Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 12 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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fich ja legen. Peter hat ja recht, man kann nicht wegen ei» biSchen Lieb« auf soviel Ruhm und Glanz verzichten.. Ich fürchte nur, e» könnte bei Eelma etwa? tiefer fitze«. Aber ei» bischen Herzweh macht gar das künftig« Eheleben interffanter, und Eelma steht ja noch eine glänzend« Zukunft bevor. (Sich widerholt iw Spiegel betrachtend.) Nu» ist meine Toilette wohl tadellos. Hier noch ein bischen nach rechts geschoben! Rein, zu viel! die großen Ohrringe nehme ich doch ab und nehme die kleineren? Doch nein, die find viel kostbarer. . Wo bleibt nur Frida? Sie muß das Ganz« nochmals durchmustern. Jetzt fällt mir «in, diesen Sommer gehe ich doch in ein Bad, aber kein Travemünde, nein in einen wirklichen Kurort» wo die feinste kaut« vol6e zusammentrifft. Ostende, Norderney, vielleicht Helgoland. Jetzt will ich noch in den Saal eine» Blick werfen, die Tafel ist scho» gedeckt, vielleicht fehlt noch etwas, was nur bat Auge der HaoSfrau entdecken kann. ES gilt heute Abend die Honneurs deS HaufeS zu machen, und ich schmeichle mir, meines Amtes walten zu kSnnen. (Ab.) Dritter Auftritt. Vorige, Peter (hinter der Sern« rufend: Han» l Frida l) Peter (hervortretend, ohne Rock). Was Teufel ist denn Im? Schon zehnmal habe ich nach meinem Frack geklingelt und kein Mensch läßt fich blicken. <L»Ia»ne gewahrend.) Du hier? und wie reizend! (küßt sie.) mein« schöne Präsidentin! Susanne cha, u««e»de»d). Sefalle ich dir so? Du bist aber auch ein schöner Mann. Und seit Du Präsident geworden, bist Du auch ein galanter Mann. Ich möchte sehe», wie eS fich auSnehmen wird, wenn ich einmal in einem Bade «rm in Arm mit dir spazieren gehe. (Leg« ihren »,« in den ieinige» nnd p»o»e»irt mit ihm dnrch » Zimmer.) Ach, dll hast ja deinen Rock noch nicht au. Peter. Dieses Bcdienteuvolk, man kann fich heut: heiser schreien, man bekomnit keinen von ihnen zu sehen. Susanne. Ich gehe selber Nachsehen und will dir gleich den Frack schicken. <«b.) Peter (zieh, di« Uhr an« der Laiche). Wirklich schon ein Viertel vor Sieben. Was mir noch für viele Arbeiten an diesem Abend bevorstehen! Wie beginne ich nur meine Ansprache? .Geehrte Herren! Hochgeehrte Herren!" DaS entspricht noch, glaube ich, dem Range dieser großen Männer nickt. Ich habe es: .Hochzuverehrendr Herren!" Ach, wenn ich doch ein bischen Lateinisch könnte? DaS würde Effect machen. Ich hätte in der letzten Zeit etwas weniger Talmud treibe» und mich auch auf Lateinisch verlegen sollen. Aber eS genügt ja auch, Ve»n man unr ein paar Worte am richtigen Platze auzuwenden weiß. Warte, ich habe ja vom Doktor etwas aufgeschnappt. Ob eS nur richtig hierher paffen wird? Bibamas, nein da? ist e» nicht, ergo bibsrnns, nein auch das nicht. ES ist etwas mit vom und BiSquit oder BiSthum. Halt, ich habe eS: vornim» vobiscam. Ich muß eS mir gut ein präge». Vowivus vobiscnv. Ist daS aber nicht vielleicht gar ein Fluch auf die Juden? nein, jetzt weiß ich eS genau, ti ist ein.Gruß und paßt gerade auf solche Gelehrte. Also: Hochzuverrhrende Herrn, vorniaa» vobtscam! Oder S wird fich schöner machen, wenn ich mit dem lateinischen Satz anfange, also: Vomivu» vobiscam, hochverehrende Herren! Aber wo bleibt nur mein Rock? (Auf »ab abgehend.) Ich erkläre die Sitzung für eröffnet. Der denkwürdige Tag, den wir heute . . . nein, die denkwürdige Rächt ... — bis wir versammelt find, ist e« stockfinstere Nacht, . . In unserer Mitte lebt ein Bolk, ein Bolk, ein so schlechter Bolk . . . nein, da» ist nicht stark