Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 9 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/6492351-8722849-5962378--2361-5376567- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Heimat. Bon Ludwig Aagnst Krankl. OoffnuitgSfä&n und jung an Jahren Bin ich durch die Welt gefahren» Wüsten durch und über'- Meer Phantasie liest mich nicht .üben» Nimmer müd, in Pilgcrschuhen Zog ich Welten hi« und her: Vom Vesuv zu PSstumS Rosen» Und de« Meere» Wellen kosen, Um Neapels goldnen Glanz! Sah Italiens Paläste, Farbenwunder und als Gäste Der antiken Götter Kranz. Las im Angesicht des Meeres, Jenes ew'gen Dichters hehres Trauerspiel auf Kolono«. Unstät ging'S zum Norden wieder, Wasserfalle tosten nieder. Die d«S Nordlichts Glanz umfloß. In dem Schatten deutscher Bäume Sann ich nach der Barden Träume, Stieg in'S Land, wo SlingSor sang. Gegen määst'ge Sletscherriesen Hab' ich tapfer mich erwiesen Aus der Alpen Uebergang. Zn Jerusalems Ruinen, Unter'm Zelt der Beduinen ich als ein flücht'ger Gast; Ir. Egyptens Pyramiden Sucht ich stiller Ruhe Frieden. Und hieli unter Palmen Raft. Wie ich so die Welt durchmeffen, .* ' leyen. Stie doch had' ich Dein vergeh Meiner Heimat Me Stabt! Grau die Haare, müd' gegangen. Zieht zu Dir mich da» Verlangen, (Linen Pilger, all und matt- Weun auch noch die RSoer surren. Langsam nur, um abzuschnurren. Bi« sie völlig Me stehen- Winkst Du mir? Ich komme gerne Bon der Erde fernster Ferne. Um noch einmal Dich zu seh'n. Und ich steig« zu Dir nieder. Ja, da« bist Du. bist Du wieder: Flächen, Berge, waldumkränzl! Grünende Kaftaniendäume, D'rauS in blaue Himmelsräume Zweigethürmt die Kirche glänzt- Horch, vom Thurm herab die Glocken, Ich erkenne, froh erschrocken. Wieder ihren trauten Klang. Ost, ich wvßt' eS nicht zu deuten. War e« vieles Glockenläuten, Heimweh'S trauriger Gesang. Unverändert noch die Gaffen, Alles, wie ich'S einst verlaffen Auf dem stillen Laubenriug. Sier das BischofSschloß mst seinen undert Fcnfterm Wappenfteinen Und wo ich zur Schule ging. Biel geprüft und doch kein Meister. Gruben mir Gedankengeister Furchen in das Angesicht. (Setten Glück, der Arbeit Mühen Machten Herz und Sehnen glühen. Brod erwerben mir zur Pflicht- Hier der Spielplatz meiner Jugend, Wo ich in die Bäume lugend, Aus dem Blasrohr Bolzen schoß. Bis bei gutem, scharfem Zielen Spatzen von den Aeften sielen. Ach. wie war die Freude groß I Doch wo sind die Spielgesellen. Czechenmüdchen mst den Hellen ' 'Augen, blondem Haaraeflechtt Fremd« Blicke und Gestalten und e» kamt, auch nicht «ich Alten Diese» jüngere Geschlecht. gen. Einem Hause jetzt mst'Zagen Rah' ich, fremd« Menschen frage Wer der bleich« Fremdling ist? »Hier geboren» laßt mich weilen, - Flücht'ger HauSrecht mst Euch teilen, Träumen eine kurze Frist." . Niemand gibt Mir da» «eleite, Mt gepreßtem Athen, schreite Ich »um engen Stubenraum; Unter steuer Ettern Sorgen Lebt' ich hier den Kindheit Morgen, Mir entschwunden scheint er kaum. Und ich seh' der Mutter Wallen.?romm der Lause» Ordnung Hallen, argen, schaffen ohne Ruh'n Alle ihre Lebenslage, Bon dem Pelikan die Sage Machte wahr ihr tteue« Thun. Al» ein Kind fühl' ich' mich wieder. An der Stelle knie' ich nieder- Wo der Eltern Rubstatt war. Wone, ernste, zärtlich süße Tönen, wie entfernte Gruße Stellen sich mir Scenen dar. tze Träne» fallen nieder.!u» der Stube scheid' ich wieder Und die Klinke an der Tbür, Weil berührt von Ellernvändern, Küß' ich und da» Herz will wenden Sich vor Leid im Buse« mir ort zum Garten, Mächt'ge Bäume Zersen Schatten in die Räume Die ich mftgepflanzt al» Kind. Aepfel mit rothgold'nen Wangen, Kstschen Mten mein Verlangen, O, wie war ich frohgesinnt. Jetzt Gestalten, längst vergessen, Funken aus verfunrnen Esten, Wirbeln geisterhaft emvor. Staunend, daß ich noch lebendig. Starren sie mich an beständig. »Bald bin ich in eu'rem Chor!" Und ihr wogendes Gebrauie, Au» dem Garten, aus dem Hause Treibt mich da» Entsetzen fort. Wie an'S Elternherz der Knabe Flücht' ich mich zu ihrem Grabe Drauße ' - rauben nach dem guten Ort. Und der Mutter Sttmme wieder Raunt mir in die Seele nieder. Wie durchweiche» Laub der Wind ^Flüchte Dich zu meinem Heiden. Auszuweinen Dein« Schmerlen. türzuweinen _ _ Bist Du müde arme« Kind „WS zum Sterben!"" Nebel schauert Naß und kall, die Landschaft ttauert, Athmet feuchten Erdaeruch. Und im Windhauch zieh'« und schweben Weiße Fäden, leffe weben Sie de» Herbstes Leichentuch. Berichtigung. v % i'i I In der vorigen Nummer muß e« S A in der UeberfLrtfü zu dem Gedichte, statt de» irrthümlich gesetzten „dreißigj ähr f»• gen Trauerfeier^ beißen: „dreißig tägigen." (J WchM»: Dt« «Kn« «rmühett. Lustspiel tu vier Aste». g»»' S.R.«ar,»Ii««.(Sorste»mig) — Leits»»« p, btmiOfxä*n.!«xai»4S»ttiag tum H. Seutz. — Pte Heim, ' - - «erantwortllRedakteur:Dr; Ra hmer Magdebmg. Druck: Frkdrich Rasche * «o-, Magdeburg. verlag:»obertFries« nt h *o* Ludwig