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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 6 (1894) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
6 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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Susanne: Mit denen wir doch bi» jetzt freundschaftlich verkehrten, ohne etwa- Anstößigezu bemerken. . . . Peter: Ja, da» ist eben da» Unglück, daß man von alledem nicht» merkt. Susanne: Und was hast Du denn auf eimal für Beweise, daß. ... Peter: Beweise? unumstößliche Beweise habe ich; mir hat e» der Redakteur der .Wahrheit-, der große Dr. von Schlägel, bewiesen, so klar, wie Schuhw. S u sänne: Und wie denn? Peter: Weiß Du, wa» Talmud ist? Susanne: Nein! Peter: Ein jüdische» Buch ist es, von großem Forrnat, in Leder gebunden, aber alles Scheußliche, waS nur in der Hölle ausgedacht werden kann, steht darin. Die Juden werden dort gegen Zusage des ewigen Lebens angccifert, alle christlichen Schuster mit Weib und Kind heimlich zu ermorden, da der Gott des Talmuds einen unauslöschlichen Haß gegen alle christlichen Schuster habe, der damit begründet ist, daß den Juden da» Ledcr» aus dem sie ihre Gebetriemen verfertigen, heilig ist und durch Berührung eines Andersgläubigen entweiht wird. . . . Susanne: Das wäre ja schrecklich, aber gar nicht denkbar. Peter: Gar nicht denkbar, sagst Du, und doch dürftest Du daran nicht zweifeln. Der Redakteur der .Warheit" hat eS mit einem heiligen Eide beiheuert. Und Dr. v. Schlägel ist ebenso ehlenhaft und kompetent, als der Rektor aller Deutschen. Weißt Du auch waS jüdisches Ostcrbrod ist? Susanne: Ja, die feinen weißen Kuchen, die uns immmer der Nachbar Löwenstein zu Ostern schickte, die uns in der Suppe so gut schmecken und für die unsere Selma besonder schwärmt. Peter: Diese eben, die werden jahraus jahrein aus frisch abgezapfiem Christenblut, vorzugsweise aus dem von einem ermordeteten Schusterjungen, bereitet. Susanne: Diese weißen, durchsichtigen, schwämmigen Dinger? Peter: Ja fürwahr, so ist'S. Ter Redakteur der .Wahrheit" hat es mir einem doppelten Eid beschworen. Susanne: JesuS Maria! wäre daS möglich! (Fortsetzung folgt.) Festrede. Hei der Feier des 50jährige« Amtsjublläums des Rcligionslehrers Tr. S. Bär in Biebrich. Bon Bczirksrabbiner Dr. M. silberne in in Wiesbaden. Hochgeehrte Festversammlung! Verehrter Herr Jubilar! DaS Bibelwort: .Ihr sollet daS fünfzigste Jahr heilig halten" hat unS heute hier versammelt und unS tn Liebe und Belehrung um einen Mann geschaart, der, mit der Wahrung «nd Wartung heiliger Güte in der Gemeinde betraut, heute lu seinem heiligen Toppelamte auf einen Zeitraum von einem halben Jahrhundert, von fünfzig Jahren, zurückbleiben darf. Fünfzig Jahre! Vor Gott freilich nur ein flüchtiger -Augenblick, waS find sie doch in einem Menschenleben! 'Wie Biele» drängt sich doch, insbesondere in unserer schnelllebigen Zeit, in solchem Zeitraum zusammen! Ich will nicht vom Allgemeinen sprechen, obwohl ja da» Einzelleben niemal» von dem Lrbeu der Gesammtheit losgelöst werden kann, stet» von ihm getragen und beeinflußt wird. Nur darauf möchte ich flüchtig Hinweisen, wie innerhalb dieser Zeit da» heiße Sehnen der Nation nach einem geeinten Laterlande befriedigt wurde, und Deutschland, nicht mehr ein bloßer geographischer Begriff, seinen ebenbürtige» Platz in der Reih« der Nationen unter einem mächtigen deutschen Kaiser nunmehr eivaimmt. — Aber auch darauf hinzuweisen sehe ich uicht minder al» ein« heilige Pflicht «u, daß innerhalb dieser fünfzig Iah« der Jude eine Grundsätzen der Gerechtigkeit enl rungen hat. Bo?» fünfzig Jahren und später noch im ehemaligen Herzogtum Nassau al» Schutzjude nur geduldelt, ist er, Dank der Civilisation, nunmehr ein Bürger drS Vaterlandes, an dessen Freuden und Leiden er seinen vollen