genug gesagt. O, die,« verfluchten Beiwörter. Ich habe eS gemerft, bei einer Rede kommt e« nur darauf au, immer so ein halbe» Dutzend davon gleich bei der Hand zu haben. Mit diesen kann man ven kleinsten Satz so anSdehue», wie den engsten Schuh auf einem guten Leisten. (Ergreift eine Lischglocke). Frida, Han«, Josefine l Halt, ob p?a» nur ni^vergeffett-hat, ans den Sitznngtztisch eine Glocke Hinzusteven? Ich muß «taut sehe», ob ich e» schon gelernt, mit der Prtfidenten^locke richtig ümz»- gehen. («tingelt ) Sie habe» da» Wort! (IitngAY Bitte n» . Ruhe! («itngeu heftige«.) Donnerwetter, .bitte um. Ruhet. (Roch heftiger.) Kreuztauseudschockschwerr Roth! Dar auch der Dreibrinige! Wird'», südlich a Ruhe geben? Frida eilen dnrch verschieden« Seften herbei) Ruh«! sage ich, hört ihr, oder.. » (Sie blicke» ihn verwundert an). Han». Der Herr Präsident wünscht. Peter ,sie erblickend). Ach so . . . meinen Frack, seid Ihr denn taub? . . H a n S: Gleich Herr! (Beide ab, inde» sie sich versiehle»« . Blicke zuwerfen.) Peter (Sin Notizbuch au« der Lasch« zteheud.) Da habe ich mir gestern einig» hübsche.Ausdrücke au» eine« Leitartikel der »Wahrheit" angemerkt. Die muß ich in meine Red«' hineiubringeo. Da» ist so die recht« Wichst, die de» schönsten Stieftl erst den echten Glanz verleiht. (Besieht sein» Stiefel.) Da» ist aber eine feine Arbeit l Mein neu« Gesell hat wirklich ein Meisterwerk geliefert, («fe Lttriel mit Srnnmnimt »ach allen Seften betrachtend.) Die Nähte, dir Fleckchen! ei» Kapitalstück!Jch wäre neugierig, ob ich noch so einen Stieftl machen könnte, wie anno daznmall Ra, da» find tempi passempi, —wie von Schlägel sagt. Ich habcjrtzt an wichtigere Dinge zu denken. Mich ärgert «nr, daß man.'immer sagt: er spricht einen Stieftl. Ich wollte, ich könnte so schön sprechen, n>ie dieser Stiefel schön ist. ». Schlägel selbst spricht kaum so schön. Doch richtig zu meinen Notizen. (Liest an, dem Rotizlmche.) »Wie eiserne» Unkrant «üffeo di» Juden mit Harken anSgerodet werden. . . ." Eiserne» Un-. kraut . . . nein, eisern« Harken... e» ist so nuftserlich .diese« Volk saugt die Christen mit Wucher und Schacher au» wie die Spanne.. .Spanne?, ach so, die Spinne die Fliege". Meine Notizen find so unvollständig. „Die Baneru werde« immer ärmer und die schwarzgelockteu, krummbeinige» . . . oder krummbäuchigen . . . furchtbar unleserlich l . . . Jude» werden immer reicher. „Börsenjuden . . . Protzenihvm . . . wie lernäffch: Schlang« zerdrücken . . . Jndeaspiegel .... doch genug, so viel auf einmal behalte ich doch nicht. Mein Rock ist aber noch immer nicht da. Han», Josefiae, Frida, Susanne, Selma l Han» (dringt den Frack.) Peter. Endlich einmal. Run ist e« aber die höchste Zeit. Dominas vobiscam! Eiserne HartenI schwarzgelockte krummbäuchige Juden. Wie die Spinn« die Fliege. Echnlcha» Aruch! Bitte um Ruhe! Wer dafür ist, erhebe die Hand!. Run bin ich fertig. (Ab.) (Fortsetzung folgt.) Salomovische Weisheit. A w r o mch e: »RabbUeben. Sie find doch ein so gescheidter Mann, sagen Sie mir, wer ist glücklicher und zufriedener, ein Mann, der 100,000 Thaker hat. oder einer, der sieben Töchter besitzt?" Rabbi (nach kurzem vestnnen): .Offenbar der. der siebe» ' Töchter hat." Awromch «: .Wieso?' Rabbi: .Einer, der 100000 Thalcr hat. wünscht sich, mehr: Einer der fieben Töchter hat — hat gea » gl' Inhalt: Dt« »»Verne tkranktzrtt. Lasisptel in »irr Atteu. Ban R.Margulte». (Fortsetzmw) — Re» »oetnchoi H»» Et» Pnrftndftd. Bo« Rarha» wamnrly. (Schlich.) ~ Salomonische (vtachvrnck u» «qe» Ääw^oNaüD* Verantwort!.Redakteur: 1>r. RahMer Magdeburg. Druck:Friedrich RascheECr^Magdeburg.Berti