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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 13 (1894) · p. Seite 50

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
13 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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Peter. O, wie schrecklich! l Herrn Ahlwardt, werde und «4 »och da»» »dringend* heißt . . . Wer dies« geheimaißvolle Weise . . . und ihre Nähe . . . Frida. Willkommen Herr Doctor. ' Bitte nur leise aufzutreten. Nur Vertrauen. Ich sehe doch wie keine Jndenfrefferiu au»? (Man scharrt wieder, sie schiebt ihn in« Sabinen.) Melchior. Sie sehen, ich komme ohne Furcht zum Techtelmechtel. Dar schöne Mäuschen hat die Satze selber gerufen. DaS kennt die Naturgeschichte nicht. Doch, wa» ist loS? Frida. Lassen Sie jetzt die Späße. Sie werden noch heute zu gutem Humor Gelegenheit haben, jetzt ganz still, mäuschenstill, und, bitte, hier herein. (Drängt ihn inäSadineu, «« scharrt wieder.) Der Pastor. Mit meinem Amte vereinbart er sich zwar nicht, solchem Rufe zu folgen . . . Frida. Ach bitte Ehrwürden vielmals um Verzeihung. Cie find vielleicht zu einer heiligen Handlung berufen. Mit Ihnen, Ehrwürden, würde ich mir sicherlich keinen Spaß erlaubt haben. Bitte nur hier herein. Sir treffen dort gute Freunde, und richtig, ich habe eS diesen zu sagen vergessen. ES befindet sich dort ein Guckloch, durch welches Sie in «inen Versammlungssaal hineinsehen können. Bitte eS aber auch den anderen einzuschärfen, uicht durch lauteS Sprechen ihre Anwesenheit zu verrathen. (schiebt auch ihn hinein.) Pardon! Neu nter Auftritt. (Ein gioßer Saal, in deffen Mitte ein langer, mit grünem Tuch überzogener Tisch, Stühle zu beiden Seiten, Flugschriften liege» überall herum. Auf dein Tische Akten in auffallender Menge. Durch di« offenstehend« Seitcuthür ist «in zweiter Saal mit einer gedeckten Lasel sichtbar. In Auirlanden prangt die Laftchrift: «Willkommen den hoben Gästen!" Peter Besenstiel, v. Schlägel. Handwerker, Arbe ter, einzelne Bruopen bildend nnd mit einander sprechend.) Peter. Sie lassen aber lange auf sich warten, die ge» ehrten Herren. v. Schlägel. Sie werde» gleich da sein: ich komm« eben von ihnen. Denken Sie aber, waS den Herren für ein Malheur pasfirt ist. Sie haben gestern alle in»gesammt einer Antisemitenversammlung in ArnSwalde oder Lügeafelde beigewohnt, bei der eS stürmisch zuging. ES galt einen Gegencandidaten, den die Juden für den Reichstag aufgestellt, au» dem Felde zu schlagen und einem braven Antisemiten znm Siege zu verhelfen. Der Saal war erdrückend voll, die Hitze unerträglich. Unsere Männer kämpften wie die Löwen, wie Leonidas mit seiner Schaar bei de» Termopylrn. Jedem Redner rannen die Echweißttopfe», wie ein wahrer Sataract, von der Stirn. Dank ihren fulminanten Reden wurde der Sieg unser. Der Sampf hat aber die ganze Nacht gedauert. Herr Ahlwaadt allein hat stundenlang unter dröhnendem Applaus gesprochen. Unsere anderen Herren standea ihm im Gefechte wacker zur Seite und zeigte», daß die berühmtesten Rhetoren des AlterthumS Stümper gegen sie waren. Was Wunder auch? Wo hatte rin Cicero die Wahrheitsliebe, wie wir Al iisemiten sie in nnserer Brust fühlen? Schon war unser» Herren fast die Lunge verttocknet und sie konnten nur noch mit schwacher, gedämpfter Stimme sprechen. Plötzlich wird einem aus der Versammlung übel. «Fenster auf*! ruft man. »Nein, daS ist gefährlich" hieß «S. Aber eS war Seschehen. Facta, infecta fieri non posaunt. Unsere braven!