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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 12 (1894) · p. Seite 47

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
12 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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Schon finge« alle zehn Söhne de« greisen Jacob an, mit -einem wüste» Gesänge ihm »»antworten und.einer von ihnen Jf- «achte sich daran, den in Blat getauchten Rock Joseph« her- 7 worzuholen, alr si« plötzlich in ihrem Lügenwerk gestört wurden, denn in -diesem Augenblicke drängten sich zwei reichkostumirte Masken vor, die schon eine zeitlang früher bei der Thüre \ Panden. » .■ » „Nur keine Lüge vormachen 1'* rief eine der Marken mit F" heiterer Geberde den Brüdern zu: „Ich werde sagen, wo Joseph ist." r Dir ganze Tischgesellschaft lachte über dieser komische Intermezzo und der arme Jacob mit allen Söhnen, die in? dem Gang der dramatischen Handlung durch diesen spaßhaften Zwischenfall unterbrochen wurden, rissen weit Mund und P Augen auf. . . Aber zur selben Zeit rissen auch beide Marken ihre Larven herunter, die zwei lachend«, freudestrahlende Gesichter, — ein männlicher und ein weiblicher — entblößten. Reb Mordechai erfaßte ei bei ihrem Anblicke wie auf Sturmerflügeln... »Mein Scheigez, mein Hulla:!" schrie er auf — und Vater und lagen sich in den Armen.. .. * * t * * Die Freud« der Eltern zu schildern, den Jubel der i Mutter, die Uebrrraschung der Gäste, die verblüfften Mienen de« Patriarchen Jocob und seiner Söhne — aller dar zu t schildern, würde weit über den Rahmen hinauSgehen, den ich mir l für meine Erzählung gesetzt habe. In seinem Freudeurausche . fiel Rev Mordechai heute ganz au? der Rolle, er war mild« , und voll Versöhnung, jeder Zoll ein liebevoller Vater, er lud nur so alle Zärtlichkeit, die sich im Verlaufe der Jahre angehäuft, in großen Quantitäten aus, er küßte und herzte - seinen Sohn, den er unablässig „seinen Scheigez, seinen Hul» tai" nannte, liebkoste seine Frau, schloß seine Schwieg;rtoch,er wonnetrunken in seine Arme und betheuertc, oaß man so ein Frauchen wahrlich in der weiten Welt suchen muß, und daß „sein Scheigez, sein Hultai" in dieser Beziehung recht bellte!! „Joseph" rief diese ihrem Manne zu „Du hast mich ja getäuscht, wenn' du mir gesagt, daß unser Vater immer unter j einer lieblosen Sprache sein gute« edle« Herz zu maSkiren sucht — er ist ja.so gut und liebevoll in seiner Ausdruckst'' weise, wie in seinem Herzen!" „Mein Vater, süße Esterke" — erwiderte der Angeredete freudestrahlend, „niein Vater hat sich ebenfalls demaikirt I" Der Marfchalek aber, der diesem freudigen Ereignisse zu Liebe in aller Eile ein halbes Dutzend We>nbouteillen geleert, wackelte mit seinen unfichere» Brincheo zum Bücherschränke, holte von dort die „Beschichte EsterS", und diese vor sich auftchlagend sang er mit seinem schnarrenden Stimmchen: „Wal zu wisieu ihr begehrt Steht ja hier qeschri,den: Ester dal den Haman zeriiort, ,Der Mordechai ist geblieben!“ Die mvderne Krankheit. L u st sp i elin vi er A k t ein — Bon S.N. M a r gu l i er. IV. «kt. (Zm Hause Besenstiel«.) Erst er Auftritt. Frida (allein). Nun sind die Einladungskarten au»> geschickt; ich hoffe, die Herren werden sich pünktlich zum Rendezvous einfinden. Sie werden allerdings über das gehelmnißoolle Billet große Augen machen, und vor allem gar der ehrwürdige Pastor. Jeder Ist aber ftr einer Weife a»fgefordert worden, kaß er kommen muß. Die Hauptsache ist. | daß sie nur pünktlich erscheinen, nicht zu früh und nicht zu spät. Und wcnu alle«,, wie ich hpssc, glücklich abläuft. dann kommt hiez im l^ose alle» wieder in« richtige Biletse. Wir Lt» «nebc«. yMWf^Mädr». uud ü«»AtzßM«ch^Mt e« auch. Di« laugeu Gesichter möchte ich schon sehe», die dieser Schuft von Schlägel, und seine hochgebildete Anbeterin, Iosefiue, machen