Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 8 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Arnold. Errathen. Selma Besenstiel! Struve, Melchior (bei Seite): Ach das ist es! Arnold. Nun kennt ihr sie, und wißt auch, daß sie das einzige Kind reicher Eltern ist. Mir, offen gestanden, sagt dienicht recht zu. War soll ich, der bescheidene Schul meister, mit all dem Reichtum anfangen? Höchstens, daß ich mir ein paar alte Bücher in SchweinSleder mehr anschaffen kann. Meine Selma ist auch in ihrem ganzen Wesen, daS nur aus Natur, Poesie und Liebe zusammengesetzt ist, ebenso einfach. Da will ich denn all den Mammon, den mir die launische Fortuna mit der kostbarsten aller Gaben mit eins <n'den Schoß wirft zu einem edlen, nützlichen Zwecke weihen. Ich habe es mir im Stillen schon recht schön ausgedacht. Auf dem Altäre der gekränkten Menschenrechte soll er als Opfer dargcbracht werden. Ich hoffe ihr stimmt mir bei, wenn ich all das Geld, das mir zufällt, das ich aber so leicht entbehre, der Bekämpfung des schändlichen Antisemitismus widme. (Alle schauen sich verlegen an.) Melchior. Schade, daß die lieben Antisemiten nicht ebenso gering über den Werth des Geldes denken; dann könnten Sic cS behalten, denn eS gäbe vielleicht überhaupt keine Judenhasser. . . . (Fortsrtzung folgt.) Die Borbildung des jüdischen Lehrers im Seminar. Lrhrerconfeienz-Bortiag von H. Reub in Neusiadt-GSd ns. (Schluß.) Als ein Hauptmittel, dem unzureichenden Wissen im Hebräischen abzuhelfcn, hat man längere Kurse vorgeschlagen. Es bleibt ui der Thal nichts anders übrig, als für unsere jüdischen Anstalten festzusetzen: der UnterrichiskursuS im Seminar dauert vier Jahre. Ich bin der Meinung, daß es keineswegs möglich ist, im Rahmen des bisher üblichen UnterrichtscursuS die Fächer zweckmäßig zu behandeln, von deren notwendiger Neueinführung oder ausgedehnteren Pflege dieser Bortrag wohl jeden überzeugt haben wird. Innige Bekanntschaft mit der heiligen Schrift auf dem Fundamente grammatischer Kcnutniffr, ein gehöriges Maß des Wiffens in Mischnah (auch etwas Talmud) in den Ritualien und rabbinischcn Schriften, eine rechte Vertrautheit mit Der Geschichte und dem Culturleben unsrer Glaubensgenoffen, Verständnis für Form und Inhalt einer Predigt und das Geschick, eine Predigt auSzuarbeiten und zu halten und - last not least — ein praktischer, auch im Hebräischen und Jüdischen methodisch gebildeter, für seinen Beruf und seine Religion begeisterter Lehrer zu werden, da» kann nur der Erfolg einer anstrengenden vierjährigen Arbeit sein. Diese Neuerung wird wiederum den ordentlichen, wie auch den außerordentlichen Etat unsrer Seminare belasten. Die Mehrausgaben werden aber vermindert werden, wenn weniger Lehrer produzien könnten. Auf dem Gebiete der Lehrerausbildung herrscht Uebcrproduktiov, die Qualität leidet zu Gunsten der Quantität. Die Seminare sollten ihren Mitteln entsprechend weniger Zöglinge aufnehmen. Sie würden dadurch indirekt zur materiellen Befferstellung der bereit» amtierenden Lehrer beitragen. Es ist jetzt nicht zu befürchten, daß Lehrerstellen verwaist bleiben, lleberdies ist es auch nicht nüthig, daß kleine Gemeinden, die nicht die Drittel zu einem zulänglichen Gehalte beschaffen können, eineu Lehrer anstellen mit «inem Einkommen, das ihn zwingt, noch auf andere Weise sein Brot zu verdienen. Für solche Gemeinden ist entweder schie Einrichtung der Wanderlehrer, oder die Bereinigung meh- -rerer Gemeinden zu einer Schulgemeinde zu empfehlen. Eine »cfferung erfahren die Vermögensverhältniffe der Seminare durch die Aufhebung oder die Beschränkung des ats. D^ Elfter»«» eines Handwerk», eine« Geschäfts, oder