Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 10 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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schaut «ich kaum tut. Zch habe doch Frida so lied m»d wir waren so g»t wie verlobt.' Jetzt weiß ich garnscht, wie «B endigen wird. Ich glaube, ich,habr eS. mtt ihr für immer verdorben. Josef ine. Pah! Sie werden sie .noch bekommen. Und ist eS nicht die Frida, so ist et die Jda . ... Han». Nein, da soy eS Kenn doch die Frida sei». . Dritter Auftritt: Frida, di« vorigen. Frida. So, die Frida? —Frau Köchin, die Suppe läuft aus. Könnt.ihr nicht die gelehrten Gespräche §ür den Abend aufsparen? Josef ine. Machen Sie sich meinetwegen keine Sorge; ich soll doch meinen, daß die Küche nur wich angeht. Frida. Sehr wahr, wir würden unS aber alle-doch dafür bedanken, wenn unS das Mittagsmahl verdorben wird, weil Frau Josefine jetzt ihre antisemitisch« Andacht hält. Josefi-ue. Von Jhneu lasse ich mir'keine Lehren «rtheilen. Mir scheint, ich habe im Leben mehr Erfahrung und weiß besser, waS iich schickt, also so eine — na, so eine junge Person. . . ' . Frida. Ja, wenn eS auf das Alter ankommt, mutz ich Ihnen allerdings dm Vorzug.einräumen. UebrigenS will ich die Unterhaltung nicht länger stören. Ich sucht« auch nur Frau B:senstiel. . . I o s e f i n e. Die Frau Präsidentin. Frida. Meinerwegen die Frau Präsidentin, ich bin ja nicht so weit in der Bildung, wie gewisse Leute, (will gehe».) HanS. Frida! ... Frida (wirst ihm ewe» grollende» Blick zu)- Biel Vergnügen! (ab.) Vierter Auftritt. vorige, »hue Frieda, Eamuel (mit einem schweren Packen). Samuel. Guten Tag! Dir Jahre scheinen doch schwerer zu tragen zu sein, als diese Last. ES ist fast derselbe Packen, den ich so an die fünfzig Jahve trage, und doch trug er fich frühe: viel leichter .... Jos «fine. Gehen Sie, wir kaufen nichts bei Juden. Samuel. Bin ich taub geworden, oder sehe ich uicht mehr? Wenn ich sehe, so find Sie die Josefinr, eine sonst immer freundliche Person, und wenn ich höre, so ist das auch Ihre Stimme, sehe ich aber die Mene, die Sie machen, uud höre was Sie re dm, glaube ich, Sie find es doch uicht, oder bei eiuem von uns ist eS da drin (auf dir Stirn deutend) nicht richtig . . . Josefine. W.r find Antisemiteu geworden. Samuel. WaS find Sie gewordeu? Ich verstehe Dmtsch» Plattdeutsch, Hebräisch, uud habe durch meine Frau, gesegnet sei ihr Andenken, die aus Ungarn war, auch etwaS Magyarisch gelernt, ßaratom, teremtemtem, kerem alasan, aber Türkisch versteh« ich leider nicht. Josefinr. WaS ich sage ist nicht Türkisch, sondem Arisch.... Samuel. Was Barbarisch? nun verstehe ich noch weniger als zuvor. Josefine. Arisch habe ich gesagt, kurz,wir hassen all«, die nicht Anttsemiten find. Samuel. Wer sogt Ihnen dmu, daß ich eS nicht Mn? Erklären Sie mir, was das ist, vielleicht bi» ich eS auch. Josefine. Gehm Sie, ich kann Jhnm da» nicht klar machen. Gmug, wir Haffen die Juden und wollen mit ihnen nicht« zu thuu haben. Samuel. Berzeihm Sie mir, aber ich scheine doch rechtzu haben (wieder mit »er Hand auf »t« Stk» deutend). Habe ich nimmer gehört, baß eine Dame (natürlich gehört dazu, daß sie jüuger uud reicher sei al» Sie) über Nacht fich sterblich verliebe» kann, und fmfzm und jammern, und die Auge» verdrehen, und rnfm: O, du «ein Geliebter! Du mein Geliebter! Mein Geliebter! Geliebter! liebt er, übt er, btt yon dem Worte nicht» bleibt. Aber daß man auch über Rächt ans Menschen eine» Haß wirst, daß Ist fff «einen alte» schwer zu fassen. Aber, Spaß bei Seite,' Josefinr', mir' könne» Sie schon sagen, wa» fehlt Ihnen? ' ' . Josefinr. Am