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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 10 (1894) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
10 (1894)
Date
1894-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Herau-gegeben von vr. «. HtQmtt tn Magdeburg. ftttt Unterhaltung ttttb Belehrung für die israelitische Familie. Do« „Jüdif, Jeder unbefugte »a >r MawUten-Vlatt druck KUO diesem »lattr erscheint wöchentlich al» U>v«ti»-«Vrtlagr zur ,,I»v«rltftschr« Wocheufchvif^ >l»ttr tk uutrvrapt. — Die Einzelnummer kostet 10 Pf», bei der Ervedition. Die moderne Krankheit. Lustspieltn vier Akt en. — BonS.N. Margulie». UI. Akt. Erster Auftritt. (Hin gtofert Zimmer tu der Werkstatt vesenftiel», Schusteejungeu, «>s ihren Schemel» fihrnd. Lad auf einem Stuhle stehend, mit einem Stack« tn der Hand. Besenstiel auf- und abgehend. An der Thür, di« tn «in »«ei««« Zimmer führt, bemerkt «an Iosefiae und Han«, dt« aufmerkfam lauschen.! Peter. Nun mag die Arbeit ruhen und laßt den Unterricht beginne». Wer weiß mir etwa» vom Talmud zu sagen? Mehrere Schusterjungen (zugleich): Meester ich. Meester ich l Bob (springt vom Stuhle und »erseht ihnen einen Sch'ag). Nix vou Meester, Herr Präsident heißt e» jetzt! Peter. Doch nein! wir wollen heute lieber da» für da« EinweihungSfest bestimmt« Lied nochmal» einüben. Ein», zwei, drei! lo»! Bob ^gtebt mit de» Stacke da« Zeichen zum Beginnen). Thor: Jude, Jude, Jude, Sitzt in seiner Bude, Mit dem Trddelkram, Trarara bimbam. Lechzt na» ilhristcablut. Schmeckt ihm aar so gut, Dem Semitrnstamm Trarara bimbam. 01 oft«, Jacob, Leib. baut zum Zeitvertreib, * Haut fi« all zusamm l Trarara bimbam. Rührt den Zndeuhatz. »ründlich nicht zu» Spatz, Setzt ihm keine» Damm, Trarara bimbam. Judenhatz un» ziert, Schimpf dem Jnd'gebührt. tn»’, Zud'. Gott verdamm'l «rrara bimbam. Peter. Genug für heute. Morgen wird wieder geübt. Ihr könnt gehen. (Alle ab, einige fingen betm Abgehe» noch einige Strvph-n.) . Zw eit er Auftritt. Jafefine, Han» (hervortret end). Iosefiae. Wie sich da» schön aagehürt hat! Wie voll Seist uud Geschmack! Da» brodelte so wie die Erbse» im Topfe bei eiuem gute» Kücheaseuer. Und da» hat alle» Herr von Schlägel selber gemacht. Me mau nur so großartig Aachen erfinden kau»! Da» ist. glaubt ich «in «opf, wie «• kriue, zweite, giebt! Mir schein, ein noch größere» Scheut« al» SchtlKr.Gr O überhaupt eia Prachtmensch. Han»: Entzückend schön! .Jude, Bude, bimbam. Trödelkram!" Reizend, sage ich! Jose sin«. Schade» daß mein seliger Mann, sowa» nicht mehr mit anhören kann. Der hätte seine Freude daran. Er hat die Juden nie auistehen können, obschon e» zu seiner Zeit, leider Gotte», noch keine Antisemiten gab. Bi» jetzt war e« aber hier im Hause auch zu gottlos, zu tolerantisch, Juden gingen nur so euS und ein, al» obste unsere» gleichen wären. Daß e« auf einmal ganz ander» geworden ist, verdankt man nur diesem großen Manne. Mein seliger Mann verzeih' e» mir, aber ich könnte mich in diesen von Schlägel verlieben. Han». Er ist wirklich nett, und hat mich, obschon ich anfangs nicht so recht anbeißen wollte, doch überzeugt, wie schön es ist, Antisemit zu sein. Josefine. Ob er Jemanden zu überzeug:« versteht l Und wa» bekommt man in seinem Umgänge nicht für Bildung! Ich habe immer nur Romane und noch so leichte Lectürereien priesen. Jetzt aber kenne ich bessere Amufirungen, und wenn rch da am Heerde steh« und mit einer Hand die Suppe mit dem Löffel abschäume und mit der anderen die Zeitung halte und eine Rede von Ahlwardt, der mir eine ebenso große» Schenie wie v. Schlägel zu sein scheint, lese, wa« habe ich da für einen Genuß und für eine Bildung! Wenn mein seliger Mann noch lebte, er würde mich garnicht erkennen, so schrecklich Hab« ich mich in der letzten Zeit gebildet. Han». Mir gefällt nur da» Lied, da» kann mir garnicht au« dem Sinne: »Jude, Bude, Gott verdamm! bimbam!" I o s e f i n e. Ich bin zwar nur eine Köchin, aber ich glaub«, ich könnte in jeder Gesellschaft mitsprechen, z. B. vom Talmud. Han«. Eigentlich muß ich gestehen, daß gerade da» mir nicht so recht tn den Kopf geht. Iosefiae. Ja, da muß man gut aufpaffen, wenn der Herr Dr. r» einem erklärt. Ich glaube jetzt alle» zu wissen» wa» in diesem gräßlichen Buche steht, so gut wie ich in der Speisekammer Bescheid weiß. JRit scheint, ich würde mich fürchten in einem Zimmer zu schlafen, wo ein Talmud versteckt wäre. Hau». Me e» scheint, wird er, ich meine Herr von Schlägel, nicht der Talwud, unser Fräulein heirathen. Man merkt e» schon so. -Josefine. Gebe Gott» da» wäre rin Glück für sie. So einen Rann! (Mt einem 'etsen Seufzer.) Wenn «a» jung und reich ist, kanu man nach dem höchsten Glücke die Han» auSstrrcken. Unser Fräulein besitzt garnicht einmal eine so großartige Lildnng. — Hau». Leider komme ich für meine Person bei der ganzen Sach« schkcht weg; Frida grollt mir. Sie und da» - Fräulein find die einzigen hier im Hause, die nicht zu und halte«. Sie spricht seit einiger Zeit mit mir kein Wort und

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