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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 7 (1894) · p. Seite 26

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
7 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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— 26 — Frida. Sie lasse« i< sofort, sage ich Ihne«, odei Sie kriege« ein», dass Ihne« HSren «ad Sehe« vergehe« wird (versetzt ibm eine Mauschelle, ad). V.;S ch l ä g e l. (sich die Waage reibead) verdammte Spröde, ach, da» war d«mm! , Sechster Aa stritt." v. Schlägel, Perer, Han». - V. Schlägel, (ihm mit «henta Armen.entgegen gehend). Geliebter Bruder im AntisemitiSmoi Lererendrasiwe prüsidens! ' t “ Peter. Willkommen! Willkommen! bitte ia» zweite Zimmer, (nehmen vor eine» gedeckten Tisch« Platz, schenkt ein.) v. Schlägel. Auf unsere gute Sache. Libawus! (lrinkl) Peter. Prost! v. Schlägel. Viro elarissimo Befenstielo! (trivtt) kereant jallsei! (»rtnkt) Bivat Stöcker! (trintt) Livat Bücket! <trinkt) Bivat Lieberwaan! („in») Bivat Ahlwardt l (rriukt) Bivat veritas! (trink,) Peter, (etwa« verdutzt dreinschanrad.) ».Schlägel. Sie müssen noch Latei» lernen, hochgeehrter Präsident. Da» gehört zu Ihrer Würde. Aber vor allen Talmud. Den muß heute jeder Mann, der auf Bildung Anspruch macht, kennnen. Richtig Herr Präsident, >vie geht der Absatz der Broschüren? i an». . (dringt Briefe) hier die Post. > et er. Sie entschuldigen Herr Dr. (die Briefe erbreckcnd). Welche Menge Briefe! Merkwürdig, fast die ganze Post nur Bestellungen auf Broschüren. Wie e» die Leute nur schon wissen! Conrad Wulf sendet 5 M. und wünscht 10 Exemplare. W. Brandt schick 12 M. 50 Pf. und bittet um 25 Stück, Curt Löffelstiel 12 M. 50 für dergleichen; Klapp» Krieger, Bruno Müller, Müller junior, Müller u. Schulze, B. Lehmann, Lehmann senior, Lehmann u. Sohn, Gottfried Jansen, L. Peter, T. Peterson, B. Pump. . . Pumpe. . . Ganz unleserliche Uaterschrist & 50 Pfennige für ein Exemplar. ... v. Schlägel. Bitte lassen Sie mich einmal sehen, Heir Präsident, (lieft) Pumper. . . Pumpern. . . Heureka! Pumpernickel. Wenn ich nicht irre, ist da» der Großgrundbesitzer Freiherr von Pumpernickel, da» B ist abgekürzt Baron. Han», (bringt wieder einen Brief). Soeben abgegeben. Peter, (erbricht und liest). Wir wünschen für unsere Volksbibliothek und für noch mehrere Bibliotheken io Deutschland, von denen wir beauftragt find, 2000 Exemplare der ausschließlich noch bei Ihnen vorräthige» trefflichen antis. Broschüre und bitten um deren sofortige Zusendung. Der Betrag von 1000 M. folgt nächstens. v. Schlägel. Das geht ja sehr gut. Peter, lleber alle Erwartung. ».Schlägel. Ich selber bringe Ihnen eine Bestellung, die von einem befreundeten Redakteur bei mir eingelaufen ist (zieht ein Papier au« der Tascheauf 3000 Exemplare. Peter, Ha! N v. Schlägel. Den Betrag, Herr Präsident, bleibe ich Ihnen schuldig. Peter. O bitte, da» thnt nicht». ».Schlägel. Sie glaube» also alle absetzen zu können? Peter. Ich zweiste nicht mehr im geringsten ».Schlägel. In diesem Falle freut e» mich sehr, vielleicht in der Lage zu sein. Ihnen noch 2000 Exemplare, die sich ein Liebhaber angekaust und der plötzlich in Roth gerathen ist, verschaffen zu können Ich habe natürlich nur da» freundschaftliche Interesse und da» Wohl der gute» Sache dabei im Auge. Ich möchte aber durchaus nicht zureden Peter, (schnell einfallend.) Keine Eiuvände, ich uebmt sie alle ab, Topp! geehrtrr Herr sie sind für «ich. v. Schlägel (der sich inzwischen «ingeschenkt) Bivat sagnens! (trinkt). Ich bi» eigentlich