Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 11 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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bedienen, nach dem Genuß eines compakten MahleS gern nach einem Stückchen Backwerk, oder einem Gläschen Ehartreufe greift.... Peter. Entfchnldigeo Sie, wenn ich unterbreche. Darf ich Ihnen vielleicht ein kleines Schlückchen anbieten? (klingelt, Hau» bringt Wein.) ».Schlägel. Ich habe es nur als Gleichniß, alS Metapher angesthrt. Sie «iffen, wie mäßig ich bin, ein wahrer Temperenzler (trinkt.) „Auf die Repräsentantinnen de» schönen Geschlechts! ... Zur Erholung also, habe ich denn, wie ich gerade ^sittheilen wollte, mitten nnter den Arbeiten schwereren^KaUberS ein kleines Sträußchen auf der Blumenwiese des -Geistes gepflückt, das soebeu die Presse verlaffen hat. Darf ich so frei sein (mit einer Verbeugung, zu Fruu Besenstiel) Ihnen dieses Opus zu überreichen? (reicht ihr ein Buch.) Susanne (liest den Titel) „Andachtsblätter für Antifemitinnen aus den höheren Ständer, von Dr. v. Schlägel." v. Schlägel. Wenn Sie gestatten, werde ich mir erlauben, eine Widmung hinzuzufügen? Peter (bei Seile). Ein Gelehrter, aber auch ein vollendeter Weltmann! Susanne (bei Sette-. Ein Kavalier vomme il faat!' Sel nia (bei Seite). Er wird immer unerträglicher. Ich kann ihn kaum noch anhören. o. Schlägel (z-1 Selma. Ich hoffe, Sie mein Fräulein, Sie verschmähen indeß diese Rose nicht Die Blume, der Blume! (überreicht ihr die Ros«, di« sie aber kaum berührt, zu Peter) Wir machen es nun wie die alten Ritter und nippen ein klein wenig (triukr), dibamus! Ich habe eine ganze Liste von neuen Mitgliedern, die sich für unseren Verein angemeldet. darunter viele glorreiche Namen. Ich übergebe Ihnen morgen das Verzeichniß. Sie werden feben, in weniger Zeit giebt eS in der ganzen Stadt und zehn Meilen in der Runde Keinen, der nicht zu unserer Fahne geschworen. Wenn man nur erst einen« paar verdammten Inden, die gegen uns Hetzen, die Knochen zerbrechen könnte! Bor allen dem jüdischen Dioskurenpaare, Dessauer und Bürstenbinder! Dieser blutzapfende Judendoctor und dieser blutarme, ausgehungerte Volksschullehrel .... Selma (die, ohne von Schlägel bemerkt worden zu sein, «i regt dageseffen, und zuletzt ausgestanden war). Verzeih, Mama, wenn ich mich zurückziehe, ich fühle ein heftiges Kopfweh, (ab.) Peter (bei Sette). Das hast du nicht gut gewacht, du großer Geist; doch wie konnte er wissen, was dieser Name für Selma bedeutet? Susanne (die bis jetzt in die Lektüre versunken - war und dem Bespiä» nickt zu gehört hat». Warte, mein'Kind, ich komme dir nach, eS wird sich schon geben. Entschuldigen Herr Dr. -(reicht ihm di« Hand, die er küßt). ».Schlägel. Ich bedaure unendlich, daß, indem Sie nun noch gehen, uns der Anblick des schönsten DoppelaestirnS entzogen wird. Hoffentlich aber erholt sich das Fräulein bald. Gestatten Sie, daß ich mich jetzt verabschiede und daß ich mir später die Ehre gebe, mich nach dem Befinden der schönen Patientin zu erkundigen. (Susaune ab.) N runter Auftritt. " von Schlägel, Peter. von Schlägel (von Peter beglettet, durch den Barten gehend.) Herr Präsident, Sie erblicken jetzt vor sich einen Mann, dessen Herz von Amor'S Pfeilen ganz durchbohrt ist. Die Liebe, die ich schon früher für Ihre unvergleichliche Tochter in meinem Herzen trug, hat jetzt, wo ich längere Zeit den Zauber ihrer Nähe empfunden, ihren Zenit erreicht. Sie war nur so schweigsam uud brach so.plötzlich auf, dieses holde Geschöpf, die Königin.der Blumen. 