höher» Schule Kosten verknüpft, die von den Eltern ohne Widerstreben getragen werden. Nur die Ausbildung junger Leute zu Lehrern wird den Eltern ganz oder teilweise umsonst besorgt. Woher rührt diese Erleichterung? Der Staat mag wohl, um den zeitweilig auftretcnden Lehrermangel zu heben und um den Zugang zum Lehrcrfache zu erhöhen, durch Einrichtung de» Internats die Verbilligung der Ansbildungskosten bezwecken. Wenn er nicht auf seine Kosten kommt, hat er genug Mittel, solche zuzuschicßen. Die jüdischen Anstalten sollten aber von den Söhnen vermögender (?) Eltern die Selbstkosten sowohl für Verpflegung als für Ausbildung fordern. Nur bedürftigen, würdigen Schülern erlaffe man daS Schulgeld und den ganzen oder einen Teilbetrag des Peasionsgelde». Aber selbst diese müßten einen Revers unterzeichnen, daß sie sich verpflichten, die von der Anstalt in Geld oder Naturalien empfangenen Unterstützungen in Raten an die Kasse der Anstalt zurückzuzahlen, sobald sie eine feste Stelle bekleiden und in der Lage siud, diesen Verpflichtungen nachzukommen. Der ehrenhafte Lehrer wird gern durch diese nachträglichen Leistungen die Existenzfühigkeit der Anstalten erhöhen. Dadurch wird aber auch den Vergünstigungen und Leistungen der Seminare der Charakter des Almosens genommen. Pflege des Ehrgefühls ist ein vorzüglicher Punkt der Charakterbildung, und Hebung der Standrsehre heißt Hebung des LehrerstandeS. ES ist nun aber nicht einzusehen, warum die Lrhreranstalten mehr Ursache' haben, als Kostgeber aufzntrete», als andre Bildungsanstalten. Gewähret den Schülern Stipendien oder volles Pensionsgeld und lasser sie in anständigen, bürgerlichen Familien wohnen! Wir jüdischen Lehrer haben Grund un» den Beschluß deS S. deutschen Lehrertages anzueignen: „Das Internat ist nicht als eine für die Erziehung der künftigen Lehrer unentbehrliche Einrichtung, sondern lediglich als eine Veranstaltung zur Unterstützung bedürftiger Zöglinge zn betrachten. In keinem Falle darf die Hausordnung derselben eine solche sein, welche die Zöglinge von der Außenwelt abschließen und die Entwickelung selbstständiger Charaktere hindern würdet Ich bi» am Schluffe meines Vortrag«. Ich habe mich bemüht, die Leistungen unsrer Seminare und teilweise auch unsrer Schulen zu schildern, wie sie sind und wie sie sein sollten. Mich hat dabei nur der Trieb geleitet, der Sache des Judentums zu dienen. Um dem Judentum Achtung zn verschaffen in den Augen unsrer Umgebung ist eS nöthig, daß wir Lehrer, Meister in der Schule sind und keine Handwerker, daß unsre Bildungsanstalten Schulen und keine bloßen Abrichtung»- und EintrichterungSanstaltcn sind. Lastet uns besser werden, so wird'» bester sein; der Sieg gehört der Schule, der Jugend, denn »aus dem Munde der Kleinen und Säuglinge hat Gott sein Reich gegründet." „Bis zum Tode des Hohenpriesters . . *) Epilog jur dreißigjährig»« Lrauerseier um Dr. Adokph Jetliner in einer Epistel an einen Freund Freund! Noch brennt das Seelcnlicht über'm schwarzverhängten Pulte und Trauerflor umhüllt deS Tempels Säule. Nicht mehr morgen. Denn zu Ende gebt die Zeit von dreißig Trauertagen, die wir um den hingeschied'nen Priester der Gemeinde abzuhaltcn verpflichtet waren. Gesetz und Ritus lehren uns den Manen großer Tobten ein stiller Opfer der Entsckgmig weihen- *) Obige Aibeft i« un» von Seiten des verehrte» Bersaffer» viel zu spät zugnommen als daß sie in ein« der »orhergehenden Nummern, für welche sie bestimmt war, hätte ausgenommen werden könne». Wir glaube» jedoch dieselbe »»fern Leser» »icht vorruttzalter, z» solle», weil bnnr' brdenti«»,'» Inhalt »och immer actuell di tw allgemeinem *■■■■”“