Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 9 (1894) · p. Seite 34

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
9 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/6492351-8722849-5962378--2359-5376565
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

SKtldünr. Ick höre Schritte, wahrscheinlich ein Pattent unseres Doktor». Ziehen wir unS uaterdeß in» zweite Zimmer zurück. (Alle drei eb.) Bi« r t er Auf tritt. Deffauer, Bob, («ft eine« Poquet). Bob (verschmitzt lächelnd). Sine Empfehlung von Herr« von Schlägel und ich soll dem Herrn Doktor die in der Druckerei bestellten Bifitenkarten überbringru. Dessau er. Das ist wohl eine Verwechselung; ich habe dort nichts bestellt. Bob. Hm! hm! scheint doch, hier find fie. Dessauer (entfallet da« lose zusammen gehaltene Paquet, die -arten falle» auseinander auf de» Fußboden, hält eine und lieft): „Auf nach Jerusalem! bin, aber nicht retour! ersauft im Jordan und kehrt nimmer zurück!" <in« zweite, offeuftehende Zimmer tretend). Schaut Freunde, die neueste Erfindung der großen Geisterl Alle. Pfui! Schamlos! Melchior. Wo ist der Knirps? Ich will ihm eine kleine Abschlagzahlung für seinem schuftigen Herrn geben. Dessauer. Gemach! Die häßlich« Kreatur ist ja nur das Werkzeug und wird von seinem eigenen Herrn, der sich wohl selbst für den größeren hält, „der kleine Teufel" ge» nannt. Laßt ihn laufen. Doch hier ist noch ein Papier, da« ich gar nicht bemerkte (« betrachtet da« Papier genauer). So, eine EmpfangSbestüttgung will Herr v. Schlägel noch haben. Struve. Das ist aber strwahr unerhört, schmeißt den Kerl hinaus. Dessauer (geht in« zweit« Zimmer und holt au« seine» Schreibtisch ein Papier hervcr). Bob. Soll ich warten? Dessau er. Ja, edler Junge! (unterschreibt da« hervor» geholte Papier) hier ist die Quittung! (zurückkehrend) Melchior. Wa» haben Sie dott unterschrieben? Dessauer. Ich erinnerte mich, daß ich noch eine alte Rechnung für ein auSstehendeS Honorar von Schlägel «inzukasfireu hatte, dessen kranke Mutter ich durch sechs Monate behandelte. Die Rechnung wurde ihm mehrmals zugeschickt. Sie ist aber noch nicht bezahlt. Ich habe fie ihm jetzt quittttt übermittelt. Arnold. Diese elend« Bande! Siebenter Auftritt. Bob und Frida (i» erste» Zimmer). Bob (im Begriff« sich zu rutferne», stäßt auf di«Lintretende). Ha, der Schatz! Frida. Scheusal, du auch hier? Bob. (will sie küffeu, sie versetzt ihm einen schallenden Schlag) Schimpfe, schlage mich, schöne« Mamsellchen, aber laß mich dich küssen. Frida, (drängt ihn zur Thür hinan«) Hier hast du auch eins für deinen Herrn! Sechs ter Auftritt. Frida, Teffauer, (ans dem zweiten Zimmer tretend.) Dessauer. Fräulein, wenn ich nicht irre, Kammermädchen bei Besensttel'S, was ist hier vorgegangen? Ich glaubte ein Geräusch zu hören. Frida. ES war nur so eine kleine Sttigkeit, die ich einem Verehrer bezeigte. O, dieses AS! Des sau er. (lacht) DaS wareSl WaS, dieser Kerl auch noch ein Don Juan? doch was führt Sic zu mir? Frida. Verzeihen Herr Dr., ich muß Herrn Bürstenbinder allein sprechen. Ist er auch zu Hause? Dessauer. Gleich, bitte Watten Sie (ruft: Herr Arnold l) (ab.) Siebeu ter Auftrit t. Arnold, Frida. Frida, (fick, umschaueud, in ,eheim»i»v-Il«« r»u«): Sie werden fich gewiß wundern, Herr Bürstenbinder, mich bei Ihnen ,« sehe«, und noch dazu in einer heimlich« Mission. Bitz jetzt kanut« Sie «ich wohl nur al« da» KammermLdche» bei Besenstiels. Sie müffen - aber . auch -wissen, daß ich die. vertrautes» guten Fräulein Selma bin, die »eine Hinge- ' buag für fie nur. zu genau keimt. Mein Leben