uuta un« nie schlimmere Mensche», al» dies« Jude Dr. Dessauer e» ist. Sie waren imma ein kreuzbrav«, leutseliger Mensch, der uie eina Flieg« etwa» zu Leide that. Wie kommen Sie," wie kommt Ihre ebenso gute al» mildherzige Fra» dazu, auf Haß und Zwietracht zu finue'n? Berwischeu Sie alle», wg» iu de» . letzten Tagen in Ihrem Hause geschehe», nehme« Sie Me kleine Blamage, dir Sie akitte», al» «tue geltnd« Straf« Gotte» und zeigen Sie, von falscha Scham «Ubeirrt, haß Ste «nfchwm zum Wahre» und Rechten zurückkehren könne». Ja, lassen Sie mich in Ihne» meine alte», brave» Besenstiel» wiederstuden. Befördern Sie auch da» Glück zweier edler Mruschenherze», die stch gefunden und die einander würdig find. Dieser schlichte Echulmeiftrr, Sie wisse« e» ebenso gut, wie -ich, Herr Befe^iiel, ist ta kleinsten Fing» mehr werth, al» Ihre Schlägel» und' Lhlward'» und wie alle diese Biedormänner hifis^a. . Selma (tritt hi«»), «ater, lieber Bater! (eilt «at M«u») und Du mein« gute Mutter! Peter (geht gerührt da ul trocknet stch.da« Geficht, anch Freu-Befr»stiel hält d»ä Schnupftuch vor di« Auge»). Arnold (seine Handerfasseud). Darf ich e» wagen, Hrrr^ Besenstiel? Peter uud Susä'uue (werfe» stch Blicke de« «tuverstätzdnifie« z»). Peter. Bor alle«, hier «eine Hand, Her, Pastor, ich bi» beschämt, aber Sie habe» «ich - bekehrt, ich war verführt, nun aber soll alle» ander» werden. Nicht wahr, lieb« Fra»? (Zu «ruold ^weudet). Ich habe Ihne« die Wohnung gekündigt, ich hakt« die Lüudiguug aufrecht. 'Doch sollet? Sie nicht weit von mir wohue». Al» meiu Sohn solle» Sie iu uuser Hau» einziehen. Und (zu Dr. Deff,»«r ,«»«»«) auch Sie »er. zeihe» mir, Herr Doctor, uud bleiben Wohl i» Ihrer Dyhnung..... ‘ ’ Susann« (ja Sck»»> Du hast ^h» wohl sehr lieb. Lind? Seid glücklich! i i «et»,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.