Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 7 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Peter. Eine größere Ehre könnte ich mir nie träumen, «le eine» so berühmten Mann meinen Schwiegersohn nennen zn können. Die Einwilligung de» Later« wird Ihnen bereitwilligst entgegengebrachk. Und damit Sie noch einen Beweis habe», wie hoch ich diese Ehre schätze, erkläre ich hiermit, obwohl ich überzeugt bin, wie gering Sie vom Selbe denken, der Mitgift von 50 000 Mark noch ein Drittel de» Erträgnisse« der Broschüren, also noch 16 000 Mark — ja soviel «acht e» au« — zu,ulegen. Ich hoffe, mein« Frau und meine Tochter werden ebenso wie ich denken. Doch lreb« ich Borficht in allen Sachen und kann mich daher noch nicht binden. Ich halte e« für rathsam, mit ihnen zuerst allein »u spreche». Verschieben wir e« daher lieber auf ein ander Mal, Sie vorzustellen. Gebe der Himmel, daß Sie der Schwiegersohn meiner Frau und der Bräutigam meiner Tochter werden, mein Schwiegersohn wären Sie schon jetzt (sckütlel» sich herzlich die Hände, beide ab). Siebenter Auftritt. Frida (räumt ad). Alle guten Geister, wa« haben aber die zusammengetruukrn l Doch mein Herr ist rin nüchterner Mann, »ad ficherlich ist alles durch die Gurgel jene« sauberen Patron« geflossen. Ein garstiger Kerl! Die Maulschelle war aber auch gehörig applicirt. Da« hast du gut gemacht, Frida. Ich verdiene von meinem Han« einen Kuß dafür und lasse ihn mir auch noch auizahlen (offne, die Fenster). Wa» hat aber nur so ein Windbeutel in einem anständigen Hause zu suche».? Da« möchte ich gerne wissen Schade, daß ich »tchk an der Thür gelauscht. Ich fürchte, ich fürchte .... er sah ja mit seiner schäbigen Gala einem Freier ähnlich. Ha, ha! mein schöne«, gute», liebe« Fräulein, nein, die verdient etwa« Brffere«. Aber Geduld, ich komme schon dahinter. Achter Auftritt. Vob, hinter ihm einig« Träger mir Listen. Bob. (bleibt »n derThär stehen). Ah, welch' reizende» Geschöpf! Frida. O, welche Fratze! Bob. Diese« runde Sesichichenl Frida. Diese» Mulaitengestcht! Bob. Diese« St«mpfuä»cheo! Frida. Diese plumpe Rase! Bob. Und dieser kleine Mündchen! Frida. Diese dicken aufgeworfenen Lippen! Bob. Ein Gesicht zum Äffe»! Frida. Eine Fratz« zum Ohrfeigen! Bob. Die muß ich noch küffen! (näher tretend) Bin ich hier richtig beim Präfideuten Besenstiel, schöne Mamsell? Frida. Hier wohnt kein Präsident, wohl aber der Herr Schuhmachermeister Besenstiel. Bob. Da« wissen Mamsellchen nicht, aber e« ist ein und dieselbe Person. (Oeffuet die Thür und lätzt die Träger eintrete», di» des Zimmer genz mit Listen füllen.) F r i da. War soll da»? (Träger ab.) Bob. Da« find Hunderttausend und eine Broschüre, sehr schön geschrieben, gegen die dummen Juden, die mein Herr, der Herr Dr., ihrem Herrn, dem Herrn Präs, zum Geschenk macht (für sich) na, thener bezahlt wird er fi« schon haben, dafür kenne ich meinen Herrn! Al« Botenlohn muß ich, schöne« Mamselchen, einen Kuß haben. Frida. Du Scheusal! Bob. Du reizend« Kleine. Frida. Du Mondkalb! Bob. Du Zuckerpuppel Frida. Packe dich! Bob. Küsse «ich! Frida. Packe dich! sag' ich! Bob. Küsse «ich. wünsch' ich. (8ill «uffiezneiien» st»vertreibt ihn mit de» Bes«».) Frieda. 