Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 9 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Prob« zurrst im Vorzimmer dem Kammermädchen eiue Lied«-- 2 «rftörung, will fie sogar küssen, erhäft ne.türltch «sue Mauschelle — meipe Hand ist nicht vqu Pappe, wir St« sehe»! .— daß e» ordentlich kracht, und hat. Mc Stirn, mit dieser noch festfitzende» Orhrfeigr sich bei seine» zukünftige» Schwie» «erpaparinzuführeumit der unschuldigste» Miene vbn der Welt, ß' Aber er ist ja — Antisemit. — War darf so einer sich nicht nller 'erlauben? Aber-warte, du Schuft, wenn ich Dir nicht Heid« Auge» a»»kratze, will ich kein ehrliches Mädchen heißen. Arnold. Weiß Fräulein Selma schon von seiner Be* Werbung? ♦ . Frida. Bis jetzt noch nicht. Vorläufig scheint e» /'zwischen ihm und. den Eltern eine abgemachte Sache zu sein. - Ich.bin zuerst hinter da» Geheimnis gekommen und kann [»«eine Aufregung darüber noch garnicht bemeistern. Arnold. O. über diese Schufterei, diese Mitgiftschleichereil dar soll er mir büßen! Ich gehe sogleich... . Frida. Halt! Dazu bin ich nicht gekdmmen, daß ich Ihnen rathe, Ihr Leben auf's Spiel zu setzen. Er ist e»; fürwahr nicht werth, daß fich ein Mann von Ehre mit ihm ^.mrsse. Noch ist nicht alle» verloren. Daß da» Fräulein " einem solchen Menschen, und mag er fich auch auf den Kopf stellen, nie die Hand reichen wird, davon können Sie sicher überzeugt sein. Eher thäte sie sich ein Leid an. Ar»old. Mir kocht da« Blut. Ich bin jetzt keine» vernünftigen Worte» fähig. Frida. Fast bereue ich e». Ihnen da» Alle» entdeckt zu haben. Ich dachte mir, Sie müßten e» doch erfahren, da hie Sache Sie zunächst berührt. Doch lassen Sie mich handeln. Ich wache über da» Fräulein und will fie wie »einen Augapfel hüten. Mögen fie mich von der Stelle fortjagen» mag dieser saubere Doctor auch gegen mich seine .Lasten kehren, ich werde mich an seine Fersen heften und t diesen Fuch» schon so zu umgarnen wisten, daß er in eine. .Schlinge hioeivfillt, au» der er fich nimmer befreien kann Meine Auftegung muß fich nur zuerst legen, dann werde ich schon auf irgend einen guten Einfall kommen. Ueberlaffen Sie ihn mir ganz und haben Sie Vertrauen zu meinem — Verstand. Sie werden in Theaterstücken gelesen haben, wie -oft e» einem einfachen Kammermädchen gelingt, die Jntriguen der großen Herrschaften zu vereiteln. Nun bin ich zwar keine proste Jatriguautin; aber mein Herz sagt mir, daß hier mit Gotte»hilfe. noch alle» zu einem guten Ende gelangen wird. — Doch verzeihen Sie, in meiner Auftegung und Geschwätzigkeit hätte ich beinah« vergessen, Ihnen diese» Billet zu überreichen. , Hier ist eta Briefchen vom Fräulein. Nun muß ich aber >- Hetzen, da ich schon lang« vom Hause weg bin. Leben Sie wohl! k Arnold. Eine Zeile von der Geliebten Hand (greift haßt, darnach). Frida wie soll ich Ihnen für alle» danken? Frida- Adieul nur keinen übereilten Schritt! (ab.) Arnold. (allein liest) .Liebster Arnold! Trübe ölten ziehen fich plötzlich über un» zusammen. Ein Schatten tt zwischen unser« Liebe, ein so seltsame» Etwa», da» mein schwacher Rädchenverstand garnicht begreifen kann. Mein Barer - hat einen Haß auf die Juden geworfen, sie haben dafür einen fremden Ausdruck, den ich mir schon zehnmal gemerkt und ihn doch wieder vergessen. Me» ist mir so ftemd, so räthselhaft, -daß ich mir noch gar kein Urtheil darüber zu bilden vermag. Ich weiß nicht, wa» die Juden mit unserer Liebe zu thun haben. Ich habe den Juden nie schlechte« gethao und begreife -nicht, weshalb fie unserm Glücke im Weg« stehen sollten. Hier steckt ei« Seheimuiß. Fast fange ich an mich zu fürchten. Papa »ld Mama find so gan, anders in ihrem Wesen