werden Die würde ich ihm scho» gönnen, aber von meinem guten Fräulein Selma muß er mir mit seiner „Menschenliebe", die er immer im Munde führt, fern bleiben. Nicht uinsonst habe ich mich v«n Scheusal Nr. 2 küssen lassen, wenn wir dadurch nur Scheusal Na 1 loS werden. Mir thut eS nur leid, daß ich gegen die braven Alien intriguiren muß, di« doch nur von einem Schwindel, oder, wir sagt nur Melchior? —von der modernen Ikrankheil ergriffen find. Sie müssen aber eine kalte Douche bekom-oen, am geheilt zu werden. DaS Fräulein konnte ich in das Komplott auch nicht hincinziehen. ES hätte ihr widerstrebt, den eigenen Eltern so mitzuspielen. Genug, daß sie sich mir blind vertraut und sich in alle meine Anordnungen fügt. So ist der Mensch, wenn da» Glück scheint, ist man stolz und übermüthig und glaubt, man brauche sich von niemand leiten zu lassen. In der Verzweiflung aber nimmt man zu Kartenlegerinnen und zu alten Wahrsagerinnen seine Zuflucht. Die Arme hat auch zuletzt zuviel gelitten, daß ich es ihr garnicht verdenke, wenn sie ihrem eignen Kopf nicht mehr traut und sich lieber auf den meinigen verläßt, um irgendwie a»S der unerquicklichen Lage herauSzukommen. Ich bin jetzt die Vorsteherin der Besenstiel'schen Irrenanstalt. (Pause.) Nun muß ich es mir aber nochmals im Kopfe durchgehen, ob alles stimmt. (Gehr von Thür zu 5hü,e. Zunächst also hier abgeschlossen, dann hier, dann .... ja, es ist so richtig. Wenn nur nichts in die Quere kommt? Der größte Feldzugsplan ist schon oft durch eine Kleinigkeit vereitelt worden. Na, auf Bob kann ich mich verlassen. Die Polizei ... ja, ist verständigt, (schaut nach der Uhr.) In einer halben Stunde muß e» hier ganz still werden. Jetzt ist alle» mit der Toilette beschäftigt, dann hat jeder in der Versammlung und im Speiscsaal vollauf zu thun. Ich muß nur für einen Augenblick nachsehcu, wie weit das Fräulein mit der ihrigen ist. Anfangs wollte sie durchaus keinen Staat machen: ich verlangte es aber auslirücklich und sie mußte sich fügen, und nun ist Mama ganz glücklich darüber. Sie sieht e» als ein Zeichen der Nachgiebigkeit an, und auch Papa Bcienstiel kann kaum seine Frende verbergen. Ich bin gieich wieder auf meinem Posten. (Ab.) Zweiter Auftritt. Susann« (in einer reichen Toilette.) Nun hat man endlich einmal Gelegenheit, nach langrr Zeit ein schönes Kleid anzuziehen. Die Zurückgezogenheit, in der wir lebten, hat mir fast dal Vergnügen verleidet, meiner Garderobe die nöthige Aufmerksamkeit zu schenken. Es ist dock ganz was anderes, wenn man sich etwas au» Berlin kommen läßt. Und nur von Gerson! Wa» eS auch kostet, e» wird garnicht thcuer bezahlt. Dieser Chic! Diese Volant?! Diese ätherischen Spitzen! Dieser Faltenwurf! (T> Iit vor den Spiegel.» Selma scheint übrigen» auch ganz zufrieden . . . Soll ich diese Brillantbroche nehmen, oder nur diese Blume? Ich nehme beide, die Rose stecke ich in» Haar. Nun noch etwas mehr Puder. Nichts über diese feinen französischen Puder. So . . . und noch etwa» Parfüm! Da können wir deutschen Frauen noch'so stolz sein. . . . Die besten Pfannkuchen backen wir, aber Schönheitsmittel muß man nur aus Pari» beziehen. Es ist kein Wunder, daß man dort, wie man sich erzählt, nur junge und hübsche Damen steht. So eine Pasta Pompadour, wie die da» Gesicht glättet, wie die jedes Fältchen so hübsch verbirgt! Mein Mann ist wieder Cavalier geworden und denkt an kleine Aufmerksamkeitc». (Lin paar Haodjchnbr betrachtend.) Eine Ueber raschung! Woher er uur diese bestellt hat? Au» einer hiesigen Handlung sind sie nicht. Und wa» liegt da drin für ein Zettelchen? (Zieht «inen Zettel bervor und lies») „Meiner schü, nen Frau Präsidentin “ Ei, wie galant! Da» Glück scheint auch wieder bei uns cinziche» zu wollen Meine arme Selma sieht zwar etwa« angegriffen au», doch die Aufregung wird

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