gekommen. Ihnen ein« wichtige Mittheilung zu machen. Man legt ia Berlin ei» großt« Gewicht ans unsere« Verein, er soll, (für sich) wo habe ich nur einen lateinischen Ausdruck rasch bei der Hand? meinetwegen! — er soll der drcalas vitiosas, da» heißt der Centtalpunft für de» Aatssemitt»mu» der ganze» Welt werdeu. Ein Stern erster Größe schreibt: ,Der große Dr. v Schlägel. Arm in Arm mit dem Präfideuten Besenstiel, fordern wir unser Jahrhundert in die Schranken!" Ein hoher Besuch steht un» auch bevor. Der größte Maau unsere« Jahrhundert», der erlauchte Hofprediger Stöcker in Begleitung von noch zehn allerhöchsten Persönlichkeiten, von denen ich nur die glänzenden Namen, wie Ahlwardt, Rektor aller Deutschen, Freiherr von Friesen u.s.w. nennen will, haben mir soeben ihren Besuch ängekündigt. Sie kommen in höchsteigener Person unfern Ber.ia einzoweihen. Ich glaub«, sie wollen un» auch zu Ehrenmitgliedern einer zu gründenden aattsemitischeu Akademie ernennen. . . . Peter. Da» wäre zu viel Ehre für mich; Ich soll also ihre Bekanntschaft machen. v. Schlägel. Selbstverständlich. Sie wollen meine Gäste sein und ich bin sogar einigermaßen in Berlegenheit. Mein Hau» ist garnicht auf solchem Fuße eingerichtet. . . Peter tzegh-ft) Könnte ich vielleicht die Ehr« haben, sie in meinem Hause. . . v-Schlägel. Ich dachte eben nach, ob ich nicht zu Gunsten meines Herrn Präsidenten auf die Ehre verzichten. ... Peter (-treckr ihm di« Hand ealgegend). Edler Freond, ja, versprechen Sie e» mir, sie bei mir einzuquartiren. Ha, wie wird sich meine Frau freuen! Im eifrige» Gespräche habe ich e» übrigen» vergeffen: ich muß ja meinen hochverehrten Gast noch meiner Frau vorstellen. . . . »Schlägel. Ich sehne mich schon lauge nach dieser Ehre und würde mich doppelt glücklich schätzen, wenn ich zugleich da« Vergnügen haben könnte, Ihr Fräulein Tochter, diese» anbetungswürdige Geschöpf. . . Peter. Sie kennen meine Tochter? v. Schlägel. Da» heißt, ja und mein. Gesprochen nicht, aber gesehen und bew. . . . Doch warum diese Umschweife? warum nicht gleich in medias res übergehe«, wie wir Lateiner sagen? Herr Präsident, meine Freunde und Lerehrer behaupten, daß ich ein zweiter Cicero und Demostheue» bin und fürwahr» wenn man mich an» dem Schlafe weckt« und vor eine Versammlung hinstellte, ich könnte otunte pede eine glänzende Rede über den heilige» Antisemitt»mu» halte» und gleich dem Jupiter tonan« mit meine» Dounerkeule» da» ganze Judenthum wie Brei zermalme». Wo aber da» Her^ sprechen soll» wo e» gilt pro dowo zu reden, da fühle ich e», wie mir die Worte versagen, und will lieber wie jener große Römer mich kurz fassen und Ihnen gestehen: Arno amas, anmt, amamos,. amstis amant, Ich ... . liebe Ihre Tochter und bitte um chre Hand. Sie begreifen, Herr Präsident, daß nicht die reiche Mitgift e» ist, die mich lockt. Mammon» Schätze habe» für «ich nicht den geringsten Werth. Wen» ich blo« von Zeit zu Zeit eine Broschüre gegen di« Juden schreib«, fliege» die Tausende nur so zum Fenster hinein. Rein, nicht» ist mir so gleichgilttg, ja so ellich al» — pecnnia non ölet, al» da» Geld. Da» ist nur etwa» für di« verfluchte» Jude». Wa» gilt aber einem Manne wie mir, eine Mitgift, und wen» sie noch so groß ist? Wa» z. B. gebe» Sie Herr Präsident, Ihre« Fräulein Tochter? Peter. Fünfzigtauseud Mark und eine gläuzeude Au»steuer. ». Schlägel. Papperlepappl G» wäre mir ebenso gleichgilttg, wen» sie di« Schätze aller Nochschild» (verdammtes Judeubagage) hätte. Aber wie ich eben sagt«: Abo, amat. □

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