Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 10 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
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«rieSei <ise Beftellnng auf 10,000 Exemplare, fftr Me er mir' 6000 Mk. schuld«. (»(Utn in tinn» Buche.) Ich will ei,, mal alle« zusammenztehen und di« Rechnung ein wenig nach, sehen, v. Schlägel Soll: an 3000 Broschüren Mk. 1600, btto Rachbestellung durch denselben 6000 Broschüren Mk. 2600, baar geliehen |on Schlägel Mk. 1600, —, btto 1000, für 10,000 Bro chürea Sfrlf. 6000, — macht zusammen M. 11,600, —. Sicher'aber ist der Mann entschieden^ denn er soll ja von seinem Verleger bi« Sude diese«, da« große Honorar für sein letzte« Meisterwerk bekommen.' Und übrigen« bleib« ich - noch in seiner Schuld, da ich. den ganzen Betrag diese« Geschäfte« nur ihm verdanke- und einen Theil al«Zulage zur Mitgift bestimmt habe, wenn er mein Schwiegersohn wird. -Wenn er mein Schwiegersohn wird! Hm! hm! Ich weiß nicht wa» da« ist, aber die Sache kommt nicht so recht vom Flecke.- Immer drängt fich, wenn ich ihn meiner Fami» lie vorstellen soll^ etwa« dazwischen. Um die Zustimmung ' meiner Fraü ist mir nicht' bange. Sie weiß ja die große Ehre, die un« 'dadurch zu Theil wird, zu' schätzen. Auch hat fie ja eigentlich da» Bewußtsein, daß wir zu etwa« Höherem ' geboren, find, in mir zuerst geweckt. Aber mit- Selma will e« mir nicht so glatt scheinen. Mit ihr geht etwa« vor, .da» mir unbegreiflich ist. Die sen, deren wir jetzt un« erfreuen, scheinen fie kalt zu. lasten. Sie geht mir so an« dem Wege und . . .' und . . . fie muß etwa« auf dem Herzen haben. Doch da kommt meine Fraü. - - - > Sechster Auftritt. > Peter. Susanne. Susanne. .Immer beschäftigt, lieber Präsident, mit dem neuen Beruf. Du wirst ja noch eia grundgelehrter Mann. Ich muß dir gestehen, ich finde an den Schriften, die du mir zum lesen gegeben, keinen. Geschmack. Da lese ich «inen fraozöfischen Romau viel lieber, al« die Abhandlungen über den Talmud, Indessen freue ich mich gewiß, daß du dadurch zu solcher Ehre gekommen, e« klingt auch ganz ander», wenn ich mich jetzt Frau PräfideNtin nennen höre, al« wie früher immer nur Frau Meisterin, oder Frau Besenstiel. Ich sehe auch mit Begierde dem großen Tage entgegen, wo, wie du mir eröffnet hast, unser Hau« so hohen Besuch bekommen soll. Gewiß ist auch ein Graf darunter, Leider, leider kann nie ein Glück vollkommen sein. Peter. Wie meinst du da«, lieb« Präsidentin? Susanne. Unser Rind, unsere Selma. Peter. Nun? Susanne. Du weißt, wie stolz ich wäre, gnsere einzige Tochter .Frau von"' titulirt zu misten und ich bin ja selbst auf die so naheliegende Idee gekommen .... Peter. Da» freut mich, daß Du, meine kluge Frau, ganz von selbst den Gedanken . ... " Susanne. Seltsam, muß mir Selma gerade kurz zuvor ein HerzenSgeheimniß offenbaren. Natürlich wendet man sich mit der- Beichte zuerst au die Mutter. Daß ich-e» dir kurz sage: Selma liebt .... Peter. Da« ist mir gar nicht angenehm, da« ist fatal, aber wie, wen? Susanne. Den Arnold Bürftenbiuder. Peter. Den Bolttschullehrer .... Ein ganz braver Mensch ist er, da« ist wahr. Aber jetzt an solche Partie zu denke», wirst du. mir zugeben, wäre Thorheit. Zum Präfi. deuten Besenstiel paßt ein bloßer Lehrer al» Schwiegersohn kei»e«wegr, e« schickt fich so garnicht. Da» Mädel muß ja verinlnft annehme,: fie kann ja meine ganze Earrirre »erstören. Bedenke nur, wer käme un», wenn alle« nach Wunsch gehen sollte, in derganze» Stadt gleich. Du hast e« ja bitter geuug empfunden, daß wir in der Stadt nicht» galtest. Aber M» konafe ich machen? Ehren