'Wie gern 'hätte ich in ihren Mienen lesen, in ihr Herz hiueinschaue» mögen, ob sich darin -etwas regt ' von dem, was da (auf di« Brust «toü»), um mit dem Dichter zu spreche»: so mächtig brauset, n d kochet, und fiedet, upd zischt .... . Peter (bet Sette). Hätte er nur nichtde« wunden Punkt, Bürstenbinder, berührt, diese Sprache und dieser feine Benehmen müßten ihm da» Mädchen eroberen." Meine Frau hat er gewiß ganz für sich eingenommen. v. Schlägel. Ich bin über die kleine Unpäßlichkeit,, die Ihr Fräulein Tochter befallen hat, ganz verzweifelt . . . Peter. Seien Sir ruhig, eS bat nichts zu sagen . . °. Doch richtig» wie' steht'S^ kommen alle die hohen Gäste? ES liegt mir, und (mit Betonung) auch meiner Frau ganz besonder» - daran .... ' . v. .Schlägel (bei Seite). Was ist'«, daß ich so gar . kein« Antwort habe? und bei diesen Leuten scheint alles dar», auf anzukommen, wie weit ihrer Eitelkeit geschmeichelt wird. Ich muß noch einen letzten Triumpf auSspielen, um meitt Glück gekrönt zu sehen, (laut) Gewiß kommen sie, auch ei» zweiter Baron, Freiherr von Hainmerstein .... Peter (drückt ihm die Hand). Mein lieber, lieber Dr. l Meine Frau wird schon einen großartigen Empfang zu be» ■ . reiten wissen .... v. Schlägel (bei «eite). Jetzt heißt es aber auch wieder anpumpen! (Laut) Ich hätte noch ein kleines Aoliegen, - Herr Präsident. Ich habe heute das, was ich Ihnen schulde, zusammengestellt. Ich bin in allem exact. ES beläuft sich auf (zählt an den Fingern) 4000, , . 7000, . . 9000, . . » ja 12,500 Mark. In einigen Tagen kouinit daS große Honorar, und da schwimme ich im Geldc. Dann steht auch meine Kasse Ihnen zur Verfügung. Denken Sie aber 'jetzt meine Verlegenheit. Diese Juden, diese Schurken! Da schreibt mir ein Freund, ein ehrlicher Antisemit, ein goldener Mensch, die Solidität selber, er sei in Schulden geratheu, natürlich bei Juden. Ein Weinhändler, bei dem er seit langer Zeit täglich seine Flasche Wein trinkt, MoscS oder Jacob - heißt er, setzt ihm, da er mit der Zeche etwas im Rückstand« ist und sich von ihm außerdem, natürlich zu hohen, jüdischen Zinsen, Geld geliehen, hart zu und droht, ihn zu pfänden. Er wendet sich an mich, da er mein gutes Herz kennt. Meine. Nächstenliebe gebietet eS, ihm in der Noth beizustchen. Llanus wannm lavat, wie wir sagen. Ich würde auch nicht einen Augenblick anstehen, ihm die paar Tausend Mark sofort zu schicken, um ihn auS jüdischen Räude» Händen zu retten. Bitte' mir daher biS zur Abrundung von 15,000 Mark noch Mark 2500 vörzufchießen. In wenigen Tagen wird alles pünktlich und gewissenhaft . . . . ' Peter. ES bedarf gar nicht der vielen Worte. ES ist mir ein Vergnügen, Ihnen, oder Ihrem Freunde, einen Dienst erweisen zu können. Aber Sie irren in der Rechnung lieber Herr Dr.; Sie schulden mir nur 11,500 Mark. v. Schlägel. DaS ist nicht möglich (stellt sich, als ob er nochmal» nachrrchne) 1500, 2500, 4000 .... es macht doch 12,500 Mark. Peter. Nein, 11,500. — v. Schlägel. Ja, so . . . Sie haben doch recht. Ein Glück für mich, daß ich mit einem Manne wie Sie, Herr Präsident, und nicht mit Juden zu thun Hab«. Wie leicht' könnte ich da betrogen werden. Also 11,500 Mark, nun daun bitte ich der Abrundung wegen um 3500 Mark. . E» kommt ja auf eins heraus. . Peker. Gedulden Sie sich hier einen Augenblick,' ich bringe gleich daS. Geld, (ab.) Zehnter Auftritt. - v. Schlägel (allein). Eine ausgezeichnete Melkkuh, dieser brave Besenstiel. Wenn mir aber der letzte Eoup nicht gelingt, könnte eS bald mit der Herrlichkeit zu End« sein. Die Selma muß mein werden. Mrinsm Geschmack« entspricht sie zwar nicht' die Eltern aber — die find wie ekgeos für mich zugeschnitten. Ich glaube nicht, daß das Mädchen etwa» gegen mich hat, wenn ich auch kein besonderes Entgegeukomme» bemerkte. UebrigenS werdeu -Papä uud die Läng: uud di« Buchte