7 I» die Hölle mit dir! Bob (im z-rtgchen». Und ich sage dir. ich werde dich noch küffen, und wenn e« mir da« Leben kostet. (Der Vorhang fällt.) (Fortsetzung folgt.) Die Vorbildung beö jüdische» Lehrers im Seminar. Lrbrerconfereaz-Vortrag von H. tzieub in tzieustadt-gläden». (Fortsetzung und Schlug.) Durch welch« Mittel läßt sich im jüdischen Semirar eine tüchtige Ausbildung der Seminaristen in der Praxis de» jüdischen Religionsunterricht», in den verschiedenen Fächern de» hebräischen, jüdischen und religiösen Wissen», sowie in allen Fertigkeiten und Fähigkeiten, die von einem Lehrer gefordert werden, ermöglichen? Ich antworte teilweise nach Kehr — wie folgt: Die Ausbildung ist abhängig 1. vonden Anforderungen an die heb rä if che Borbildung der Zöglinge, 2. von den Ansprüchen an die pädagogische und wissenschaftlich, Tüchtigkeit der Seminarlehrrr 3. von den inneren unk äußerenEinrichtungeu de» Seminars und des Seminarschulen. 1. Die jüdischen Seminare müssen strenger verfahren bei der Aus»»h>« ihrer Zöglinge. Wie in den christlichen Seminaren, sollte auch bei un» kein Asvirant unter 17 Jahren Aufnahme »n da« Seminar finden. Ueber die Ausnahme sollte nur dir Vorbildung, nicht aber dar persönliche Verhältnis de» Schüler» entscheiden. Man zeige nicht Erbarmen einem Individuum, da» sich nicht zum Lehrer qualifiziert, indem man e» doch dazu macht zum Schaden einer größeren Gemeinschaft. Einen Teil der jüdischen Kenntniffe, dir bisher da» Pensum des Seminar» bildeten, mache man zum Lehrziel de» Präparandenunterricht». Bei der Aufnahmeprüfung werde unnachgiebig jeder Schüler zurückgewiesen, der den Forderungen nicht entsprechen kann. Hat der Durgefallene Anlagen, so fülle er im folgenden Jahre die Lücken seine» Wissen« au». Ein Jahr länger lernen und später in» Amt kommen, ist besser, al« ein Jahr zu früh in die Praxi». Fehlen dem Schüler überhaupt die zum Lehrerberufe nötigen geistigen Vorzügen, wir Fassungskraft, Gedächtnis, logische» Urteil, daun rate man dem Prüfling zu seinem eigenen Nutzen ab von einem Berufe» der körperlich, geistig und sittlich ganze Männer braucht. Man belaste dagegen nicht den Lehrer- »eand mit Elementen, die seinem geistigen Streben ein Hemmnis find. Noch einem dreijährigen, planmäßigen Fortschreiteu wird das Seminar eine Reihe Lehrer in« Amt entlassen, die „ein ziemlich bedeutende» Maß" Wissen und nun auch die Lust besitzen, auf Bast» de» sicheren Wissen» privatim weiter zu bauen. 2. Wir dürfen nicht unterlassen die Forderung zu erheben, daß die Seminarlehrrr» mit den thatsächlichen Verhältnissen, den praktischen Bedürfnisse» und den Mitteln zur Hebung de» jüdsschen Schulwesen» auf da» genaueste bekannt sein müssen und den Seminarunterricht soweit al« möglich im Hinblick auf den künft.gen Lehrerberuf ihrer Schüler iu methodisch-musterhafter Weise erteilen, überhaupt in ihrer gesamten Persönlichkeit und Erziehung»- und Lehrthätigkeit für ihre Schüler vorbildlich sein und bleiben. Die Seminaristen müssen za den Seminarlehrerr. al« zu maßgebra Autoritäten aufblicken. ,,Der Meister hat'» gesagt." sollte auch im-Munde der Seminaristen stehende» und bestehende» Wort sein. Ich muß daher wünsche«, daß die Seminarlehrer zunächst Gelehrte seien. Ein jeder sollte sein Fach vo» Grund au« verstehen, aber auch iu andern Fächern ei» begrüudere» Urteil zu fälle» fähig , sei». Dann ist aber die zweite Seotuguaa, daß sie auch ei« durch eigne Erfahrxig gewonnene, gtmftsbe Kemüuiß bet jüdischen Schulwesen»