laste» fich nicht erMingen. Aber jetzt, male e» btt nur an»; wenn alle« «tr gut endigt, »nd wir «ach ein» zwei Jahren de» Sonntag» an» der Ktrche geh«, und Alle» nn» den «ortritt läßt »nd e« heißt: seh< hie voran, da» find der Herr Präsident und dir Kran Präsidentin, dir nächsten' da« find Hert «nd Frau Schlägel und da» kleine Baby, da» im'schönen Wägelchen geführt wird, (wg« für ein reizende» Rind, man ficht ihm de» Adel an!) da» ist der kleine von Schlägel, Präsidenten» Enkel! Und auf alle diese glänzenden Aussichten sollten wireiner Mädcheulaune wegen verzichten? Süsanne. Du entzückst mich, wie du.jetzt sprichst. Ich hätte e« dir garnicht zugetraut, so zu sprechen. Weißt du, ich bin di» jetzt doppelt so gut, al» ich dir war, und wir haben nie so zusammen.gepaßt. Peter (geschmeichelt mit wachsendem Pathof). Und wo bleibt meine Uebeqeugung? Ich.kämpfe jetzt für eine große Sache. Der Antisemitismus, sagt Herr von Schlägel, ist die höchste Errungenschaft unsire« aufgeklärten Jahrhundert«. Ich -habe mir den Satz genaq gemerkt. Wa» in unserer Macht steht, müssen wir aufbieteu, um un» diese» Volk, da« soviel .Unheil stiftet, vom Halse -zu schaffen, »nd weißt du, daß Bürstenbinder selber ein Jude ist und daß ich ihm sogar die Wohnung gekündigt.? Susanne. Da« ist doch nicht dein Ernst? Peter. Herr von Schlägel sagt, alle« wa« nicht Antisemit ist, ist —Jude. Man kann unmöglich ein wahrer Christ sein, wenn man nicht Antisemit ist. Erklären kann ich dir die» allerdings nicht so ganz, denn wenn ich mich auch schon zu einem ganzt üchtigen Redner, herängebildet habe, so geht'», meine Theuxe,. doch noch nicht so leicht mit der Vorführung von Beweisen. Die mußt du au» dem Munde de» Redakteur» der.Wahrheit"hören. Wa» du mir aber von Selma erzählt hast, macht mir wirklich Sorge. Ich thäte unserem Linde sonst gern alle» zu Willen. Aber hier spricht Vernunft und Gewissen gegen ihre Neigung. E» ist unsere Pflicht al» Eltern, sie auf den rechten Weg zu leiten, und deine Aufgabe, Mütterchen Präfidentin. muß e« zunächst sein, ihr den Kopf zurecht zu setzen. Du bist ja eine gescheite Frau, zeige wa» du vermagst. Susanne. Ich keyne ja unfern zukünftigen Schwiegersohn noch nicht. Vielleicht ist e» bester, d u sprichst mit Selma. . . . Peter. Rein, ich muß meinen Kopf frei haben, um . mich al» Präsident für den großen Tag der Einweihung vorzubereiten.—Da bringt Frida, schon den Kaffee, wo bleibt nur Selma! Siebenter Auftritt. Bong«, Frida, hinter ihr Selma, zuletzt Han». Frida (nachdem fie de»- Kaffee auf den Tisch gesetzt, leis« zu Selma). Lasten Sie sich nur nicht einschüchtern. Kommt Zeit, kommt Rath. Selma (tagt die Eltern, für siid, indem fie sich setzt). Ich weiß garnicht, wie ich da» Gespräch einleiten soll. Peter (für sich). Ich fühle mich zum ersten Mal meinem eigenen Kinde gegenüber fast verlegen. Susann« («ür fich) Ich will zunächst schweigen un zusehen, wa» die beiden beginnen. (Jeder ist schweigsam ■ mit seinem Kaffee beschäftigt,- e» herrscht eine längere Pause.) P e.t e r. ES ist sehr schöne» Wetter. S e l m a. Ja, Papa, (Panse). Peter. E» ist etwa» schwül. Selma. Ja, die Last ist sehr schwül. (Pause). Peter. Heute ist schon Mittwoch. Selma. Ja, Papa. (Pause). Peter. Heut« ist der vierundzwanzigste. Selma. Jo» Papa. (Panse). Peter. In drei Woche» ist Pfingsten. Selma. Ich glaube in drei Wochen. (F«r fich) So kommen wir nie zum Ziele. Papa scheint absichtlich jede» Gespräch vermeiden zu wollen. Mir liegt es zentnerschwer auf de» Herzen. Auch Mama schweigt. E» muß, «» muß doch heran». Peter (silr fich) Wa» spricht man nut weiter? Soll