Sud« wollm Sie mir noch eiurede«,' daß ich krank bin. Zch sage. Ihnen Samuel, mach« Sie sofort, daß^Sie wegkonnnrn. Sie wissen, daß schon mein *_ seliger Manu von Jude» uicht gern kaufte. . . Samuel.'' Dack kann ich nicht .behaupte» Kaufen that er bei mir schon gern, die Abnchgüug geigte fich nur beim Zahlen. Bon den Tobten , soll man aber nur Gute» redm, uud ich'will e» ihm auch'garnicht gedenken, jmß er wir so manchM Härten Thaler schuldig blieb. Doch zum . Unterhalte» Hab« ich nicht viel Zeit. Ich Hab« noch heute . nicht» verdient und muß meinem stanken Enkelkind«, da»- leider Gotte» seit zehn Jahren da» Siecheubett nicht verläßt uud nur auf mich angewiesen ist,, doch etwa» nach Haust bringen. Ich muß nun zusehen, daß ich weiter komme. — (greift zu seinem Packe».) . Han» (sichidm nähernd)- Alter Mann, kckufeu dürfe« wir bei Ihnen nicht», wie Sie -schon gehört haben, aber ein kleine» Almosen darf ich Ihnen doch geben (will ihm Geld in die Hand sticke»).. . - . Samuel, (abwehreud): So lange meine Füße mich, und meine Schultern diesen Packen tragen können, stricke ich meine Hand nicht nach einer Gabe au«!' — Lauge braucht» meine Füße mich auch nicht mehr zu tragen. Auf dem Wege, *. den ich heute öder morgen anlreten kann, hat e» ‘ auch der Aermste bequem, da wird man in einem Wagen oder in einer Bahre hiugeführt und braucht fich garnicht anzustrengen. Indessen junger Man», ich danke Ihnen. Wenn ich nicht mehr da bin und Sie haben noch ein gute» Herz, können Sieda», (auf da» Qktb in Hau» Hund deutend) meinem unglücklichen Enkelkind geben. Gott befohlen! (ad.) Fünfter Auftritt. (Ein Garte» im Haus« Peter Besenstiel'».) Peter (i» der Laube, vor einem Tische, der mit Schriften uud Zeitungen bedeckt ist). Alle» geht nach Wunsch. Ich hätte e» kaum gedacht, daß ich mich in meine uene Würde so schnell hiueinfinden könnte. Wenn man mir früher gesagt hätte, daß ich Lersammlungev leiten und gelehrte Reden halte» würde, und da» mit einer Leichtigkeit, al» ob «S einen Sttefel zu besohlen gälte! Und wie habe ich neulich gesprochen - und wie ging ich der Pariser .Allianz" zu Leib«, von der ich nachwie», daß fie schon zur Zeit, da die Juden in Aegypten wohnten, bestanden, und waS erntete ich für stürmischen Beifall, al« ich meine Rede mit einem dreimalige» Hoch auf König Pharao schloß. Herr von Schlägel war ganz weg; er meinte, die Rede verdiene gedruckt z» werden und würde einem Ahlwardt Ehre machen. Und doch bi» ich nur, ich fühle e» selbst, ein Stümper gegen meinen Meistervon Schlägel. Nein, wie dieser spricht da» glaube ich,' bringt kein Mensch fertig. In fünf Mauten hat er Rothschild, den Papst, den Talmud, die Börse, dir Militärvorlage, Jerusalem uud Panama, Bstichröder uud die Kreuz,üge, Most» und Miquel, Antisemitismus und Menschenliebe, de». Ezar undden Rabbiner und noch tanstnd Sache« so hübsch beisammen, daß man m«iut, fie gehören vo» Natur au« zu ei«. - ander.und könne« garnicht getreuut werden. Ich wäre glücklich, ihn lieber heule all morgen meine» Schwiegersohn z« nennen und di« beiden Name» .von Schlägel und Besenstieleng vrrbuuden zu sehen. Jetzt hat er ein Werk geschrieben, da», wie er mir versichert, »och keine Literatur der Welt aufzuweise» hat. Er erwartet täglich die Zusendung der erste» gedruckte» Exemplare und ein Stück »Ul er mir gleich verehre». - Und . - wa» für ein Honorar ist ihm dafür »«gesichert! Er sprach neulich, glaub« ich, von Hunderttausend Mark. Du hast .doch Glück, Besenstiel, dich mit ette» solche« Manne verbünde» z» habe». Aber auch mit meine« vroschürrngeschäft habe ich säst«» Glück, D« brachst »fr," *. Schlägel