Anteil nimmt, für da» er freilich auch bereitwillig Hab und Gut, Blut und Leben, dahingegeben. Und auch da» wollen wir dankend anerkennen, wie die ehemalige naffauische Regierung schon vor einem halben Jahrhundert ein wache» Auge, einen sorgsamen Blick für die Juden ihre» Landes besaß, um di« Bildungsmittel unserer Zeit ihnen zugänglich und sie dadurch der Cultur, von der sie so lange ferngehalten wurden, teilhaftig zu machen, ja, um sie der Civilisation immer mehr entgegenführen. Darum war sie unausgesetzt für ihre geistige Hebung thätig und nahm die Religion, das mächtigste Bildungsmittel, in den Dienst der Aufgabe, die sie sich gestellt, ohne jedoch, wie wir das ausorückl ich anzuerkennen uns gedrungen fühlen, je eines unberechtigten Eingriffes in das Innere der Religion sich schuldig zu machen. ES war der nassauischen Regierung Herzenssache, daß jüdische Gemeindwesen, daS ja noch heute auf der von ihr geschaffenen Grundlage ruht, zu ordnen, die Religionsschule zu organisieren, dafür zu sorgen, daß nur ordnungsmäßig vorbereitete und geprüfte Männer in Schule und Synagoge thätig seien und deren Thätigkcit in Schule und Synagoge unrer fachmännischer Aufsicht zu stellen. So reihte sich das Herzogtum den deutschen Staaten würdig an, in denen wohlwollende und erleuchtete Regierungen den jüdischen Angelegenheiten freundliche, dankenswerte Fürsorge zugewendet haben. Einer der ersten dieser Lehrer waren Sie, würdiger Jubilar, der Sie heute vor fünfzig Jahren Ihr heilige» Amt in Synagoge und Schule angetreten, es in Ehren treu und gewisscnhafr verwaltet haben und, wir hoffen zu Gott, auch noch ferner verwalten werden. Aber, verehrte Anwesende, das Bild unseres Jubilars wäre kein vollständiges, wenn wir nicht daneben der Wirksamkeit gedenken wollten, die derselbe auch in einem auderen Heiligtum, im Tempel der Wissenschaft, entfaltet, wo er als ein eifriger, frommer Priester derselben den Dienst des Herrn verrichtet. Von einer glühcnt<n Liebe zur Wissenschaft erfüllt, der er, so weil eS sein Beruf gestattet, unermüdlich Zeit und Kran gewidmet, hat er eine Stufe erklommen, die ihm in den Kreisen der Fachgelehrten hohed Ansehen verschafft uud seinen Namen zu einem gefeierten, klangvollen erhoben hat. Ja wie einst da» lodernde Feuer, die züngelnde Flamme den eifrigen, lernbegierigen Knaben zu verzehren drohte, so hat das göttliche Feuer, die Flamme der Begeisterung für die heilige Wissenschaft, ihn, den treuen Jünger derselben, das ganze Leben lang durchglüht. Die heilige Schrift, dieses Buch, daS mit seinem Ursprünge in die Kindheit der Menschheit zurückreichrt, aber auch heule noch den edelsten und erleuchtetsten Geistern ein ergiebiges Feld deö Forschen» darbietet, dieses Buch, das wir durch die Welten und durch de Zeiten getragen und über dessen Urtext wir treu gewacht, den wir treu behütet und bewahrt haben, ist auch das Arbeitsfeld, auf dem unserem würdigen Jubilar seine Lorbeeren erblüht sind, aus dem er reichen Ertrag eingeheimset, nicht in zähl- und wägbaren Gütern, sondern iu Erkenntnissen, die als Schlüssel zur Erforschung dieses wunderbaren Buches dienen. Durch das mühsame Studium alter Handschriften, seltener Bibelexemplare, wie durch die gründlichsten Forschungen verschiedener Art gelang eS ihm, einen kritisches Text nahezu der ganzen Bibel herzustcllen, der durch seine Correktheit der Erforschung der heiligen Schrift als Grundlage und Voraussetzung dienen darf. Mehr al» drei Jahrzehnte seine« Lebens, ein ganzes Menschenalter har unser Jubilar diesein Werke geweiht, das wir, wir hoffen e» zuversichtlich, bald iu seiner Vollendung werden begrüßen dürfen, ein Werk, mit dem Bär» Name unauflötzlich wird verknüpft sein, da« seiuem Namen ein ehreu- ,ollet Gedenk^ für all« Zeiten sichert.

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