würde ich für die gute Seele hingebru, da» weiß das Fräulein recht gut und darum behandelt fie mich auch, ich kann e» mit Stolz sagen, fast wie eine ihr gleich gestellte Freundin. Arnold, (brücktihr «e Hand). Daß Sit brav, daß Sie gut und ohne Falsch find, lieft nmn 'in Ihre» Auge« und ich fteue mich, daß Sie zu mir - gekommen' find. Sie bringen iuir gewiß Rachttcht von der.thrurrn Helma. Bor ' allem sagen Sie mir' schnell, wie e» ihr geht, der Geliebte» meine« Herzen»? Frida. Sie ist schön und fttsch wie eine Ros« und. lieb wie immer. Aber bei' un» im Hause geht jetzt, leider- Gotte», alle» krumm und schief. Wer da» fttedliche, behaglich« Leben hier früher gekaunt und e» mit dem jetzigen vergleicht, . der weitz garnicht wa» er fick denke» soll. Unheimliche Gestatten gehen jetzt ei« und au«, und wen» e» nicht so ttaurig wäre, müßte man lachen, daß sonst vernünftige Menschen auf einmal zu Narren geworden find. Die Herrschaften habe» ganz den Kopf verloren. Man hört nicht» al» von Juden sprechen, gegen die man fich wehren muß, al« ob wir plötzlich von einer Räuberbande befallen worden wären und unser Leben iu Gefahr stände. Diese Verrücktheit würde aber am Ende schon zu erttagen sein, nur hätte fie nicht gerade jetzt auSbrechen müsse», wo Sie und da» Fräulein, die so gut zu einander paffen, sich zusammen gefunden und beide mit einander gewiß recht glücklich werden könnte», wa« ich für meinen Thril nur au» vollem Herzen Wunsche. Alle» wäre auch wahrscheinlich ganz gut abgelaufen. Vater und Mutter hätten, wie e» schon gewöhnlich Eltern macheu, zuerst bald diesen, bald jenen Einwand vorgebracht, zuletzt aber doch nicht nein gesagt. Fällt auf einmal so ein widerlicher Mensch wie eine Bombe tu» Hau», oder uisttt fich vielmehr wie eine Wanze eia, und man kan» ihn mit dem besten Jusekttnpulver nicht mehr herauSbekommeu. — Sie wissen garnicht, wa» für eia abscheulicher Kerl da» ist. . . Arnold. Erzählen Sie nur weiter. Ich habe e» eben vernommen, jetzt find alle in Ihrem Hause eingefleischte Antisemiten. Doch Fräulein Setma wohl nicht? Frida. Rein, so dumm find wir nicht, Gott bewahre! “ Und mich hält mau für einen Gegner der Arnold Antisemiten. F r id a. Da» wäre vielleicht schon schlimm genug. Bei der Verrücktheit, die fich aller Gemüther bemächtigt hat, wäre ja da» ein sehr triftiger Grund, Ihnen die Hand de» Fräulein» zu verweigern, wenn mau fie ihnen auch nichts» leicht entfremden kann, wie man mir meine» Han» entfremdet hat. E» gehen aber dott »och schlimmere Diuge zu, daß mau fast vor Galle bersten möchte. Eia solcher Wicht, ein solche» Ungeheuer, dieser garstige Doftvr, der fich »och von nennt, und so eiu holde», liebe« Geschöpf, wie da» Fräulein. . . Arnold. Wo wollen Sie damit hinan»? er wird fich doch nicht unterfangru haben. . . Frida. Hat e» aber doch gethau, der Unverschämte! Und darauf war ja, wie e» scheint, die ganze Sache angelegt. Zuerst mit den dummen Broschüren, von denen da» ganz« Hau» tberfüllt ist, daß kein Plätzchen mehr übrig bleibt, dem leichtgläubigen Alten, der in ihn vernartt ist, ich weiß nicht welche Summe herau»ael»ckt, und warum nicht, sobald er i« Sattel fest saß, mit ein» »ach dem ganzen Vermöge» und der schöne» Tochter dazu greife»? Ich denke, Fräulein Selma ist kein so schlechter Bissen. ... Arnold, («»ffahrrnd) Wa», der Elende hat ill der Thal e» gewagt? Frida. Und die Att wie eiu Schlägel freitI Kommt da der Windbeutel mit Frack und Ey'.tuderhut, die er fich vielleicht gar bei Jemand geborgt, heretngestürmt, «acht zur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.