ämpfer, denen Sttrn und Wange glühend brannte, fielen sofort dem kalte» Luftzüge zum Opfer. Sie wurden auf der Stelle stockheiser und können noch jetzt kein Wort hervorbringen. Sie wollten deshalb auch heute garnicht kommen. Ich telegraphirte ihnen aber» daß sie unter allen Umstände« kommen müßten, ich könnte e» vor der geehrten Versammlung uicht verantworten und eS wäre auch eine Unschicklichkeit gegen unfern Herrn Präsidenten. Sie sahen eS denn auch ein, die izuteu, edlen Männer und kamen, um aber leider nut — als tnmme Zuhörer nufere heutige Feier mit ihrer Anwesenheit zu beehren. Ich muß Sie darauf vorbereite», Nicht einen Laut können str hervorbringeu. — wollte ich für «ein Lebe» -er» spreche» hör». v. Schlägel. N»u so werde» wir beide Cicero und Demosthenes ersetzen müsse«. (Iw Saal« entstetz« eine er»he Bewegung, «ehre« Person«» in schwarzen «äcke» trete» ein as» verbeugen sich ftaaor) v. Schlägel (bestellend). Herr Hofprediger Stöcker, Herr Rector «hlmardt, Herr Freiherr v. Hammerftein, Herr Freiherr v. Friese», Herr Lieber«»»» v. Sonnenburg, Herr Zimmermauu, Herr vöckel, Reich-tag-abgeorduete, Herr Dr. Daneil, Herr Dr. Hartwig, der große vertheidiger de» großen RectorS, zukünftiger antisemitischer Reich«tag«a^eordnete. Und hier unser ehreuwerter Präsident, Herr Besenstiel. Peter, vidamus l (sich oerbeffernd) Dominus vodiscuw, hochzuverehrende Herren. Ihr Unfall geht mir sehr zu Herzen, Ihr großen Männer l Bitte dir Ehren fitze einzunehmen. (Alle Anwesrnden setzen pch rund um de» Tisch, obenan Besenstiel, v. Schlägel und bi« Neuangekommenen,) Peter (läute»). Dominus vodiscum l Ich erkläre die Sitzung für eröffnet, geehrte Versammlung! Der heuttge Tag ist ein so . . . schöner, ein so . . . großer, ein so . . . merkwürdiger, ein .... so furchtbar schöner; für mich ist er wenigstens der schönste Abend meine» Leben». Wir haben uns konstiunirt, um eine heilige Sache zu überlegen, zu beraten, zu berede«, zu besprechen, zu bedebatttren. Unser Reden und Sprechen gilt einer wichtigen, schönen, großen, sehr schönen, sehr großen Sache. ES gilt, dem jüdische» Protzenthum, der lervSrrischen Schlange, auf den Leib zu gehen. Mit eisernen Harken müsse» wir diese» jüdische Unkrau« auSrotten. Wir find Arier und die Juden find Semilrn, da« ist meine .Herren, wie Satze nnd MauS, oder wie Fliege und Spin»«. (Hesterkeit). So saugen die Jude» mit Schacher und Wucher, ja diese krummbeinige», schwarzgelockten, Bürsenjuden, die ■ Bauern und Antisemiten au». Ich habe die Ehre die 8ersarnmlung zu leiten, und werde jedeSmal mit der Glocke läuten, wenn sich jemand zum Wotte meldet, und stark läuten, wenn ich mich gezwungen sehe, eine» zur Ordnung zu rufen. Jetzt rufe ich aber nicht zur Ordnung, sondern ich rufe Sie auf, geehrte Herren, sich von den Sitzen zu erheben, auf die Sie sich gleich wieder zurücksetzrn können, und mit mir in ein donnernde» Hoch rinzustimmen auf unsere hohen Gäste. Dominus vodiseum, hoch und dreimal hohl v. Schlägel (der sich zu «ine« ber neben ihm Sitzende« gewendet hatte). Ich werde von Herrn Ahlwardt ersucht, in seinem und im Namen seiner hochgeehrten Eollegen, die wie Sie wissen» alle leider stockheiser find, dem geehrten Herrn Vorsitzenden ihre Zustimmung und den Dank für -die ihnen dargebrachte Ovation auSzusprechen. Peter (Unter). Wünscht jemand da« Wort? Dominu» vodiseum! ».Schlägel. Bitte umS Worl! («niftehend.) Geehrt« Versammlung! Geliebte Mitantisemiten! Sie haben spebe« herrliche Worte au» dem Munde unsere» geistreichen Herrn Präsidenten nernommeu, dir Ihnen gewiß tief in» Herz eingedrungen find. Mt'der nur ihm gegebenen lakonisch» Sürze; hat er das infame Treiben der jüdischen Raff»,- die nur von Schacher und Wucher und Arierblut lebt, grkennzeichuet und sie sehr treffend da» Unkraut auf dem christlichen Kicker genannt, da« mit eisernen Harken auSgerodet werden muß. Gestattest Sie mir, meine geehrten Herren, diese» Thema etwa» ausführlicher zu behandeln und an * der Hand Slio'», der Muse der Geschichte, und au der Hand diese» mühsam zusammengetraaene» Aktenmatrrial« — e» find mehrere Zentner — die Schändlichkeitpn diese» Volke» so -u zeichnen, wie e» noch keiner zuvor gethan hat." Mit unermüdliche« t' Fleiß«. habe ich die Geschichte und di« Lehren de» ,au»«r«ählten" Pack» Tag und Nacht studjrt, und bin zur Ueberzeugnug« gekommen, 'daß «» ein« so I verwerfliche Rasse noch uicht gegeben, nicht gtebt und nicht | geben wird bi»' an» Ende alles Tatze! (Saft: härt, HämI* gebe» wird bi»' an» End« alles Tatze! (Rnfr: härt, Häm I*

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