Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 13 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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'M 4b. HerauSgegeden von l>r. «. tte%M«r tn Magdeburg. Zur Unterhalt««g nnb Belehr««« für die israelitische Familie. Order DaS „Jüdische W»mütrn-»l«tt" erscheint wöchentlich als »v«tt»-»rU«gr zur „Jovarlltischen u«befugte Machdemch au» diesem »lattr ist «utrvfagl. — Die Einzelnummer kostet 10 Psg. bei der I Die moderne Krankheit. xLu st spiel in vierAkteu. — BonS.N. M argul ie». Vierter Auftritt. Josefint (in komisch« Toilette). Endlich mit der Küche fertig. Die Sonntagsruhe hat man zwar eingeführt, ' daß aber unsertinS auch einmal an einem sonstigen Festtage ein wenig sich gehöre, dar will man nicht einfehen. Bom Speisesaal, wo eigentlich doch alle« drin - unser Werk ist, find .wir ausgeschlossen; aber e« ist doch eine heiligeVersammlung, die heute abgehalten wird, warum sollen wir un« nicht auch daran trbauen dürfen? Wir Dienstboten kommen doch ebenso 'gut in» Paradies oder tu die Hölle, wie die Herrschaften, vielleicht bin ich gar eine bessere Shristin al» unser Fräulein Selma. In Sammt und Seid« können wir un« . ztpar nicht kleiden and unsere Toilette von Gerson bestellen — (ich fürchte, der Srrsoa ist gar ein Jude, wenigsten» gieb. «I hier einen jüdischen Schlächter, Eersou Seligmann) — aber mit etwa« Ehic verstehen wir un» auch zu putzen. Und -die Bildung, na di« Bildung, da stelle ich, wie man so sagt, auch meinen Mann, Sott habe ihn selig! Wenn auch nicht so kostbar, finnreicher ist meine Toilette, die ich mir selber au»- gedacht und avgefertigt, jedenfalls. Und für die Feier paßt fio gewiß. S« hat mich gettug Arbeit gekostet, dafür bin ich aber ans/ mein« Erfindung stolz. Hundertmal , Antisemitin" mst blauem Zwirn auSgestriikt. (Besieht sich' von allen Veiten., Die hübsch sich da» macht! Ich wollte nur. daß Herr v. Schlägel mich sähe, an den Beifall der Anderen liegt mir weniger. Ich glaube, die kostbare Toilette der Präfidentin wird durch die «einige verdunkelt werden — (Bemerkt dir Pnderschachtel.) Davon kann ich etwa» brauchen, (Bestreicht sich dchnit.) Wahrlich mein Teint ist noch ganz schön! Eigentlich sollten wir, die wir immer am rußigeii Herd« stehen, ihn .eher anwenden. (Betupft fick.) Schau, wie hie schwären Flecke »ganz weiß gpvordenl (Nimmt eine voll« Hand uad fähit sich damtt »der» 'gan* Gesicht.) Jetzt sehe ich wie'Schneewittchen awtz. (Bewerft ei» Buch, daß Susanne liegen ließ,' öffnet es.) ,«»dacht«blätte^ füb gebildete Anttsemitinnenftru» den höheren Ststuden vor. Dr-. v. Schlägel." Ah,' von meinem Schlägel! Diesem herrlichen Manqx,' und für gebildete Antisemitinnen; da« hätte er mir doch auch verehren, tnüfien. Aber warum diese» „Aust.den höheren Ständen"? Wa» heißt „höhere Stände"? Ich glaube.ein« gebildete Köchin ist mehr werth, al» eiue Meister?», die. nicht einmal recht'weiß, was der Talmud ist. Ja, ich bin überzeugt, fie weiß es kaum so gut wie ich. Ich könnte e» bei dem Andenken meines seligen ManneS beschwören, haß fie e» nicht weiß. — Aber daran haben alle« nux die Juden Schuld;' ihnen gehören nicht nur alle Geschäfte, Haufiren und dergleichen, fie schreiben auch alle Stücke für'». Theater, der «eine heißt Blumenfeld, der andere Blpmengarteu, der dritte Blumeuthal «sw., und da giebt eS, wie ich höre, auch so ein Stück, „die gebildet Köchin", wo alles Möglich« von unserem Beruf nach Juden manierlichkett gelogen wird, und damit haben fie un» lächer lich gemacht. Wenn unsereins einmal wirkliche Bildung besitz und fie zeigt, dann es heißt gleich: „.'-a habt ihr die gebildet Köchin l" Doch, da kommt man. (Pudert sich schnell noch einmal.) Fünfter Auftritt, vorige, Frida. Frida. Nur schnell in die Küchel (Lacht.) Ha, ha,ha! wie Sie auSsehen! DaS wahre blaue. Wunder! Warum haben Sie sich das Gesicht nicht lieber blau gemalt, anstatt weiß, das hätte eher zur blauen Stickerei Ihre» Kleides gepaßt. Joseftnr. Mit Ihnen laffe ich mich nicht ein, Sie Judenmädel! (Ab.) Sech ster Auftritt. Frida, bald darauf Selma. Frida. Er war auch Zeit, daß ich die dumme Person weggeschickt habe; ich muß jetzt auf Posten stehen; niemand darf ohne meinen Willen eintreten. Die. Geladenen haben fich gewiß da» Zeichen, da» ich ihnen vorgeschrieben, gemerkt, und wer sicht mit'den Füßen an der Thüre scharrt, der kommt »ich. herein; e» mag daraus folgen wa» will. Doch, ich erkeune die Schritte des Fräulein«, die kann noch für einige Augenblicke eiutreten. Wie wird, sie freudig überrascht sei», den Geliebten unerwartet zu sehen. - Selma. ..Wie wenig paßt, die Toilette, die ich gemacht, zu meiner Stimmung. Aber, du stehst, ich folge dir in Allem > blind. (Sintt ihr au do» Hal» und weint.) 0, meine gute Frida, was soll nur au» allem werden? Wenn auch du mich noch täuschea solltest! Ach, Arnold sehe ich jetzt garnicht .... ' 'Frida. Psk! Vertrauen.Sie mir nur noch ein klein wenig. Pst! mir scheint, ich höre ein Geräusch. Gehe» Sie jetzt zur Seite und lassen Sie mich zuerst zur Thüre. (Man hört mit de» Fähen scharre».) Pst l schnell dorthin! * Siebenter Au stritt. „ ' Arnosd, dir Vorigen. Arnold (sich aus Selma stürzend^.« Meine Selma! Und die Einladung war von Frida, upd;ch traute fast diesem ge» heimnj^vollen Rufe nicht!. Frida. Küffrn könnt ihr /uch soviel ihr wollt, aber' wenig sprechen, und nur leis/, und wenn Ich commaadire: ein», zwei drei, muß Fräulein Selma sofort verschwinden, 'und wenn e» Mitten in einem Kuffe ist. Ich Hab« da» Kommando nnd fordere unbedingten Gehorsam.- (r» scharrt wieder.) Ein», zwei» drei l (gflma verschwindet durch «ine Stiteuthür, Arnold wird durch eine andere Thür von Frida in ein Kadinett hinein geschoben.) Achter A n stritt. ' Frida, Dr. Deffaner, dann Melchior und zuletzt der Pastor. Dr. Dess auer (bei veüe). Nie wollte ich diese»Hau» betreten. Doch erfordere e» mein Berus, wenn ich geholt .»■rröa&n.