al» sonst. S» wird sich aber wohl »och alle« aufklären, und da fiesonstso herzen»- gnt fiud, werden sie fich, mag tmmer wa« dahinler stecke», unser« Glücke nicht vidersetzen. Mama .weiß bereit», wie lieb ich dich habe, aber mit Papa getraue ich mir vorläufig so recht zu sprechen. So schwer e» mir fällt, muß ich bitten, "vorderhand zu nn» nicht »u koaanen. Da» muß fich «gjeßchft dielleicht iu.ei» bi» zwei. Tagen. Bewahre mir nur deine Liebe, mein Arnold, die meine bleibt -dir für immer. Deine Selma.'' — (küßt de» «rief.). Me «ich deine Worte erfrischen. und erquicken, geliebte» Mädchen l Schlimme» Hab« ich hören müssen. Schlimmere» al« du ahust, aber so tief mein Schmerz ist, dein Briefchen ist der Balsam für mein wunde» Herz. . . Ach ter Auft.ritt. Dessau«, Struve, Melchior, Aruold <zu ihnen tretend.) Stru vc. . Darf man fragen, wa» die laugeTonferenz zst bedeuten hatte. Steht sie im Zusamm.nhange mit unserer ftühertu Unterredung? Arnold. Leider ja, ich habe Nachrichten von Besenstiel«. Doch verzeiht, ich' bin zu aufgeregt, um euch alle» zu erzählen. Nur so viel. ES ist sehr traurig: alle» ist dort verhext. Struv e. Wir wollen jetzt nicht weiter in Sie dringen, und ich glaube wir thun überhaupt besser, unsere augefangene Berathung für heute zu verschieben. Dessauer. E» kann auch nicht ander» sein; un» fehlt allen die Fassung zu einer ruhigen Besprechung. Melchior. Bevor wir für jetzt auStillandergehen, lassen Sie mich nur noch einen Gedanken au»sprechen.^u«raold) Sie sehen verstört au», mein Freund! Fast ahne ich den ganzen Zusammenhang. Aber mir sagt mein Gefühl, daß noch alle» eine glückliche Lösung erreichen wird. Ihre Herzensangelegenheit sowohl, al» die allgemeine Sache. Die Welt wird durch den Antisemitismus nicht zu Grunde gehen. Man ist dem EholerabacilluS auf der Spur und wird auch ein Mittel finden gegen diese moderne Krankheit! (Der Vorhang stillt.) (Fortsetzung folgt.) Leitsätze zu dem Lehrerconfeeenz-Lortrage de« Lehrer» H. Stufe. L Der Ernst der Zeit, der fich einesteils in dem wieder erwachten, verstärkten Judenhaffe und der Verunglimpfung unsere» Glauben» und unsrer Schriftwerke, andernteil» in der Gleichgiltigkeit gegen jüdische Interessen, in der Unwissenheit auf religiösem und jüdisch-geschichtlichem Gebiete auf Seiten unsrer Glaubensgenossen knndgiebt, legt allen maßgebenden Mächten in unsrer Glaubensgemeinschaft die heilige Pflicht auf, wirksame Mittel zur Besserung der Sache de» JudenthumS aufzusuchen und anzuwenden. II. Die jüdische Schule ist vorzüglich berufen, Kenntnis unsrer Religion und Geschichte unter der jüdischen Jugend zu verbreiten, Lieb« und Anhänglichkeit zum angestammten Glauben in» Kinderhrrz zu pflanzen und die werdenden Juden zu einem tugendhaften, charaktervollen Leben zu erziehen. III. Diese hohen Aufgaben zu erfüllen, sehen fich die jüdischen Lehrer «egen ihrer ungenügenden Borbildung im Seminar häufig außer stände. IV. ES ist im Interesse der jüdischen Schule nötig, daß 1)da» jüdisch« Seminar scinenZöglingen eine methodische-praktischr Ausbildung in allen Fächern der jüdischen Religionsschule gewähre und darum die Methodik dcS hebräischen Re» ligionS-Unterricht» . in Theorie und Praxi» zu je einer besonder» DiScipli« de» Emiinarunterricht» erhebe. 2) daß der Unterricht im Hebräischen, d.. h. in der Bibel mit Raschikommentar aus Grundlage tüchtiger grammatischer Kenntnisse, .in de» Ritualien, in den leichteren Teile» de» Talmud« und in ' den moralisch-philosophischen Werken mehr wissenschaftlich betrieben und daß.' S) der Unterricht in.der' jüdischen Geschichte al» her», vorrageude« -Fach in den Lehrplan eingefügt werd«. ' (Switch fojgt.f